Tom Lloyd: Söldnerfluch – eine Rezension

Tom Lloyd: Söldnerfluch

Tom Lloyd: Söldnerfluch

Die Fantasy-Literatur ist voll von Söldner-Figuren. Sie kämpfen für Geld, verraten ihre Auftraggeber oder werden von diesen verraten und stehen am Ende oft mit leeren Händen da. Wie es den bezahlten Kämpfern in „Söldnerfluch“ von Tom Lloyd ergeht, müssen Leser selbst herausfinden. Die Rezension zeigt zumindest, ob sich die Lektüre lohnt.

Luchs hat den Söldnerfluch. Der Kriegsveteran vermeidet größere Kampfeinsätze und verdient sein Leben lieber als Leibwächter oder als Teil einer Eskorte. Als Überlebender eines großen Krieges genießt er lieber das Leben, was sich auch an seinem Bauchansatz zeigt. Doch nach einer durchzechten Nacht bleibt im keine Wahl. Er muss sich einer Söldnerkompanie anschließen. Deren Auftrag: Rettung einer Dame. Die Wirklichkeit: Es kommt ganz anders. Daran ist Luchs zum Teil selbst schuld. Doch es liegt auch am Söldnerfluch, dass er mehr kämpfen muss als ihm lieb ist.

Magische Schusswaffen

Tom Lloyd hat mit „Söldnerfluch“ (Stranger of Tempest)ein Buch vorgelegt, das in weiten Teilen in völligem Gegensatz zu seiner Sturm-Reihe („The Stormcaller“) steht (die in der deutschen Übersetzung leider nicht über drei Bände hinaus kam). War sie episch und komplex, handelte von Göttern und Halbgöttern, die miteinander im Krieg liegen, und strotzte von mächtiger Magie, ist es in „Söldnerfluch“ anders. Das Pantheon spielt fast nur in Gestalt von Ordensrittern eine Rolle und die Magie ist zwar da, hat jedoch ihre beste Zeit hinter sich – untergegangene Zivilisationen waren auf diesem Gebiet viel mächtiger.

Interessant ist, wie Tom Lloyd Gewehre und Pistolen einbaut, ohne Schießpulver oder ähnliches einzuführen. Die Munition ist nämlich in Patronen gepresste Magie mit unterschiedlicher Wirkung, die sich an den Elementen orientiert. Vom Eiser über den Erder bis hin zum Brenner reicht das Spektrum. Ein durchaus origineller Ansatz, der konservative Fantasy-Leser mit dem Einsatz von Schusswaffen versöhnen könnte.

Zwischen Söldnergeschichte und Rollenspiel

Ein Auftrag, der sich als Himmelfahrtskommando entpuppt, eine Auftraggeberin, die mehr ist als sie zunächst scheint – das gehört spätestens seit Glen Cooks „Black Company“ zu den bekannten Elementen einer Söldnergeschichte. Er dürfte eines der wichtigsten Vorbilder für Tom Lloyd gewesen sein. In der zweiten Hälfte greift der britische Fantasy-Autor darüber hinaus weitere bekannte Vorbilder auf. Ganz wie in Rollenspielen à la Dungeons and Dragons geht es in unterirdische Gänge voller Schätze und unbekannter Gefahren. Die dort lauernden Kreaturen könnten auch einer Horror-Geschichte entsprungen sein – mehr wird nicht verraten.

Was „Söldnerfluch“ über den Durchschnitt erhebt, zu dem zuletzt etwa „Tanz der Klingen“ zu rechnen ist, sind die Figuren. Da ist vor allem Luchs zu nennen, dessen Trauma aus dem Krieg gut herausgearbeitet wird. Mit Sitain gibt es zudem eine junge Frau, die im Gegensatz zu den Veteranen noch viel lernen muss, dank ihrer Magie aber auch mehr Möglichkeiten hat. Nicht zu vergessen Racke, die schwer zu durchschauende Auftraggeberin, die mehr Tiefe hat, als zunächst angedeutet. Weniger gelungen ist die Gegenspielerin, Anführerin der Ordensritter. Sie bleibt oberflächlich.

Fortsetzung möglich

Die originelle Verbindung von Magie und Schusswaffen, die Figuren und eine Geschichte, die nicht ausufert und nicht langweilt, machen „Söldnerfluch“ zu einer empfehlenswerten Lektüre. Zwar zum Auftakt deutlich weniger ambitioniert als die Sturm-Reihe, doch dafür hat Tom Lloyd seine Geschichte besser im Griff.

Die Handlung ist in sich abgeschlossen. Dennoch ist in „Söldnerfluch“ noch nicht alles über Luchs, Racke und Sitain erzählt. Bis zu sechs Bücher könnte die Reihe „The God Fragments“ einmal umfassen. Band 2 kommt im Juli 2017 heraus. Es wird also noch dauern, ehe die Karten der Kompanie im deutschsprachigen Raum neu gemischt werden.

„Söldnerfluch“ von Tom Lloyd ist bei Heyne erschienen. Die Paperback-Ausgabe geht über 608 Seiten und kostet 14,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Michael Siefener.

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