RJ Barker: Die Knochenschiffe

RJ Barker Die Knochenschiffe
RJ Barker führt in „Die Knochenschiffe“ in eine Welt ein, in der aus dem Skelett riesiger Drachen große Schiffe gebaut werden. Foto: Jörn Käsebier

Die Knochenschiffe bestehen aus den Knochen von Drachen. Mit ihnen lassen sich riesige Schiffe bauen. Allerdings hat niemand, der noch lebt, auf den Hundertinseln einen Drachen gesehen. Die Mannschaft der Gezeitenkind könnte zu den ersten Menschen gehören, die einen der Giganten lebend sieht. Allerdings zeigen im Roman von RJ Barker noch andere Parteien Interesse an dem mächtigen Wesen.

Joron Twiner ist die Schiffsfrau der „Gezeitenkind“. So heißen in der Welt der Hundertinseln die Kapitäne. Schon bald ist Joron seine Stellung los, denn die Glückliche Meas übernimmt das Schiff der Toten, auf dem Verurteilte dienen. Doch Joron stellt schnell fest, dass ihm Meas einen Dienst damit erwiesen hat, reift er doch erst durch sie zu einem brauchbaren Seemann heran. Und solche Männer und Frauen braucht Meas – schließlich geht sie Konfrontationen nicht aus dem Weg.

RJ Barker und die Magie der Drachen

Drachen, die Menschen als Rohstoffquelle ausschlachten, um damit ihre Kriege und ihren Handel führen zu können – diese Idee setzte zuletzt Anthony Ryan in „Draconis Memoriae“ um. Ging es bei ihm um Drachenblut, aus dem Magie zu ziehen war, sind es bei RJ Barker die Knochen der Riesen. Diese verleihen zwar nicht magische Fähigkeiten, erlauben aber den Bau stabiler großer Schlachtschiffe.

Sowohl die Menschen der Hundertinseln als auch die von den Hageren Inseln setzen auf die mit kleinen und großen Schlachtbögen ausgestatteten Knoschenschiffe. Beide Inselreiche bekriegen sich, opfern ihre Bevölkerung einer Auseinandersetzung, die niemand gewinnen kann.

Eine Mannschaft wächst

RJ Barker nimmt sich Zeit, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt. Wie die „Gezeitenkind“ braucht es, damit sie flott gemacht wird. Das heißt nicht, dass der Beginn langweilig wäre, sondern nur, dass Barker es vermeidet, Entwicklungen zu plötzlich ablaufen zu lassen.

Joron macht eine große Veränderung durch, von einer Figur, die von niemandem respektiert wird, zu einem Anführer, der seinen Leuten vertraut und die ihm vertrauen. Anders als bei seiner Alkoholkrankheit, die er erstaunlich schnell überwindet, dauert es eine Weile, ehe Joron in diese Rolle hineinfindet. Da die Handlung aus seiner Sicht geschildert wird, erleben die Leserinnen und Leser diese Entwicklung hautnah mit.

Frauen beherrschen die Welt der Knochenschiffe

Behutsam führt Barker auch in die Fantasy-Welt ein. Er schildert den Aufbau der Gesellschaft auf den Hundertinseln, wie sie von Frauen beherrscht wird, die sich als besonders gebährfähig erweisen über die Bedeutung der Marine und die Behandlung von Menschen mit körperlichen Behinderungen. Hier zeigt Barker wie schon in der Assassinen-Reihe sein Herz für Menschen, bei denen Gliedmaßen verkrüppelt sind oder die sie ganz verloren haben. Aber auch seelisch Verwundeten gilt seine Empathie.

Man kann es sogar noch höher hängen: Es geht in „Die Knochenschiffe“ um Achtung vor der Natur und Respekt vor dem Leben. Barker wendet sich gegen die Ausrottung und Unterdrückung ganzer Spezies. Das alles erzählt der Autor im Rahmen eines Fantasy-Romans, der auch in der Tradition von Piratengeschichten, Seekriegsromanen und einem Klassiker wie „Moby Dick“ steht. Ihm ist ein fesselnder Auftakt gelungen, der große Vorfreude auf mehr weckt.

Gezeitenkind-Trilogie geht weiter

Die Knochenschiffe Gezeitenkind-Trilogie 1
RJ Barker: Die Knochenschiffe

Die Reise der „Gezeitenkind“ und ihrer Crew ist mit „Die Knochenschiffe“ noch nicht vorbei. Zwei weitere Bände wird es geben. Im Oktober bringt Panini Band 2, „Der Ruf der Knochenschiffe“, heraus. Für das kommende Frühjahr ist dann das Erscheinen des Abschlussbandes vorgesehen – „Im Sog der Knochenschiffe“ wird er heißen.

„Die Knochenschiffe“ von R. J. Barker ist bei Panini erschienen. Im Paperback geht der erste Band der Gezeitenkind-Trilogie über 608 Seiten und kostet 17 Euro. Die Übersetzung stammt von Kerstin Fricke.

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