Interview mit Peter Brett zu „Der Thron der Finsternis“, dem Ende der Dämonen-Saga und einer Verfilmung

Peter Brett beim Interview in Berlin, wo er auf seiner Deutschlandreise Station machte. Foto: Jörn Käsebier

Peter Brett beim Interview in Berlin, wo er auf seiner Deutschlandreise Station machte.         Foto: Jörn Käsebier

Mit seiner Dämonen-Saga ist der Fantasy-Autor Peter V. Brett in Deutschland sehr erfolgreich. Fünf Bände wird sie umfassen, hinzu kommt mindestens ein Roman, der in der von Dämonen heimgesuchten Welt spielt. Peter Brett veröffentlicht zudem immer wieder Erzählungen, die die Handlung der Dämonen-Saga ergänzen. Im Interview geht er aber auch auf Pläne für eine Verfilmung ein.

Peter Brett, in „Der Thron der Finsternis“ spielt die Stadt Lakton eine wichtige Rolle. Warum wollen die Krasianer sie unbedingt einnehmen?

Peter Brett: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Jede Armee weiß, dass man keinen Feind im Rücken haben darf, wenn man sich auf einem Eroberungsfeldzug befindet. Die Krasianer müssen die Stadt daher einnehmen, bevor sie sich gegen die anderen freien Städte im Norden wenden. Außerdem wollen sie ja alle Menschen unter ihrer Herrschaft einen. Die Krasianer sind allerdings Wüstenbewohner, und Lakton wurde in der Mitte eines Sees errichtet, daher haben sie Schwierigkeiten, die Stadt zu erobern. Hinzu kommen Spannungen innerhalb der krasianischen Gesellschaft.

Worum geht es da?

Brett: Die Abwesenheit ihres Anführers führt zu einem Machtvakuum, das verschiedene Seiten ausnutzen möchten, um ihren Favoriten auf den Thron zu bringen. Ein Weg zum Thron führt über militärische Siege. So kommt Lakton wieder ins Spiel. Die Stadt wird zum Dreh- und Angelpunkt krasianischer Politik. Über die Stadt selbst erfahren wir aber eher wenig.

Werden Sie das nachholen?

Brett: Ich habe eine Erzählung geplant, die in Lakton spielt, hatte aber bislang noch nicht die Zeit, sie auch zu schreiben. Es gibt einfach zu viele Geschichten zu erzählen.

Die politischen Intrigen spielen nicht nur auf Seiten der Krasianer eine Rolle. Warum ist es für die Menschen so schwer, über ihren Schatten zu springen und sich gemeinsam gegen die Dämonen zu stellen?

Brett: Tja, warum ist es so schwer für politische Parteien zusammenzuarbeiten? Warum ist die Verständigung zwischen Christen und Muslimen so schwierig? Das ist eines der Kernprobleme der Menschheit – selbst wenn wir wissen, dass wir es nur zusammen schaffen, bekommen wir es oft nicht hin. In meinen Büchern nicht einmal, wenn die Menschheit kurz vor der eigenen Auslöschung steht. Das beschäftigt mich sehr, daher wollte ich das Problem in meiner fiktionalen Arbeit spiegeln.

Nun gibt es in „Der Thron der Finsternis“ auch eine kleine Gruppe, die die Dämonen angreifen will. Sie spielen jedoch nicht die Hauptrolle im Buch. Wie geht es in Band 5 mit ihrem Plan weiter?

Brett: Nun, es ist ja gerade die Abwesenheit von Arlen und Jardir, die zu dem genannten Machtvakuum führt. Arlen zieht sich selbst aus dem Spiel, damit ihn die Herzöge nicht politisch instrumentalisieren können und die Menschen nicht auf ihn als Retter blicken, sondern anfangen, sich selbst zu helfen. Und er nimmt Jardir aus dem Spiel, weil er eigene Pläne mit ihm hat. Die beiden haben viele gemeinsame Szenen. Fast ein Drittel des Buches dreht sich um sie. Doch natürlich wird ihr Handlungsstrang im Abschlussband noch wichtiger. Sie wollen den Kampf zu den Dämonen in den Horc tragen. Doch dort werden sie wahrscheinlich nicht das vorfinden, was sie erwarten.

Gibt es bereits einen Titel und einen Veröffentlichungstermin für Band 5?

Brett: Er wird „The Core“ heißen. Einen Termin gibt es noch nicht, doch hoffe ich, dass er 2017 herauskommt. Ich habe bislang ungefähr ein Drittel geschrieben und plane, es bis Ende des Jahres fertig zu haben. Das Buch wird wohl länger als die Vorgänger, auch weil ich Handlungsstränge aus vier Bänden zum Abschluss bringen muss. (Update vom November 2016: Heyne kündigt „Das Leuchten der Magie“ für Oktober 2017 an.)

Wie behalten Sie den Überblick über die Figuren, die Handlung und Ereignisse aus den Vorgängerbänden?

Brett: Das fällt mir nicht immer leicht und wird mit jedem Buch der Reihe schwerer. Ich nutze unterschiedliche Verweis-Quellen. Für Details habe ich einen Appendix angelegt, der mehrere hundert Seiten umfasst und unzählige Anmerkungen zu den Figuren, die Fantasy-Welt, ihre Geographie oder Sprachen enthält. Darauf greife ich oft zurück. Wenn ich bereits weiß, in welchem Buch etwas passiert ist, öffne ich die digitale Fassung und durchsuche sie nach dem gesuchten Wort. Manchmal greife ich aber auch zur gedruckten Version. Doch ich bin froh, im digitalen Zeitalter zu leben, denn ich weiß nicht, wie es die Autoren früher gemacht haben, als alles auf Papier festgehalten werden musste.

Nach seinen Lesungen signierte Peter Brett fleißig Bücher. Foto: Jörn Käsebier

Nach seinen Lesungen signierte Peter Brett fleißig Bücher. Foto: Jörn Käsebier

Wem geben Sie neue Szenen zuerst zum Lesen, und wie viele Überarbeitungen gibt es bis zum Druck?

Brett: Mein Agent und mein bester Freund, Myke Cole, der selbst Fantasy-Autor ist, bekommen als erste das Buch von mir. Außerdem meine Lebensgefährtin. Die Anmerkungen der drei zusammen arbeite ich mit meinen eignen zusammen ein. Erst danach geht das Manuskript an meine Lektorin im Verlag. Wenn sie dann noch größere Änderungen wünscht, muss sie diese gut begründen. Nachdem ich ihre Wünsche umgesetzt habe, folgt eine weitere Überarbeitung, ehe es an die Schlusskorrektur der Druckfahnen geht. Danach kann es in den Druck und geht an die Übersetzer. Bis eines meiner Bücher übersetzt wird, überarbeite ich es also vier- bis fünfmal.

Stichwort Übersetzung, stehen Sie in regelmäßigem Austausch mit Ihren Übersetzern?

Brett: Mit einigen, aber nicht mit allen. Mit meiner deutschen Übersetzerin arbeite ich gut zusammen. Sie schickt mir ihre Fragen, etwa nach bestimmten Vokabeln oder Redewendungen. Das trägt sicher zur Qualität der Übersetzung bei.

Autoren sind heute auch online sehr präsent. Sind Sie selbst aktiv oder haben Sie einen Assistenten dafür?

Brett: Angefangen habe ich allein, sowohl auf meiner Homepage und dem Blog als auch mit den Profilen in den sozialen Netzwerken. Mittlerweile habe ich eine Assistentin, weil es so viel Zeit in Anspruch genommen hat. Ich wüsste nicht, was ich ohne Karen machen würde. Sie hilft mir zum Beispiel bei Fan-Wettbewerben und dem Versenden von signierten Büchern sowie mit dem Blog. Meinen Twitter- und Instagram-Account, der zudem mit meinen Facebook-Seiten verknüpft ist, bespiele ich noch selbst.

Derzeit werden verschiedene Fantasy-Bücher als Serie oder Kinofilm umgesetzt. Gibt es Neuigkeiten zu einer Verfilmung Ihrer Bücher?

Brett: Ich habe die Fernseh- und Filmrechte zum zweiten Mal angeboten, nachdem es beim ersten Mal leider nicht mit der Verfilmung geklappt hat. Die Verträge sind noch nicht unterzeichnet, daher darf ich noch nicht sagen, wer die Rechte gekauft hat. Aber die Produzenten haben große Erfahrung, und ich freue mich, dass sie „The Warded Man“ verfilmen möchten. In einem oder zwei Monaten kann ich vielleicht mehr sagen.

Update (Okt. 2016): Mittlerweile hat Peter Brett auf Twitter mitgeteilt, dass New Harlem Partnership die Rechte erworben hat und Spike Seldin sowie Hans Futterman als Produzenten auftreten.

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4 Gedanken zu „Interview mit Peter Brett zu „Der Thron der Finsternis“, dem Ende der Dämonen-Saga und einer Verfilmung

  1. Pingback: Peter V Brett :: Peephole In My Skull

  2. Ich freue mich schon sehr auf den 5. Band. Leider hat für mich der 4. Band ein wenig an Qualität abgenommen. Aber das kann auch auch der Handlung in diesem Band liegen. Insgesamt finde ich dennoch, dass diese Reihe wirklich großartig ist!

  3. Pingback: Heyne: Fantasy-Vorschau Frühjahr 2017 | Der Fantasy Weblog

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