Thomas Plischke gewährt Einblicke – der etwas andere Werkstattbericht

Thomas Plischke und sein Co-Autor Ole Christiansen haben mit den „Zerrissenen Reichen“ eine Fantasy-Welt jenseits aller Klischees erschaffen. Auch die „Zombies“ drehen sich nicht um Untergangsszenarien à la „Resident Evil“. Über die aktuellen Projekte informiert Plischke „Im Blogschke“.

1. Was ist Ihre Lieblingszeit zum Schreiben?

Ich arbeite zu relativ normalen Zeiten. Ich stehe gegen 8 Uhr auf, dann trinke ich auf dem Sofa meinen ersten Kaffee und rauche meine erste von täglich viel zu vielen Zigaretten. Danach setze ich mich an den Rechner und schaue mir die Nachrichten im Internet an. Um 9 Uhr geht es dann meist los mit dem Tippen, und gegen 18 Uhr wird die Kiste ausgeschaltet, damit ich mich mit einem guten Buch oder bei einer guten Fernsehserie auf der Couch entspannen kann. Nachtschichten kommen gerade zum Ende eines Buches oder bei dringenden Projekten auch mal vor – früher habe ich generell lieber nachts geschrieben, aber man wird eben nicht jünger.

Der Autor Thomas Plischke

Fantasy-Autor Thomas Plischke Foto: Isa Scharfenberg

2. Welches ist Ihr Lieblingsgetränk während des Schreibens?

Kaffee, Kaffee und nochmals Kaffee. Übrigens gerne auch kalt, wenn ich vor lauter Schreiben manchmal das Trinken vergesse. Für etwas Abwechslung sorge ich ab und zu mit exotischen Fruchtsäften oder einer Cola.

3. Auf welcher Sitzgelegenheit sitzend schreiben Sie am liebsten?

Meist sitze ich auf einem handelsüblichen Bürostuhl ohne jeglichen Firlefanz. Manchmal nehme ich mir aber auch das Netbook oder einen guten alten Block und schreibe auf dem Sofa sitzend. Sehr viel bequemer, aber dafür ist man natürlich viel öfter abgelenkt.

4. Worin besteht die größte Versuchung, um während der Arbeit abgelenkt zu werden?

Die größte Ablenkung sind sicher die alltäglichen Dinge wie Einkaufen, Essen und sich nutzlos im Internet rumtreiben. Dicht danach kommen die lieben Kollegen: Das Autorengeschäft kann ja ein einsames sein, also pflege ich regen Kontakt zu anderen Autoren. Das sind gewissermaßen Telefonfreundschaften – und so ein Gespräch kann schon mal ein Stündchen dauern.

5. Wie viele Wörter schreiben Sie am Tag?

Ich zähle nicht meine geschafften Wörter, sondern die Seiten. Wie viele Seiten ich am Tag schaffe, schwankt aber stark, je nachdem, in welcher Phase eines Projekts ich gerade bin: Die Spannbreite reicht von 5 bis 20 Seiten. Aber natürlich gibt es auch Tage, an denen man gar keine Seite schafft, sondern nur plant, oder die richtig geilen Tage, an denen man wie im Rausch zwölf Stunden schreibt und dann 30 Seiten hat – wie viele dieser 30 Seiten dann die Korrektur überleben, steht auf einem vollkommen anderen Blatt …

6. Drucken Sie Texte noch zum Korrekturlesen aus?

Nein, ich lese und arbeite immer am Bildschirm, und wenn man sich daran gewöhnt hat, ist das bei den modernen Flachbildschirmen eigentlich auch ganz angenehm.

7. Wer darf eine neue Geschichte zuerst lesen?

Mein Co-Autor Ole Christiansen natürlich, denn der begleitet mich ja direkt beim Schreiben und liest so gut wie jeden Abend, was ich tagsüber so verbrochen habe. Im Anschluss gibt es dann gerne mal eine heftige, aber produktive Auseinandersetzung über Details und den weiteren Fortgang der Handlung. Das Motto lautet hier zweifelsohne: Sie küssten und sie schlugen sich.

8. Welchen Platz bekommen die eigenen Bücher zu Hause?

Keinen besonderen ehrlich gesagt. Bei uns im Hause gibt es um die 5000 Bücher. Mein Ego ist nicht groß genug, um bei all diesen Schätzen ausgerechnet den Büchern aus meiner Tastatur einen Sonderplatz einzuräumen. Einen Ehrenplatz haben stattdessen all die signierten Bücher, die ich mit anderen Autoren getauscht oder geschenkt bekommen habe.

9. Kann man als professioneller Schreiber noch mit Vergnügen das Werk anderer Autoren lesen?

Aber selbstredend! Und warum sollte man auch nicht? Meiner Meinung nach muss man sich als Autor an anderen Büchern reiben, sich mit ihnen auseinandersetzen und auch mal denken „Das ist super gelungen!“ bzw. „Das hätte ich vollkommen anders gemacht.“ Die Liebe zum Lesen hat mich ja erst zum Schreiben gebracht, und seine erste Liebe vergisst man eben nie …

10. Welchen magischen Trick würden Sie gern selbst beherrschen?

Teleportieren in irgendeiner Form fände ich extrem praktisch: Ich verreise prinzipiell gerne, nur die eigentliche Fahrt oder der Flug schrecken mich. Am liebsten wäre ich in Windeseile direkt am Ziel – etwa indem ich einfach meine Haustür aufmache und dann aus der Klotür bei Brigitte Melzer oder Falko Löffler heraustrete.

11. Wie viel Internet darf es am Tag sein?

Ziemlich viel, ehrlich gesagt. Das Internet ist ja heute nicht mehr nur für Pornos da, sondern bietet unglaublich viele Infos, Neuigkeiten und destilliertes Wissen. Und da ich dazu neige, gar nicht so wenig zu recherchieren – angefangen beim Kampfsport Krav Maga über die Bauweise mittelalterlicher Festungen bis zur deutschen Schreibung der Namen altägyptischer Gottheiten -, ist das Internet eine große Hilfe. Manchmal lenkt es aber auch ab, wenn man nur kurz mal irgendwo reinschauen möchte und sich spontan an einem misslungenen Essay oder einen spannenden Blogbeitrag festliest.

12. Brauchen Autoren Haustiere?

Nein, nicht zwingend, aber sie brauchen Gesellschaft. Ich habe ja meinen Co-Autor, der auch mal scherzhaft „unser Mops“ genannt wird. Der reicht mir. Im Unterhalt nicht ganz billig, aber immerhin stubenrein und wohlerzogen.

Weitere Teile der Serie „Einblicke“:

Vampire werden zu Engeln

Die Vampirschwemme der vergangenen Jahre auf dem Büchermarkt hat nicht nur Stephenie Meyer, J.R. Ward und andere Autoren bekannt gemacht, sondern auch das Bild der Vampire in der Literatur verändert.

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Piper 2010 – etwas heitzlos

Das Fantasy-Frühjahr 2010 von Piper interpretiert wie üblich den Fantasy-Begriff sehr weit. Das heißt, Mystery wie „Mr. Monster“ von Dan Wells gehört ebenso dazu wie Science-Fiction von Marliese Arold. Bei den wirklichen Fantasy-Romanen fällt auf, dass vor allem Fortsetzungen im Programm stehen. Michael Peinkofer darf weiter zaubern, Tobias Meißner seine Dämonen auf die Welt loslassen und Brandon Sanderson für Robert Jordan am Rad der Zeit drehen.

Piper holt aber einen neuen russischen Autor ins Programm. Alexey Pehov stammt aus Moskau und soll neben Sergej Lukianenko der erfolgreichste Phantastik-Autor Russlands sein. „Schattenwanderer“ lautet der Titel seines ersten Romans, der auf Deutsch erscheint.

Ach ja, nach der Vampir-Welle soll die Zombie-Welle die Büchertische überspülen. Thomas Plischke und „Die Zombies“ treten bei Piper in dieser Kategorie an. Ob sie den gleichen Sexappeal erreichen wie die Blutsauger?

So bleibt am Ende in Erinnerung, dass das Frühjahr mit Piper ein wenig heitzlos wird – denn einen Roman von Markus Heitz sucht man vergeblich im Programm, was zu seinen Plänen passt.