Die Republik der Diebe von Scott Lynch: eine Rezension

Scott Lynch: Die Republik der Diebe

Scott Lynch: Die Republik der Diebe

Mit „Die Republik der Diebe“ kehrt Locke Lamora nach langer Auszeit zurück. Zu Beginn des Fantasy-Romans sieht es nicht gut für ihn aus. Das Gift in seinem Körper breitet sich immer weiter aus. Selbst sein treuer Freund Jean Tannen verliert langsam die Hoffnung. Da kommt die Rettung ausgerechnet in Gestalt der Soldmagier, die den beiden Gentleman-Ganoven schon lange auf den Fersen sind und sie doch eigentlich vernichten wollen. Sie heuern die Diebe an, und für Locke und Jean ist klar, dass sie bei diesem Auftrag nichts zu gewinnen haben.

Die Republik der Diebe des Scott Lynch

Wer die eigentliche Hauptfigur der „Republik der Diebe“ ist, wird gleich auf dem deutschen Cover des Fantasy-Romans von Scott Lynch deutlich: die rothaarige Sabetha, die große Liebe Lockes. In den ersten beiden Romanen der Gentleman-Ganoven-Reihe war sie bereits präsent als die einzig wahre Frau im Leben des Locke Lamora, doch dieses Mal steht die Beziehung der beiden im Mittelpunkt. Scott Lynch begnügt sich aber nicht damit, die beiden nach fünf Jahren, in denen sie sich nicht gesehen haben, wieder aufeinandertreffen zu lassen. Dass die Soldmagier das Paar gegeneinander antreten lassen und sie daraus ein perverses Vergnügen ziehen, ist nur die eine Seite. Damit lassen sich nämlich kaum die mehr als 900 Seiten füllen. Lynch kehrt daher in „Die Republik der Diebe“ weit in die Vergangenheit zurück und damit auch nach Camorr. Er beginnt mit der Kindheit von Locke und Sabetha sowie ihrer Ausbildung bei Chains und schildert dann, wie die beiden erstmalig ein Paar wurden.

Diese „Zwischenspiel“ genannten Abschnitte handeln vom langen Weg zur Aufführung des Theaterstücks „Die Republik der Diebe“ und geben Lynch nicht nur Gelegenheit, sein Liebespaar vorzustellen, sondern auch noch einmal die Zwillinge Galdo und Calo zu nutzen. Für ein Zwischenspiel nehmen diese immer wieder eingestreuten Kapitel allerdings sehr viel Raum, zu viel Raum ein. Der eigentliche Handlungsstrang in Karthain tritt dagegen in den Hintergrund. Waren im Vorgänger „Sturm über roten Wassern“ die Intrigen und die Diebesgeschichte überladen, so sind die Einfälle im Kampf von Locke und Jean gegen Sabetha ziemlich lahm, selten überraschend und nur manchmal amüsant.

Die Gentleman-Ganoven-Reihe geht weiter

Amüsanter sind die Theaterszenen in den Zwischenspielen. Doch sind sie eben auch nicht zielführend. Die Konflikte in der Beziehung zwischen Sabetha und Locke wurden damals nicht gelöst. Ginge es also rein um den Hintergrund der Beziehungsprobleme, hätte sich das Ganze eleganter einflechten lassen. So enttäuscht „Die Republik der Diebe“. Am Ende nimmt der Fantasy-Roman an Fahrt auf. Doch die dann gestellten Weichen führen auf einen Weg, den Locke und Jean erst in den Folgebänden gehen werden. Sieben Bände soll die Gentleman-Ganoven-Reihe mal umfassen. Nummer vier wird den Originaltitel „The Thorn of Emberlain“ tragen.

„Die Republik der Diebe“ von Scott Lynch ist bei Heyne erschienen. Der dritte Band der Gentleman-Ganoven-Reihe geht über 944 Seiten und kostet 16 Euro. Die deutsche Übersetzung stammt von Ingrid Herrmann-Nytko.

Luke Scull: Schattenkrieger – eine Rezension

Luke Scull: Schattenkrieger

Luke Scull: Schattenkrieger

„Schattenkrieger“ ist der Debüt-Roman des englischen Fantasy-Autors Luke Scull – düstere Heldenfantasy mit einigen Schwächen. Doch zunächst zum Plot: Mächtige Magier, die sich einst verbündet hatten, um die Götter zu stürzen, kämpfen um Rohstoffe, Einfluss und Macht. Die Bevölkerung leidet darunter, daher verwundert es nicht, dass sich Widerstand gegen die Tyrannen regt. Die Kräfte der Rebellion bekommt vor allem Salazar, Herrscher über den Stadtstaat Dorminia, zu spüren – zumal das mächtige Thelassa die Widerstandskämpfer unterstützt.

Schattenkrieger: Cole, Kayne, Bath

Zu den Figuren: Nach dem überflüssigen Prolog begegnet den Lesern zunächst Davarus Cole. Schnell wird klar, dass es ein naiver Maulheld ist, der allenfalls dadurch Sympathiepunkte bekommt, dass andere mehr in ihm sehen als seine Handlungen und Gedanken erahnen lassen. Zwei Figuren, aus deren Perspektive Teile der Geschichte erzählt werden, haben mehr Format. Da ist zum einen der Augmentor Barandas, ein Geschöpf Salazars, der trotz aller Schreckenstaten seines Herrn an das Gute in den Absichten glaubt und für den die Pflicht über Allem steht. Zum anderen ist es Brodar Kayne, der Barbar aus dem Norden. Der alte Haudegen hat seine Werte noch nicht aufgegeben, auch wenn seine Frau vor seinen Augen ermordet wurde und sein Sohn sich von ihm losgesagt hat. Seine Aufrichtigkeit führt Kayne immer wieder in Lebensgefahr, doch sein Überlebenswille lässt ihn alle Gefahren überwinden.

Hass ist hingegen der Antriebsmotor des Halbmagiers Eremul, dem Salazar die Beine, aber nicht das Leben nahm. Eremul will sich rächen, dafür aber nicht sein Leben opfern. Ein weiterer Charakter, der den Lesern von „Schattenkrieger“ Einblicke in sein Innenleben gewährt, ist die Hexe Yllandris. Ihre Rolle ist dabei vor allem, einen Blick auf den Norden zu werfen, dem Einfallstor für magische Chaoswesen, deren Erschaffung mit dem Götterkrieg zusammenhängt.

Luke Scull beschreibt nicht seine ganze Welt

Ist die Zeichnung der Hauptfiguren zum Teil noch gelungen, fällt das Urteil für Nebenfiguren in „Schattenkrieger“ vernichtend aus, sind diese doch sehr grob gezeichnet und eher klischeehaft. Auch beim Weltentwurf schimmert der Rollenspiel-Hintergrund von Luke Scull durch: Sie wirkt etwas hastig entworfen, ohne Liebe für Details. Dafür ist die Weltenbeschreibung aber auch nicht überladen mit seitenlangen Beschreibungen von Bräuchen. Weite Teile der Welt enthält Scull den Lesern aber noch vor, etwa die geheimnisvolle Konföderation, die einen Gegenentwurf zu den von Magiern beherrschten Stadtstaaten bieten könnte. Die Wendungen in der Handlung sind oft vorhersehbar, dafür gelingt es Scull in seinem Debüt erstaunlich gut, mit Motiven offensichtlicher Vorbilder wie Joe Abercrombie zu spielen – ohne freilich schon deren Klasse zu erreichen.

Luke Scull lebt mit seiner Frau in Warminster, einer Kleinstadt im Süd-Westen Englands.  Seine Leidenschaft gilt Fantasy-Rollenspielen. Zuletzt erschien „The Shadow Sun“ für iOS-Geräte, zu finden im iTunes-Store. Doch er arbeitet auch weiter an seiner Trilogie. Der zweite Band der „Grim Company“ soll im Original noch dieses Jahr erscheinen und den Titel „Sword of the North“ tragen. Nicht überraschend: Das Schwert des Nordens, Brodar Kayne, war bereits im ersten Band nicht nur eine wichtige Figur, sondern dazu noch einer der wenigen Sympathieträger.

„Schattenkrieger“ von Luke Scull ist bei Heyne erschienen. Die Paperback-Ausgabe hat 624 Seiten und kostet 15,99 Euro, für das E-Book sind 12,99 Euro fällig. Die Übersetzung stammt von Jürgen Langowski.

Der Pfad des Zorns von Antoine Rouaud

Antoine Rouaud: Der Pfad des Zorns

Antoine Rouaud: Der Pfad des Zorns

Der Pfad des Zorns – Ritter sollten nicht auf ihn geraten, da sie sonst ihren Eid brechen. Doch was, wenn ein Ritter der einzige ist, der sich noch an seinen Eid hält, während alle anderen längst die alte Ordnung verraten haben? Wie ein solcher Ritter endet, beschreibt Antoine Rouaud in seinem Debüt-Roman „Der Pfad des Zorns – Das Buch und das Schwert 1“. Dun-Cadal ist der Name des Ritters. Zu Zeiten des Kaiserreichs galt er als Held und genialer Feldherr, doch mit dem Sturz des Kaisers versank er in Bedeutungslosigkeit und verfiel dem Alkohol. Doch ihm ist es nicht vergönnt, vom Wein betäubt der Vergangenheit zu entfliehen – er wird aufgespürt und soll helfen, das legedäre Schwert des Kaisers wiederzufinden, das zusammen mit dem heiligen Buch die Welt zusammenhält.

Rouaud schickt seine Helden auf den Pfad des Zorns

Der Franzose Antoine Rouaud begibt sich in seinem ersten Roman auf die Spuren der Vergangenheit seines Landes (zu erkennen etwa an der Hafenstadt Masalia, die sehr an Marseille erinnert). Denn auch wenn er weit davon entfernt ist, die französische Geschichte nachzuerzählen, dient ihm doch die Französische Revolution als Vorbild. Die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind die Werte, für die die Republik eintritt, die an die Stelle des Kaiserreichs in „Das Buch und das Schwert“ getreten ist. Das Ende der Stände-Gesellschaft erlaubt den sozialen Aufstieg durch die eigenen Fähigkeiten. Eignung, nicht Geburt, soll über die Karriere entscheiden.

Wie es zum Sturz des Kaiserreichs kommt, schildert Rouaud mithilfe von Rückblicken auf Dun-Cadals Lebensgeschichte. Doch der Fantasy-Roman ist keine Geschichtsstunde, sondern vielmehr die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung. Duns Absturz ist nämlich eng verknüpft mit dem Schicksal Grenouilles, seinem Ziehsohn. Ihr Verhältnis, geprägt von Liebe und Hass, steht im Mittelpunkt der Handlung. Und da die beiden Krieger sind, gibt es auch mehrere Schlachten zu schlagen und Kämpfe zu bestehen.

Das Buch und das Schwert

Doch „Der Pfad des Zorns“ besteht nicht nur aus Rückblicken. Die Revoulution im Fantasy-Roman mündet zwar nicht in die Terrorherrschaft einiger Revolutionäre, doch vom Zustand einer gerechten und guten Regierung ist die Republik noch weit entfernt. Denn Buch und Schwert sind nicht vereint. Was das bedeutet, wird in der zweiten Hälfte des Buches enthüllt, aber nicht völlig zu Ende erzählt, soll die Geschichte doch noch weitergehen. Rouaud hat sein Projekt als Trilogie angelegt – Band 2 dürfte mittlerweile abgeschlossen und überarbeitet sein. Ein Veröffentlichungsdatum gibt es jedoch noch nicht. Leser, die „Der Pfad des Zorns“ angesprochen hat, müssen sich also noch ein wenig gedulden. Wer die Lektüre noch vor sich hat, darf sich auf ein zwar nicht immer originelles, aber doch für ein Debüt erstaunlich reifes, spannendes und insgesamt rundes Werk freuen.

„Der Pfad des Zorns“ von Antoine Rouaud ist der erste Teil von „Das Buch und das Schwert“. Die broschierte Taschenbuchausgabe mit ihren 640 Seiten ist bei Heyne erschienen und kostet 14,99 Euro.

Der Rote Krieger – Rezension des Fantasy-Romans von Miles Cameron

Miles Cameron: Der Rote Krieger

Miles Cameron: Der Rote Krieger

„Der Rote Krieger“ von Miles Cameron dürfte nur knapp der Teilung entgangen sein. Mit 1168 Seiten ist das Fantasy-Debüt von Cameron ein echter Brocken – dank dünner Seiten und biegsamen Buchrückens ist die Druckausgabe aber nicht zu dick geraten, sondern bleibt gut lesbar. Der Fantasy-Roman hätte sogar ein paar Seiten mehr benötigt, denn leider fehlt ein Personenverzeichnis, was Lesern abverlangt, sich einige Namen zu merken.

Der Rote Krieger ist der Rote Ritter

Da hilft es, dass sich die Geschichte anfangs nur langsam entwickelt. So bleibt zunächst Zeit, den Roten Ritter – der im Titel noch Roter Krieger heißt – und seine Söldnertruppe kennen zu lernen. Sie sollen eine Abtei vor Kreaturen der Wildnis wie Kobolden, Wyrms und Dämonen beschützen. Doch schon bald wird klar, dass mehr hinter dem Angriff auf Gehöfte rund um die Abtei steckt – die Söldner geraten in einen Krieg, der das gesamte Königreich Albia in den Abgrund reißen könnte.

Albia, der Name zeigt bereits an, dass sich Miles Cameron bei seinem Weltentwurf nahe an der realen Welt orientiert. Vorbild für das Königreich ist das mittelalterliche Britannien (Albion): Eine Mauer im Norden schützt die Zivilisation, Gesetzlose machen die Wälder unsicher und das Land ist so dünn besiedelt, dass Invasoren aus Gallyen leichtes Spiel haben könnten. Dass sich Cameron das mittelalterliche Europa zum Vorbild nimmt liegt auf der Hand – hinter dem Pseudonym Miles Cameron verbirgt sich Christian Cameron, Autor mehrerer historischer Romane, darunter auch einer noch jungen Ritter-Reihe. Außerdem ist Cameron Historiker und diente im Nachrichtendienst der amerikanischen Marine.

Miles Cameron kennt sich mit Rittern aus

Gelungen sind ihm die Beschreibungen des Ritterlebens, der Kämpfe in Rüstungen und gegen Ritter. Da Miles Cameron jedoch oft zwischen Schauplätzen hin und her springt sowie die Perspektive zahlreicher Charaktere einnimmt, braucht es, ehe man sich als Leser in die Welt des Roten Ritters eingefunden hat. In der Danksagung am Ende weist Cameron auf Steven Erikson als für ihn wegweisenden Fantasy-Autoren hin. Erikson gehört zu den wenigen Schriftstellern, die es meisterhaft verstehen, mit vielen Figuren zu jonglieren und sie dem Leser nahe zu bringen. Cameron gelingt dies nicht. Auch scheitert er damit – anders als Erikson – das Leben und Leiden der Soldaten auf allen Hierarchieebenen zu veranschaulichen.

Zu einem mittelalterlichen Setting gehört unweigerlich die Religion. Cameron hat das Christentum übernommen und nur leicht abgewandelt. Der Rote Ritter ist dabei, anders als die anderen Ritter, ein Zweifler, der nicht daran glaubt, dass die Geschöpfe der Wildnis auch Geschöpfe des Satans sind. Und so gibt es in Camerons „Der Rote Krieger“ auch kein eindeutiges Gut-Böse-Schema. Cameron nimmt auch die Erzählperspektive der Anführer der Wildnis-Kämpfer ein. Das weckt einerseits Verständnis für die Postionen beider Seiten, führt aber auch dazu, dass es Cameron schwer fällt, seine Leser zu überraschen, da sich viele Wendungen leicht erschließen lassen. Das geht zu Lasten der Spannung eines insgesamt guten, wenn auch etwas zu lang geratenen Fantasy-Romans.

Die Abenteuer des Roten Ritters und seiner Söldnertruppe sind mit „Der Rote Krieger“ noch nicht beendet. Cameron plant eine fünfteilige Reihe und arbeitet derzeit an Band 2. Die Grundlage für die nächste Runde zwischen Geschöpfen der Wildnis und Menschen, Magiern und höheren Mächten hat der Autor gelegt – mit der Entwicklung des Schießpulvers wird zudem das Ende des Rittertums eingeläutet.

„Der Rote Krieger“ von Miles Cameron ist bei Heyne erschienen. Die Paperback-Ausgabe hat 1168 Seiten und kostet 16,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Michael Siefener.

Die Flammen der Dämmerung von Peter V. Brett

Cover von "Die Flammen der Dämmerung"

Peter V. Brett: Die Flammen der Dämmerung

„Die Flammen der Dämmerung“ von Peter V. Brett heißt im Original „The Daylight War“. Der amerikanische Titel deutet bereits an, dass es im dritten Band der Dämonen-Reihe um den Krieg am Tag geht, also unter den Menschen und weniger um den Kampf gegen die Dämonen. Das stimmt jedoch nur zum Teil, denn vor allem schildert Brett die Vorbereitungen seitens der Bewohner des Tals der Holzfäller und seitens der Krasianer auf den Neumond, die Phase der dunklen Nächte, in denen die Dämonen jenseits des Horcs am mächtigsten sind. Dabei berücksichtigt Brett sowohl Arlen als auch Renna, Leesha und Rojer in großem Maße.

Inevera wichtigste Figur in „Die Flammen der Dämmerung“

Wie bereits in „Das Flüstern der Nacht“ holt der amerikanische Fantasy-Autor an anderer Stelle aber weit aus, um einen Charakter ausführlicher vorzustellen. Inevera, erste Frau von Jardir und als Damajah oberste weibliche Autorität der Krasianer, steht so in einigen Kapiteln im Mittelpunkt. Doch im Gegensatz zum Vorgängerband, in dem die Handlung wegen der Rückblenden lange Zeit nicht in Gang kam, verwebt Brett die Lebensgeschichte Inevera geschickter mit den weitergehenden Handlungssträngen.

Unter diesen ist vor allem bemerkenswert, wie sich Arlen durch die Beziehung zu Renna wieder zu öffnen beginnt. Problematisch ist, wie viel Macht er dank seiner dämonischen Magie gewinnt und wie wenig ihn das als Menschen verändert. Erst im Kampf mit Dämonprinzen verliert er wieder ein wenig vom Superhelden-Status, was der Figur nur gut tut. Schließlich will Arlen ja nicht der Erlöser sein.

Insgesamt knüpft Brett wieder mehr an die Qualitäten seines ersten Fantasy-Romans, „Das Lied der Dunkelheit“, an und bringt seine Geschichte direkter voran. Auch ist in „Die Flammen der Dämmerung“ die Zahl der schablonenartigen Nebenfiguren deutlich geringer – ein positiver Nebeneffekt, wenn immer mehr Hauptfiguren Platz eingeräumt werden muss.

Warten auf Bretts vierten Band der Dämonen-Reihe

Nachdem Brett am Ende die erste Neumond-Schlacht mit den Dämonen geschildert hat und der Spannungsbogen nach unten zeigt, wartet der Autor am Ende seines Fantasy-Romans doch noch mit einem Höhepunkt auf – und lässt seine Leser mit einem Cliffhanger zurück. Die Wartezeit auf Band 4 dürfte daher für viele Fans sehr lang werden. Frühestens 2015 ist wohl mit einer Veröffentlichung zu rechnen – was immerhin ein Jahr weniger wäre, als zwischen der Veröffentlichung von Band 2 und 3 vergangen ist. Da Brett nach eigenem Bekunden immer Qualität abliefern will (dank seines Erfolges auch dem Druck seines Verlages leichter standhalten kann) und nicht der schnellste Schreiber ist, kann es aber auch länger dauern. Mehr zu seinen Plänen im Interview mit Peter Brett.

„Die Flammen der Dämmerung“ von Peter V. Brett ist bei Heyne erschienen. Der dritte Band der Dämonen-Reihe erstreckt sich mit Glossar über 1056 Seiten und kostet in der Paperback-Ausgabe 15,99 Euro. Die Übersetzung stammt – wie schon bei den Vorgängern – von Ingrid Herrmann-Nytko.

Duncan Lay: Der Hüter des Schwertes – eine Rezension

Cover von Der Hueter des Schwertes

Duncan Lay: Der Hüter des Schwertes

Die Geschichte von „Der Hüter des Schwertes“ ist schnell erzählt: Martil, ein Veteran, der an seinen Kriegserfahrungen fast zerbrochen ist, wird zur letzten Hoffnung eines Königreichs. Dabei kann er nur Erfolg haben, wenn er seine Menschlichkeit nicht verliert, die er nach einem Massaker an Zivilisten schon verloren glaubt. Die kleine Karia ist es, die ihn auf den richtigen Pfad lenkt, denn das Mädchen findet hinter der rauhen Schale des Kriegers den weichen Kern.

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Richard Schwartz: Der Falke von Aryn – eine Rezension

Cover von Der Falke von Aryn

Richard Schwartz: Der Falke von Aryn

Der Falke von Aryn ist verschwunden. Die der Göttin Isaeth geweihte Statue ist von unschätzbarem Wert – gewöhnliche Diebe könnten zwar den Falken einschmelzen und das Gold zu Geld machen. Nicht zu ersetzen ist jedoch der symbolische Wert, steht der Falke doch für die Verbindung der Stadt Aryn mit dem Frankenreich. Sollten also Separatisten hinter dem Diebstahl stecken, könnte es zu schweren Unruhen kommen und zu Spannungen zwischen dem Kaiserreich und dem Königreich Manvere.

Richard Schwartz und der Falke von Aryn

Beide Regierungen schicken daher Ermittler nach Aryn. Lorentha vertritt als Mitglied der Garda die Franken und sucht als Schwertkämpferin ihresgleichen. Lord Raphanael kommt aus Manvere. Zugleich weiß er die Macht des Ordens hinter sich und verfügt über magische Mittel bei der Diebessuche. Mit Schwert und Magie sind die beiden gut gerüstet, doch die Dinge sind komplizierter. Lorentha geht es weniger um den Falken – sie will die Mörder ihrer Mutter finden und legt sich dabei mit den Mächtigen von Aryn an.

Schon der Titel spielt auf den „Malteser Falken“ an, die Handlung enthält zahlreiche Krimi-Elemente, einen klassischen Detektivroman hat Richard Schwartz mit seinem „Falken von Aryn“ dennoch nicht vorlegelegt. Denn die Deduktion ist auf die Untersuchung am Tatort und ein paar Zeugenbefragungen beschränkt. Das Rätsel um den verschwundenen Falken und die Ermordung von Lorenthas Mutter sind nur die Aufhänger die Geschichte über eine Frau, die von Schicksalsschlägen schwer gezeichnet ist. Die Majorin der Garda ist die wichtigste Figur, auch wenn die Ereignisse nicht komplett aus ihrer Sicht geschildert werden, sondern Schwartz auch die Perspektive von Raphanael und anderen einnimmt. Lorentha macht die größte Entwicklung durch, und dass der Magier daran großen Anteil haben wird, ist schnell ersichtlich. Vieles in der Beziehung der beiden zeichnet sich klar ab, dennoch ist es Schwartz gelungen, die Annäherung amüsant zu halten.

Der Falke von Aryn und seine Verbindung zu Askir

„Der Falke von Aryn“ ist ein Einzelroman, der nicht mit den Askir-Romanen von Richard Schwartz verknüpft ist. Die an ein historisches Europa angelehnte Welt ist eine andere. Das Frankenreich beherrscht den Kontinent, doch da das Schießpulver bereits erfunden ist und Lorentha über Steinschlosspistolen verfügt, ist der technologische Standard nicht mit dem der mittelalterlichen Franken zu vergleichen (deren magische Fähigkeiten dürften sich auch in Grenzen gehalten haben). Aryn selbst verlegt Schwartz auf eine Irland nachempfunden Insel: dem Königreich Manvere. Mit der Verknüpfung aus Detektivroman und Fantasy-Roman greift Schwartz jedoch auf gewohnte Muster zurück. Ohne alte Fans zu vergraulen, könnte er sich mit dem „Falken von Aryn“ neue Leserkreise erschließen. Manches im Fantasy-Roman, wie etwa die Gesellschaftskritik, wirkt zwar bemüht und oberflächlich. Insgesamt ist Schwartz jedoch ein sehr unterhaltsames Buch gelungen, bei dem vor allem die Mischung aus Action, Witz und Spannung überzeugt.

„Der Falke von Aryn“ von Richard Schwartz ist 2012 bei Piper erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe hat 460 Seiten und kostet 16,99 Euro.

 

Heldenzorn: Rezension des Fantasy-Romans von Jonas Wolf

Cover von Heldenzorn

Jonas Wolf: Heldenzorn

Barbar wird gefangen genommen und versklavt und muss in der Arena vor Publikum um sein Leben kämpfen. Klingt nach Spartacus und ist auch als Hommage gedacht, wie Jonas Wolf im Nachwort zu „Heldenzorn“ verrät. Teriasch ist der Held, um dessen Zorn es geht. Er wächst als Waisenkind bei einer Schamanin auf, deren Stamm über die Steppe zieht. Doch bevor er seine Ausbildung zum Schamanen beenden kann – Teriasch ist magisch begabt -, wird er gefangen genommen und versklavt, siehe oben.

Heldenzorn – ein Schamane wird wütend und wütet

Seine neuen Herren sind Bewohner des Dominum, das nicht nur vom lateinischen Namen her an das Römische Reich erinnert. Teriasch wird in magische Fesseln gelegt, die er jedoch dank seiner Magie bekämpfen, wenn auch nicht ablegen kann. An seine Seite tritt der Halbling Rukabo – ein Schlitzohr, das für allerlei komische Situationen sorgt und die am besten gelungene Figur darstellt.

Von Teriasch kann man das leider nicht sagen. Mit diesem naiven Barbaren leiden Leser nicht mit. Und auch seine Zivilisationskritik mag man nicht teilen, konzentriert sich diese doch zu sehr auf die Sklaverei. Wenig überzeugend ist zudem die Idee, dass Außenseiter in der Steppe fernab von Städten und Zivilisation besser leben könnten.

Jonas Wolf setzt auf klare Verhältnisse

Dennoch ist die Geschichte, die die beiden Autoren unter dem Namen Jonas Wolf veröffentlicht haben, kurzweilig und gut zu lesen. Episch breit und gewaltig wie der Klappentext es verkündet, ist „Heldenzorn“ aber nicht. Dafür ist die Erzählweise zu geradlinig und die Handlung zu simpel gehalten. Die Rollen von Böse und Gut sind klar verteilt, und wenn sie doch einmal hinterfragt werden, wirkt es aufgesetzt. Teriasch bleibt wenig Zeit und – außer in seiner Beziehung zu Kronprinzessin Nesca – Raum für Entwicklung. Sein Heldenzorn schwillt an und bringt das Dominum an den Rand der Vernichtung.

Das dicke Ende kommt dann aber – nicht. Wie schon beim Vorgänger „Heldenwinter“ ist es leider kein Höhepunkt am Schluss geworden, sondern ein sich lange abzeichnendes Finale mit unglaubwürdigen Wendungen. Dennoch darf man gespannt sein, welchen Teil der Welt des Skaldat Jonas Wolf als nächstes vorstellt, da der Weltentwurf stimmig ist und viele Möglichkeiten eröffnet. Die Reihe, die hier spielt, besteht nicht aus direkt miteinander verbundenen Bänden, sondern aus einzelnen Fantasy-Romanen, die in der selben Welt spielen – verbindende Elemente wie die Halblinge nicht ausgeschlossen.

„Heldenzorn“ von Jonas Wolf ist beim Piper-Verlag erschienen, geht in der kartonierten Taschenbuchausgabe über 384 Seiten (mit Anhang) und kostet 12,99 Euro.

Mark Charan Newton: Nacht über Villjamur – Die Legende der Roten Sonne 1

Cover von "Nacht über Villjamur"

Mark Charan Newton: Nacht über Villjamur – Die Legende der Roten Sonne 1

Einer der interessantesten Newcomer auf dem deutschen Fantasy-Markt in diesem Jahr ist Mark Charan Newton. Mit „Nacht über Villjamur – Die Legende der Roten Sonne 1“, seinem ersten Fantasy-Roman, sind viele Leser zu wünschen, denn er liefert einen sehr spannenden Weltenentwurf und eine gut entworfene Geschichte.

Nacht über Villjamur: Die Rote Sonne verliert ihre Strahlkraft

Villjamur ist die Hauptstadt des Kaiserreichs, das über den Großteil der Inselwelt herrscht. Doch die alte Macht steht vor einer großen Herausforderung: Die Rote Sonne erstrahlt nicht mehr so warm, eine Eiszeit kündigt sich an. Die Menschen flüchten in die großen Städte, doch in Villjamur lässt man sie nicht ein. Das sorgt für Konflikte, die sich noch verschärfen, als ein hohes Ratsmitglied ermordet wird und der Kaiser stirbt. Zugleich droht dem Reich Ungemach durch einen unbekannten äußeren Feind.

Mark Charan Newton erzählt die Legende der Roten Sonne aus verschiedenen Perspektiven. Die wichtigsten Charaktere sind der Ermittler Jeryd, ein Angehöriger der humanoiden Rumel und Mitglied der Inquisition. Jeryd ist aber kein Zyniker à la Glokta aus Joe Abercrombies Klingen-Romanen. Der Rumel ist eher bedächtig und manchmal erschreckend naiv, dabei jedoch ein guter Beobachter. Bei den Ermittlungen zum Mord am Ratsherren kommt er einer großen Intrige auf die Spur.

Randur Estevu stammt von der Insel Folke, will in Villjamur Geld verdienen und erschleicht sich dazu den Posten eines Tanzlehrers. Sein Zusammentreffen mit Prinzessin Eir wird die Geschichte Villjamurs verändern. Das hat der Albino Brynd bereits geschafft. Bis zum Oberkommandierenden des Heers ist er aufgestiegen. Doch als sich die Ereignisse in Villjamur überschlagen, ist er bereits unterwegs, um sich dem neuen Feind im Norden zu stellen. Hinzu kommen mehr als ein Dutzend weitere Personen, die mehr oder weniger große Rollen spielen.

Die Legende der Roten Sonne 1: Starkes Setting

Die Charaktere sind Newton zum Teil gut gelungen, doch da er den Einblick in die Gedanken und Gefühle von so vielen von ihnen gewährt, leidet darunter stellenweise die Spannung. Denn die Leser erhalten so etwa die Pläne der Verschwörer bereits vorab. Dass diese dann zumeist genauso umgesetzt werden, wie angekündigt, lässt erkennen, dass es sich bei „Nacht über Villjamur“ um ein Debüt handelt.

Mark Charan Newton (Jahrgang 1981) zeigt aber auf anderem Gebiet, über welches Talent er verfügt. Die Legende der Roten Sonne ist sehr vielschichtig: Es geht um die Flüchtlingsproblematik, um Demokratieverständnis (auch wenn es etwas unpräzise ist, bei einem Kaiserreich von Demokratie zu sprechen), um Klimawandel und um die Grenzen von Wissenschaft. Kultisten heißen die Wissenschaftler im Fantasy-Roman. Sie kennen sich mit alter, magischer Technologie aus, helfen dem Kaiserreich im Krieg und forschen. Einige von ihnen sind bereit, gegen die Naturgesetze zu verstoßen – mit welchen Folgen, werden die weiteren Bände der Legende der Roten Sonne zeigen.

Die Themenvielfalt führt jedoch nicht dazu, dass das Buch überladen wäre oder unnötig komplex. Dazu ist der vordergründigen Handlung zu leicht zu folgen und fehlt wohl auch ein wenig Raffinesse sowie die nötige Detailverliebtheit. Dieser erste Band erzeugt Vorfreude auf die beiden Fortsetzungen, die im Original bereits erschienen sind. Auf Deutsch kommt der zweite Band im Oktober 2012 heraus.

„Nacht über Villjamur“ von Mark Charan Newton ist bei Egmont-Lyx erschienen. Der erste Band der Legende der Roten Sonne hat 512 Seiten und kostet 12,99 Euro.

Alex Bledsoe: Das Schwert des Königs, erster Eddie-LaCrosse-Roman

Cover von Das Schwert des Königs

Alex Bledsoe: Das Schwert des Königs

„Das Schwert des Königs“ – hinter diesem Titel könnte sich ein beliebiges Märchen oder ein beliebiger Fantasy-Roman verstecken. Alex Bledsoe hat jedoch einen Fantasy-Krimi geschrieben, der die beiden Genres gut vereint.

Eddie LaCrosse ermittelt in „Das Schwert des Königs“

Der Detektiv in „Das Schwert des Königs“ heißt Eddie LaCrosse. Ein guter, nicht mehr ganz junger Schwertkämpfer, der die fehlende Schnelligkeit mit viel Erfahrung wettzumachen weiß. Ein Auftrag führt ihn zurück nach Arentia, seiner Heimat, die er 20 Jahre zuvor verlassen hatte. Sein Jugendfreund, der König des Landes, bittet ihn, den Mord an seinem Sohn aufzuklären und die Beschuldigte, die Königin und Mutter des Opfers, zu entlasten. Nur widerwillig macht sich Eddie LaCrosse an die Arbeit – denn seine Suche nach der Wahrheit führt ihn zurück in seine eigene Vergangenheit und sein eigenes Versagen.

Alex Bledsoe startet eine Fantasy-Krimi-Reihe

Alex Bledsoe wählt ein Fantasy-Setting, um eine Kriminalgeschichte zu erzählen. Das Rätsel, das Eddie LaCrosse zunächst zu lösen hat, ist ein Klassiker der Detektivgeschichten. Seit Edgar Allen Poe gibt es das Rätsel um eine Tat in einem verschlossenen Raum. Eddie muss es lösen, wenn er widerlegen will, dass die Königin allein mit ihrem Sohn in einer Kammer war.

Der Ermittler selbst entstammt jedoch nicht der Schule der armchair-detectives à la Hercule Poirot, sondern eher der amerikanischen hard-boiled school: Sein nicht leicht schmutziges Büro hat er über einer Taverne in einer fast schon heruntergekommenen Stadt. Eddie LaCrosse wird niedergeschlagen, soll durch rohe Gewalt eingeschüchtert werden und geht notfalls über Leichen. Bledsoe hat jedoch keinen Mittelalter-Krimi geschrieben, sondern einen Fantasy-Krimi. Und so kommt die Magie ins Spiel. Diese ist in der Welt, in der „Das Schwert des Königs“ (The Sword-Edged Blonde) spielt, nicht präsent. Doch genau sie ist der Schlüssel zur Lösung des Falls (auch wenn beim Mord keine Magie benutzt wurde).

Der Fantasy-Krimi von Alex Bledsoe ist keine Detektivgeschichte zum Mitraten, sondern vielmehr ein Psychogramm der Hauptfigur. Die kurzweilige Geschichte erhöht die Vorfreude auf die Fortsetzungen. Im Original erscheint diesen Sommer bereits der vierte Fall von Eddie LaCrosse. Bledsoe lebt mit seiner Familie in Wisconsin, stammt selbst aber aus einem Ort in der Nähe von Memphis, Tennessee. Bevor er hauptberuflich Autor wurde, arbeitete er als Journalist, Fotograf und Staubsaugervertreter – sollte sich also gut verkaufen können.

„Das Schwert des Königs“ von Alex Bledsoe ist bei Heyne erschienen und hat in der broschierten Taschenbuchausgabe 400 Seiten – der Preis liegt bei 14,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Ursula Kiausch.