Der Hof der Wunder von Kester Grant

Der Hof der Wunder von Kester Grant

Der Hof der Wunder von Kester Grant spielt in Paris. Foto: Jörn Käsebier

Azelma opfert sich für ihre Schwester Nina. Sie lässt sich von ihrem Vater an den Tiger verkaufen, der Mädchen und Frauen versklavt und zur Prostitution zwingt. Doch damit Nina vor diesem Schicksal bewahrt werden kann, muss sie sich am Hof der Wunder von Paris beweisen und in eine der Gilden aufgenommen werden.

Die Gilde der Diebe nimmt sie auf. Dort ist sie vor ihren Verfolgern sicher. Doch die junge Diebin nimmt nicht einfach nur ein neues Leben an. Sie sinnt darauf, ihre Schwester aus den Klauen des mächtigen Tigers zu befreien. Wenn nötig, verstößt sie dabei auch gegen die Gesetze der Gilden.

Diebe in der Stadt der Liebe

Geschichten um Diebe sind in der Fantasy-Literatur populär. Scott Lynch, Jon Skofron und vor allem Leigh Bardugo mit ihrem „Das Lied der Krähen“ sind in den vergangenen Jahren damit erfolgreich gefahren.

Bei Kester Grant spielt die Handlung jedoch nicht in einer Fantasy-Welt, sondern im Paris des 19. Jahrhunderts. Obwohl es sich aber um einen Fantasy-Roman handelt und nicht einen historischen Roman, kommt er ohne Magie aus. Lediglich die Fähigkeiten einiger Gilden, etwa der der Assassinen, haben etwas Übernatürliches.

Vorlagen für „Der Hof der Wunder“

„Der Hof der Wunder“ ist gespickt mit Referenzen an „Les Misérables“ von Victor Hugo. Okay, der Titel verweist vielleicht eher auf einen anderen französischen Klassiker aus Hugos Feder. Doch zurück zu „Les Misérables“. Die Familie Thénardier findet sich in diesem Werk, angefangen vom schurkischen Vater über Azelma und Cosette (Ettie). Und  bei Nina handelt es sich um eine abgewandelte Éponine. Außerdem tauchen Valjean und Javert, sein Jäger von der Polizei, in anderen Rollen auf.

Und auch wenn im Buch die Französische Revolution im Buch als niedergeschlagen gilt, gibt es für die sich anbahnende Revolte ein Vorbild: den Juniaufstand von 1832 (den Hugo auch für „Les Misérables“ aufgriff). Allerdings haben sich die Vorzeichen hier etwas verändert, weil die Bourbonen noch an der Macht sind.

Dschungelbuch im Großstadtdschungel

Das zweite große literarische Vorbild für Kester Grants Geschichte ist „Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling. Am deutlichsten wird dies bei den Tieren am Hof der Wunder wie dem Tiger, der schwarzen Katze und dem Bären (dem Lehrer der Gesetze).

Es handelt sich aber nicht um eine Nacherzählung beider Werke. Kester Grant hat durchaus ihre eigene Geschichte gefunden. Diese ist spannend und actionreich. Die Handlung wird mit viel Tempo vorangetrieben. Es kommt allerdings zu Zeitsprüngen zwischen den Teilen, die leider auf Kosten der Figurenentwicklung gehen. Dadurch reift Nina, ohne dass man als Leser dabei ist.

Auch in der Handlung finden sich ein paar Unschärfen. So ergibt die Vorgeschichte des Tigers wenig Sinn, weil Paris keine Hafenstadt ist und der Sklavenhandel in Frankreich hauptsächlich über Nantes abgewickelt wurde. Doch das ist bei einem Debut verzeihlich. Zumal das Buch ansonsten überzeugt. Man legt es nur ungern nach der Lektüre aus der Hand.

Kester Grant plant eine Serie

Der Hof der Wunder von Kester Grant

Kester Grant: Der Hof der Wunder

Wie zum Beispiel schon bei Sebastien de Castell und seinen „Greatcoats“ ist Piper den Weg gegangen, die Übersetzung noch vor der Originalausgabe zu veröffentlichen. Die ist nämlich erst für Mai 2020 geplant. Geplant sind zudem mindestens zwei Fortsetzungen – auch wenn Band 1 in sich abgeschlossen ist.

„Der Hof der Wunder“ von Kester Grant ist bei Piper erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 416 Seiten und kostet 17 Euro, das E-Book 14,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Andreas Decker.

Ein Gedanke zu „Der Hof der Wunder von Kester Grant

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