Heldenzorn: Rezension des Fantasy-Romans von Jonas Wolf

Cover von Heldenzorn

Jonas Wolf: Heldenzorn

Barbar wird gefangen genommen und versklavt und muss in der Arena vor Publikum um sein Leben kämpfen. Klingt nach Spartacus und ist auch als Hommage gedacht, wie Jonas Wolf im Nachwort zu „Heldenzorn“ verrät. Teriasch ist der Held, um dessen Zorn es geht. Er wächst als Waisenkind bei einer Schamanin auf, deren Stamm über die Steppe zieht. Doch bevor er seine Ausbildung zum Schamanen beenden kann – Teriasch ist magisch begabt -, wird er gefangen genommen und versklavt, siehe oben.

Heldenzorn – ein Schamane wird wütend und wütet

Seine neuen Herren sind Bewohner des Dominum, das nicht nur vom lateinischen Namen her an das Römische Reich erinnert. Teriasch wird in magische Fesseln gelegt, die er jedoch dank seiner Magie bekämpfen, wenn auch nicht ablegen kann. An seine Seite tritt der Halbling Rukabo – ein Schlitzohr, das für allerlei komische Situationen sorgt und die am besten gelungene Figur darstellt.

Von Teriasch kann man das leider nicht sagen. Mit diesem naiven Barbaren leiden Leser nicht mit. Und auch seine Zivilisationskritik mag man nicht teilen, konzentriert sich diese doch zu sehr auf die Sklaverei. Wenig überzeugend ist zudem die Idee, dass Außenseiter in der Steppe fernab von Städten und Zivilisation besser leben könnten.

Jonas Wolf setzt auf klare Verhältnisse

Dennoch ist die Geschichte, die die beiden Autoren unter dem Namen Jonas Wolf veröffentlicht haben, kurzweilig und gut zu lesen. Episch breit und gewaltig wie der Klappentext es verkündet, ist „Heldenzorn“ aber nicht. Dafür ist die Erzählweise zu geradlinig und die Handlung zu simpel gehalten. Die Rollen von Böse und Gut sind klar verteilt, und wenn sie doch einmal hinterfragt werden, wirkt es aufgesetzt. Teriasch bleibt wenig Zeit und – außer in seiner Beziehung zu Kronprinzessin Nesca – Raum für Entwicklung. Sein Heldenzorn schwillt an und bringt das Dominum an den Rand der Vernichtung.

Das dicke Ende kommt dann aber – nicht. Wie schon beim Vorgänger „Heldenwinter“ ist es leider kein Höhepunkt am Schluss geworden, sondern ein sich lange abzeichnendes Finale mit unglaubwürdigen Wendungen. Dennoch darf man gespannt sein, welchen Teil der Welt des Skaldat Jonas Wolf als nächstes vorstellt, da der Weltentwurf stimmig ist und viele Möglichkeiten eröffnet. Die Reihe, die hier spielt, besteht nicht aus direkt miteinander verbundenen Bänden, sondern aus einzelnen Fantasy-Romanen, die in der selben Welt spielen – verbindende Elemente wie die Halblinge nicht ausgeschlossen.

„Heldenzorn“ von Jonas Wolf ist beim Piper-Verlag erschienen, geht in der kartonierten Taschenbuchausgabe über 384 Seiten (mit Anhang) und kostet 12,99 Euro.

Vorschau auf neue Fantasy-Bücher im Juli 2012

Cover von Ein Tanz mit Drachen

George R.R. Martin: Ein Tanz mit Drachen

Noch steht „Der Sohn des Greifen“ hoch in den Bestsellerlisten, da kommt bereits der Nachfolger – „Ein Tanz mit Drachen“, Band 10 des Liedes von Eis und Feuer, das bereits seit 15 Jahren hierzulande erklingt und seit der Verfilmung durch HBO auch an Stimmgewalt gewonnen hat. Rund 800 Seiten umfasst der zehnte deutsche Band, der die zweite Hälfte des fünften Orginalbuches wiedergibt. Auf dem Cover prankt das Wappen der Boltons, der gehäutete Mann. Das verweist bereits darauf, dass die Entscheidung darüber naht, wer im Norden herrschen wird. Doch auch der Kampf an der Mauer geht weiter, ist Jon Schnee doch bemüht, die Wildlinge für den Kampf gegen die Anderen zu mobilisieren. Der Titel wiederum, „Ein Tanz mit Drachen“, zeigt an, dass Daenerys zeigen muss, ob sie ihre drei Drachen kontrolliert und so ihre zahlreichen Gegner doch noch besiegen kann. Das Lied von Eis und Feuer 10von George R.R. Martin erscheint, wie bereits der Vorgänger, bei Penhaligon.

Cover von Dolch und Münze

Daniel Hanover: Dolch und Münze

Beim Partnerverlag Blanvalet erscheint im Juli das Werk eines zu unrecht nicht sehr erfolgreichen Autoren. Daniel Abrahams „Magische Städte“ hätten ein breites Publikum verdient. Doch leider ist sein Erfolg bislang nicht so groß, weshalb er nun als Daniel Hanover in Deutschland veröffentlicht wird. „Dolch und Münze“ heißt die neue Trilogie, „Das Drachenschwert“ (The Dragon’s Path) ist der Titel des ersten Bandes. Protagonist ist Marcus Wester, ein Söldnerhauptmann, der erkennen muss, dass es auch andere Dinge als Geld gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. 672 Seiten ist „Dolch und Münze – Das Drachenschwert“ lang und kostet 14 Euro.

Cover von Heldenzorn

Jonas Wolf: Heldenzorn

Interessante deutsche Fantasy kommt im Juli bei Piper auf den Markt. Dort hatte bereits Anfang des Jahres das Pseudonym Jonas Wolf einen ersten großen Auftritt mit „Heldenwinter“. „Heldenzorn“ knüpft an die dort geschilderte Welt des Dominums an, setzt aber nicht die Geschichte von Namakan und Dalarr fort. Dieses Mal stehen die Pferdelords der Steppe im Fokus der Handlung, die schon lange das Imperium von Tristborn bekämpfen. Teriasch, ein Barbar, setzt eine Sklavenrevolte in Gang, die die Grundfesten des Dominums erschüttern kann. Wird Teriasch wie Spartacus enden? 384 Seiten hat die kartonierte Taschenbuchausgabe von „Heldenzorn“, die 12,99 Euro kostet.

Heldenwinter – Jonas Wolf lässt einen Halbling wachsen

Cover von Heldenwinter

Jonas Wolf: Heldenwinter

„Heldenwinter“ von Jonas Wolf ist eine Rachegeschichte. Und wie jede gute Geschichte dieser Art beginnt sie mit dem Verbrechen, das den Helden zum Rächer macht. In „Heldenwinter“ ist es die Ermordung der Familie von Namakan und seines Pflegevaters und Meisters Dalarr. Dalarr weiß genau, wer hinter den Morden steckt: König Arvid und sein Scherge Waldur. Mit dem Halbling Namakan verlässt er daher die Immergrünen Almen, um einen König zu stürzen – auch für den Preis, die Welt ins Chaos zu stürzen. Namakan folgt ihm auf diesem Pfad, muss aber erkennen, dass sein Meister sich die Wahrheit so zurechtbiegt, wie er es als Schmied mit dem Eisen tut.

Heldenwinter baut auf Klassikern der Fantasy auf

Halblinge, ein großer Krieger, der seine Gegner reihenweise niedermetzelt – das klingt sehr bekannt. Und tatsächlich hat Jonas Wolf „Heldenwinter“ den Vätern der Fantasy gewidmet. Seine Aufgreifen bekannter Fantasy-Motive ist also als Hommage an Tolkien und seine Hobbits sowie an Robert E. Howard, den geistigen Vater von Conan dem Barbaren. Doch – so viel sei verraten – Elfen, Zwerge und große Vögel spielen ebenfalls eine Rolle im Fantasy-Buch, auch wenn nicht jeder mit ihrer Interpretation einverstanden sein dürfte.

Jonas Wolf spielt mit Mustern von Rachegeschichten

Sprachlich hat Jonas Wolf es eher direkt gehalten. Vor allem Dalarr  mag es derb, doch manchmal überträgt sich der Ton auch auf den (zumeist auktorialen) Erzähler. Einige Passagen sind humorvoll gehalten, sodass nicht nur der düstere Ton einer dunklen Rachegeschichte vorherrscht.

Die Handlung überzeugt im Großen und Ganzen. Einige Wendungen zeichnen sich ab, andere überraschen. Der Nachteil bei einer Rachegeschichte ist, dass sie einem Muster folgen muss. Der Rächer trifft auf den oder die Menschen, die ihn zu seinem Rachefeldzug getrieben haben und muss dann entscheiden, ob er Rache will oder vergeben kann. Dann zeigt sich, ob er seinen Willen bekommt. Um dieses Muster zu variieren, wählt Jonas Wolf in „Heldenwinter“ zwei große Konfrontationen am Ende.

Hier spielen sowohl Dalarr als auch Namakan eine wichtige Rolle. Während der leicht stämmige Halbling insgesamt ein wenig blass bleibt, dafür aber gut ins Jahr der Hobbit-Verfilmung passt, ist Jonas Wolf mit Dalarr eine großartige Figur gelungen – ein Anti-Held, von dem man mehr lesen möchte.

Jonas Wolf kehrt in die Welt von Tristborn zurück

„Heldenwinter“ von Jonas Wolf ist nur der Auftakt zu mehreren Geschichten aus Tristborn und der Pferdesteppe, die in sich abgeschlossen sind. Der nächste Band erscheint bereits im Juli bei Piper und trägt den Titel „Heldenzorn“. „Heldenwinter“ ist als kartoniertes Taschenbuch mit 512 Seiten erschienen, die Druckausgabe kostet 12,99 Euro.