Brandon Sanderson im Interview über die Sturmlicht-Chroniken

Brandon Sanderson im Interview, Isaac Stewart

Brandon Sanderson (l.) und Isaac Stewart im Interview über die Entstehung der Sturmlicht-Chroniken.

Mit „Die Splitter der Macht“, Band 6 der Sturmlicht-Chroniken, schaffte es Brandon Sanderson erstmalig in die Top Ten der deutschen Bestsellerliste. Das wusste er allerdings noch nicht, als er seinen zweiten Deutschlandbesuch plante. Auf einer Lesereise signierte er Mitte Mai nicht nur zahlreiche Bücher, sondern stand auch für Interviews zur Verfügung. Mit dabei, Sandersons Art Director Isaac Stewart.

Brandon Sanderson, wie würden Sie zusammenfassen, um was es in „Splitter der Macht“ geht?

Brandon Sanderson: Auch wenn alle Protagonisten in allen Büchern eine Rolle spielen, dreht sich jeder Band in erster Linie um eine Figur. Das dritte Buch (in der Übersetzung die Bände 5 und 6, Anm. Fantasyblogger) handelt vor allem von Dalinar. Er ist eigentlich ein brutaler Kriegsherr, der sich aber verändert und etwas Bleibendes hinterlassen möchte. Doch im Krieg hat er viel Schuld auf sich geladen. In Rückblenden gehe ich viel auf seine Vergangenheit ein, um zu zeigen, wie sie seine Entscheidungen beeinflusst.

Haben auch neue Figuren einen Auftritt?

Sanderson: Mir ist bei langen Fantasy-Serien aufgefallen, dass sie oft außer Kontrolle geraten, wenn zu viele Figuren eingeführt werden. Für die Sturmlicht-Chroniken habe ich mir daher selbst auferlegt, bei meinen Hauptfiguren und ihren Erlebnissen zu bleiben. Natürlich spielen sie in jedem Buch unterschiedlich große Rollen. Auch bei den Nebenfiguren achte ich darauf, dass sie nicht zu viel Raum bekommen. Dennoch kommen immer mal wieder neue hinzu. In diesem Band etwa Venli, eine Parschendi. Wenn ich mal mehr über eine Nebenfigur erzählen möchte, finde ich dafür andere Formate als einen Serien-Band.

Zu den Chroniken gehört es, dass Leser mehr über die überspannende Geschichte wissen als die Hauptfiguren. Ändert sich das in „Splitter der Macht“?

Sanderson: Ja, langsam aber sicher erfahren die Hauptfiguren mehr. In epischen Fantasy-Serien gehört es für mich dazu, dass etwa Magie zu den Geheimnissen gehört, über die die Figuren erst langsam mehr erfahren. In jedem Chronik-Band finden sie zudem etwas Grundlegendes heraus. Am Ende von „Splitter der Macht“ ist es etwas, dass sie sehr erschüttert.

Aufwendig illustrierte Sturmlicht-Chroniken

Den Reiz der Serie macht auch die Gestaltung der Bücher aus. Isaac Stewart, von Ihnen stammen etwa alle Karten. Auf welche Grundlage konnten sie dabei aufbauen?

Die Splitter der Macht von Brandon Sanderson

Brandon Sanderson: Die Splitter der Macht

Isaac Stewart: Ganz zu Anfang hat mir Brandon Karten gegeben, die er in MS-Paint entworfen hatte. Die waren schon nicht schlecht, doch es fehlten wichtige Details. Inzwischen muss er mir oft nicht mehr viel erklären, oder es reicht eine kleine Zeichnung auf einer Papierserviette oder einem Stück Papier. Meist lese ich einfach die Bücher, zeichne daraufhin etwas und zeige es ihm. Danach überarbeite ich es, bis es seinen Vorstellungen entspricht. Diese stimmen nicht immer ganz mit dem überein, was in den Büchern steht. Daher passen wir entweder die Karten und Illustrationen an – oder auch mal umgekehrt, wenn der Entwurf uns besser gefällt. Es sei denn, dass vorherige Bücher bereits bestimmte Details enthalten. Da hilft ein Continuity-Redakteur, der genau weiß, was wir nicht mehr ändern dürfen.

Sanderson: Ja, anfangs musste ich detaillierter meine Vorstellungen nennen, doch mittlerweile weiß ich, dass Isaac manches besser weiß. Zum Beispiel wenn er mich darauf hinweist, dass ich mit meinen Ideen gegen physikalische Gesetze verstoße. Dann überarbeite ich das Buch entsprechend.

Wie lange dauert die grafische Gestaltung eines Buches?

Sanderson: Für einen Band der Sturmlicht-Chroniken beginnen wir bis zu zwei Jahre bevor das Buch veröffentlicht wird. Derzeit arbeiten wir am nächsten Buch, das aber frühestens in 18 Monaten erscheint.

Wie groß ist das Team, das Sie bei Ihrer Arbeit unterstützt?

Sanderson: Mit meiner Frau und mir sind es zehn, die Vollzeit dazugehören. Das liegt zum Teil auch daran, dass wir eigene ledergebundene Ausgaben in kleiner Auflage herausgeben und dass wir einen Shop mit T-Shirts und anderen Produkten unterhalten.

Stewart: Hinzu kommen andere, die einzelne Aufträge bekommen, etwa für Grafiken.

Weitere Bücher der Sturmlicht-Chroniken

Sie erwähnten bereits den Continuity-Redakteur. Welche Hilfsmittel nutzen Sie noch und helfen die Erfahrungen, die sie bei der Fortführung von Robert Jordans „Rad der Zeit“ gewonnen haben?

Sanderson: Oh ja, es hat mir sehr geholfen zu sehen, wie Robert Jordans Schaffensprozess ablief. Das ist einer der Gründe, warum ich mein Team so aufgebaut habe, wie es ist. Für die Continuity ist etwa Karen zuständig. Sie bekommt jedes Kapitel einzeln und findet die Fehler, die ich gemacht habe. Und mir unterlaufen viele kleine Fehler! Manchmal vergesse ich etwa die Namen von Nebenfiguren oder wie die Währung heißt. Da sie das interne Wiki führt, kann sie das rasch korrigieren. Wenn ich mich um all diese Einzelheiten selbst kümmern müsste, würde mich das lange aufhalten.

Sie schreiben an Buch 4, also die deutschen Bände 7 und 8, planen aber bereits das folgende mit. Wie viele Bücher werden die Sturmlicht-Chroniken umfassen?

Sanderson: Es werden insgesamt zehn. Nach fünf Büchern wird es aber einen ersten Abschluss der Geschichte geben. Danach springe ich zehn Jahre nach Zeitrechnung Roschars in die Zukunft.

Sie mögen diese Zeitsprünge …

Sanderson: Das stimmt. In diesem Fall hatte ich für die Chroniken zehn Hauptfiguren vorgesehen und zehn Elemente der Magie. Mir war aber auch klar, dass ich die Geschichte in zwei Hälften teilen sollte, damit sie funktioniert und nicht ausufert.

Neues von Brandon Sanderson

Im November erscheint „Die Tänzerin am Abgrund“ in Deutschland. Um was geht es, und wie passt es zu den Sturmlicht-Chroniken?

Die Tänzerin am Abgrund von Brandon Sanderson

Brandon Sanderson: Die Tänzerin am Abgrund

Sanderson: Das Buch ist ein Beispiel dafür, wie ich Nebenfiguren aus der Serie einen größeren Auftritt verschaffe. „Die Tänzerin am Abgrund“ ist die erste der Geschichten, die ich ausgegliedert habe. Die Protagonistin ist Lift, die zuvor nur kleine Auftritte hatte. Dieses Mal stehen sie und ihre Hintergrundgeschichte im Mittelpunkt.

Isaac Stewart: Das Buch spielt am Übergang zwischen den deutschen Bänden 4 und 5 der Sturmlicht-Chroniken.

Der Serien-Hype im Fernsehen ist ungebrochen. Gibt es Neuigkeiten zur Umsetzung eines Ihrer Bücher?

Sanderson: Es würde mich sehr freuen, wenn es klappen würde. Doch der Stand ist unverändert: Die Rechte sind verkauft. Ich weiß, dass die Rechteinhaber an den Stoffen arbeiten und vertraue ihnen. Den größten Fortschritt gibt es bei den Drehbüchern zu „Das Rad der Zeit“. Das, was ich lesen durfte, hat mir gefallen.

5 Gedanken zu „Brandon Sanderson im Interview über die Sturmlicht-Chroniken

  1. Hallo,

    sehr interessant! Von Brandon Sanderson habe ich bisher nur „Steelheart“ gelesen, habe aber schon ewig vor, mehr von ihm zu lesen. Ich bin nur noch nicht sicher, ob ich mit der „Mistborn“- oder der „Stormlight“-Reihe anfangen will!

    LG,
    Mikka

    • Hallo Mikka,

      die „Nebelgeborenen“ gehen toll los, allerdings ziehen sich Band 2 und 3 etwas. Danach gibt es einen Zeitsprung. „Jäger der Macht“ führt in die modernere Welt ein. Mit Band 5 beginnt dann eine zweite Trilogie.
      Die Sturmlicht-Chroniken sind deutlich breiter angelegt und gehen viele Umwege, Rückwege, Schlängelwege …
      Ist eben eine richtige Reihe.
      Viel Spaß
      Jörn

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