Zauberklingen von Joe Abercrombie – Auftakt zu einer neuen Trilogie

Zauberklingen von Joe Abercrombie

Mit „Zauberklingen“ von Joe Abercrombie beginnt eine neue Trilogie. Es ist bereits Band 8 der Klingen-Saga. Foto: Jörn Käsebier

Die Klingen-Saga geht weiter. Mit „Zauberklingen“ von Joe Abercrombie beginnt eine neue Trilogie, mit der der Brite an seinen Durchbruch als Autor anknüpft. Gelingt ihm das erfolgreich?

Zwölf Jahre nach Ende der ersten Trilogie, sieben Jahre nach Veröffentlichung des bislang letzten Klingen-Romans und vier Jahre nach der Anthologie „Schattenklingen“ ist Joe Abercrombie zurück in der Union und dem Norden. Es muss dem britischen Fantasy-Autor sehr gefehlt haben, sich dort literarisch zu bewegen. Denn gleich auf den ersten Seiten ist die Sprache wieder derb. Kein Zweifel: Der Ausflug in Jugendroman-Gefilde mit der Bruchsee-Trilogie ist eindeutig vorbei.

Nicht vorbei ist das Leben einiger wohlbekannter Figuren. Erzlektor Glokta, der Hundsmann und König Jezal haben allerdings ihren Zenit überschritten. Lediglich dem Magus Bayaz scheint die Zeit nichts anhaben zu können. Allerdings wird das Wirken von Magie für ihn immer schwieriger. Dafür ist der technische Fortschritt nicht aufzuhalten.

Zauberklingen: Das industrielle Zeitalter beginnt

Joe Abercrombie hat in „Zauberklingen“ nämlich eine industrielle Revolution eingeläutet. Die maschinelle Fertigung in Fabriken hat begonnen. Auf das Militär hat dies jedoch noch wenige Auswirkungen (da waren wir in „Blutklingen“ schon weiter). Die Unionssoldaten und die Nordmänner lassen sich noch immer gegenseitig mit Pfeil und Bogen, Armbrüsten, Äxten, Speeren und Schwertern zu Schlamm werden.

Dieses neue Zeitalter bekommen Leser durch sieben neue Protagonisten nähergebracht. Abercrombie bleibt in „Zauberklingen“ seinem Prinzip treu, Figuren, aus deren Perspektive er einmal erzählt hat, nur noch von außen zu betrachten. Drei der Figuren sind in den Kampf um den Norden verwickelt, vier sind in der Union in die politischen Ereignisse und sozialen Umwälzungen verwickelt.

Schmutziger Krieg – schmutzige Politik

Joe Abercrombie

Der britische Fantasy-Autor Joe Abercrombie. Foto: Lou Abercrombie

Prinz Orso ist hier als Thronfolger an erster Stelle zu nennen. Er lernt die harte Lektion, dass es kaum einen Unterschied macht, ob er sich für etwas einsetzt oder seinen Lastern nachgeht. Savine dan Glokta hat sich derweil als Unternehmerin einen Namen gemacht, profitiert aber natürlich davon, Tochter des Erzlektors zu sein. Dass ihre Profite auch zur katastrophalen sozialen Lage beitragen erfährt sie am eigenen Leib. Für die Sicht der Arbeiter stehen der Ex-Soldat Breit und Vick, die allerdings unterschiedliche Wege einschlagen um zu überleben.

Im Norden dagegen nichts Neues. Der Schwarze Calder überfällt mal wieder die Union. Zu seinem Gefolge zählt Klee, der Einblicke in die Strategie der Nordmänner bringt. Auf Seiten der Union will sich hingegen Leo dan Brock als Held beweisen. In Büchern von Joe Abercrombie nie eine gute Idee. Zum Glück sind der Hundsmann und seine Gefolgsleute treu. Und die Tochter des Hundsmannes ist Rikke, die Leo bereits als Kind kannte. Inzwischen ist sie erwachsen, muss aber ihre Rolle finden. Dazu hat sie magische Visionen – was sich als Fluch und Segen zugleich erweist.

Überzeugende weibliche Figuren

Das Geschlechterverhältnis fällt mit 4:3 leicht zugunsten der Männer aus. Die am besten gelungen Figuren sind jedoch Savine und Rikke. Sie sind vielschichtiger, entwickeln sich am meisten und haben den schwersten Stand. Schließlich haben sie mit mehr gesellschaftlichen Vorbehalten als die Männer zu kämpfen. Rikke hat dank ihrer magischen Visionen zudem das Potenzial selbst für Bayaz zu einer Bedrohung zu werden.

Noch eine Randnotiz: Der deutsche Titel bleibt sich treu und ist mit „Zauberklingen“ mal wieder seltsam. Bei der Klingen-Saga mussten wohl Klingen in den Titel. Doch magische Waffen sucht man im Buch vergebens. Aber auch das Cover überzeugt nicht. Ein Adler ist nicht Teil des Buchs. Wenn Tiere eine Rolle spielen, sind es Löwe, Wolf, Lamm und Eule.

Joe Abercrombie setzt Klingen-Saga fort

Zauberklingen Klingen-Saga 8

Joe Abercrombie: Zauberklingen – Die Klingen-Saga 8

Die Rückkehr zu den Abercrombie-Fantasy-Wurzeln ist gelungen. Es macht viel Freude das Buch zu lesen, auch wenn die neuen Figuren noch nicht mit ihren fast schon legendären Vorgängern mithalten können. Der größte Kritikpunkt ist, dass noch wenig vom Handlungsbogen der Trilogie erkennbar wird. „Zauberklingen“ hätte auch ein weiterer Einzelroman sein können. Doch die Geschichte geht weiter. Und Joe Abercrombie kommt nach eigenen Angaben gut voran mit den Fortsetzungen. Im Original soll Band 2 bereits im September erscheinen. Er heißt „The Trouble With Peace“. „Friedensklingen“, ick hör dir trapsen.

„Zauberklingen“ von Joe Abercrombie ist bei Heyne erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 768 Seiten und kostet 16,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Kirsten Borchardt. Bereits seit 2007 überträgt sie Abercrombies Bücher ins Deutsche.

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