Jasper Fforde: Eiszeit – eine Rezension

Jasper Fforde Eiswelt

Vorher für Fettpolster sorgen: Der Winterschlaf in „Eiswelt“ von Jasper Fforde kann tödlich enden.  Foto: Jörn Käsebier

So ein Winter in der Eiswelt von Jasper Fforde klingt zunächst toll: Die Menschen halten Winterschlaf und dürfen sich dafür zuvor ein Fettpolster zulegen – am Fat Thursday. Doch bereits früh im Buch wird klar, dass die Realität dahinter eine ganz andere ist. Denn einige Menschen überleben den Winterschlaf trotz Winterfell und Fettpolster nicht. Und auch die Menschen, die den Schlaf ermöglichen, sind nicht so freundlich und fürsorglich wie sie es eigentlich sein sollten …

Winterkonsul in der Eiswelt

Charlie Worthing ist der Protagonist, aus dessen Sicht ein Ich-Erzähler erzählt. Die Tätigkeit als Winterkonsul gibt ihm die Chance aus seiner tristen Waisenhauswelt auszubrechen. Zugleich muss er seinen ersten Winter überhaupt wach erleben, während er seine Aufgaben erfüllt und die Schlafenden beschützt. Doch schnell wird ihm klar, dass beim Winterschlaf nicht alles so läuft wie es scheint.

Die Welt, in der sich Charlie bewegt, ähnelt sehr der unseren. Wales ist Ort der Handlung. Allerdings hat eine Eiszeit verschiedene Veränderungen in diese Alternativwelt gebracht, vor allem klimatisch und politisch, aber auch sozial.

Jasper Fforde überschreitet Genre-Grenzen

Es ist ein wilder Genre-Mix, den Jasper Fforde mit „Eiswelt“ präsentiert. Das Buch enthält Elemente von Science-Fiction, Fantasy, Medizin-Thriller sowie Horror mit Spurenelementen von Zombie-Geschichten.

So breit gefasst wie in Sachen Genre ist auch die Themenwahl. Klimawandel liegt bei einem Buch über eine Eiszeit-Welt nahe. Vor allem ist es aber ein gesellschaftskritischer Roman. Fforde thematisiert den gesellschaftlichen Umgang mit Kranken und Schwachen, die Bewertung von Menschen nach Nützlichkeit und Gesundheitssysteme. In „Eiswelt“ gibt es eine Zwei- oder mehr Klassen-Medizin, die viele Verlierer kennt.

Zu den phantastischen Elementen gehört der Rückgriff auf Mythen und Sagen. Diese sind überwiegend walisisch. Die reiche Feenwelt bringt das Unberechenbare hinein. So wie etwa die Gronk, ein Feenwesen mit Sinn für Ordnung – sie legt zum Beispiel die Kleidung ihrer Opfer ordentlich zusammen.

Eiswelt ist komisch und spannend

Die Geschichte ist fesselnd erzählt. Und bei allen ernsten Themen blitzt zwischendurch immer wieder Humor hervor. Dabei hilft es, dass Fforde nicht eine völlig neue Welt erschaffen hat. Dieser Kunstgriff erlaubt ihm viele lustige Anspielungen, zum Beispiel auf die Popkultur. Brüllend komisch ist auch seine Karikatur der englischen Oberschicht.

Die „Eiswelt“ ist in sich abgeschlossen – auch wenn weitere Geschichten über die Winterkonsuln irgendwann folgen mögen. Das Buch hat nur wenige Schwächen: einige Handlungsmuster wiederholen sich so oft wie der Traum mit dem blauen Buick. Und das Ende kommt etwas abrupt. Dennoch ist der Roman insgesamt gelungen und empfehlenswert.

Eiswelt von Jasper Fforde

Jasper Fforde: Eiswelt

„Eiswelt“ von Jasper Fforde ist bei Heyne erschienen (noch vor der US-Ausgabe). Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 656 Seiten und kostet 14,99 Euro, das E-Book 11,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Kirsten Borchardt. Sie hat zum Beispiel auch Joe Abercrombies Bücher übersetzt.

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Ein Gedanke zu „Jasper Fforde: Eiszeit – eine Rezension

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