R.J. Barker: Die Stunde des Assassinen

R.J. Barker: Die Stunde des Assassinen

R.J. Barker: Die Stunde des Assassinen

Auftragsmörder zählen in fiktiven Stoffen zu den beliebtesten Schurken. Zumal wenn sie so ambivalent angelegt sind, dass sie auch die Helden sein können. „Die Stunde des Assassinen“ ist so ein Fall. R.J. Barker macht in seinem Fantasy-Buch einen jugendlichen Assassinen zum Protagonisten. Und von einem eiskalten Killer trennen diesen Girton Welten – zumindest zunächst.

Girton Klumpfuß und sein Meister Merela Karn kommen in die Burg Maniyadoc, um einen Auftrag zu erfüllen. Überrascht müssen die Assassinen feststellen, dass sie dieses Mal nicht jemandes Leben nehmen, sondern ein Leben retten sollen. Sie suchen die Person, die andere Assassinen beauftragt hat, den Thronfolger zu ermorden. Diese komplizierte Aufgabe wird zusätzlich dadurch erschwert, dass es sich beim Kronprinzen um einen arroganten Sadisten handelt. Girton und sein Meister finden mehr mögliche Täter als sie Verdächtige ausschließen können. Als Knappe getarnt treibt Girton die Suche voran …

Das Zeitalter und die Stunde des Assassinen

Die deutsche Ausgabe führt auf dem Buchdeckel auf die falsche Fährte. Auf dem Bild ist ein vollausgerüsteter Kämpfer zu sehen, dessen Gesichtszüge verhüllt sind. Das entspricht zwar einem an Ninjas angelegten Bild von Assassinen, hat jedoch mit einem Jugendlichen, der unter falscher Identität in einer Burg ermittelt, nur wenig zu tun. Der deutsche Titel, „Die Stunde des Assassinen“, ist zudem nicht wörtlich aus dem Original übersetzt. Dort geht es um ein ganzes Zeitalter der Assassinen (Age of Assassins) sowie um ein verwundetes Königreich (The Wounded Kingdom). Gleichwohl ist der deutsche Titel durchaus treffend. Denn Girtons Stunde wird kommen.

Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg für den Jugendlichen. Er, der als Sklave aufwuchs und wegen seines Klumpfußes verachtet wird, muss sich ausgerechnet beim Kämpfen verstellen. Von den anderen Knappen steckt er einige Schläge ein, um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen. Dann verliebt sich Girton noch und gerät mit seinem Meister in Streit über sein Erbe. Soweit folgt der Fantasy-Roman gängigen Topoi eines Entwicklungsromans. Die Suche nach dem Assassinen-Auftraggeber trägt hingegen Züge eines Detektivromans. So muss sich der Gesuchte etwa in der geschlossenen Welt der Burg aufhalten und haben viele Verdächtige ein gutes Motiv. Wohl nicht umsonst nennt R.J. Barker Agatha Christie als eine seiner Lieblingsautorinnen.

R.J. Barker überzeugt beim Debüt

Die Beschreibung der Fantasy-Welt, des Müden Landes, hält R.J. Barker eher kurz. Originell ist beim Setting, dass das Land durch Magie verheert wurde und wir es daher mit einer Welt nach einer Katastrophe zu tun haben. Magie gilt mehr als Fluch denn als Segen. Auch weil Zauberer Lebenskraft benötigen, um Magie zu wirken. Insgesamt ist dem Autor mit seinem Debüt ein starkes Buch gelungen. Vor allem der Protagonist überzeugt. Seine Gedankenwelt ist so gut beschrieben, dass man als Leser mit ihm leidet oder sich mit ihm freut. Und „Die Stunde des Assassinen“ nur ungern aus der Hand legt.

R.J. Barker bringt die Handlung seines Fantasy-Romans zu einem Abschluss. Dabei öffnet er aber die Tür für Fortsetzungen. Denn der Erzähler verweist im Epilog darauf, dass es nur das erste Geständnis eines Assassinen sei. Damit folgt Barker dem Trend, eine Geschichte nicht gleich als fortlaufende Trilogie zu erzählen. Die Fortsetzung von „Die Stunde des Assassinen“ erscheint im Original in wenigen Wochen. Ob es eine deutsche Übersetzung geben wird, ist noch nicht bekannt.

„Die Stunde des Assassinen“ von R.J. Barker ist bei Heyne erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 464 Seiten und kostet 14,99 Euro, das E-Book 11,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Beate Brammertz.

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5 Gedanken zu „R.J. Barker: Die Stunde des Assassinen

  1. Im Original schon viel davon gehört, schleiche ich drumherum und kann mich doch nicht wirklich entschließen. Sollte ich ändern, oder?

    • Ich finde, ja. Wenn du erst einmal den Stil checken willst, hilft es vielleicht, in die Leseprobe hineinzulesen. Den Prolog finde ich ein wenig überflüssig, doch das erste Kapitel vermittelt eine ganz gute Vorstellung von der Hauptperson.

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