Interview: Peter Brett über das Ende der Dämonen-Saga und eine neue Dämonen-Reihe

Peter Brett

Peter Brett blickte beim Interview auf die Dämonen-Saga zurück und verriet Pläne für eine neue Dämonen-Reihe. Foto: Jörn Käsebier

Bei seiner dritten Deutschlandreise lernte Peter Brett Deutschland von unterschiedlichen Seiten kennen. Als er im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann seine Bücher signieren wollte, wurde vor Freude der Abteilungsleiter dazugeholt. Im Virgin-Store am Hauptbahnhof hingegen wollte man dem Fantasy-Autor untersagen, in seine ausliegenden Romane zu schreiben.

Er bewahrte sich dennoch seine gute Laune. Denn die deutschen Leser ermöglichten dem Amerikaner die erste Spitzenplatzierung auf einer Bestsellerliste überhaupt. Im Interview gab Peter Brett Auskunft über das Ende der Dämonen-Saga und den Beginn einer neuen Dämonen-Reihe sowie Plänen zu einer Verfilmung.

Peter Brett, neun Jahre sind seit der Veröffentlichung von „Das Lied der Dunkelheit“ vergangen. Wie haben Sie sich gefühlt, als sie mit dem Abschlussband fertig waren?

Peter Brett: Es war ein wenig wie nach einer Bergbesteigung. Auf der einen Seite ist die Aussicht fantastisch. Auf der anderen Seite stellt man sich die Frage, was danach kommen soll. Ich habe das Ende der Dämonen-Saga also mit gemischten Gefühlen gesehen. Doch glücklicherweise fiel es in die Zeit, in der meine zweite Tochter geboren wurde. Das bestimmte erst einmal mein Leben.

Das Ende stand lange fest

In „Die Stimmen des Abgrunds“ führen Sie Ihre Leser in den Horc. Haben Sie erst überlegt, wie es dort aussieht, als Sie das Buch geschrieben haben oder bereits beim Entwurf der Saga?

Brett: Den Großteil der Handlung hatte ich bereits vor Jahren festgelegt und geheim gehalten. Ein paar Details des Weges für die Figuren haben sich aber noch geändert. Ich habe mich zum Beispiel für die Beschreibung der Szenerie über Höhlen informiert sowie über das Leben im Untergrund.

Während Arlen und die anderen sich unter die Erde begeben, werden ihre Freunde und Bekannten von den Dämonen angegriffen. Warum haben diese so lange mit den koordinierten Attacken gewartet?

Brett: Sie greifen an, weil die Dämonenkönigin kurz davor steht, ihre Eier zu legen, was nur alle paar Jahrhunderte passiert. Sie braucht dann viel Futter, ebenso ihr Nachwuchs. Während die Menschen überzeugt sind, sie seien in den befestigten Städten sicher, habe die intelligenten Dämonen sie dort in Wahrheit gewähren lassen. Für sie ist die Nahrung dadurch an wenigen großen Orten versammelt. Und sie brauchen sie nur einzusammeln. Außerdem plant jeder Dämonenprinz, sich sein eigenes kleines Reich zu schaffen. Mir erlaubt das, alle größeren Orte, die in der Saga eine Rolle gespielt haben, noch einmal in die Handlung einzubauen und natürlich die Figuren, die dort leben. Sie alle müssen sich in der Krise bewähren.

Arlen und Jardir tauschen im Horc beinahe die Rollen. Was ist die Idee dahinter?

Brett: Es war einer der frühesten Einfällen für diese beiden Figuren. Arlen ist Atheist, der für die Überzeugung einsteht, die Menschen sollten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Jardir hingegen stammt aus einer Kultur, in der alles in Gottes Hand liegt, vorherbestimmt ist und Teil eines großen Plans des Schöpfers. Von Anfang an war es meine Absicht, dass die beiden im Verlauf der Handlung beginnen sollten, ihre Überzeugungen zu hinterfragen. Sie dann fast die Rollen tauschen zu lassen, war schwer für mich so zu schreiben, dass es überzeugend wirkt. Doch mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

Neue Dämonen-Reihe geplant

Am Ende der Dämonen-Saga steht die Menschheit zusammen. Wie wollen sie versuchen, Frieden zu halten?

Peter Brett signiert

Signierstunde für Peter Brett. Foto: Jörn Käsebier

Brett: Das werde ich in einer neuen Dämonen-Reihe thematisieren, für die ich kürzlich einen Vertrag unterschrieben habe. Sie spielt 15 Jahre nach der ersten. Neue, jüngere Figuren werden im Mittelpunkt stehen, und ich werde die Leser an neue Orte führen. Solche, die nicht auf der bisherigen Karte zu finden sind und an denen die Menschen ihre eigenen Probleme mit Dämonen haben. Leser der neue Reihe müssen die alte nicht kennen. Doch wer sie kennt, erfährt, wie sich die bekannten Figuren verändert haben, wie sich die Kultur gewandelt hat und wie die Magie weiterentwickelt wurde.

Es gibt also ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren?

Brett: Ja, doch werden sie nur Nebenrollen spielen. Manche der Protagonisten sind einfach zu mächtig geworden, daher sollen die neuen Hauptfiguren nicht so leicht Mama und Papa dazuholen können.

Wie viele Bände werden es sein?

Brett: Der Vertrag geht über drei Bücher, und die Geschichte ist auch auf diese Länge angelegt. So habe ich danach die Wahl, ob ich noch weitermachen oder etwas Neues beginnen möchte. Derzeit freue ich mich darauf, doch vielleicht kommt einmal die Zeit, wenn mich die Geschichte langweilt und ich aufhören möchte. Die Bücher werden kürzer sein als die Bände der ersten Saga. Das erlaubt es mir hoffentlich, sie auch schneller zu schreiben.

Rückkehr nach Tibbets Bach und Verfilmung

Leser können die Wartezeit mit einer Erzählung überbrücken, deren deutsche Übersetzung im Herbst erscheint. Worum geht es darin?

Brett: Es heißt „Baron“ (dt. Titel „Selias Geheimnis“) und spielt in Tibbets Bach, also dem Ort, an dem alles begann. Die erzählten Ereignisse spielen parallel zu denen von „Die Stimmen des Abgrunds“. In „Das Leuchten der Magie“ war Arlen noch einmal in seiner Heimat, um vor dem Dämonenangriff zu warnen, doch wir erfahren nicht, was danach passiert. Das erzähle ich nun in einer eigenen Geschichte. Sie setzt ein, kurz nachdem Arlen weg ist.

Erfahren wir auch mehr über die Vorgeschichte der Hauptfigur?

Brett: Oh ja, natürlich! Selia Baron, die Sprecherin von Tibbets Bach, ist rund 70 Jahre alt. Dank der Magie wird sie körperlich jünger. Das bringt alte Probleme zurück. Es gibt daher einige Abschnitte, die ihrer Vergangenheit gewidmet sind. So ähnlich wie in den Romanen der Dämonen-Saga, aber komprimierter. Ich glaube, dass die Leser Selia mögen werden. Sie hat das Zeug zu einer Lieblingsfigur.

Interview mit Peter Brett

Peter Brett hofft, dass die Verfilmung seiner Dämonen-Saga gelingt. Foto: Jörn Käsebier

Wie steht es um die Verfilmung der Dämonen-Saga?

Brett: Sobald ein Vertrag unterschrieben ist, werde ich das mitteilen. Derzeit arbeitet Dark Light Entertainment an den Drehbüchern, und wir bieten das Projekt Produktionsfirmen an. Verschiedene haben Interesse bekundet, doch möchte ich keine Namen nennen, da es nichts Konkretes gibt. Ich selbst versuche meine Erwartungen niedrig zu halten, damit ich nicht enttäuscht bin, falls es doch nicht klappt.

Wie sehr sind Sie denn in das Verfahren eingebunden?

Brett: Ich schreibe nicht selbst die Drehbücher. Doch ich stehe in engem Kontakt mit den Autoren und informiere sie über unveröffentlichte Details. Das sind Notizen über die Saga, die Welt und die Figuren, die mir beim Schreiben geholfen, es aber nicht in die Bücher geschafft haben. Ich bin so stark eingebunden wie ich es sein kann, ohne zu sehr vom Schreiben der Romane abgehalten zu werden.

10 Gedanken zu „Interview: Peter Brett über das Ende der Dämonen-Saga und eine neue Dämonen-Reihe

  1. So leid es mir tut aber ab Band 3 ging es literarisch derart bergab dass man es nicht mehr lesen konnte. Die Bücher waren bis zum Schluss die reinste Qual und betörend langweilig und wiederholend, die Figuren so stereotypisch und/oder manchmal vollkommen unverständlich dumm.
    Ich finde die Idee selbst war einfach genial, aber was am Ende bei den Büchern heraus kam konnte keinem gutem Fantasy-Anspruch gerecht werden.

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