R. F. Kuang: Im Zeichen der Mohnblume – Die Schamanin

R. F. Kuang Im Zeichen der Mohnblume - Die Schamanin

Im Zeichen der Mohnblume kämpfen die Schamanin Rin und ihre Freunde und Feinde im Buch von R. F. Kuang. Foto: Jörn Käsebier

Für die arme Kriegswaise Rin scheint eine Hochzeit das Beste zu sein, auf das sie hoffen kann. Doch lieber sucht sie ihre Chancen im landesweiten Examen Keju. Tatsächlich schafft sie es, ein Stipendium an der Elite-Schule in der Hauptstadt des Kaiserreichs Nikan zu ergattern. Doch das ist nur der Anfang …

Die Schulzeit an der Militärakademie ist nicht das, worum es R. F. Kuang geht. Wer solche Geschichten liebt greift besser zur Königsmörder-Chronik von Patrick Rothfuss oder dem „Buch des Ahnen“ von Mark Lawrence. Die chinesisch-amerikanische Autorin etabliert zwar ein paar Rivalitäten zwischen Rin und ihren Mitschülern sowie Freundschaften. Außerdem bringt sie Referenzen zu Eastern unter, etwa in Person des Lehrmeisters Jiang. Dieser schickt Rin zum Krafttraining mit einem Schwein – eine schöne Anspielung auf das Wassertragen in die 36 Kammern der Shaolin.

Um den Aufbau langer Beziehungen und den Fortschritt von Schuljahr zu Schuljahr geht es Kuang nicht. Denn der Krieg mit der Föderation Mugen sorgt dafür, dass die Schulzeit kurz ausfällt. Und hier übernehmen die Schüler eine prominente Rolle – allen voran Rin.

Kuang greift auf historische Vorbilder zurück

R. F. Kuang hat eine Fantasy-Welt erschaffen, bei der sie sich stark an der realen Welt orientiert hat. Nikan ist an China angelehnt, die Föderation Mugen an Japan und Hesperia  steht im Buch für den Westen. Auch greift Kuang auf historische Vorbilder zurück. Die Mohnblumenkriege haben die Opiumkriege des 19. Jahrhunderts als Vorlage sowie den Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg. Was sich übrigens auch am Originaltitel, „The Poppy War“, zeigt.

Der neue Konflikt orientiert sich jedoch vor allem am Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, der bei uns meist unter dem Zweiten Weltkrieg abgehandelt wird, obwohl er bereits 1937 begann. Kunag thematisiert dabei die Grausamkeiten, die japanische Truppen in China begingen und schreckt auch vor dem Thema Völkermord nicht zurück.

Mächtige Magie und Waffen

Schwammig wird es allerdings, wenn es um den technologischen Stand geht. Auf der einen Seite kämpfen Föderation und Nikan mit Schwertern, Pfeil und Bogen und Armbrüsten, aber auch Raketen und kleineren Sprengsätzen. Gewehre und Pistolen nutzen sie hingegen nicht. Auch über eine Luftwaffe verfügen beide Parteien nicht. Auf der anderen Seite kommt jedoch Giftgas zum Einsatz.

Ähnlich unscharf ist die Definition von Magie gehalten. Zugriff auf Magie haben in den „Mohnblumenkriegen“ nur Schamanen. Die magischen Kräfte bekommen sie von den Göttern verliehen. Grenzen setzt Kuang der Magie aber kaum. So können Schamanen Schäden anrichten, die dem einer oder gar mehrerer Atombomben gleichkommen.

Im Zeichen der Mohnblume geht es weiter

Im Zeichen der Mohnblume, die Legendin der Schamanin

Im Zeichen der Mohnblume – Die Schamanin ist das Debüt von R. F. Kuang.

So spannend das Buch auch geschrieben ist – im letzten Drittel kann es nicht mehr an den starken Beginn anknüpfen. Das liegt vor allem daran, dass die Entscheidungen der Protagonistin nicht mehr so gut nachzuvollziehen sind. Auch erscheint sie mit gerade einmal 15 Jahren zu jung für die ihr auferlegte Verantwortung. Dazu bleiben zu viele Fragen zu ihrer Herkunft offen, ebenso zu den Motiven der Feinde. Hier wirkt es so, als habe die Autorin nur die Grundlagen für eine Fortsetzung legen wollen, weil die Geschichte sonst abgeschlossen gewesen wäre.

Denn eine Fortsetzung ist geplant. Im Original ist Band 2 der Trilogie bereits erschienen. Ob es die Folgebände auch nach Deutschland schaffen, hängt sicherlich vom Erfolg dieses Debüts ab. Es hat einige Schwächen, besticht aber mit einem ungewöhnlichen Setting jenseits des europäischen Mittelalters. Es ist nicht das einzige Buch mit chinesisch geprägter Fantasy, das zuletzt hierzulande erschien. Guy Gavriel Kay und Ken Liu sind da etwa zu nennen.

„Im Zeichen der Mohnblume – Die Schamanin“ von R. F. Kuang ist bei Blanvalet erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 672 Seiten und kostet 16 Euro. Die Übersetzung stammt von Michaela Link.

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