Blanvalet und Penhaligon: Fantasy-Frühjahrsprogramm 2015

Der Winter naht – Zeit für das Frühjahrsprogramm von Blanvalet und Penhaligon. Während das Penhaligon-Programm dünn bleibt, ist bei Blanvalet das Fantasy-Angebot etwas größer. Dazu gehört etwa die im Mai erscheinende Anthologie „Königin im Exil“, die 21 Kurzromane enthält. Als Zugpferde dienen George R.R. Martin und Gardner Dozois. Außerdem enthält die Sammlung Geschichten von Joe Abercrombie und Brandon Sanderson (die sonst bei Heyne erscheinen) sowie von Diana Gabaldon.

Fantasy von Blanvalet im Frühjahr 2015

Ebenfalls im Mai kommt die Fortsetzung von „Der Tänzer der Schatten“ heraus. Dass es bei David Dalglish und „Der Tänzer der Klingen“ um düstere Helden-Fantasy geht, versteht sich bei den Titeln von selbst. Ebenfalls im Wonnemonat bleibt Torsten Fink in der Welt seines Schattenprinzen, beginnt mit „Der Erbe des Skorpions“ jedoch eine neue Geschichte. Man darf gespannt sein, wie er die Geschichte um einen Leibwächter, der die Seiten wechselt, spinnt.

Fantasy aus dem Emsland? Warum nicht. Doch ob Bernhard Trecksel wirklich zum neuen Star der deutschen Fantasy avanciert, wollen wir mal abwarten. Blanvalet untermauert diese Ankündigung mit dem Juni-Titel „Nebelmacher“, einem Fantasy-Roman um einen Assassinen, der Körper und Seele töten kann. Außerdem erscheint im Juni mit „Der Wille des Drachen“ der dritte und letzte Band  von Cinda William Chimas Trilogie um Jack, den letzten Krieger.

Brent Weeks, Jim Butcher und Mark Barnes

Im Juli wagt Blanvalet einen Neuanlauf in der High Fantasy. Daniel Arenson beginnt sein Drachenlied mit „Der Atem des Feuers“. Klingt zunächst konventionell, allerdings soll der kanadische Autor als Self-Publisher sehr erfolgreich gewesen sein. Exotischer ist „Die Fäden der Zeit“, das Debüt von Lori M. Lee, das in einem Slum angesiedelt ist und sich um ein Geschwisterpaar dreht.

Auf die Fortsetzung der Licht-Trilogie haben Fans von Brent Weeks lange warten müssen. Doch es hat seinen Büchern gut getan, dass er sie nicht in so kurzem Abstand wie bei der Schatten-Trilogie schreiben musste. Und so darf man gespannt sein, wie er die Geschichte um Gavin Guile, seinen Sohn Kip und die anderen weiterführt. Mitte August kommt „Sphären der Macht“ heraus. Und Band 4 steht noch aus.

Und im September können alle, die den Codex von Alera mögen oder nach neuem Stoff suchen, sich mit Jim Butcher auf Luftschiffe wagen. „Windjäger“ heißt der erste Band einer neuen Reihe um das Luftschiff mit Namen Jäger. Wer sich von einigen Unzulänglichkeiten in Mark Barnes‘ Geschichte nicht hat abschrecken lassen, kann sich zudem auf „Die Säulen aus Sand“ freuen. Auf Band 3 prangt ein Löwen-Wappen.

Penhaligon mit Martin und David Hair

Der Star im Frühjahrsprogramm 2015 von Penhaligon ist sicherlich George R.R. Martin mit seinem Bildband „Westeros“. Doch das ist nicht der einzige Fantasy-Titel in der Liste. Ende Juni kommt der dritte Teil der „Brücke der Gezeiten“. In „Die scharlachrote Armee“ setzt David Hair seine Geschichte um die beiden Kontinente fort, die nur während der Mondflut durch eine Brücke verbunden sind. Wie alle Leser der ersten Bände wissen, ist nun die Zeit des Krieges gekommen. Und da ein Originalband auf zwei deutsche Bücher aufgeteilt wird, dürfte bereits ein Titel für das Herbstprogramm feststehen. Im Juni erscheint neben „Brücke der Gezeiten 3“ noch „Nachtmahr – Die Schwester der Königin“ von Ulrike Schweikert.

Westeros als Bildband – George R.R. Martin bei Penhaligon

Der Hype um Westeros, das „Lied von Eis und Feuer“ und George R.R. Martin geht dank der Fernsehserie „Game of Thrones“ munter weiter. Doch während die Buch-Reihe mal wieder stockt und die Veröffentlichung des nächsten Bandes nicht absehbar ist, sollen die Leser dennoch gefüttert werden. Oder gemolken – je nachdem, ob sich Fans als willige Zahler und Sammler sehen oder mehr Alles-Verschlinger von Martin-Stoffen. Von welcher Seite man es auch betrachten mag – Mitte März 2015 kommt mit „Westeros“ ein neues Werk aus der Welt des „Liedes von Eis und Feuer“ bei Penhaligon heraus.

Westeros – von Fans mit Martin-Siegel

Damit die Verbindungen gleich klar werden, lautet der vollständige Titel „Westeros – Die Welt von Eis und Feuer. Game of Thrones“. So werden Zuschauer und Leser zugleich angesprochen. Rund 350 Seiten ist der Bildband dick. Er erzählt die Vorgeschichte des Konflikts, um den es in der Reihe geht. Sie beginnt mit der Landung der ersten Menschen auf dem Kontinent Westeros, setzt sich mit der Besetzung durch Aegon dem Eroberer und seiner auf Drachen basierenden Herrschaft fort und beschreibt schließlich die Rebellion, in der Robert Baratheon mit Ned Stark das Haus Targaryen stürzt.

Die Ereignisse sind zwar bekannt, werden sie doch in „Das Lied von Eis und Feuer“ am Rande erzählt, doch Linda Antonsson und Elio M. Garcia Jr. haben die Historie von Westeros für den Bildband neu zusammengestellt und ergänzt. Als Betreiber von Westeros.org gehören sie zu den Fans der ersten Stunde, weshalb George R.R. Martin wohl seinen Segen gab und am Buch mitarbeitete. Im Original ist der Band vor gut zwei Wochen erschienen, derzeit arbeitet Andreas Hellweg an der deutschen Übersetzung.

„Westeros“ ist nur die Spitze des Eisbergs der Martin-Schwemme im Frühjahr. Die Bezeichnung Bildband verdient sich das Buch durch die enthaltenen 170 Illustrationen, Karten und Stammbäumen der Familien Targaryen, Stark und Lannister. Der Preis ist entsprechend hoch angesetzt: 30 Euro wird die gebundene Ausgabe von Penhaligon kosten. Mit solchen Werken arbeitet George R.R. Martin daran, auch bei den Veröffentlichungen zum „amerikanischen Tolkien“ zu werden. Nur dass bei ihm bereits zu Lebzeiten nahezu jeder Text veröfffentlicht wird und er selbst vom Hype um Westeros und die Welt von Eis und Feuer profitiert – den Zusatz Game of Thrones nicht zu vergessen.

„Die Zwerge“ als Fernsehserie: Reicht es für ein deutsches „Game of Thrones“?

Eine filmische Umsetzung der Zwerge-Reihe von Markus Heitz erwarten die Fans des deutschen Fantasy-Autos bereits seit Jahren. Doch nachdem sich die Finanzierung schwierig gestaltete, lag das Projekt lange auf Eis. Hinter den Kulissen hat jedoch das Tauwetter eingesetzt. Nur dass die Zeichen nicht mehr auf eine Film-Version hindeuten, sondern auf eine Fernsehserie. Diese Information ist nicht ganz neu, erhielt aber durch ein Interview der „Süddeutschen Zeitung“ mit Frank Doelger (Das Lied von Sex und Erfolg) neue Aktualität. Denn bei Doelger handelt es sich um einen der ausführenden Produzenten der erfolgreichsten Fantasy-Fernsehserie aller Zeiten: „Game of Thrones“.

Die Produzenten von „Die Zwerge“

Und Frank Doelger ist nicht allein. Bislang war die Rede davon, EOS Entertainment und H & V Entertainment würden an einer Umsetzung fürs Fernsehen arbeiten. Doch Doelger nennt als Partner Nico Hofmann und Jan Mojto, die bereits an mehreren teuren, europäischen Produktionen beteiligt waren. Mojto war etwa einer der Köpfe hinter der Mini-Serie zu Napoleon vor zwölf Jahren, beteiligte sich an „Borgia“ (in Sachen Blut und Sex nicht weit von „Game of Thrones“ entfernt) und einigen deutschen Kinofilmen, etwa „Der Untergang“, „John Rabe“ und „Das Leben der Anderen“. Nico Hoffmann gehört mit Teamworx zu den großen deutschen Produzenten, sogenannte Eventfilme wie „Dresden“, „Der Turm“ und „Unsere Mütter, unsere Väter“ zählen zum Portfolio. Das alles spricht dafür, dass es zu einer Verfilmung der Zwerge von Markus Heitz kommt, sollte dieses Team doch in der Lage sein, die Finanzierung sicherzustellen. Und da die Bücher in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden, besteht die Chance, auch den filmischen Stoff in mehrere Länder zu verkaufen.

Eine solche Vorgehensweise macht es wahrscheinlich, dass der Dreh in Englisch erfolgen würde, da die Schauspieler und das Team aus mehreren europäischen Ländern kommen müssten. Dieser Punkt spricht bereits gegen das Label „ein deutsches Game of Thrones“. Interessant wäre aber vor allem, wer das Drehbuch verfassen würde. Die Verfilmung von „Das Lied von Eis und Feuer“ weicht jedenfalls aus nachvollziehbaren Gründen von der Buchvorlage ab. „Die Zwerge“ würden einige Bearbeitung verlangen. Und man kann nur hoffen, dass dann die Dialoge besondere Beachtung finden, zählen sie nicht gerade zu den Stärken der „Zwerge“.

Markus Heitz und das deutsche „Game of Thrones“

Damit die Parallelen zu „Game of Thrones“ größer werden, sind noch einige Veränderungen gefragt. Nackt- und Sexszenen sind in „Die Zwerge“ nämlich Mangelware. Lediglich bei der Gewaltdarstellung gibt es vergleichbare Möglichkeiten, ist doch Markus Heitz in dieser Beziehung kein Kind von Traurigkeit. Bleibt nur die Frage, ob eine Zwerge-Serie zur Hauptsendezeit laufen soll – mit der Chance auf ein größeres Publikum – oder erst nach 22 Uhr. Rein für einen Pay-TV-Sender dürfte die Produktion in Europa noch zu teuer sein, vor allem wenn die Spezialeffekte gut aussehen sollen. Hier könnten Frank Goelgers Beziehungen hilfreich sein, beeindruckt „Game of Thrones“ doch visuell.

Einen großen Vorteil gegenüber „Game of Thrones“ hat das Zwerge-Projekt: Sollte die Serie ein großer Erfolg werden, liefert Markus Heitz als Vielschreiber sicher schneller neuen Stoff als George R.R. Martin.

Herbstvorschau Heyne, Blanvalet und Penhaligon 2014: Wenig Fantasy

George R.R. Martin und dann lange nichts. So könnte man die Herbstvorschauen 2014 von Heyne, Blanvalet und Penhaligon zusammenfassen. Das ist natürlich sehr pauschal geurteilt, doch zeigt sich ganz deutlich der Trend, zu veröffentlichen, was sich ziemlich sicher verkauft. Und da steht G.R.R. Martin weit oben auf der Liste.

Heyne bringt im November 2014 und Februar 2015 Kurzgeschichtensammlungen heraus. „Traumlieder“ und „Schwertlieder“ sind zwar deutsche Erstausgaben, doch dass sie erst in der Übersetzung erscheinen, als die Verkaufszahlen des „Liedes von Eis und Feuer“ durch die Decke gehen (laut Penhaligon mehr als 3,5 Millionen Gesamtauflage), spricht Bände. Auch Penhaligon will da weiter mitmischen und bringt die Wild-Cards-Reihe in Deutsch heraus. Auch diese Geschichten aus einer Welt, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund eines Virus‘ anders entwickelt, ist beileibe nicht neu. Eine erste Serie erschien bereits Ende der 80er-Jahre, nach Martins Erfolg mit dem „Lied von Eis und Feuer“ kam es 2008 zu einer Wiederbelebung. „Inside Straight“ kam damals als erster von bislang vier Bänden heraus und ist ab August in der deutschen Übersetzung erhältlich.

Herbstvorschauen 2014: Dann ist da noch der Hobbit

Nicht vergessen darf man jedoch, dass es vor Martin bereits Tolkien gab. Dessen Hobbit wurde ja in einer dreiteiligen Verfilmung zum Riesen. Da der dritte Teil im Dezember in die Kinos kommt, sollen Bücher, die irgendwie einen Bezug dazu haben, um diese Zeit erscheinen. Bei Heyne sind das „Die letzte Schlacht der Halblinge“ von Dennis L. McKiernan und „Orks vs. Zwerge – Der Schatz der Ahnen“ von den Orgels.

Heyne setzt außerdem natürlich auf das hauseigene Zugpferd Joe Abercrombie. Der hat nämlich ein neues Werk abseits der Klingen-Welt begonnen, die sich mehr an jüngere Leser richtet. „Königsschwur“ erscheint im Februar 2015, ein weiterer Band dürfte ein paar Monate später folgen. Freuen dürfen sich Fantasy-Leser auf den vierten Band der „Chroniken von Thomas Covenant“, Stephen Donaldons „Die letzte Dunkelheit“ kommt im April heraus. Zum Abschluss wird im selben Monat die Wächter-Reihe von Sergei Lukianenko kommen. „Die letzten Wächter“ dürften Anton noch einmal fordern. Bereits im Januar kommt „Der Ruf des Drachen“ heraus, der zweite Teil von Pierre Grimberts „Saga von Licht und Schatten“.

Blanvalet und Penhaligon im Herbst 2014

Was bei Penhaligon außer den „Wild Cards“ von Martin noch erscheint, ist schnell erzählt. Für mit Harry Potter und Tintenherz großgewordene Leser gehen die Abenteuer von Jake Djones weiter. Damian Dibben stellt im Oktober 2014 „Die Dynastie des Bösen“ vor, Andrea Schacht schickt ihre Katzen bereits einen Monat zuvor zum „Jägermond“ und Trudi Canavan startet im November ihre neue Trilogie mit „Die Begabte“ (dieses Mal zeigt die Kapuzenheldin auf dem Titel erstaunlich viel Busen).

Blanvalet setzt vor Weihnachten angefangenes fort. Mark Barnes schreibt die Geschichte der „Echoes of Empire“ weiter, Band 2 heißt in Deutsch „Das schwarze Herz“. Im neuen Jahr geht es mit der „Bibliothek der schwarzen Magie“ passend los; „Die Wissende“ ist der Titel der neuen Reihe von Christopher Nuttal. Düsterer als schwarz könnte noch „Das Tor der Erlöser“ werden, denn Adam J. Dalton bietet zum Jahreswechsel heroische Fantasy (Fortsetzung von „Das Wispern der Schatten“).

Deutsche Autoren hat Blanvalet auch im Angebot. Von Torsten Fink kommt im Februar „Tochter der Schwarzen Stadt“ heraus. Auch Fink setzt also nach seinen Assassinen-Büchern weiter auf düsterere Settings. Auf den Meister der zynisch-dunklen Geschichten verweist der Verlag gar für eine Neuerscheinung im März: „Das Schwert der Drachen“ stammt aus der mächtigen Feder von Wolfgang Thon. Im April folgen schließlich noch „Der unrechte Wanderer“ von Michael Marcus Thurner sowie „Das Vermächtnis der Zauberer“ von Cinda Williams Chima.

Neues Jahr, neues Design und alte Bekannte

Eine Woche ist das neue Jahr nun alt und hat für den Fantasy Weblog bereits eine sichtbare Veränderung gebracht. Nach einigen Jahren mit nur geringen Anpassungen war es an der Zeit, hier mal etwas Neues zu wagen. Und auch wenn in der Mainstream-Fantasy (besonders in der anglo-amerikanischen Welt) weiterhin „dark and gritty“ dominiert, muss sich das ja nicht optisch im Blog-Design widerspiegeln.

2013 war das Jahr von George R.R. Martin

Womit wir auch schon beim kurzen Rückblick auf 2013 wären. Die Hobbit-Verfilmungen haben die Buchwelt nur wenig befeuert, schaut man auf die Jahresbestsellerlisten von „Spiegel“ und „Amazon“. Von einer neuen Fantasy-Welle ist nichts zu spüren. Eine Fernsehrverfilmung hatte hingegen große Auswirkungen. „Game of Thrones“ ist nicht nur eine der am häufigsten gesehene (ob im Fernsehen, auf DVD oder im Stream) Serie, sie hat auch dazu geführt, dass George R.R. Martin seine Bücher noch häufiger loswerden konnte. Selten zuvor hat ein Autor so sehr die Bestsellerlisten dominiert wie Martin die für Paperback-Ausgaben. Und dabei war es mal wieder ein Jahr ohne neues Buch des geistigen Vaters des „Liedes von Eis und Feuer“.

Neues gab es hingegen von Brent Weeks, Daniel Hanover, Joe Abercrombie, Peter Brett sowie von manch anderen bekannten und neuen Autoren. „Dolch und Münze“ von Daniel Hanover wird im neuen Jahr weitergehen, auch von Scott Lynch wird es endlich wieder etwas zu lesen geben („Die Republik der Diebe“), neue Namen wie David Hair und Mark Barnes bringen hoffentlich nicht nur Echos der Vergangenheit. Und aus Deutschland kommen der zumindest vorläufige Abschluss der Legenden der Albae von Markus Heitz sowie der dritte Band der Zwölf-Wasser-Trilogie von E.L. Greiff.

Es verspricht also durchaus ein interessantes Jahr zu werden, auch wenn die Zahl der neugierig machenden Werke gefühlt deutlich zurückgegangen ist. Aber noch sind ja erst die Frühjahrs- und Sommerprogramme angekündigt und steht der Herbst noch aus.

Jahr der Überraschungen beim Deutschen Phantastik Preis (DPP 2013)

Es hatte sich bereits nach der Vorrunde abgezeichnet: Beim Deutschen Phantastik Preis gab es in diesem Jahr einige Überraschungen. So hatte der Verzicht auf eine Vorauswahl dazu geführt, dass einige Dauersieger wie Markus Heitz gar nicht erst nominiert wurden und Newcomer eine besser Chance bekamen. Und so durften sich Gestern in Dreieich zwei Autorenpaare über eine erstmalige Auszeichnung freuen: Judith und Christian Vogt erhielt den DPP 2013 für „Die zerbrochene Puppe“ in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Roman“ und Tom und Stephan Orgel durften sich als T.S. Orgel über die Auszeichnung für das „Beste deutschsprachige Romandebüt“ freuen. Sie erhielten für „Orks vs. Zwerge“ die meisten Stimmen.

George R.R. Martin schlägt Pat Rothfuss

In der Kategorie „Bester internationaler Roman“ gewann Altmeister George R.R. Martin mit „Lied von Eis und Feuer 9/10“ vor dem Auftsteiger der vergangenen Jahre, Patrick Rothfuss („Die Furcht des Weisen 2“), dessen Name überhaupt nur auf der Liste stehen konnte, weil sein auf zwei Bände aufgeteilter Roman zugleich auf zwei Erscheinungsjahre aufgeteilt worden war. Jasper Fjorde schaffte einen guten dritten Platz.

Eine Niederlage musste Abo-Sieger Perry Rhodan hinnehmen – als beste Serie erhielt „Das Schwarze Auge“ den DPP 2013. Self-Publisher Horus W. Odenthal kam hier, wie bereits in der Kategorie „Bestes deutschsprachiges Romandebüt“, immerhin auf den dritten Platz. Bei der besten Internetseite hatte es zwar in der Vorrunde Überraschungen gegeben, am Ende setzte sich aber mal wieder die Phantastik-Couch durch und die Bibliotheka Phantastika behielt das Abo auf den zweiten Platz.

Steampunk-Werk gewinnt Deutschen Phantastik-Preis

Als bestes Sachbuch zur Phantastik wurde „Steampunk – kurz und geek“ ausgezeichnet. Alex Jahnke und Marcus Rauchfuß zeichnen dafür verantwortlich. Für seine Kurzgeschichte „Automat“ erhielt Bernd Perplies den DPP 2013, zur besten Anthologie kürten die Leser „Wenn das die Grimms wüssten“, herausgegeben von Peter Hellinger. Arndt Drechsler darf sich als bester Grafiker fühlen.

Erstmals seit 1999 gab es beim Deutschen Phantastik-Preis auch wieder einen Ehrenpreis. Die Redaktion der veranstaltenden Phantastik-News ehrte auf der Buchmesse-Con Ralf Boldt und Wolfgang Jeschke für die Herausgabe der Anthologie „Die Stille nach dem Ton“. Die komplette Liste mit Gewinnern und Platzierungen steht auf Phantastik-News.

Der Heckenritter von Westeros – Das Urteil der Sieben von George R.R. Martin

George R.R. Martin: Der Heckenritter von Westeros

George R.R. Martin: Der Heckenritter von Westeros

George R.R. Martin dominiert mit dem „Lied von Eis und Feuer“ seit Monaten die Bestsellerlisten. Um die Zeit bis zum Erscheinen des nächsten Bandes zu überbrücken, greifen die Leser zu „Der Heckritter von Westeros“. Beim größten deutschen Online-Buchhändler katapultierten die Vorbestellungen das Buch bereits knapp vier Monate vor Erscheinen in die Top 100 – pünktlich zur Auslieferung liegt es auf Platz 2 und die E-Book-Ausgabe auf Platz 4.

Drei Geschichten über den Heckenritter von Westeros

Dabei bietet „Der Heckenritter von Westeros – Das Urteil der Sieben“ kaum frische Ware. Von den drei Geschichten, die der Verlag Penhaligon hier zusammengefasst hat, sind zwei bereits in der Übersetzung erschienen: „Der Heckenritter“ 1999 bei Heyne und „Das verschworene Schwert“ 2005 bei Piper. Lediglich bei „Der geheimnisvolle Ritter“ handelt es sich um eine deutsche Erstausgabe. Da aber der Heckenritter in allen drei Geschichten der Protagonist ist, ist die Zusammenstellung sinnvoll – auch dürfte die Erstveröffentlichung vielen Lesern entgangen sein.

„Der Heckenritter von Westeros“ setzt rund ein Jahrhundert vor der Handlung von „Das Lied von Eis und Feuer“ ein. Die drei Novellen nun aber als Vorgeschichte zum großen Epos zu bezeichnen, ist unsinnig. Denn auch wenn es spannend ist, zu beobachten, in welcher Konstellation die großen Familien von Westeros hier aufeinandertreffen und welche Bedeutung die alten sieben Königreiche haben – die Geschichten haben nicht (und können auch nicht) die Tiefe der Romane. Die politische Großwetterlage spielt zwar eine Rolle, ist jedoch längst nicht so komplex. George R.R. Martin zeigt einmal mehr seine Vorliebe für das Haus Targaryen: Wohl in keiner anderen Familie liegen Genie und Wahnsinn so nah beieinander, gibt es so viele Prinzen mit dem Potenzial zum guten Herrscher und zum Tyrannen.

George R.R. Martin füllt Wissenslücken

Dennoch vergisst George R.R. Martin auch in den drei Geschichten nicht das Schicksal des einfachen Volkes (vor allem in der ersten und zweiten Erzählung), repräsentiert vom Heckenritter Dunk. Auch spielt er gekonnt mit dem romantisierten Ritterbild und der brutalen Realität des Ritterdaseins, geprägt mehr vom Kampf ums Überleben und finanziellen Sorgen als von Liebe und Ehre.

Den Abenteuern von Dunk und seinem Knappen zu folgen, ist unerhaltsam und auch möglich, wenn man nicht alle Bände von George R.R. Martins epischem Werk gelesen hat. Große Spannung kommt allerdings nicht auf und auch die Überraschungen, die zu den wichtigsten Merkmalen von Martins Reihe gehören, bleiben aus. Das mag daran liegen, dass Dunk zwar liebenswerte Züge hat, aber man mit ihm – anders als mit Tyrion und Jon Schnee – nicht mitleidet.

„Der Heckenritter von Westeros – Das Urteil der Sieben“ von George R.R. Martin ist bei Penhaligon erschienen. Die broschierte Taschenbuchausgabe hat 416 Seiten und kostet 15 Euro. Die Übersetzungen stammen von Joachim Körber und Andreas Helweg (der hinter der Neu-Übersetzung vom „Lied von Eis und Feuer“ steckt).

Deutscher Phantastik Preis 2013: Hauptrunde ohne Markus Heitz

Die Hauptrunde zum Deutschen Phantastik Preis 2013 ist gestartet – bis zum 28. Juli können Freunde der phantastischen Literatur ihre Favoriten wählen. Und die Sensation in diesem Jahr: Rekordchampion Markus Heitz ist dieses Jahr nicht nominiert, obwohl der dritte Albae-Teil (Dunkle Pfade) alle Kriterien erfüllt hätte. Allenfalls könnte Mahet noch den Ehrenpreis bekommen, den die Redaktion zuletzt 1999 vergab. Doch da dieser den betreffenden Autor unterstützen soll und Heitz diese Hilfe nicht benötigt, scheint er für jemanden Anderes vorgesehen zu sein.

Hauptrunde zum Deutschen Phantastik Preis 2013

Beim besten deutschsprachigen Roman fällt zudem auf, dass die großen Verlage kaum präsent sind. Aileen P. Roberts mit „Der Feenturm“ hält für Goldamnn die Fahne hoch, ansonsten sind Jennifer Benkau für „Dark Canopy“ (Script5), Jens Schumacher: für „Frozen – Tod im Eis“ (Loewe), Andreas Suchanek für „Heliosphere 2265 – Das dunkle Fragment/Zwischen den Welten“ (Greenlight Press) sowie Judith & Christian Vogt mit „Die zerbrochene Puppe“ (Feder & Schwert) nominiert.

Für das beste deutschsprachige Debüt dürfen sich Pia Biundo („Alle Zeit der Welt“), Horus W. Odenthal („Ninragon 1 – Die standhafte Feste“), Sabrina Qunaj („Elfenmagie“), Greta Zicari („Dämonenschicksal“) sowie T. S. Orgel („Orks vs. Zwerge“) Chancen auf den Publikumspreis ausrechnen. Bei Tom und Stephan Orgel zeigt es sich, dass schlechte Titel kein Hindernis für eine Nominierung sind, wenn denn der Inhalt stimmt.

Patrick Rothfuss gegen George R.R. Martin beim DPP 2013

Beim besten internationalen Roman kommt es zum Duell zwischen Patrick Rothfuss und George R.R. Martin. Letzterer geht gleich mit beiden deutschen Ausgaben von „A Dance With Dragons“ ins Rennen – Rothfuss darf hingegen vom Splitting profitieren, da der zweite deutsche Teil von „Die Furcht des Weisen“ Anfang 2012 erschien. Sollten sich die beiden Fantasy-Größen genügend Stimmen abjagen, könnte der Preis auch an Jasper Fforde („Wo ist Thursday Next?“), Ian McDonald („Cyberabad“) oder John Scalzi („Redshirts“) gehen.

Bei der besten Serie bekommt Seriengewinner Perry Rhodan dieses Mal Konkurrenz vom Schwarzen Auge, Heliosphere 2265, Ninragon (konnte als Indie-Reihe rasch mit drei Teilen auf den Markt) und von Maddrax, wozu jüngst der Jubiläumsband 350 erschien. Der Verzicht auf eine Vorschlagsliste von Seiten der Redaktion mag dazu geführt haben, dass sich das Feld dieses Jahr so verändert hat. Odenthal ist jedenfalls ein Gewinner dieser Neuerung und scheint gut die Leser und Fans motivieren zu können.

Der Preis für die beste Internetseite wird zwischen Phantastik-Couch, Bibliuotheka Phantastike, Geisterspiegel als alten Bekannten und den Newcomern Fantasy-Fans und Fantasy-News entschieden. Hier alle weiteren Nominierten für den Deutschen Phantastik Preis 2013:

Beste deutschsprachige Kurzgeschichte:

  • Stefanie Altmeyer: “Das Fest der Waldschrate” (Die Köche: Speisekammer des Schlemmens)
  • Frank Lauenroth: “K’tarr!” (2012 – T minus null)
  • Ollivia Moore: “Elwetritsche im Speckhemdchen” (Verborgene Wesen 2)
  • Bernd Perplies: “Der Automat” (Erinnerungen an Morgen)
  • Miriam Schäfer: “Die Yuki’hiyaku und das Licht” (Geheimnisvolle Wesen – sie kommen)
  • Barbara Wegener: “The Time After” (Schockstarre #5)

Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung:

  • Ulrich Burger [Hg]: Die Köche – Die Speisekammer des Schlemmens
  • Peter Hellinger [Hg]: Wenn das die Grimms wüssten
  • Carolin Gmyrek [Hg]: Geheimnisvolle Bibliotheken
  • Ruggero Leò [Hg]: Große Geschichten vom kleinen Volk
  • Vampire Cocktail – Geschichten aus der Vampirwelt

Bestes Sekundärwerk:

  • Andrea Bottlinger & Christian Humberg: Sorge dich nicht, beame!
  • Geek! (Panini Comics)
  • Alex Jahnke & Marcus Rauchfuß: Steampunk – kurz & geek
  • Christian Hoffmann: Phantastische Literatur aus Afrika
  • Nautilus – Abenteuer und Phantastik

Bester Grafiker:

  • Arndt Drechsler
  • Mark Freier
  • Timo Kümmel
  • Adriaan Prent
  • Dirk Schulz
  • Crossvalley Smith

Die Abstimmung läuft noch bis zum 28. Juli, die Anmeldung läuft über eine E-Mailadresse und einen Bestätigungscode.

Ein Tanz mit Drachen – Das Lied von Eis und Feuer 10 von George R.R. Martin

Cover von Ein Tanz mit Drachen

George R.R. Martin: Ein Tanz mit Drachen, Das Lied von Eis und Feuer 10

„Ein Tanz mit Drachen“ ist die Übersetzung des Originaltitels von Band 5 des Liedes von Eis und Feuer von George R.R. Martin. Da auf einen Originalband zwei deutsche kommen, erhielt die erste Hälfte „Der Sohn des Greifen“ als Titel. Nun ist auch die zweite Hälfte erschienen, und die gute Nachricht ist: Die Handlung nimmt vor allem gegen Ende an Fahrt auf. Das gilt sowohl für die Ereignisse im Norden – hier verteidigen die Boltons, deren Wappen das Buchcover ziert, Winterfell gegen den durch den einsetzenden Winter vorrückenden Stannis. Das gilt aber auch für Königsmund, wo Cersei und ihr Onkel Kevan die Herrschaft der Lennisters gegen den Hohen Septon und die Tyrells verteidigen wollen.

Das Lied von Eis und Feuer 10 – der Tanz mit Drachen währt kurz

Doch Martin bleibt in „Ein Tanz mit Drachen“ ein großes Problem erhalten: Wer bereit ist, Charaktere zu opfern, die die Leser liebgewonnen haben, dem fällt es schwer, diese Lücke zu stopfen und neue Identifikationsfiguren zu erschaffen. Martin versucht es, indem er in Band 10 auch Arya Stark und Jaime Lennister zu kurzen Auftritten verhilft. Ihre Handlungsfäden aufzugreifen wirkt jedoch bemüht und lenkt nur von den großen Strängen ab, die am Ende dann sogar zu kurz kommen, ob gewollt oder ungewollt. Denn auch wenn das Buch „Ein Tanz mit Drachen“ heißt, bleibt dieser Tanz kurz und der ganz große Kraftakt zwischen Daenerys und ihren drei Drachen Drogon, Viserion und Rhaegal wird aufgeschoben. Wenigstens könnte die Königin jenseits der Meere nun doch noch eine Flotte bekommen, die sie endlich nach Westeros bringt.

Fernsehen first?

Sprachlich fällt bei George R.R. Martin auf, dass er sich beim Schreiben wohl bereits sehr mit der Verfilmung beschäftigt hat. Die HBO-Verfilmung ist sicherlich gelungen und liebevoll gemacht, erinnert mit den auf Schockeffekte setzenden Gewalt- und Sexszenen jedoch zuweilen auch an unrühmliche HBO-Projekte wie „Rom“. Dazu wimmelt es von deftigen Kraftausdrücken – der Witz eines Tyrion geht da ziemlich unter. Bei allem Lob dafür, nicht auf eine gekünstelte Hochsprache zu setzen, muss es dennoch nicht so derb werden. Vielleicht besinnt sich Martin, dessen Epos die Fantasy der vergangenen Jahre geprägt hat, für die abschließenden Bände des Liedes von Eis und Feuer ja wieder mehr auf seine alten Stärken. Zu viel Zeit kann er sich mit dem nächsten Buch nicht lassen. Bleibt die Fernsehserie so erfolgreich, wird bereits 2015 der sechste Originalband als Vorlage benötigt. Also, George R.R. Martin: Schreib schnell!

„Ein Tanz mit Drachen“, Das Lied von Eis und Feuer 10 ist bei Penhaligon erschienen. George R.R. Martins Werk wurde erneut von Andreas Helweg übersetzt und hat in der Klappenbroschurausgabe 800 Seiten, von denen die letzten hundert jedoch den Anhang ausmachen. Der Preis liegt bei 16 Euro.