Königsjäger von Joe Abercrombie – eine Rezension

Joe Abercrombie: Königsjäger

Joe Abercrombie: Königsjäger

Mit der Bruchsee-Trilogie hat Joe Abercrombie erstmals eine Fantasy-Reihe für Jugendliche vorgestellt. „Königsjäger“ ist der Titel von Band 2, der aber, wie schon Band 1, nicht nur für Jugendliche interessant sein dürfte. Auch wenn „Königsjäger“ (Half the World) an die Ereignisse von „Königsschwur“ anknüpft, steht das Buch doch für sich. Eine Lektüre von Band 1 ist zwar zu empfehlen, aber keine zwingende Voraussetzung, um in die Geschichte einzusteigen.

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Süddeutsche Jugend-Fantasy

Zeitungsverlage leben längst nicht mehr nur von ihren Einnahmen aus Anzeigenverkauf und Zeitungsabonnements. Die Süddeutsche Zeitung war in Deutschland die erste Zeitung, die mit großen Buchreihen Geld verdiente. Mittlerweile hat man in München entdeckt, dass viele Menschen gerne Fantasy lesen. Zehn Bände umfasst die neue Sonderedition.

In einem gut geschriebenen Editorial begründet Roswitha Budeus-Budde, warum sich die Zeitung für die Reihe auf Fantasy konzentriert. „Fantasy-Romane werden von Lesern aller Altersklassen verschlungen“, heißt es darin. Warum sich der Verlag dann aber doch auf Bücher für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren konzentriert bleibt schleierhaft. Wieso wird der Fantasy erst ein großer Stellenwert eingeräumt (das Lesen dicker Trilogien durch so viele Leser widerlege pessimistische Bildungsschwarzseher), wenn dann doch ein ganzes Genre wieder in die Kinder- und Jugendbuchecke gedrängt und als Teil der Jungen Bibliothek vermarktet wird? Das Verschlingen von Büchern, das in Budeus-Buddes Text mit einem Zitat von Walter Benjamin belegt wird, welches sich im übrigen generell auf Prosa bezieht, gilt eben doch noch als anrüchig. Wie in einem Spiegel-Artikel vor wenigen Monaten schwingt noch immer der Vorwurf des Eskapismus mit, der Flucht aus der Realität.

Die Edition selbst enthält durchaus eine interessante Mischung aus dem Bereich der Jugend-Fantasy. Wolfgang und Heike Hohlbein dürfen als Klassiker in diesem Bereich nicht fehlen, ihr „Midgard“ bildet den ersten Band. Drollig, trollig geht es bei Bent Jakobsen und seinem „Der Kampf um die Nachtkristalle“ zu. Auch die bereits verstorbene Pat O’Shea ist mit „Die Meute der Morrigan“ vertreten. Doch auch jüngere Autoren dürfen sich wohl über neue Leser freuen, etwa Antonia Michaelis. Vielen Eltern dürfte die Reihe bei der Suche nach Fantasyliteratur für ihre Kinder weiterhelfen, bei der Gewalt nicht so ausgeprägt ist. Sie selbst müssen noch auf eine Reihe warten, die sich eher an den Ansprüchen erwachsener Leser orientiert.