Marc Turner im Interview über „Schattenreiter“ und die beiden Fortsetzungen

Marc Turner feierte mit „Schattenreiter“ diesen Sommer sein Debüt auf dem deutschen Markt. Im Interview verrät der im englischen Durham lebende Fantasy-Autor aber nicht nur mehr über seinen ersten Roman, sondern geht auch auf die Fortsetzungen in „The Chronicles of the Exile“ ein. Im Original ist gerade Band 3, „Red Tide“, erschienen.

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Patrick Rothfuss – Der Weise fürchtet sich zweimal

Auf diesen zweiten Tag haben sich Fantasy-Leser bereits seit Monaten gefreut – am 24. Oktober erscheint „Die Königsmörder-Chronik. Zweiter Tag“ von Patrick Rothfuss. Doch „Die Furcht des Weisen“ (Wise Man’s Fear) erfüllt auch die Ängste des unbedarften Lesers: Die Deutschen zahlen nämlich doppelt. Das Werk von Pat Rothfuss wird in der Übersetzung auf zwei Bände aufgeteilt. Bei Klett-Cotta bekommt der Tag also 48 Stunden.

„Dieser zweite Band von »Der Name des Windes« steckt wieder voller neuer Geschichten und Ideen von Patrick. Der Band ist daher so umfangreich geworden, dass man ihn teilen musste in zwei Bände“, lautet die offizielle Begründung. Ob man ihn wirklich teilen musste sei dahin gestellt, müssen doch auch schon mal deutlich dünnere Werke auf mehrere Bände gestreckt werden. Bei „Die Furcht des Weisen“ kann von strecken allerdings nicht die Rede sein, umfasst „The Wise Man’s Fear“ im Original doch bereits knapp über 1000 Seiten in der gebundenen Ausgabe und immer noch knapp 900 Seiten im Taschenbuch – wer schon einmal ein englisches Taschenbuch in der Hand gehabt hat, weiß, wie eng gedruckt die Seiten da werden können.

Zwei Übersetzer für zwei Bände von „Die Furcht des Weisen“

Die beiden deutschen Bände werden die Hobbitpresse angeblich zugleich verlassen. Mit Jochen Schwarzer, der „Der Name des Windes“ übersetzte, und Wolfram Ströle sitzen gleich zwei Übersetzer am Text. Allerdings sind die „ersten Infos“ auf der Klett-Cotta-Seite wohl nicht auf dem aktuellen Stand, wird doch bereits die Länge der Romane mit jeweils 800 Seiten angegeben, was nicht stimmen kann. Zum einen dürfte die Übersetzung nicht so viel mehr Seiten brauchen, zum anderen unterscheiden sich die Bücher bereits im Preis: „Die Furcht des Weisen 1“ soll 24,95 Euro kosten, „Die Furcht des Weisen 2“ 22,95 Euro. Glaubwürdiger scheinen da die Angaben bei Buchhandel.de, laut denen Band 1 aus rund 800 Seiten besteht, Band 2 aber mit einer voraussichtlichen Länge von 520 Seiten angegeben wird. Sollten die Daten dort akurat sein, erscheint Teil 2 von Teil2 jedoch erst im Februar 2012. Edit: Mittlerweile gibt auch Klett-Cotta den 21. Februar als Erscheinungstermin für Teil 2 von Band 2 auf seiner Homepage an, die Länge soll bei 550 Seiten liegen.

Cover von Die Furcht des Weisen

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 1

Bis Oktober bleibt Klett-Cotta aber noch genügend Zeit, um die Verwirrung komplett zu machen, Veröffentlichungen zu verschieben und gleich eine günstigere Version anzukündigen, die die Wartezeit auf den dritten Tag der Königsmörder-Chronik verkürzt.

Und bevor jetzt das Geschrei laut wird, wie sehr doch der Verlag nur am Profit interessiert sei, sollte man sich überlegen, ob nicht bei der Länge die Verantwortung beim Autor und seinem Lektor liegt. Bereits der vielgelobte erste Band der Chronik zerfaserte gegen Ende ziemlich und hätte gut eine Straffung vertragen können. Die Probleme, die Rothfuss beim Schreiben von „Die Furcht des Weisen“ hatte, hat er hinlänglich auf seinem Blog beschrieben. Dazu gehörte auch das häufige Umarbeiten großer Passagen. Die Vermutung liegt nahe, dass am Ende einfach alle Beteiligten froh waren, dass er doch noch ein Manuskript abgegeben hat.

Cover von Die Furcht des Weisen 2

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 2

Die Probleme bei der Straffung teilt Rothfuss mit anderen Vielschreibern – auch mit denen, die deutlich schneller voranschreiten und mehr veröffentlichen als der Autor aus Wisconsin. Bei Heyne ist gerade „Der Weg der Könige“ von Brandon Sanderson erschienen, der Auftakt zu einer Endlos-Reihe des Vollstreckers des Rad-der-Zeit-Epos‘. „Way of Kings“ hat im Original 1280 Seiten (Taschenbuch-Ausgabe) und wurde daher in der deutschen Fassung auf zwei Bände aufgesplittet. 896 Seiten umfasst die gebundene Ausgabe des ersten Teils – Teil 2, „Der Pfad der Winde“, wird im August auf 700 Seiten erscheinen. Angesichts dieser Längen gibt es gute Gründe für die Aufteilung, doch angesichts der Längen, die andere Bücher von Sanderson enthalten, wäre es wahrscheinlich am besten gewesen, man hätte ihn im Original gezwungen zu kürzen. In der Übersetzung ist es dafür natürlich zu spät.

Wunschzettel für 2011

Das alte Jahr geht seinem Ende entgegen, Zeit, sich mit dem neuen Jahr zu beschäftigen. Was soll es bringen? Ein kleiner Wunschzettel für 2011, bezogen auf Fantasy-Literatur.

1. Mehr Erfolg den guten Fantasy-Büchern

2010 sind einige gute Fantasy-Romane erschienen, doch an die Verkaufszahlen der Massen-Lektüre mit Untotenverehrerinnen kamen sie nicht heran. Daher bleibt zu hoffen, dass die Welle der Vampire und Engel abebbt und guten Fantasy-Büchern Platz macht.

2. Mehr Leser, die über den Tellerrand schauen

Fantasy-Bücher, die nicht dem üblichen Schema entsprechen, deren Autoren mehr Wert auf Sprache legen, die weniger Action enthalten und ein ungewöhnliches Setting haben, mögen mehr Leser bekommen. Komplexe Handlungen bedeuten auch, dass die Autoren ihre Leser ernst nehmen.

3. Bessere Fortsetzungen

Das nächste Buch ist immer das schwerste. 2010 bot Brent Weeks ein Beispiel dafür, wie eine Fortsetzung missraten kann. Seine Schatten-Trilogie hatte im Kleinen gut funktioniert, doch als sein Held gleich die ganze Welt retten sollte, geriet das Ganze außer Kontrolle und verlor viel von seinem Reiz.

4. Bessere Gestaltung und besseres Marketing

Schluss mit Kapuzengrippe und Waffenarsenalen – Cover sollten sich stärker voneinander unterscheiden und nicht so austauschbar sein. Außerdem ist es wünschenswert, dass die Klappentexte an Qualität gewinnen und so sinnfreie Hinweise wie „Für die Leser von XY“ unterbleiben, denn in der Regel sind die Ähnlichkeiten sehr gering und oberflächlich.

5. Mehr Mut auf Verlagsseite

Die Budgets sind knapp, die Zeit sowieso, die Gewinnaussichten gering.  Dennoch wäre es schön, wenn weniger auf die Milchkühe gesetzt würde, die noch in der x-ten Neuauflage erscheinen und dafür mehr unbekannte Autoren mit ungewöhnlichen Ansätzen und Ideen zum Zuge kämen. Allen, die sich dafür einsetzen, sei an dieser Stelle gedankt.

Blauäugig, unrealistisch, naiv? Das mag alles zutreffen, doch man wird doch wohl mal wünschen dürfen, oder? 😉