Brandon Sanderson – krempelt er die Buchbranche um?

Brandon Sanderson Kickstarter
Kickstarter-Rekordler: Brandon Sanderson, hier mit Isaac Stewart in Berlin 2019. Foto: Jörn Käsebier

Brandon Sanderson gehört weltweit zu den erfolgreichsten Fantasy-Autoren. Vor wenigen Tagen überraschte er seine Fans mit der Ankündigung eines Kickstarter-Projekts über vier Bücher. Die Resonanz ist überwältigend. Doch ist Sandersons Weg ein Vorbild für andere Schreibende? Krempelt er gerade die gesamte Buchbranche um?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein genauerer Blick auf Brandon Sanderson, seine bisherigen Erfolge und seine Arbeit. Sanderson ist bereits seit Jahren als Vielschreiber bekannt. Schon in normalen Jahren ist sein Output höher als bei vielen anderen Fantasy-Autorinnen und -Autoren. Er arbeitet parallel an verschiedenen Projekten, die sich jeweils in unterschiedlichen Stadien befinden. Das bedeutet: Während er an einem Buch schreibt, überarbeitet er ein fertig geschriebenes und plant und plottet bereits ein weiteres.

Warum ist Brandon Sanderson erfolgreich?

Dass es ihm in der Hochzeit der Corona-Pandemie nun aber gelungen ist, fünf Bücher zusätzlich zu schreiben – damit war dennoch nicht zu rechnen. Möglich war dies aber auch, weil er nicht nur selbst gut organisiert ist und geplant vorgeht. Es liegt auch daran, dass ein ganzes Team hinter ihm steht. Zehn Menschen, seine Frau und ihn selbst mitgerechnet, sind (Stand 2019) in Vollzeit dabei, die Bücher zu gestalten, Fakten und Namen zu checken, seinen Online-Shop, seine Website und seine Social-Media-Accounts zu betreuen. Einen solchen Apparat können sich nur sehr sehr erfolgreiche Bestseller-Autoren leisten.

Verantwortlich für den Kickstarter-Erfolg dürfte aber im Wesentlichen auch der Umgang mit den Fans sein. Sanderson und sein Team investieren seit Jahren viel Zeit und Mühe, die Community zu pflegen, Informationen aktuell zu halten, Fragen zu beantworten und eigene Projekte zu pushen. Das machen andere Autorinnen und Autoren auch. Doch nicht unbedingt mit dieser Ausdauer und diesem Aufwand.

Was führt zum Kickstarter-Rekord?

Pebble Time Steel
Pebble Time Steel von 2015. Foto: Jörn Käsebier

Brandon Sanderson ist nicht der erste Autor, der auf einer Crowdfunding-Plattform aktiv ist. Michael J. Sullivan zum Beispiel hat bereits mehrere Bücher erfolgreich auf Kickstarter gebracht. Darunter sind die Riyria-Chroniken und die First-Empire-Reihe. Sullivan bringt es derzeit auf rund 3500 Unterstützer und eine Finanzierung von mehr als 130.000 Dollar. Fantasy-Autor Brian McClellan rückt daher den Erfolg von Sanderson auch in die richtige Perspektive, wenn er auf Twitter durchblicken lässt, dass er Mühe haben würde, mehr als 100.000 Dollar zu erlösen. Update: John Scalzi glaubt ebenfalls, dass dieser Erfolg auch für andere Bestseller-Autoren nur schwer zu wiederholen sein dürfte.

Dagegen Sanderson: Bereits bei einem Kickstarter-Projekt für ein ledergebundenes Buch der Sturmlicht-Chroniken hatte er mehr als 30.000 Unterstützer gesammelt. Nun hat er dieses Ergebnis noch einmal deutlich übertroffen. Das aktuelle Projekt hat bereits mehr als 84.000 Unterstützer und mehr als 20,7 Millionen Dollar erlöst (Update vom 1. April: Am Ende sind es mehr als 185.000 Unterstützer und 41,7 Millionen Dollar geworden). Damit ist es das erfolgreichste, das jemals auf Kickstarter begonnen wurde. Jahrelang stand die Smartwatch Pebble Time (möge sie in Frieden ruhen) unangefochten oben auf Rekordliste.

Damit wären wir beim letzten Faktor, der zum Erfolg von Sanderson beiträgt. Erfolg zieht Erfolg an, heißt, je erfolgreicher das Projekt ist, desto bekannter wird es, desto mehr Menschen werden neugierig und unterstützen das Crowdfunding-Projekt.

Wird der Rekord-Kickstarter also die Buchbranche umkrempeln? Davon ist nicht unbedingt auszugehen. Wie bereits geschildert, tragen hier Faktoren zum Erfolg bei, die sich nicht so leicht und schnell wiederholen lassen. Es dürfte allerdings ein paar Schreibende geben, die es dennoch versuchen. Insgesamt zeigt das Projekt noch einmal, welche herausragende Stellung Bestseller-Autoren innehaben.

Ein Blick auf die vier Bücher von Sanderson

Zum Schluss noch ein Blick auf die Inhalte, die Sanderson anbietet. Vier Romane werden veröffentlicht, einer pro Quartal. Drei der Bücher sind im Cosemere, dem Multiverse von Sandersons Werk verortet (weshalb sich viele Fans diese Bücher nicht entgehen lassen wollen). Sehr viel mehr dazu noch nicht bekannt. Denn zum Marketing gehört es, nur Kleckerweise Informationen herauszugeben, um so immer wieder Neues bieten zu können.

Bislang ist nur der Titel des ersten Buches enthüllt: „Tress of the Emerald Sea“. Die ersten vier Kapitel hat Sanderson auf seiner Homepage veröffentlicht. Außerdem liest er sie auf seinem Youtube-Kanal. Auf diesem hatte er auch die Überraschung, dass es die vier Bücher plus ein weiteres geben würde, enthüllt. Update vom 1. April: Mittlerweile gibt es zu jedem der vier Bücher ein Video und einen Blog-Beitrag.

5 Gedanken zu „Brandon Sanderson – krempelt er die Buchbranche um?

  1. Irgendwie widerspricht das für mich dem Sinn von Crowdfunding, nämlich Geld für Projekte zu sammeln, das man sonst nicht hätte, wenn ein mehrfacher Millionär einen solchen Weg geht, um eine Vorabfinanzierung für ein Projekt zu erreichen, das zu finanzieren ihm sicherlich problemlos auch anders möglich gewesen wäre

    • Das war auch schon bei der Pebble Time so. Sie wollten Kapital, bei Sanderson geht es sicherlich auch darum, Aufmerksamkeit zu bekommen und auszuprobieren, wie weit er kommt. Er hat aber sicherlich nicht damit gerechnet, dass die Resonanz so groß ist.

  2. Pingback: Heyne: Herbstprogramm 2022 mit Brandon Sanderson | Der Fantasy Weblog

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