Vorschau: Blanvalet- und Penhaligon-Fantasy-Programm im Herbst und Winter 2016/2017

Das Fantasy-Herbstprogramm 2016 von Blanvalet hält nur wenige Überraschungen bereit. Der Verlag setzt etwa nach dem Serien-Erfolg von Shannara und der Ankündigung einer zweiten Staffel auf eine Neuausgabe der Bücher von Terry Brooks. Neues gibt es hingegen von Brent Weeks und Steven Erikson. Doch der Reihe nach.

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Ein Tanz mit Drachen – Das Lied von Eis und Feuer 10 von George R.R. Martin

Cover von Ein Tanz mit Drachen

George R.R. Martin: Ein Tanz mit Drachen, Das Lied von Eis und Feuer 10

„Ein Tanz mit Drachen“ ist die Übersetzung des Originaltitels von Band 5 des Liedes von Eis und Feuer von George R.R. Martin. Da auf einen Originalband zwei deutsche kommen, erhielt die erste Hälfte „Der Sohn des Greifen“ als Titel. Nun ist auch die zweite Hälfte erschienen, und die gute Nachricht ist: Die Handlung nimmt vor allem gegen Ende an Fahrt auf. Das gilt sowohl für die Ereignisse im Norden – hier verteidigen die Boltons, deren Wappen das Buchcover ziert, Winterfell gegen den durch den einsetzenden Winter vorrückenden Stannis. Das gilt aber auch für Königsmund, wo Cersei und ihr Onkel Kevan die Herrschaft der Lennisters gegen den Hohen Septon und die Tyrells verteidigen wollen.

Das Lied von Eis und Feuer 10 – der Tanz mit Drachen währt kurz

Doch Martin bleibt in „Ein Tanz mit Drachen“ ein großes Problem erhalten: Wer bereit ist, Charaktere zu opfern, die die Leser liebgewonnen haben, dem fällt es schwer, diese Lücke zu stopfen und neue Identifikationsfiguren zu erschaffen. Martin versucht es, indem er in Band 10 auch Arya Stark und Jaime Lennister zu kurzen Auftritten verhilft. Ihre Handlungsfäden aufzugreifen wirkt jedoch bemüht und lenkt nur von den großen Strängen ab, die am Ende dann sogar zu kurz kommen, ob gewollt oder ungewollt. Denn auch wenn das Buch „Ein Tanz mit Drachen“ heißt, bleibt dieser Tanz kurz und der ganz große Kraftakt zwischen Daenerys und ihren drei Drachen Drogon, Viserion und Rhaegal wird aufgeschoben. Wenigstens könnte die Königin jenseits der Meere nun doch noch eine Flotte bekommen, die sie endlich nach Westeros bringt.

Fernsehen first?

Sprachlich fällt bei George R.R. Martin auf, dass er sich beim Schreiben wohl bereits sehr mit der Verfilmung beschäftigt hat. Die HBO-Verfilmung ist sicherlich gelungen und liebevoll gemacht, erinnert mit den auf Schockeffekte setzenden Gewalt- und Sexszenen jedoch zuweilen auch an unrühmliche HBO-Projekte wie „Rom“. Dazu wimmelt es von deftigen Kraftausdrücken – der Witz eines Tyrion geht da ziemlich unter. Bei allem Lob dafür, nicht auf eine gekünstelte Hochsprache zu setzen, muss es dennoch nicht so derb werden. Vielleicht besinnt sich Martin, dessen Epos die Fantasy der vergangenen Jahre geprägt hat, für die abschließenden Bände des Liedes von Eis und Feuer ja wieder mehr auf seine alten Stärken. Zu viel Zeit kann er sich mit dem nächsten Buch nicht lassen. Bleibt die Fernsehserie so erfolgreich, wird bereits 2015 der sechste Originalband als Vorlage benötigt. Also, George R.R. Martin: Schreib schnell!

„Ein Tanz mit Drachen“, Das Lied von Eis und Feuer 10 ist bei Penhaligon erschienen. George R.R. Martins Werk wurde erneut von Andreas Helweg übersetzt und hat in der Klappenbroschurausgabe 800 Seiten, von denen die letzten hundert jedoch den Anhang ausmachen. Der Preis liegt bei 16 Euro.

Vorschau auf neue Fantasy-Bücher im Juli 2012

Cover von Ein Tanz mit Drachen

George R.R. Martin: Ein Tanz mit Drachen

Noch steht „Der Sohn des Greifen“ hoch in den Bestsellerlisten, da kommt bereits der Nachfolger – „Ein Tanz mit Drachen“, Band 10 des Liedes von Eis und Feuer, das bereits seit 15 Jahren hierzulande erklingt und seit der Verfilmung durch HBO auch an Stimmgewalt gewonnen hat. Rund 800 Seiten umfasst der zehnte deutsche Band, der die zweite Hälfte des fünften Orginalbuches wiedergibt. Auf dem Cover prankt das Wappen der Boltons, der gehäutete Mann. Das verweist bereits darauf, dass die Entscheidung darüber naht, wer im Norden herrschen wird. Doch auch der Kampf an der Mauer geht weiter, ist Jon Schnee doch bemüht, die Wildlinge für den Kampf gegen die Anderen zu mobilisieren. Der Titel wiederum, „Ein Tanz mit Drachen“, zeigt an, dass Daenerys zeigen muss, ob sie ihre drei Drachen kontrolliert und so ihre zahlreichen Gegner doch noch besiegen kann. Das Lied von Eis und Feuer 10von George R.R. Martin erscheint, wie bereits der Vorgänger, bei Penhaligon.

Cover von Dolch und Münze

Daniel Hanover: Dolch und Münze

Beim Partnerverlag Blanvalet erscheint im Juli das Werk eines zu unrecht nicht sehr erfolgreichen Autoren. Daniel Abrahams „Magische Städte“ hätten ein breites Publikum verdient. Doch leider ist sein Erfolg bislang nicht so groß, weshalb er nun als Daniel Hanover in Deutschland veröffentlicht wird. „Dolch und Münze“ heißt die neue Trilogie, „Das Drachenschwert“ (The Dragon’s Path) ist der Titel des ersten Bandes. Protagonist ist Marcus Wester, ein Söldnerhauptmann, der erkennen muss, dass es auch andere Dinge als Geld gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. 672 Seiten ist „Dolch und Münze – Das Drachenschwert“ lang und kostet 14 Euro.

Cover von Heldenzorn

Jonas Wolf: Heldenzorn

Interessante deutsche Fantasy kommt im Juli bei Piper auf den Markt. Dort hatte bereits Anfang des Jahres das Pseudonym Jonas Wolf einen ersten großen Auftritt mit „Heldenwinter“. „Heldenzorn“ knüpft an die dort geschilderte Welt des Dominums an, setzt aber nicht die Geschichte von Namakan und Dalarr fort. Dieses Mal stehen die Pferdelords der Steppe im Fokus der Handlung, die schon lange das Imperium von Tristborn bekämpfen. Teriasch, ein Barbar, setzt eine Sklavenrevolte in Gang, die die Grundfesten des Dominums erschüttern kann. Wird Teriasch wie Spartacus enden? 384 Seiten hat die kartonierte Taschenbuchausgabe von „Heldenzorn“, die 12,99 Euro kostet.

Der Sohn des Greifen – Das Lied von Eis und Feuer 9

Cover von Der Sohn des Greifen

George R.R. Martin: Der Sohn des Greifen

Lange hat George R.R. Martin seine Leser auf den nächsten Band von „Das Lied von Eis und Feuer“ warten lassen. Die deutsche Ausgabe des fünften Originalbandes ist erneut auf zwei Bücher aufgeteilt worden. „A Dance With Dragons“ heißt daher zunächst „Der Sohn des Greifen“. Dieser Titel weist auf eine neue Figur im Fantasy-Epos von George R.R. Martin hin: einen Trumpf im Spiel um den Thron von Westeros.

Der Sohn des Greifen – ein neuer Charakter 

Bevor Martin seine Leser jedoch in diesen Konflikt wieder hineinführt, quält er sie mit einem überlangen Prolog, der im Land des Ewigen Winters, nördlich der Mauer spielt und letztlich nur auf die Gefahr durch die Anderen hinweisen soll. Langjährige Leser, die noch die alte Übersetzung im Kopf haben, benötigen zudem ein wenig Zeit, um sich in der umbenannten Welt zurecht zu finden. Doch wenn das erste Kapitel mit Tyrion einsetzt, findet man schnell wieder in das Fantasy-Epos hinein.

Ein Großteil der Handlung spielt in den Freien Städten und Essos. Daenerys ist bemüht, ihre Herrschaft in Meereen zu festigen, hat jedoch mit Widerstand in der Stadt und außerhalb zu rechnen. In den Freien Städten sähe man es gern, wenn sie sich mit ihren Drachen nach Westeros einschiffen würde. Doch eine solch einfach Lösung wählt George R.R. Martin nicht. Wichtiger ist ihm die Frage, wer sich alles um die Hand der Königin bemüht, die ihre Ideale als Sklavenbefreierin nicht verraten möchte.

Das Lied von Eis und Feuer 9 enthüllt nur wenig

In „Der Sohn des Greifen“ treibt Martin auch den Konflikt mit den Anderen von jenseits der Mauer nicht voran. Noch marschieren die Untoten nicht, wodurch Jon Schnee, frisch gewählter Kommandant der Nachtwache, Zeit bekommt, die Abwehr gegen diese Wesen und weitere Wildlinge zu organisieren. Dafür erfährt Bran mehr über seine Fähigkeiten und seine Bestimmung.

Wie „Das Lied von Eis und Feuer“ einmal zu Ende gehen könnte, bleibt offen. Sicher ist nur, dass Westeros wohl noch weitere Schlachten bevorstehen. Die Handlung hält noch Üeinige berraschungen bereit und bleibt spannend. Stellenweise geht jedoch das Geheimnisvolle verloren, wenn Martin etwa Einblicke in die Gedanken der Priesterin Melisandre gewährt. Auch bei der neuen Figur des Greifen hätte es ausgereicht, ihn durch Tyrions Augen einzuführen.Doch wer so viele Charaktere opfert wie Martin und so viele Handlungsstränge verfolgt, braucht beständig Nachwuchs an neuen Figuren. Das gehört zum Reiz dieses Fantasy-Epos‘, doch sollte der amerikanische Autor den Bogen hier nicht überspannen.

„Der Sohn des Greifen – Das Lied von Eis und Feuer 9“ von George R.R. Martin ist bei Penhaligon erschienen. Die Übersetzung von Andreas Helweg erstreckt sich über 832 Seiten und kostet in der Klappenbroschur-Ausgabe 16 Euro. Die Fortsetzung – „Ein Tanz mit Drachen“ – erscheint am 23. Juli. Danach geht das Warten auf den nächsten Band weiter.

Das lange Warten auf die Fortsetzung

Fantasy-Romane enden meist nicht nach einem Band. Die meisten Geschichten sind auf drei oder mehr Teile angelegt. Gut für den Autor, wenn gleich der Auftaktband ein Riesenerfolg wird oder der Erfolg so groß ist, dass eine Endlosreihe draus werden könnte. Doch mit dem Erfolg kommt eine große Masse Fans, die es kaum erwarten kann, zu lesen, wie es denn nun weitergeht. Gut für den Autor, wenn er das zweite Buch schon fertig hat. Schlecht, wenn er es noch schreiben muss, dann kommen nämlich 1000 Dinge dazwischen, wie Interviews, Lesetouren, Anfragen von Verlagen, Agenten und vielleicht sogar Filmstudios.

Da bleibt kaum Zeit zum Schreiben, noch weniger zum Ideen sammeln und die Ungeduld der Fans verlangt nach Neuigkeiten. Der frustrierte Autor oder sein Verlag kündigen eine baldige Veröffentlichung an, nennen einen ungefähren Termin, der am Ende gar nicht eingehalten werden kann – George R.R. Martin kann ein Lied davon singen. Sein Disput mit der Fangemeinde ist anschaulich auf der Wetterspitze zusammengefasst.

Auch Patrick Rothfuss , neu im Geschäft, sieht sich plötzlich mit vielen Anfragen konfrontiert, einer Amazon-Ankündigung, die einen falschen Termin nennt und opfert daher viel Zeit für einen langen Blog-Eintrag, in dem er seine Sicht erläutert. Das ist sehr offen, selbstironisch, aber auch langatmig erzählt, ganz so, wie auch „Der Name des Windes“ geschrieben ist.

Die gute Nachricht ist am Ende versteckt: Rothfuss will nach dem Vorbild von Brandon Sanderson den Namen eines der Ungeduldigen im neuen Roman unterbringen. Im „Tatort“ wäre es die Rolle der Leiche, die da vergeben würde. Mal sehen, wie welche Nebenfigur im Fantasy-Roman von einem Fan besetzt werden wird.

Flamme und Harfe von Tristan und Isolde

Flamme und Harfe

Ruth Nestvold: Flamme und Harfe

Penhaligon hat das zweite Programm veröffentlicht. Das Buch das zunächst am meisten ins Auge sticht, ist ein Debüt. Ruth Nestvold, eine Amerikanerin, die in Deutschland lebt, hat sich einer der bekanntesten Sagen angenommen. Sie erzählt die Geschichte von Tristan und Isolde neu, nämlich aus der Sicht von Isolde oder Yseult.

Dabei geht es aber nicht nur um die Liebesgeschichte der beiden, sondern auch um die kulturellen Veränderungen in Britannien und Irland während der Spätantike und dem frühen Mittelalter, die vor allem durch das Christentum auf die Inseln gelangten. Das erinnert natürlich an die unsäglich kitschigen „Nebel von Avalon“. Doch der erste Eindruck ist gut – Nestvold versteht es zu erzählen. Ein wenig gelernt hat sie wohl von George R.R. Martin, dessen Kurs in Seattle sie vor über zehn Jahren besuchte, als sie zu schreiben begann.

Gut 700 Seiten ist der Roman dick (inklusive Glossar und Karte), gebunden bei Penhaligon erschienen, der Preis liegt bei 19,95 Euro.

Edit: Eine ausführliche Rezension steht auch online.