Markus Heitz: Wedora – Staub und Blut

Markus Heitz: Wedora - Staub und Blut

Markus Heitz: Wedora – Staub und Blut

Die Begriffe Staub und Blut passen gut zu Wedora. Denn in einer Wüstenstadt haben die Bewohner täglich mit Staub zu kämpfen. Und da die ursprünglichen Siedler den Grund und Boden der Millionenmetropole einst den Wüstenstämmen abpressten, und es auch innerhalb der Stadt immer wieder zu Machtkämpfen kommt, geht es in Wedora oft blutig zu. Das müssen auch die Gesetzeshüterin Tomeija und der Räuber Liothan erfahren. Sie verschlägt es nach der Begegnung mit einem aus Wedora stammenden Magier durch einen fehlgeleiteten Zauber in die weit entfernte Wüstenstadt. Zu ihrem Entsetzen hat noch niemand dort von ihrer Heimat Walfor gehört, doch noch während sie an ihrer Rückkehr arbeiten, werden sie in die Auseinandersetzungen in Wedora verwickelt. Und zu allem Überfluss steht auch noch ein Großsturm, der Kara Buran, bevor, der jedes Mal seine Opfer fordert.

Wedora basiert auf einem Rollenspiel

Laut Markus Heitz entwickelte sich die Geschichte von „Wedora – Staub und Blut“ aus einem Rollenspiel, das er zusammen mit Freunden vor gut 20 Jahren entwarf. Und das Szenario einer Wüstenstadt wie Wedora ist sehr reizvoll, zumal Markus Heitz zwar die Stadt in den Mittelpunkt stellt, jedoch 15 weitere Länder ringsum die Wüste gruppiert. Das eröffnet Möglichkeiten wie politische Ränke, Kriege oder auch nur Handelsbeziehungen in die Handlung einzubauen. In „Staub und Blut“ konzentriert sich Heitz aber erst einmal auf Wedora und die umliegende Wüste. Die Nachbarländer werden mehr über kleine Auszüge aus Schriften am Ende eines Kapitels oder durch einzelne Vertreter, auf die Liothan und Tomeija in Wedora treffen, vorgestellt. Von Wedora selbst bekommen die Leser aber auch noch längst nicht alle Bezirke und Gouverneure nahegebracht.

Das neue Fantasy-Projekt von Markus Heitz ist aber auch reizvoll, weil es die ausgetretenen, klassischen Pfade verlässt – Zwerge, Albae und andere Vertreter der Völkerromane sucht man vergeblich. Von wenigen (überflüssigen) Ausnahmen abgesehen, geht es nicht um phantastische Kreaturen, sondern um menschliche Figuren. Tomeija und Liothan spielen die Hauptrolle, doch einige Abschnitte werden auch aus der Sicht anderer Figuren geschildert. Richtig nahe kommt man ihnen nicht, weil sie – wie so oft bei Heitz – Lesern gegenüber immer etwas zurückhalten, um an späterer Stelle damit überraschen zu können und weil sie zumeist oberflächlich bleiben. Die Konstellation der beiden Jugendfreunde Tomeija und Liothan, die sich beruflich zu Gegnern entwickeln, um dann wieder zusammenarbeiten zu müssen, funktioniert dennoch über weite Strecken. Auch Ettras entwickelt sich im Laufe der Handlung von „Wedora – Staub und Blut“ vielversprechend. Die Stärke des Buches bleibt aber die Action mit Duellen, größeren Kämpfen und Einbrüchen.

Markus Heitz plant Fortsetzungen

Die Geschichte hat ein paar plötzliche Wendungen zu viel und am Ende auch zu viele Beteiligte. Und die Geschehnisse in der Baronie Walfor, aus der Tomeija und Liothan stammen, nehmen zu viel Raum ein. So ist vor allem das Ende überladen, eröffnet zugleich aber viel Raum für Fortsetzungen. Denn noch so einige Stadtbezirke von Wedora warten darauf, erkundet zu werden, und das Rätsel um den Herrscher der Metropole in seinem Turm bleibt vorläufig ebenfalls ungelöst.

„Wedora – Staub und Blut“ von Markus Heitz ist bei Knaur erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 608 Seiten und kostet 16,99 Euro, das E-Book 14,99 Euro.

Ju Honisch gewährt Einblicke – der etwas andere Werkstattbericht

Ju Honisch bekam gleich für ihren Debütroman „Das Obsidianherz“ 2009 den Deutschen Phantastik Preis. Mittlerweile hat sie sechs Romane und verschiedene Kurzgeschichten veröffentlicht. Ihr Roman „Seelenspalter“ wird Anfang März 2017 bei Knaur erscheinen. Neuigkeiten über die Bücher der in Hessen lebenden Autorin, geplante Projekte und Lesungen gibt es in den sozialen Netzwerken sowie dem Blog von Ju Honisch.

1. Was ist Ihre Lieblingszeit zum Schreiben?

Ich würde am liebsten vormittags und nachmittags schreiben. Leider gibt es da ein „Life intervenes“-Phänomen, ich habe einen Brotjob, da ich – wie die meisten meiner schreibenden Kolleginnen – nicht vom Schreiben allein leben kann. Die Frage ist also nicht so sehr, wann ich gerne schreibe, sondern wann ich überhaupt Zeit zum Schreiben finde. Im Moment gestaltet sich mein Tag so: sehr früh aufstehen, 40 Minuten am Manuskript arbeiten, zur Arbeit fahren, einen langen Tag lang Sitzungen planen und Fachübersetzungen machen, Einkaufen fahren oder zur Physiotherapie oder Sport oder was sonst noch so ist, Abendbrot machen, mit Gatten reden, zurück zum Manuskript bis 23:30 Uhr. Dann tot umfallen.

Ju Honisch Foto: Andrea Diener

2. Welches ist Ihr Lieblingsgetränk während des Schreibens?

Manchmal habe  ich eine Tasse Tee da stehen. Meistens aber nur Mineralwasser. Das mit Sprudel, nicht das tote.

3. Auf welcher Sitzgelegenheit sitzend schreiben Sie am liebsten?

Schreibtischstuhl. Ein eher kleiner Schreibtischstuhl, denn die derzeit modernen Pseudo-Chefsessel aus Pseudo-Leder für Pseudo-Macher finde ich albern. Außerdem passen sie nicht in mein sehr winziges Kämmerlein. Mein Schreibtischstuhl ist jetzt zwei Wochen alt. Wir haben uns schon so richtig angefreundet.

4. Worin besteht die größte Versuchung, um während der Arbeit abgelenkt zu werden?

Essen. Leider gibt es da eine unheimlich Verbindung zwischen dem Kreativitätszentrum und dem inneren Schweinehund. Wenn mir gerade wenig einfällt, suggeriert der verräterische Schweinehund mir, es wäre dringend Zeit, eine Essenspause zu machen, danach würde dann alles besser. Ich wünschte, die physischen Trigger wären anders. Zum Beispiel fände ich es gut, wenn der innere Schweinehund mir bei einer Kreativitätspause nahelegen würde, einmal um den Block zu laufen oder mich 15 Minuten auf das Trainingsrad zu setzen. Das wäre vernünftig. Aber wer kann schon „vernünftig“? Ich nicht so.

5. Wie viele Wörter schreiben Sie am Tag?

Mal mehr, mal weniger. Da bei mir ja nur morgens, abends und am Wochenende Zeit ist, bin ich da durchaus unterschiedlich kreativ. Besonders gerne schreibe ich übrigens in Zügen. Wenn man da eingepfercht sitzt, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als zu schreiben. Im Moment schreibe ich gerade zu wenig. Das muss sich ändern.

6. Drucken Sie Texte noch zum Korrekturlesen aus?

Ich nehme es mir vor, aber meistens mache ich es nicht mehr. Früher immer. Dafür lese ich fertige Manuskripte beim nochmal Durchschauen laut, denn dabei fällt einem Einiges auf: fehlende Worte, Dopplungen, umständliche Formulierungen.

7. Wer darf eine neue Geschichte zuerst lesen?

Mein Freundin Jela, die die beste Beta-Leserin aller Zeiten ist. Was sie über Orthographie und Grammatik nicht weiß, das gibt es nicht. Und sie hat ein sehr gutes Gefühl für Abläufe. Ein Hoch auf Jela! Auch gerne zwei oder drei! Manchmal denke ich, es wäre schön, vielleicht noch eine zweite Betaleserin zu haben oder einen Betaleser. Aber wem will man schon eine so undankbare Arbeit aufdrücken?

8. Welchen Platz bekommen die eigenen Bücher zu Hause?

Platz? Was war das noch? Ein Beleg ist immer im Regal, obgleich Regalplatz in meinem Arbeitszimmer eher knapp ist. Daraus resultieren auch die Pappkartons, in denen manche meiner Bücher leben, wie Clochards an der Seine.

9. Kann man als professioneller Schreiber noch mit Vergnügen das Werk anderer Autoren lesen?

Natürlich! Ich liebe es, herauszufinden, was andere Autoren so schreiben. Ich habe Lieblingsautoren, von denen ich sehr viel lese. Ich versuche, nach und nach alle deutschen Autoren– buchtechnisch – wenigstens einmal in der Hand gehabt zu haben, um eine Idee zu bekommen, was sie so machen.

10. Welchen magischen Trick würden Sie gern selbst beherrschen?

Kreativität einschalten mit einer Handbewegung – das wäre schön. Noch nötiger wäre der Trick mit dem planvollen Vorgehen. Ich hätte gerne die magische Fähigkeit, alle Ideen zu einem Buch kurz nacheinander zu haben und in eine sinnvolle, dezidierte Planung einzubringen. Leider kommen mir die besten Ideen beim Schreiben selbst, und manchmal werfen die meine grobe Planung komplett durcheinander. Sehr schön wäre auch, einmal so richtig zu Geld zu kommen, damit ich den Brotjob an den Nagel hängen und mich nur noch dem Schreiben widmen könnte. Auch dafür hat die Magie bislang nicht gereicht.

11. Wie viel Internet darf es am Tag sein?

Es sollte viel weniger sein … (Ich blicke gerade mal verschämt zur Seite und widme mich der nächsten Frage.)

12. Brauchen Autoren Haustiere?

Wir haben keine Haustiere. Das einzige Tier, das wir gerne hätten, wäre eine Katze. Aber alle unsere Freunde sind allergisch. Deshalb keine Katze. Mein Mann wird Bär genannt. Wir haben noch mehr Bären. Es sind aber eher Regalbären mit sehr sedentären Eigenschaften. Das, was sie am besten können, ist Staub auf sich zu sammeln. Wir sind uns jedoch sicher, dass sie es sind, die nachts heimlich alles unordentlich machen. Manchmal, wenn sie des Morgens wieder harmlos auf ihren Regalen sitzen, sieht man beinahe ihr spöttisches Grinsen.

Weitere Teile der Serie „Einblicke“:

Marc Turner: Schattenreiter – eine Rezension

Marc Turner: Schattenreiter

Marc Turner: Schattenreiter

Marc Turner beginnt „Schattenreiter“ aus der Perspektive von Luker zu erzählen: Als der abtrünnige Bewahrer nach Jahren des Exils zu seinem Orden zurückkehrt, ahnt er nicht, dass er schon bald in einen großen Konflikt hineingeraten wird. Luker soll sich auf Geheiß des Imperators auf die Suche nach dem Magier Mayot machen, der das mächtige Buch der Verlorenen Seelen gestohlen hat, mit dem sich Tote wiederbeleben und Seelen binden lassen. Luker selbst ist mehr an dem Schicksal seines Meisters Kanon interessiert, doch er muss feststellen, dass nicht nur seine Reisegruppe nach dem magischen Buch sucht. Shroud, der Gott des Todes, entsendet verschiedene seiner Jünger, die Todesmagierin Parolla ist mit von der Partie und Mayot ist auch nicht untätig, zumal er Hilfe der Göttin Spinne bekommt. Das Land Galitia droht dabei, in dem Konflikt zerrieben zu werden. Die Hoffnungen ruhen ausgerechnet auf Prinz Ebon, der als Stimmenhörer von vielen seiner Untertanen als geisteskrank abgestempelt wird.

Marc Turner mit Vorbild Steven Erikson

Parallelen zu Steven Erikson drängen sich bei „Schattenreiter“ förmlich auf – sie sind nicht zufällig, nennt Marc Turner doch Erikson als eines seiner Vorbilder auf seiner Homepage. So gibt es zum einen das Spiel der Götter, die zumeist im Hintergrund bleiben und ihre Jünger, Priester und Kämpfer wie Spielfiguren einsetzen und auch manchmal opfern. Dann spielen eigentlich vergangene Völker und ihre Konflikte eine wichtige Rolle sowie magische Gegenstände. Und schließlich schickt sich ein Imperium an, nicht nur gegen andere Länder zu kämpfen, sondern sich auch in die Auseinandersetzungen der Götter einzumischen – vielleicht geht es Imperator Avallon Delamar selbst um den Status eines Gottes, denn diesen kann man in „Schattenreiter“ erlangen.

Die Klasse seines Vorbilds Steven Erikson erreicht der in England lebende Marc Turner jedoch nicht. Zum einen sollte man bei einem Debüt die Messlatte auch nicht zu hoch legen, zum anderen zählt Steven Erikson einfach zu den meisterhaften Fantasy-Autoren, die es nicht nur verstehen, eine komplexe Handlung zu entwerfen und im Griff zu behalten, sondern zudem Figuren erschaffen, deren Schicksal Lesern nicht egal ist und die zutiefst menschlich sind. Wie gut Marc Turner mit einer komplexen Handlung umgehen kann, lässt sich nach der Lektüre von „Schattenreiter“ noch nicht bewerten. Bei den Figuren zeigen sich Defizite: Luker ist zu cool, um sympathisch zu sein, und Ebon zu gut geraten. Die beiden Frauenfiguren sind besser entworfen – Parolla, da sie innerlich zerrissen ist und entsprechend handelt und Romany, weil sie sich bei allen Intrigen ihr Mitgefühl bewahrt und für ein paar komische Momente sorgt. Doch auch wenn Erikson den Vergleich gewinnt, heißt es nicht, dass „Schattenreiter“ nicht gelungen wäre – dem guten Fantasy-Buch fehlt einfach nur die Extraklasse.

„Schattenreiter“ Auftakt einer Chronik

Die Geschichte von „Schattenreiter“ ist in sich abgeschlossen. Dennoch ist das Buch Teil einer Reihe von Marc Turner mit dem Originaltitel „The Chronicle of the Exile“. Der zweite Band spielt jedoch an einem komplett anderen Ort und stellt andere Figuren in den Mittelpunkt. Es gibt jedoch überspannende Gemeinsamkeiten, etwa die Einmischung der Spinne und die Verwicklung des Imperiums. Und im für den Herbst im Original angekündigten dritten Band werden die Handlungsstränge aus den ersten beiden Bänden zusammengeführt, sodass nur zu hoffen bleibt, dass die Übersetzung auch soweit kommt und die deutschsprachigen Leser das Schicksal von Erin Elal und seinen Nachbarn weiterverfolgen können.

„Schattenreiter“ von Marc Turner ist bei Heyne erschienen. Die Taschenbuchausgabe geht über 784 Seiten und kostet 15,99 Euro, das E-Book 12,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Kirsten Borchardt.

Jeff Salyards: Tanz der Klingen – eine Rezension

Jeff Salyards: Tanz der Klingen

Jeff Salyards: Tanz der Klingen

Die Geschichte von „Tanz der Klingen“ ist schnell erzählt, ist der Stoff doch wenig originell: Eine Söldnerkompanie ist auf einer Mission in Feindesland. Um was es geht, erfährt das jüngste Mitglied der Truppe aber nur scheibchenweise. Denn dem Chronisten Arki, angeheuert, um die Geschehnisse aufzuschreiben, trauen Captain Braylar Killcoin und seine Männer nicht. Er muss den Syldoonern seinen Wert zunächst beweisen.

Söldnergeschichte „Tanz der Klingen“

Jeff Salyards begibt sich mit „Tanz der Klingen“ (Scourge of the Betrayer) in die Klischeefalle und – so viel sei vorab verraten – findet nur selten heraus. Das fängt beim Namen des Kommandanten der Söldner an. „Killcoin“ tötet als Söldner für Geld. Dass er dennoch manche Loyalitäten kennt, soll aber nicht verschwiegen werden. Der Umgangston in der Truppe ist militärisch rau, natürlich stehen die Männer jedoch bei allen Streitereien im entscheidenden Augenblick zusammen. Mit Arki gibt es einen Chronisten, was auch nicht neu ist. Eine solche Figur bringt den Blick von außen mit, lernt mit den Lesern die Söldner kennen.

Richtig nahe kommt er aber nicht einem von ihnen. Lediglich zu Lloi baut er eine engere Beziehung auf, doch sie ist selbst Außenseiterin und wird von der Truppe nur geduldet. Die Distanz, die Arki zu den anderen hat, führt dazu, dass diese blass bleiben und man auch als Leser nicht in der Lage ist, sich in sie hineinzuversetzen oder gar mit ihnen zu identifizieren. Die Mehrzahl wirkt unsympathisch, auch Braylar, über den man zwar immer mehr erfährt, der jedoch durch seine Handlungen jeden Anflug von Sympathie rasch vertreibt. Doch auch der Chronist Arki, der als Ich-Erzähler durch die Handlung von „Tanz der Klingen“ führt, ist nicht die Identifikationsfigur, die es gebraucht hätte. So arglos und naiv wie er an seine Aufgabe herangeht, wirkt er nicht menschlich, wie es wohl beabsichtigt ist, sondern schlicht langweilig und unglaubwürdig.

Jeff Salyards setzt die Geschichte fort

Eine spannende und überraschende Handlung hätte „Tanz der Klingen“ noch retten können. Doch leider erweist sie sich als eher zäh. Der Intrige, die zum Auftrag der syldoonischen Söldner gehört, fehlt es an Finesse, die Rahmengeschichte mit den Vorgängen im syldoonischen Reich zu vage. Die Kampfbeschreibungen sind zum Teil durchaus gelungen, und die Verluste der Söldner zeigen, dass sie auch nicht über übermenschliche Kräfte verfügen (von der Magie Braylars abgesehen). An große Vorbilder wie „Die Schwarze Schar“ von Glen Cook kommt „Tanz der Klingen“ aber bei weitem nicht heran.

Die Geschichte der Söldner ist noch nicht vollständig vom Chronisten festgehalten. Im Dezember geht die Reihe von Jeff Salyards weiter. „Die Klinge des Königs“ lautet der deutsche Titel von Band 2. In der Fortsetzung müssen die Söldner in ihre Heimat und dem neuen Kaiser die Treue schwören. Da sie zu seinem Vorgänger hielten, keine leichte Aufgabe.

„Tanz der Klingen“ von Jeff Salyards ist bei Heyne erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 432 Seiten und kostet 14,99 Euro, das E-Book 11,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Jürgen Langowski.

Age of Iron – Der Feldzug von Angus Watson

Angus Watson: Age of Iron - Der Feldzug

Angus Watson: Age of Iron – Der Feldzug

Einen Despoten zu beseitigen, löst nicht auf einen Schlag alle Problem – auch nicht im „Age of Iron“. Diese Erfahrung machen Lowa als neue Königin in Maidun, Spring und Dug in „Der Feldzug“, dem zweiten Band der Trilogie von Angus Watson. Maidun sieht sich einem Krieg mit Dumnonia gegenüber und ist dem Nachbarn zahlenmäßig unterlegen. Und dann droht ja noch immer die Invasion der Römer, für die Lowa eigentlich ihre Armee trainiert. Um Zeit zu gewinnen, schickt die britische Königin drei ihrer besten Krieger nach Gallien, damit die Gallier die Römer aufhalten. Außerdem entsendet sie Spione nach Rom, doch zeigen sich diese Cäsar nicht gewachsen.

Der Feldzug im „Age of Iron“

Band 1 von „Age of Iron“ lebte vor allem vom Humor. Dug als etwas tolpatschiger Krieger, der das Herz am rechten Fleck hat und die unbekümmerte Spring lockerten die blutige Geschichte des Kampfes gegen Zadar auf. „Age of Iron – Der Feldzug“ fehlt dieser Humor manchmal, denn Dug spielt eine kleinere Rolle und Spring ist zu sehr mit der Erforschung ihrer magischen Kräfte beschäftigt, um lustige Akzente zu setzen. Skurrile Figuren wie Chamanca, aus deren Sicht viele Kapitel in Gallien erzählt werden, oder die gigantische Königin der Murkaner, Pomax, sorgen zwar für komische Momente, dürften manche Leser durch ihre Grausamkeit jedoch abschrecken.

Die Handlung von „Age of Iron – Der Feldzug“ orientiert sich an den Schilderungen des Mannes, für den Angus Watson vor allem Verachtung übrig zu haben scheint: Cäsar. Sein „Gallischer Krieg“ ist die Blaupause für den Ablauf der Kämpfe in Gallien. Watson wertet das Werk vor allem als Propaganda (mehr dazu ist in einem aktuellen Fachbuch nachzulesen), reichert die Geschehnisse jedoch um phantastische Elemente an, wie die schreckliche Legion des Druiden Felix. Deren Einsatz wertet die militärischen Fähigkeiten der Römer ziemlich ab, die auch sonst nicht gut wegkommen. Im Gegensatz zu den Galliern und Briten verfügen sie nicht über heldenhafte Kämpfer, sondern werden überwiegend als grausam dargestellt. Die Geschehnisse in Cäsars Legionen werden aus der Sicht von Ragnall geschildert, der bereits in Band 1 nicht gut wegkam, weshalb seine Faszination für die römische Zivilisation sich beim Leser eher ins Gegenteil verkehrt.

Angus Watson schreibt weiter

Das heißt jedoch nicht, dass die Briten und Gallier alle gut wegkommen. Auch auf ihrer Seite gibt es Bösewichte und arrogante sowie grausame Anführer. Eine Ausnahme bilden die prominenten Krieger eines Stammes der Armoriker – eine Hommage an die berühmtesten Gallier der Literatur. Am Ende von „Der Feldzug“ hat Cäsars Feldzug noch immer nicht Britannien erreicht. Das verwundert nicht, handelt es sich bei „Age of Iron“ doch um eine Trilogie. In Band 3 entbrennt der Kampf um „Die Herrschaft“. Ab November gibt es die deutsche Ausgabe zu kaufen. Diese besticht hoffentlich erneut durch hohes Faktenwissen über die Antike und Einfallsreichtum für die britannische Seite. Ein wenig mehr Humor und weniger Brutalität würden der Geschichte aber guttun.

„Age of Iron – Der Feldzug“ von Angus Watson ist bei Piper erschienen. Das Taschenbuch geht über 576 Seiten und kostet 14,99 Euro, das E-Book 12,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Marcel Aubron-Bülles.

Das neue Label Fischer Tor – Interview mit Hannes Riffel

Foto: © Milena Schlösser

Hannes Riffel, Programmleiter des neuen Labels Fischer Tor, das seinen Sitz in Berlin hat. Foto: Milena Schlösser

Im Herbst 2016 startet das erste Programm des neuen Labels Fischer Tor. Programmleiter Hannes Riffel im Interview über die Gründung des Imprints, die Highlights des ersten Programms und die weiteren Pläne mit Fischer Tor.

Herr Riffel, wie kam es dazu, dass Sie vom S. Fischer Verlag damit beauftragt wurden, Tor Books nach Deutschland zu holen?

Hannes Riffel: Da sind mehrere Sachen zusammengekommen. Zum einen trug man sich bei S. Fischer schon länger mit dem Gedanken, ein Science-Fiction- und Fantasy-Programm aufzubauen. Zum anderen gab es schon länger Gespräche, die Marke Tor, die ja auch eine Holtzbrinck-Tochter ist, internationaler aufzubauen, nach dem Vorbild von Tor UK. Tor in den USA und Großbritannien gehören zwar beide zum selben Konzern, agieren aber unabhängig voneinander. In Deutschland bekam S. Fischer den Zuschlag, und da ich bereits den Markt für phantastische Literatur im englischsprachigen Raum für den Verlag als freier Lektor beobachtet hatte, kam man auf mich zu und bot mir den Job an.

Welche Vorteile bietet die neue Marke Fischer Tor, gibt es etwa ein Vorzugsrecht auf Bücher, die bei Tor erschienen sind?

Riffel: Zunächst einmal verschafft es uns die Chance, eng mit den Kollegen in New York zu kommunizieren. Dort arbeiten rund 20 Lektoren, und ich habe mich vor allem bemüht, sie kennenzulernen und herauszufinden, welche Vorlieben sie im Genre haben. Die Rechte für Bücher liegen ja meist bei Agenturen und nicht beim Verlag. Unser Vorteil ist, dass wir früh mitbekommen, wenn ein tolles Manuskript vorliegt. Dann dürfen wir schon einmal gucken. Das heißt aber nicht, dass nicht auch andere Verlage das Buch später angeboten bekommen. Wir haben einfach einen Informationsvorsprung.

Wo haben Sie die Marktlücke für das Imprint in Deutschland gesehen?

Riffel: Ich glaube nicht, dass es eine Marktlücke gibt. Es gibt einen großen Markt und letztlich gibt es wie auf anderen großen Märkten einen Verdrängungswettbewerb. Neue Player kommen ins Spiel und versuchen, Dinge anders und besser zu machen. Ich gehe nicht davon aus, dass es plötzlich 100.000 neue Fantasy-Leser in Deutschland geben wird, die nur auf unser Programm gewartet haben. Dennoch würde ich sagen, dass der Markt genug Potenzial hat, um mit guten Titeln Erfolg zu haben. Dazu muss man aber die passenden Manuskripte finden, was nicht immer einfach ist.

Fischer Tor soll sich in erster Linie an erwachsene Leser richten. Was macht Sie so sicher, dass Sie sie erreichen können?

Riffel: Wir haben vom Vertrieb in Frankfurt eine klare Ansage bekommen: Fischer hat bereits Imprints für Jugendbücher, die auch phantastische Stoffe herausgeben. Und beim Jugendbuch läuft es klassisch so, dass dem Handel gesagt wird, dieses oder jenes Buch könne auch von Erwachsenen gelesen werden. Das ist das, was man All Age nennt. Wir gehen andersherum an die Sache ran; wir suchen Bücher für Erwachsene, die zum Teil auch von Jugendlichen gelesen werden können.

Wie groß ist das Team, das in Berlin arbeitet?

Riffel: Neben mir umfasst es sechs Leute: Mit Andy Hahnemann einen Lektoren in Vollzeit, der mit mir zusammen das Programm macht. Er bringt große Erfahrung mit, und kennt den Markt gut. Es war mir sehr wichtig, jemanden dabei zu haben, der mir auch sagt, Hannes, hör mal zu, es ist schön, dass du das Buch magst, doch leider wird es sich nicht verkaufen. Dann haben wir eine Lektorats-Volontärin an Bord sowie zwei Marketingspezialistinnen, mit denen es uns hoffentlich gelingt, die Leser und den Handel für unsere Bücher zu begeistern. Eine Verlagsassistentin hält den Laden zusammen, und eine Ansprechpartnerin ist für die Presse und Blogger da. Durchaus ein großes Team, was mich sehr freut, denn wie gesagt, der Markt hat nicht auf uns gewartet und wir können nur erfolgreich sein, wenn wir die richtigen Titel finden.

Foto: © Milena Schlösser

Das Fischer-Tor-Team: Hannes Riffel, Andy Hahnemann, Kathleen Jurke, Melanie Wylutzki, Sophie Strauß, Susanne Claudius und Susanne Malling. Foto: Milena Schlösser

Kommen wir zum ersten Programm. Welches sind Ihre persönlichen Highlights?

Riffel: Am Anfang, wenn man ein Programm aufbaut, hat man immer noch Bücher im Gepäck, bei denen man sich immer gewundert hat, warum kein anderer Verlag sie herausgebracht hat. Das war bei mir Guy Gavriel Kay, den ich für den derzeit besten Fantasy-Autor halte, der noch schreibt. Er ist ein großer Erzähler, der die Balance kann, zwischen dem großen Rahmen, in „Im Schatten des Himmels“ ein Reich der Mitte, und den Figuren. Die beiden Romane, die wir herausbringen, sind für mich die beiden besten in Kays langer Karriere. Ich freue mich aber auch über Klassiker wie „Freie Geister“ von Ursula Le Guin, deren Buch wir neu übersetzen durften. Auch Kai Meyer für uns zu gewinnen, ist für mich ein Highlight, zumal ich seit 20 Jahren mit ihm befreundet bin. Es ist toll, wenn man einen Roman entdecken kann wie den „Winterkaiser“ von Katherine Addison, weil der ein bisschen anti-zyklisch ist. Nicht Dark & Gritty, sondern mehr psychologisch und ein zutiefst optimistisches Buch. Das trifft auch auf „Der lange Weg zu einem zornigen Planeten“ von Becky Chambers zu, einer Space-Opera ähnlich wie „Firefly“ mit unheimlich tollen Figuren. Es sind herzerwärmende Bücher.

Wie passt ein Titel wie „Der Groll der Zwerge“ ins Programm, der nicht nur im Reihentitel „Die Völkerkriege“, an die Zeit der Völker-Romane in der deutschen Fantasy anknüpft?

Die Aufgabe eines neuen Programms ist es auch, alles abzudecken und zu zeigen, welche Spielarten es in der Phantastik gibt. Andy und ich haben überlegt, was wir in Richtung Völkerroman machen könnten, wollten aber nichts Typisches, sondern etwas, das eine Art Schlusspunkt setzt und mehr mit einem Augenzwinkern erzählt. Parallel gab uns Bernd Frenz seine Exposés. Wenn man sich dann die gesamte Trilogie ansieht, hat sie schon etwas Ironisches: „Der Groll der Zwerge“, „Die Macht der Elfen“, „Die Rache der Orks“. Wir treten damit an, dem Völkerroman endgültig den Garaus zu machen.

Fischer Tor möchte auch Autoren mit Potenzial herausbringen. Handelt es sich dabei mehr um deutsche oder auch fremdsprachige Schriftsteller?

Potenzial ist ein dehnbarer Begriff. Wir brauchen Autoren die schreiben können. Wir sind weder Schreibwerkstatt noch Schreibschule, sondern müssen Bücher verkaufen. Deutsche Autoren haben in manchen Fällen ein handwerkliches Defizit im Vergleich mit amerikanischen. Das erklärt sich zum einen aus der Quantität. Der amerikanische Markt ist viel, viel, viel größer. Zum anderen fehlen auch Creative-Writing-Kurse. Man bekommt ganze Trilogien geschickt und fragt zurück, ob der Autor denn schon mal eine Kurzgeschichte geschrieben habe. Denn eine Handlung über 2500 Seiten im Griff zu haben, muss man erst einmal lernen. Deutsche Autoren haben zudem den Hang zum Provinziellen. Das ändert sich gerade etwas. Doch dass wir unser halbes Programm aus deutschen Autoren bestreiten können, sehe ich im Augenblick nicht. Im ersten Programm haben wir drei etablierte deutsche Autoren dabei, im zweiten wird Bernd Perplies dazukommen, der von Egmont zu uns wechselt.

Sie sprachen bereits das zweite Programm an. Wie wird es 2017 weitergehen?

Über den Daumen gepeilt werden wir zwei Bücher pro Monat herausbringen. Es können aber auch mal drei oder nur eines sein. Unser zweites Programm wird wieder zwölf Titel umfassen und eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy mitbringen. Ein wenig mehr Fantasy als im ersten, doch das ist nicht geplant, sondern hängt davon ab, aus welchem Genre man die überzeugenderen Bücher findet.

Harry Connolly: Die Pforte der Schatten – eine Rezension

Harry Connolly: Die Pforte der Schatten

Harry Connolly: Die Pforte der Schatten

Harry Connolly gehört zu den Self-Publishern, die ihre Werke dank des Erfolgs an ausländische Verlage weiterverkaufen können. Mit „Die Pforte der Schatten“, dem Auftakt von „Der strahlende Weg“, gelang ihm der Sprung auf den deutschsprachigen Markt. Doch zur Handlung: Das Reich von Peredain hat sich dank eines technologischen und magischen Vorsprungs weit ausbreiten können. Sein Wissen verdankt es dem Abendvolk, elfenähnlichen Wesen, die ihr Können als Gegenleistung für Emotionen der Menschen geben, wenn sie über ein magisches Tor Peredain besuchen. Doch dieses Mal kommen schon bald Grunzer genannte Monster durch das Tor und überfallen die Menschen. Nur wenigen gelingt die Flucht, darunter Prinz Lar und sein Gefolge. Sie machen sich auf die Suche nach einer Waffe, mit der die Eindringlinge besiegt werden können.

Harry Connolly überrascht

„Die Pforte der Schatten“ enthält viele Erzählelemente klassischer Fantasy: magische Völker wie das Abendvolk, eine kleine Gemeinschaft, die aufbricht, um die Welt zu retten, sowie eine klare Einteilung in Gut und Böse. Doch Harry Connolly bereitet es große Freude, mit diesen Elementen und der damit verbundenen Erwartungshaltung zu spielen. Leser müssen sich dadurch auf einige Überraschungen gefasst machen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Fantasy-Werken, die nicht nur von vielen Figuren geprägt sind, sondern auch häufig die Erzählperspektive verändern, beschränkt sich Harry Connolly auf zwei Protagonisten. Tyr Tejohn Treygar ist der männliche Part, ein erfahrener Krieger, der aus einfachen Verhältnissen stammt und geprägt ist von großem Pflichtbewusstsein. Den weiblichen Part verkörpert Cazia Freibrunn, aufgewachsen am Hofe als Geisel, aber dennoch befreundet mit Prinz Lar und angehende Gelehrte. Ihre magische Begabung erlaubt es Connolly, die Nutzung und Wirkung von Magie in „Die Pforte der Schatten“ zu beschreiben und zugleich auf den Preis einzugehen, den die Gelehrten zahlen müssen.

Zwei Hauptfiguren in „Die Pforte der Schatten“

Die Handlungsstränge der beiden Hauptfiguren überschneiden sich nur im ersten Drittel. Das hat zur Folge, dass der Perspektivwechsel leider nicht mehr so erfrischend ist, wie zu Beginn, wenn die Gegensätze der beiden Protagonisten zum Tragen kommen. Außerdem gehen die Handlungsstränge weit auseinander – während Tejohn mehr in die politischen Umwälzungen verwickelt wird, folgt Cazia der Spur der Magie. Das bringt sie mit immer neuen magischen Wesen in Kontakt, die die Geschichte überfrachten. Durch die beständige Gefahr, in die sich die beiden begeben und die geschickt gesetzten Cliffhanger hält Harry Connolly seine Leser bei der Stange.

Die Geschichte „Der strahlende Weg“ (The Great Way) ist mit „Die Pforte der Schatten“ noch nicht beendet. Mitte Januar 2017 kommt mit „Die Saat der Schatten“ der zweite Band bei Blanvalet heraus. Insgesamt ist die Handlung von Harry Connolly als Trilogie angelegt, sodass Band 3 in der Übersetzung frühestens im Sommer 2017 erhältlich sein dürfte.

„Die Pforte der Schatten“ von Harry Connolly ist bei Blanvalet erschienen. Die Paperback-Ausgabe geht über 608 Seiten und kostet 14,99 Euro, das E-Book 9,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Michaela Link.