Rezension: Königsschwur von Joe Abercrombie

Joe Abercrombie: Königsschwur

Joe Abercrombie: Königsschwur

„Königsschwur“ zeigt: Joe Abercrombie hat eine Vorliebe für Außenseiter. Es können seelische Krüppel sein wie Monza Murcatto aus „Racheklingen“, körperlich Versehrte wie Inquisitor Glokta aus den Klingen-Romanen oder Figuren mit äußeren und inneren Wunden. Yarvi, Protagonist von „Königsschwur“, leidet darunter, dass er seit seiner Geburt nur eine Hand voll nutzen kann. Doch genauso leidet er unter seiner ehrgeizigen Mutter und seinem kalten, abweisenden Vater. Nach dessen Tod wird Yarvi König und rasch wegen seiner Behinderung als halber König verspottet. Im Original ist dies titelgebend: „Half A King“. Doch bei Heyne hat man sich bei Abercrombie-Büchern für Einworttitel als Königsweg entschieden, also „Königschwur“. Dieser Schwur wird mit dazu beitragen, dass aus dem halben König ein ganzer Kerl wird.

Königsschwur an der Bruchsee

Die Trilogie um Yarvi spielt in der Welt der Bruchsee und damit in einer völlig anderen Welt als die Klingen-Romane. Und die Trilogie hat im Gegensatz zu den anderen Romanen auch einen deutlich weniger epischen Charakter. Abercrombie konnte (wollte) sich dem Trend zum Jugendbuch in der anglo-amerikanischen Buchwelt nicht entziehen, und so sind die Heranwachsenden auch die Zielgruppe von „Königsschwur“. Mit einem jugendlichen Helden als Identifikationsfigur (Yarvi), Problemen eines Teenagers wie Loslösung von den Eltern, erster Liebe, Gestaltung der Zukunft und Eigentverantwortlichkeit weist das Buch auch wichtige Merkmale von Jugendliteratur auf.

Erwachsene können die Rache-Geschichte dennoch genießen, müssen aber damit leben, dass sie (aber auch schlaue jugendliche Leser) so manche Wendung voraussehen. Für Leser, denen die Gewalt und Sprache der Klingen-Romane nicht zusagte, bietet „Königsschwur“ einen neuen Zugang zum Werk Joe Abercrombies. Denn das Buch ist deutlich weniger zynisch und enthält viel weniger Schimpfworte – auf Gewalt wollte der Fantasy-Autor jedoch nicht verzichten. Ein solcher Verzicht hätte aber auch nicht in die raue Welt der Bruchsee gepasst. Nicht verzichtet wurde dieses Mal auf eine Karte, aber das nur am Rande.

Schreibpläne von Joe Abercrombie

Auf die Fortsetzung von „Königsschwur“ müssen die deutschen Abercrombie-Fans nicht lange warten. Bereits im August kommt „Königsjäger“ (Half The World) bei Heyne heraus. Und da der Abschlussband „Half A War“ im Sommer im Original erscheint, dürfte die Übersetzung Teil des Herbstprogramms werden. Danach heißt es allerdings warten. Denn Joe Abercrombie rechnet selbst damit, dass es einige Zeit dauern wird, ehe der erste Band der nächsten Klingen-Trilogie erscheint. Es könnte gut 2017 werden, ehe es soweit ist.

„Königsschwur“ von Joe Abercrombie ist bei Heyne erschienen. Der Fantasy-Roman hat in der Klappenbroschur-Ausgabe 368 Seiten und kostet 14,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Kirsten Borchardt, die auch die bereits erschienenen Bücher von Abercrombie ins Deutsche übertragen hat.

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4 Gedanken zu „Rezension: Königsschwur von Joe Abercrombie

  1. Königsschwur hat mir sehr gut gefallen und auch der Nachfolger „Half the World“ ist fantastisch und, wie ich persönlich finde, sogar noch etwas besser als der erste Teil der Trilogie.

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