Sam Sykes: Die Tore zur Unterwelt 2 – Dunkler Ruhm

Cover von Dunkler Ruhm

Sam Sykes: Die Tore zur Unterwelt 2 – Dunkler Ruhm

Was hält eine Priesterin, einen Magier, einen Assassinen, eine Shict, eine rote Echse und einen Schwertkämpfer, der Stimmen hört, zusammen? Nicht viel, außer der Aussicht Geld zu verdienen. Doch in „Die Tore zur Unterwelt – Dunkler Ruhm“ lässt Sam Sykes seine Charaktere entdecken, dass es selbst über Rassen- und Klassengrenzen hinweg Freundschaft geben kann – auch wenn sich die Beteiligten ihre Gefühle nicht eingestehen wollen.

Sam Sykes öffnet ein weiteres Mal die Tore zur Unterwelt

Vordergründig ist alles gut: Nachdem Lenk und seine Gefährten das Buch der Niederpforten in ihren Besitz gebracht haben, ist ihr Auftrag erfüllt. Doch die Belohnung einzusammeln, erweist sich als schwieriger als gedacht. Sie stranden auf einer Insel, werden getrennt und müssen sich mit ihren eigenen Dämonen auseinandersetzen, ehe sie den Kampf gegen purpurne Amazonen und die Geschöpfe Ulbecetonths wieder aufnehmen können.

Anders als in „Die Tore zur Unterwelt 1 – Das Buch des Dämons“ fährt Sam Sykes die Zahl der Gefechte deutlich zurück. Doch Langeweile kommt nicht auf: Statt auf Kampfszenen konzentriert sich der Sohn von Diana Gabaldon stärker auf die Entwicklung seiner Charaktere, aus deren Sicht die Handlung abwechselnd geschildert wird. Außerdem führt Sykes neue Figuren ein wie den Bibliothekar Bralston, der Magier bestraft, die gegen die Gesetze der Gilde verstoßen haben. Sein Mantel wäre ein Reiseutensil, das wahrscheinlich viele Menschen gern nutzen würden.

Sarkastische Söldner erarbeiten sich dunklen Ruhm

Der Ton von „Die Tore zur Unterwelt 2“ unterscheidet sich jedoch nicht von dem des Vorgängers. Sykes Fantasy-Roman schwankt zwischen bitterem Ernst und sarkastischem Humor, was besonders an Denaos deutlich wird. Der Assassine versteckt seinen wahren Charakter hinter vielen Masken. Und wie Lenk, Kataria und die anderen kann er seiner Vergangenheit nicht entkommen. Den Lesern von „Dunkler Ruhm“ enthüllt Sykes scheibchenweise, was die Söldner getan haben, ehe sie sich zu einer Gruppe zusammenschlossen. Und als Gruppe werden sich sich noch beweisen müssen.

„Die Tore zur Unterwelt 2 -Dunkler Ruhm“ von Sam Sykes ist bei Penhaligon erschienen. Die broschierte Taschenbuchausgabe geht über 832 Seiten und kostet 16,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Wolfgang Thon. Wie der Kampf gegen Ulbecetonth und ihre Dämonen ausgeht, wird Sam Sykes im dritten Band enthüllen, der aber auch im Original noch nicht veröffentlicht ist.

Vorschau April 2012: Eddie LaCrosse ermittelt nachts in Villjamur

Cover von "Nacht über Villjamur"

Mark Charan Newton: Nacht über Villjamur

Im April ist die Zahl der Neuerscheinungen groß – da fällt die Auswahl schwer. Doch auf das Erscheinen der deutschen Ausgabe von Mark Charan Newtons „Legende der Roten Sonne“ dürften viele Leser sich freuen, die den englischsprachigen Fantasy-Markt verfolgen. Die Reihe wurde vielfach gelobt, doch dürfte die Prosa, die Newton selbst als experimentell bezeichnet, nicht jedem gefallen. In „Nacht über Villjamur“ werden die Leser in eine sterbende Welt eingeführt. Die rote Sonne verglüht, eine Eiszeit zieht herauf – was auch nicht ohne Folgen auf die politische Lage im Kaiserreich bleibt. Einer der Protagonisten ist Inspektor Rumex Jeryd, der im Zuge von Mordermittlungen eine Verschwörung aufdeckt. Über 512 Seiten geht Band 1, der bei Egmont-Lyx kurz vor Ostern erscheint und dort zu den auserwählten High-Fantasy-Werken gezählt wird. Newton selbst spricht von „noir-pulp“.

Cover von Das Schwert des Königs

Alex Bledsoe: Das Schwert des Königs

Einen Ermittler ganz anderer Art, bringt Heyne im April auf den deutschen Markt: Eddie LaCrosse. Alex Bledsoe ist sein Schöpfer – bereits drei Romane mit diesem Helden sind in den USA erschienen – Band 4 ist für diesen Sommer angekündigt. In „Das Schwert des Königs“ (The Sword-Edged Blonde) – für das Heyne kurz vor Veröffentlichung noch einmal das Cover wechselte – bekommt es der Ermittler mit einer Verschwörung zu tun, in die auch sein Jugendfreund der König verstrickt zu sein scheint. Da wird es nicht nur darauf ankommen, den Mord an einem Prinzen eines Nachbarstaats aufzuklären. Ursula Kiausch hat den Roman übersetzt, der die Genres Detektivroman und Fantasy miteinander verbindet. Über 400 Seiten erstreckt sich die Handlung, 14,99 Euro lautet der Preis für das broschierte Taschenbuch.

Cover von Barbarendämmerung

Tobias O. Meißner: Barbaren-dämmerung

In „Die Soldaten“ schilderte Tobias O. Meißner das Schicksal einer Kompanie frischer Rekruten, die an einen gefährlichen Grenzposten versetzt werden. Dort ging es vor allem um die Schrecken des Krieges aus Soldatensicht, in „Barbarendämmerung“ ist eher die Sicht der Zivilbevölkerung gefragt. Ein mächtiger Krieger zieht plündernd durch die Lande. Dass die Menschen den Wilden für ihre Zwecke einspannen wollen,  treibt ihn zur Raserei. Das klingt ein wenig nach einer Mischung aus King Kong und Tarzan, dürfte in jedem Fall aber viel Zivilisationskritik enthalten – das verrät bereits das der Handlung voran gestellte Zitat von Robert E. Howard. Howards Conan dürfte auch sonst für das Buch Pate gestanden haben (Das scheint gerade bei deutschen Autoren in Mode zu sein, etwa auch bei Jonas Wolf.). „Barbarendämmerung“ erscheint Mitte April bei Piper, die Klappenbroschur-Ausgabe mit ihren 432 Seiten kostet 15,99 Euro.

Drachenkampf von Pierre Pevel

Cover von Drachenkampf

Pierre Pevel: Drachenkampf

Die drei Musketiere sind tot, es leben die Klingen des Kardinals! Unter der Führung von La Fargue dient diese Eliteeinheit Kardinal Richelieu, dem mächtigsten Mann Frankreichs. In „Drachenkampf“ müssen sie ein weiteres Mal ihr Land gegen die Drachen verteidigen, die die Herrschaft über ganz Europa anstreben. Die von Spanien aus operierenden magischen Wesen verlassen sich dieses Mal nicht allein auf ihren Geheimbund „Schwarze Kralle“ – zu hoch ist der Einsatz. Doch um welchen Preis es geht, müssen La Fargue, Almadès, der geheimnisvolle Saint-Lucq und die anderen zunächst herausfinden. Und bei der Entschlüsselung der Intrige verlieren sie wertvolle Zeit. Und die Zeit spielt dem Alchemisten, dem Todfeind der Klingen des Kardinals in die Hände. Nicht umsonst lautet der Originaltitel von „Drachenkampf“ „L’Alchemiste Des Ombres“ (Alchemist der Finsternis).

Pevel lässt in „Drachenkampf“ Klingen sprechen

„Drachenkampf“ fügt sich fast nahtlos an den Vorgänger „Drachenklingen“ an. Erneut stehen Duelle, schöne Spioninnen und Intrigen im Mittelpunkt. Pevel lässt das Paris von 1633 lebendig werden und spielt häufig auf „Die drei Musketiere“ an. So bekommen nicht nur Richelieu und Rochefort ihren Auftritt, sondern auch ein gewisse D’Artagnan. Dennoch ist „Drachenkampf“ weder eine dumpfe Nachahmung des Abenteuerromans von Alexandre Dumas, noch handelt es sich um einen historischen Roman. Im Vergleich zum Vorgänger spielen phantastische Elemente eine größere Rolle. Dazu gehören die Drachen und ihre Magie, andere Echsenwesen wie die Draqs sowie die Burgschwestern, Nonnen, die sich auf die Abwehr von Drachenmagie spezialisiert haben.

Das eröffnet dem Autor viele Möglichkeiten, die Pevel auch nutzt, um  Spannung in seine Geschichte zu bringen. Die ist zwar ziemlich dünn geraten, doch mit viel Tempo und Action überspielt der fränzösische Fantasy-Autor die Schwächen. Auch lässt er noch ausreichend Geheimnisse offen, etwa zur Rivalität unter der Drachen, um Lust auf den drittel Teil zu machen. Und den würde man am liebsten gleich nach Beendigung von „Drachenkampf“ lesen, da das Buch mit einem echten Cliffhanger endet.

„Drachenkampf“ ist nicht der letzte Klingen-Roman von Pevel

Ein wenig ermüdend sind die dauernden Wiederholungen bei Personen. Da viele der zahlreichen Charaktere sich unter falschem Namen ins Lager des Gegners begeben, weist Pevel regelmäßig auf die echten Namen hin, damit Leser nicht durcheinander kommen. Doch beim vierten Hinweis auf die Identität des Alchemisten ist man nicht mehr dankbar dafür, sondern lediglich genervt davon.

„Drachenkampf“ ist bei Heyne im Taschenbuch erschienen und kostet 9,99 Euro. Der Fantasy-Roman hat 432 Seiten und ist nicht der letzte der Reihe. Im Original ist bereits 2010 der dritte Teil erschienen.

Torsten Fink entfesselt den Drachensturm über Peru

Cover von Drachensturm

Torsten Fink: Drachensturm

Mit „Drachensturm“ versetzt Torsten Fink seine Leser in das Zeitalter der Entdecker zurück. Die Spanier haben bereits ihre Fühler nach Amerika ausgestreckt, und Francisco Pizarro schickt sich an, das Inka-Reich in Peru anzugreifen. Doch anders als in der Historie erscheint er 1532 nicht nur mit seinen Konquistadoren und Schusswaffen, sondern auch mit Drachen – schließlich handelt es sich bei „Drachensturm“ ja auch um eine Fantasy-Geschichte und nicht um einen Historischen Roman.

Drachenritter im Drachensturm auf Peru

Die Drachenritter sollen die entscheidende Rolle bei der Unterwerfung der Inkas spielen. Allerdings erwählt der Drache Al-Nabu (vielleicht ein arabischer Naturschützer?) ausgerechnet die blinde Mila zu seiner Reiterin. Ihr kommt eine Schlüsselrolle in diesem Krieg zu, auf die sie überhaupt nicht vorbereitet ist und die sie schnell in Lebensgefahr bringt. Zudem lauert in den Anden eine weitere Gefahr, der sich die Spanier nicht bewusst sind.

Fink schildert die Handlung von „Drachensturm“ aber nicht nur aus Sicht der spanischen Eroberer, sondern nimmt auch die Perspektive der Inkas ein. Goldgeile Eroberer dürfen natürlich auch nicht die Helden sein. Aber ob es zu einer Verbrüderung der Europäer und Indios kommt?

„Drachensturm“ von Torsten Fink ist bei Blanvalet erschienen und kostet 15 Euro. Der Fantasy-Roman erstreckt sich über 784 Seiten.

Schwarzes Prisma – Brent Weeks wendet sich dem Licht zu

Cover von Schwarzes Prisma

Brent Weeks: Schwarzes Prisma

2010 hatte Brent Weeks mit „Der Weg in die Schatten“, dem Auftakt zu Schatten-Trilogie,  ein starkes Debüt vorgelegt – mit „Schwarzes Prisma“ beginnt seine neue Trilogie, die Licht-Trilogie. Ursprünglich sollte das auch im deutschen Titel schon aufgegriffen werden, der zunächst „Schwarzes Licht“ hieß, doch schließlich entschloss man sich bei Blanvalet, sich eng an den Originaltitel „Black Prism“ zu halten. Dass man entschied, auf dem Buchcover einen Schwarz-Gardisten zu zeigen, der an einen Assassinen erinnert, hängt sicherlich mit dem Erfolg der Schatten-Trilogie zusammen.

Das Schwarze Prisma bricht das Licht

Im Mittelpunkt des Fantasy-Romans steht Gavin Guile, der Lord Prisma, eine Art religiöser Führer der Sieben Satrapien. Er kann alle Formen der Licht-Magie nutzen, während andere Magier auf eine oder zwei bis drei Farben beschränkt sind. Guile geht davon aus, dass seine Macht in spätestens fünf Jahren verglühen wird und ihm den Tod bringt. Die Projekte, die er sich vorgenommen hat, müssen jedoch hintenanstehen, als er von einem Bastard-Sohn erfährt, den er 16 Jahre zuvor gezeugt haben soll. Seinem Verhältnis zu seiner Ex-Verlobten und Schwarz-Gardistin (Leibwache) Karris ist diese Enthüllung nicht gerade förderlich. Doch sie müssen sich zusammenreißen, denn im kurz bevorstehenden Krieg mit einem abtrünnigen Reich stehen sie auf der selben Seite.

„Schwarzes Prisma“ von Brent Weeks ist bei Blanvalet erschienen und erstreckt sich in der Klappenbroschurausgabe über 800 Seiten. Der gebundene Buchpreis liegt bei 15 Euro. Die Übersetzung stammt von Hans Link, der bereits die Schatten-Trilogie von Brent Weeks sowie die Fabelheim-Romane von Brandon Mull übersetzt hat.

Edit: Die ausführliche Rezension von „Schwarzes Prisma“ ist online.

Joe Abercrombie ficht mit Heldenklingen

Cover von Heldenklingen

Joe Abercrombie: Heldenklingen

Der ganze Norden ist von der Union besetzt. Der ganze Norden? Nein, ein großer Teil der Nordmänner leistet Widerstand gegen die Eindringlinge. Seit dem Putsch des Schwarzen Dow gegen Logen, den Blutigen Neuner,  ist das Land im Krieg gegen den kurzzeitigen Verbündeten. Doch eine kleinere Gruppe Nordmänner unter dem Hundsmann steht noch immer an der Seite der Union. Die Chancen für einen Frieden zwischen den Parteien stehen jedoch schlecht – denn der Krieg im Norden wird zu einem weiteren Schauplatz der großen Auseinandersetzung zwischen den Magi. Bayaz will sich vor seiner Haustür nicht den Sieg nehmen lassen.

Heldenklingen, fünfter Roman von Joe Abercrombie

Joe Abercrombie istfür seinen fünften Roman der Klingen-Reihe wieder in den Norden zurückgekehrt. „Heldenklingen“ (The Heroes) heißt sein neuestes Werk, dessen Handlung erneut in sich abgeschlossen ist, wie es bereits bei „Racheklingen“ der Fall war. Treue Leser werden so einige Charaktere wiedertreffen, die sie liebgewonnen oder nie gemocht haben, angefangen vom Hundsmann und dem Schwarzen Dow bis hin zu Espe, Yoru Sulfur und Bremer dan Gorst, dem ehemaligen Meisterfechter der Union.

Stilistisch hat sich natürlich nichts geändert. Die Soldaten müssen Scheiße fressen und vor allem sagen, die Offiziere sind zynisch, unfähig oder bemüht, ihre Männer zu retten, doch nur wenige haben die Chance, den Krieg halbwegs heil zu überleben. Die Welt ist schlecht, und das Schicksal tritt dir in den Arsch, wenn du es am wenigsten erwartest, so die wenig tröstliche Botschaft von Abercrombie. Und doch schimmert bei seinen Anti-Helden das Gute durch und endet die Handlung niemals in der völligen Katastrophe.

„Heldenklingen“ ist bei Heyne erschienen. Mit knapp 900 Seiten ist es erneut ein sehr episches Werk von Joe Abercrombie geworden und kostet stolze 16 Euro. Und es wird nicht der letzte Ausflug des britischen Autors in die Klingen-Welt bleiben. Noch mindestens vier Bücher von Abercrombie werden den Konflikt der Magi thematisieren.

Edit: Eine noch ausführlichere Rezension zu „Heldenklingen“ ist nun ebenfalls online.

Schattentänzer: Alexey Pehov schwingt das Tanzbein

Cover von Schattentänzer

Schattentänzer von Alexey Pehov

Alles hängt nun an Garrett – der Dieb und seine Gefährten haben nach mehr als zwei Dritteln der „Chroniken von Siala“ Hrad Spines erreicht. Dort liegt das magische Horn des Regenbogens, mit dem die Welt vor dem Unaussprechlichen gerettet werden soll. Garrett entschließt sich, seine verbliebenen Begleiter am Eingang zurückzulassen, um allein durch die Schatten zu tanzen. Auf seinem Weg auf die achten Ebene der riesigen Grabstätte lauern Monster, Magie und allerlei Gefahren auf den Dieb und „Schattentänzer“.

„Dungeons and Zombies“ hätte der Fantasy-Roman auch heißen können, denn wie in einem Rollenspiel bewegt sich Garrett durch die unterirdischen Säle, verliert Lebenspunkte, die er mit Heiltränken wieder auffüllt, überlebt mit Glück und Geschick die verborgenen Fallen und greift im Notfall zu seiner Armbrust, wenn ein Kampf unvermeidbar ist. Da er als Ich-Erzähler unterwegs ist, sind auch die ironischen Sprüche, die er in Gedanken formuliert, für Leser erlebbar. Und dann hat der Dieb ja noch einen Zauberer in seinem Kopf sitzen, der ihm so manchen Tipp einflüstert …

„Schattentänzer“ ist wie die beiden anderen Bände der „Chroniken von Siala“  („Schattenwanderer“ und „Schattenstürmer“) bei Piper erschienen. Band 3 umfasst 560 Seiten und kostet 16,95 Euro. Die Übersetzung stammt von Christiane Pöhlmann, die bereits Bücher von Sergej Lukianenko übersetzt hat.

Trend-Thema Vergewaltigung in Fantasy-Romanen

Woher kommt er nur, der Trend zu Vergewaltigungsszenen in Fantasy-Romanen? In zahlreichen Büchern aus dem anglo-amerikanischen Raum, die es auf den deutschen Markt schaffen, gibt es mindestens eine solche Szene. Seien es Joe Abercrombie, Brent Weeks  oder Steven Erikson, seien es Autorinnen wie Glenda Larke oder Lara Morgan – bei ihnen allen werden Frauen zum Sex gezwungen.

Wie genau diese Gewaltakte beschrieben werden, ist unterschiedlich. In allen Fällen sind die Frauen klar als Opfer erkennbar. Auffällig ist jedoch, dass die männlichen Autoren eher dazu neigen, die Szenen ausführlicher zu gestalten, während die Autorinnen die Vergewaltigung eher knapp halten und sich stärker und schneller auf das Innenleben und die seelischen Verletzungen der weiblichen Charaktere konzentrieren, um so die Empathie mit dem Opfer deutlich zu machen.

Unabdingbarer Bestandteil der Handlung sind die Vergewaltigungen eher nicht, vielmehr dienen sie dazu, zu zeigen, wie rechtlos und rauh die Gesellschaft in Fantasy-Welten ist und dazu, Charakteren mehr Tiefe und Raum für Entwicklung zu lassen.

Stehen die Vergewaltigungen für einen Trend zum Realismus?

Es drängt sich zudem der Eindruck auf, als ständen die Vergewaltigungsszenen für die gestiegene Nähe des Fantasy-Genres zur realen Welt. In einer Welt, die vom Mittelalter, Antike, Renaissance oder Neuzeit inspiriert ist, müssen Frauen wohl – bei aller oft in Fantasy-Romanen gespiegelten Emanzipation – Opfer sexueller Gewalt werden, da diese Verbrechen in jeder Gesellschaft vorkommen.

Die Täter können dabei aus der Familie kommen, wie in Peter Bretts „Das Flüstern der Nacht“, wo der Autor sexuellen Missbrauch durch einen Vater thematisiert. Sexuelle Gewalt kann aber auch als Zeichen von Dominanz eingesetzt werden, wie in „Der Verrat der Drachen“ von Lara Morgan. Besonders weit gehen hier Brent Weeks und R. Scott Bakker. In der Schattentrilogie von Weeks dient sexuelle Erniedrigung der Festigung von Machtstrukturen in einer jugendlichen Diebesbande, die Erfahrungen realer Straßenkinder dürften dem amerikanischen Autor bekannt gewesen sein. Bei Bakker gehört das Vergewaltigen zum Krieg dazu und ist eine Waffe, die zur Erniedrigung unterlegener Krieger (Ikurei Conphas) eingesetzt wird. Auch für diese Idee gibt es reale Vorbilder.

Bedarf es wirklich der drastischen Schilderungen oder würden Andeutungen nicht ausreichen? Ein Heinrich von Kleist kam vor 200 Jahren noch mit einem Gedankenstrich als Zeichen für eine Vergewaltigung aus. Tabus, die mit genauen Schilderungen zu brechen wären, gibt es auch nicht mehr. Für zarte Gemüter ist dieser Trend in Fantasy-Romanen sicher nichts. Andererseits braucht es in einem Genre, das von Erwachsenen gelesen und geliebt wird auch nicht ausgeklammert zu werden.

Lara Morgan: Der Verrat der Drachen

Cover von Der Verrat der Drachen

Lara Morgan: Der Verrat der Drachen

Mit „Der Verrat der Drachen“ ist die Fortsetzung von Lara Morgans „Der Herr der Drachen“ nun auch auf Deutsch erschienen. Die australische Autorin schildert darin den Kampf der Zwillinge Shaan und Tallis gegen Azoth, den Herrn der Drachen.

Azoth hat die Drachen um sich geschart, die bislang treu den Menschen in Saranthium gedient hatten. Durch den Verrat der Drachen ist deren Verteidigung arg geschwächt. Die Herrscher in der Hauptstadt Salmut misstrauen zudem Shaan, die die Unterstützung der unterdrückten Wüstenstämme sucht – Verrat scheint auch hier in der Luft zu liegen. Das Thema spiegelt sich nicht nur im deutschen Titel wider, auch die Originalausgabe ist mit „Betrayal“ überschrieben.

Der zweite Teil der Trilogie um die Zwillinge aus Saranthium ist bei Penhaligon erschienen. Die gebundene Ausgabe von Lara Morgans „Der Verrat der Drachen“ mit ihren 560 Seiten (inklusive Glossar und Personenregister) kostet 19,99 Euro. Die Übersetzung stammt dieses Mal von Maike Claußnitzer, die etwa auch „Geschmiedet in Feuer und Magier“ ins Deutsche übertragen hat.

Nachtrag: Die Rezension zum Buch ist ebenfalls online.

Update Mai 2017: Nach Jahren des Wartens erscheint nun doch noch der dritte Band in der Übersetzung. Allerdings läuft die Trilogie bei Blanvalet als Taschenbuch weiter.

Der Sündenfall von Ken Scholes

Cover von Südenfall

Ken Scholes: Sündenfall

Besser spät als nie: Aus den USA kommt mit „Sündenfall“ mal wieder ein sehr origineller Fantasy-Roman. Es handelt sich dabei um das Debüt von Ken Scholes, einen Namen, den es sich zu merken lohnt. Zumal – diese gute Nachricht sei vorweg geschickt – „Sündenfall“ der erste von fünf Bänden in der Reihe „Die Legende von Isaak“ ist.

Der Fantasy-Roman beginnt mit einem Paukenschlag: Über Windwir, dem geistigen und politischen Zentrum der Benannten Lande, bricht die Apokalypse herein. Die Stadt wird zerstörrt, alle Einwohner getötet. Die zu Hilfe eilenden Heere aus den Neun Wäldern, angeführt von Rudolfo und aus dem entrolusischen Delta unter Sethbert kommen zu spät. Als Rudolfo jedoch den Metallmann Isaak kennenlernt, wird ihm klar, dass Sethbert und seine Armee bereits vor dem Unglück aufgebrochen sind. Haben die Androfranziner in Windwir das Unglück doch nicht über sich selbst gebracht?

544 Seiten dick ist „Sündenfall“. Der Fantasy-Roman von Ken Scholes ist bei Blanvalet erschienen, in der Übersetzung von Simone Heller, und kostet 15 Euro. „Lamentation“ (das Wehklagen) lautet der Originaltitel und spielt wohl auf das biblische „Book of Lamentations“, in dem es um den Untergang Jerusalems geht, an. Insofern ist die religiöse Konnotation im deutschen Titel gut getroffen.

Edit: Mehr in der ausführlichen Rezension.