Patrick Rothfuss – Der Weise fürchtet sich zweimal

Auf diesen zweiten Tag haben sich Fantasy-Leser bereits seit Monaten gefreut – am 24. Oktober erscheint „Die Königsmörder-Chronik. Zweiter Tag“ von Patrick Rothfuss. Doch „Die Furcht des Weisen“ (Wise Man’s Fear) erfüllt auch die Ängste des unbedarften Lesers: Die Deutschen zahlen nämlich doppelt. Das Werk von Pat Rothfuss wird in der Übersetzung auf zwei Bände aufgeteilt. Bei Klett-Cotta bekommt der Tag also 48 Stunden.

„Dieser zweite Band von »Der Name des Windes« steckt wieder voller neuer Geschichten und Ideen von Patrick. Der Band ist daher so umfangreich geworden, dass man ihn teilen musste in zwei Bände“, lautet die offizielle Begründung. Ob man ihn wirklich teilen musste sei dahin gestellt, müssen doch auch schon mal deutlich dünnere Werke auf mehrere Bände gestreckt werden. Bei „Die Furcht des Weisen“ kann von strecken allerdings nicht die Rede sein, umfasst „The Wise Man’s Fear“ im Original doch bereits knapp über 1000 Seiten in der gebundenen Ausgabe und immer noch knapp 900 Seiten im Taschenbuch – wer schon einmal ein englisches Taschenbuch in der Hand gehabt hat, weiß, wie eng gedruckt die Seiten da werden können.

Zwei Übersetzer für zwei Bände von „Die Furcht des Weisen“

Die beiden deutschen Bände werden die Hobbitpresse angeblich zugleich verlassen. Mit Jochen Schwarzer, der „Der Name des Windes“ übersetzte, und Wolfram Ströle sitzen gleich zwei Übersetzer am Text. Allerdings sind die „ersten Infos“ auf der Klett-Cotta-Seite wohl nicht auf dem aktuellen Stand, wird doch bereits die Länge der Romane mit jeweils 800 Seiten angegeben, was nicht stimmen kann. Zum einen dürfte die Übersetzung nicht so viel mehr Seiten brauchen, zum anderen unterscheiden sich die Bücher bereits im Preis: „Die Furcht des Weisen 1“ soll 24,95 Euro kosten, „Die Furcht des Weisen 2“ 22,95 Euro. Glaubwürdiger scheinen da die Angaben bei Buchhandel.de, laut denen Band 1 aus rund 800 Seiten besteht, Band 2 aber mit einer voraussichtlichen Länge von 520 Seiten angegeben wird. Sollten die Daten dort akurat sein, erscheint Teil 2 von Teil2 jedoch erst im Februar 2012. Edit: Mittlerweile gibt auch Klett-Cotta den 21. Februar als Erscheinungstermin für Teil 2 von Band 2 auf seiner Homepage an, die Länge soll bei 550 Seiten liegen.

Cover von Die Furcht des Weisen

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 1

Bis Oktober bleibt Klett-Cotta aber noch genügend Zeit, um die Verwirrung komplett zu machen, Veröffentlichungen zu verschieben und gleich eine günstigere Version anzukündigen, die die Wartezeit auf den dritten Tag der Königsmörder-Chronik verkürzt.

Und bevor jetzt das Geschrei laut wird, wie sehr doch der Verlag nur am Profit interessiert sei, sollte man sich überlegen, ob nicht bei der Länge die Verantwortung beim Autor und seinem Lektor liegt. Bereits der vielgelobte erste Band der Chronik zerfaserte gegen Ende ziemlich und hätte gut eine Straffung vertragen können. Die Probleme, die Rothfuss beim Schreiben von „Die Furcht des Weisen“ hatte, hat er hinlänglich auf seinem Blog beschrieben. Dazu gehörte auch das häufige Umarbeiten großer Passagen. Die Vermutung liegt nahe, dass am Ende einfach alle Beteiligten froh waren, dass er doch noch ein Manuskript abgegeben hat.

Cover von Die Furcht des Weisen 2

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 2

Die Probleme bei der Straffung teilt Rothfuss mit anderen Vielschreibern – auch mit denen, die deutlich schneller voranschreiten und mehr veröffentlichen als der Autor aus Wisconsin. Bei Heyne ist gerade „Der Weg der Könige“ von Brandon Sanderson erschienen, der Auftakt zu einer Endlos-Reihe des Vollstreckers des Rad-der-Zeit-Epos‘. „Way of Kings“ hat im Original 1280 Seiten (Taschenbuch-Ausgabe) und wurde daher in der deutschen Fassung auf zwei Bände aufgesplittet. 896 Seiten umfasst die gebundene Ausgabe des ersten Teils – Teil 2, „Der Pfad der Winde“, wird im August auf 700 Seiten erscheinen. Angesichts dieser Längen gibt es gute Gründe für die Aufteilung, doch angesichts der Längen, die andere Bücher von Sanderson enthalten, wäre es wahrscheinlich am besten gewesen, man hätte ihn im Original gezwungen zu kürzen. In der Übersetzung ist es dafür natürlich zu spät.

Der schwierige 2. Band

Da die meisten Fantasy-Reihen derzeit aus Trilogien bestehen, stehen viele Autoren vor einem Problem. Der zweite Band muss mindestens so gut sein wie der erste, gleichzeitig aber überleiten zu einem krönenden Abschlussband. Band 2 darf nicht zu viel verraten, aber auch nicht zu viel Stoff für den letzten Teil übrig lassen, weil sonst noch Band 4 gebraucht würde.

Da hilft es, von Anfang an ein Konzept für die Trilogie zu haben. Catherine Banner ist das in ihrer jungen Karriere gelungen. Ihr „Lied von Malonia“ mag zwar nicht den erhofften Erfolg gebracht haben (die Vergleiche mit J.K. Rowling waren allerdings auch unangebracht), aber mit dem Nachfolgeband sollte sie weitere Leser für ihre Trilogie finden. Im September erscheint in Großbritannien „Voices in the Dark“ als gebundene Ausgabe. Penhaligon hat die deutsche Ausgabe noch nicht angekündigt, doch spätestens 2010 dürfte sie erscheinen.

Patrick Rothfuss hatte hingegen kein Konzept für die Fortsetzung seiner Königsmörder-Chronik. Seine Schwierigkeiten, den Stoff in den Griff zu bekommen, scheint er jedoch überwunden zu haben. Zumindest hat er seinem Verlag inzwischen ein erstes Manuskript gesandt. „The Wise Man’s Fear“ wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 im Original erscheinen. Wahrscheinlich nimmt die Hobbitpresse das Buch dann ins Herbstprogramm auf. Doch wer weiß, was noch dazwischen kommt.