Herbstprogramm 2021 von Piper-Fantasy

Herbstprogramm 2021 von Piper Fantasy
Drei Titel aus dem Herbstprogramm 2021 von Piper Fantasy

Jugendbuchig, romantisch und progressiv, wo man es nicht unbedingt vermutet. So könnte man das Herbstprogramm 2021 von Piper-Fantasy zusammenfassen. Die Mehrzahl der Bücher erscheint im September und Januar.

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Heldenwinter – Jonas Wolf lässt einen Halbling wachsen

Cover von Heldenwinter

Jonas Wolf: Heldenwinter

„Heldenwinter“ von Jonas Wolf ist eine Rachegeschichte. Und wie jede gute Geschichte dieser Art beginnt sie mit dem Verbrechen, das den Helden zum Rächer macht. In „Heldenwinter“ ist es die Ermordung der Familie von Namakan und seines Pflegevaters und Meisters Dalarr. Dalarr weiß genau, wer hinter den Morden steckt: König Arvid und sein Scherge Waldur. Mit dem Halbling Namakan verlässt er daher die Immergrünen Almen, um einen König zu stürzen – auch für den Preis, die Welt ins Chaos zu stürzen. Namakan folgt ihm auf diesem Pfad, muss aber erkennen, dass sein Meister sich die Wahrheit so zurechtbiegt, wie er es als Schmied mit dem Eisen tut.

Heldenwinter baut auf Klassikern der Fantasy auf

Halblinge, ein großer Krieger, der seine Gegner reihenweise niedermetzelt – das klingt sehr bekannt. Und tatsächlich hat Jonas Wolf „Heldenwinter“ den Vätern der Fantasy gewidmet. Seine Aufgreifen bekannter Fantasy-Motive ist also als Hommage an Tolkien und seine Hobbits sowie an Robert E. Howard, den geistigen Vater von Conan dem Barbaren. Doch – so viel sei verraten – Elfen, Zwerge und große Vögel spielen ebenfalls eine Rolle im Fantasy-Buch, auch wenn nicht jeder mit ihrer Interpretation einverstanden sein dürfte.

Jonas Wolf spielt mit Mustern von Rachegeschichten

Sprachlich hat Jonas Wolf es eher direkt gehalten. Vor allem Dalarr  mag es derb, doch manchmal überträgt sich der Ton auch auf den (zumeist auktorialen) Erzähler. Einige Passagen sind humorvoll gehalten, sodass nicht nur der düstere Ton einer dunklen Rachegeschichte vorherrscht.

Die Handlung überzeugt im Großen und Ganzen. Einige Wendungen zeichnen sich ab, andere überraschen. Der Nachteil bei einer Rachegeschichte ist, dass sie einem Muster folgen muss. Der Rächer trifft auf den oder die Menschen, die ihn zu seinem Rachefeldzug getrieben haben und muss dann entscheiden, ob er Rache will oder vergeben kann. Dann zeigt sich, ob er seinen Willen bekommt. Um dieses Muster zu variieren, wählt Jonas Wolf in „Heldenwinter“ zwei große Konfrontationen am Ende.

Hier spielen sowohl Dalarr als auch Namakan eine wichtige Rolle. Während der leicht stämmige Halbling insgesamt ein wenig blass bleibt, dafür aber gut ins Jahr der Hobbit-Verfilmung passt, ist Jonas Wolf mit Dalarr eine großartige Figur gelungen – ein Anti-Held, von dem man mehr lesen möchte.

Jonas Wolf kehrt in die Welt von Tristborn zurück

„Heldenwinter“ von Jonas Wolf ist nur der Auftakt zu mehreren Geschichten aus Tristborn und der Pferdesteppe, die in sich abgeschlossen sind. Der nächste Band erscheint bereits im Juli bei Piper und trägt den Titel „Heldenzorn“. „Heldenwinter“ ist als kartoniertes Taschenbuch mit 512 Seiten erschienen, die Druckausgabe kostet 12,99 Euro.

Bernhard Hennen: Einblicke – der etwas andere Werkstattbericht

Bernhard Hennen hat sich in den vergangenen Jahren als Fantasy-Autor vor allem mit den Elfen der Albenmark beschäftigt. Mit „Drachenelfen“ hat er eine neue Saga begonnen, die vor den bisherigen Elfen-Romanen spielt und neben den Drachen auch den Zwergen viel Raum gibt. Über Neuigkeiten hält Hennen seine Leser auf Facebook und auf seiner Homepage auf dem Laufenden.

1. Was ist Ihre Lieblingszeit zum Schreiben?

Meine kreativsten Arbeitszeiten liegen in den Nachtstunden. Wenn keine Anrufe mehr kommen und keine Mails, kann ich ganz und gar in meinen Geschichten versinken..

2. Welches ist Ihr Lieblingsgetränk während des Schreibens?

Ich trinke relativ viel Tee. Earl Grey ist meine bevorzugte Sorte. Und leider trinke ich allzu oft auch eine Cola light.

3. Auf welcher Sitzgelegenheit sitzend schreiben Sie am liebsten?

Auf einem gemütlichen Ledersessel, der jede meiner Bewegungen mit einem Knarzen kommentiert. Ich benutze nur diese eine Sitzgelegenheit, denn ich schreibe fast nur an meinem PC im Büro.

4. Worin besteht die größte Versuchung, um während der Arbeit abgelenkt zu werden?

Auf Platz Nummer 1 liegt das Internet. Es ist nur einige Klicks entfernt und eine wahrlich facettenreiche Versuchung. Ansonsten lasse ich mich sehr gerne von meinen Kindern ablenken und im Gegensatz zu den Internetbesuchen tut mir diese Ablenkung nie leid.

Bernhard Hennen

Fantasy-Autor Bernhard Hennen (Foto: Dirk Hallecker)

5. Wie viele Wörter schreiben Sie am Tag?

Das variiert stark. Inzwischen ist die Schreibarbeit „nebenbei“ fast so umfassend wie die Arbeit an den Romanen. Jeden Tag kommt eine wahre Flut von Mails. Ich versuche fünf Seiten pro Tag zu schreiben, aber allzu oft klappt das nicht.

6. Drucken Sie Texte noch zum Korrekturlesen aus?

Heute nicht mehr. Es kommen ohnehin noch verschiedene Korrekturdurchgänge, wenn der Roman „fertig“ ist. Meist lese ich meine Texte aber am Tag, nachdem ich sie geschrieben habe, noch einmal laut und bearbeite holprige Stellen. Früher habe ich dabei an Ausdrucken gearbeitet, heute mache ich das am Computer.

7. Wer darf eine neue Geschichte zuerst lesen?

Ein kleiner Stab an Korrekturlesern, mit dem ich inzwischen schon seit vielen Jahren zusammenarbeite. Das hat sich sehr gut bewährt, und ich bin immer wieder überrascht, bei was für Fehlern ich ertappt werde, insbesondere, wenn es um Szenen mit Pferden geht. Da ich gegen Pferde allergisch bin, habe ich nur sehr wenige Erfahrungen als Reiter und bin darauf angewiesen, dass andere meine gröbsten Schnitzer aufspüren.

8. Welchen Platz bekommen die eigenen Bücher zu Hause?

Den gleich links neben der Tür zum Wohnzimmer. Allerdings stapeln sich die Belegexemplare inzwischen an jedem freien Platz, den ich finden kann, was meine Frau gelegentlich zur Verzweiflung treibt.

9. Kann man als professioneller Schreiber noch mit Vergnügen das Werk anderer Autoren lesen?

Unbedingt! Ich lese anders als früher, weil ich inzwischen viele der Tricks kenne, mit denen man Leser einfängt. Wenn ein Buch aber wirklich gut ist, dann verliere ich nach ein paar Seiten den analytischen Blick und lasse mich ganz und gar von der Geschichte einfangen.

10. Welchen magischen Trick würden Sie gern selbst beherrschen?

Manchmal würde ich gerne die Zeit anhalten können, um ganz in Ruhe zu schreiben und mich danach mit derselben Ruhe all den alltäglichen Dingen zu widmen, die in ihrer Summe ein Leben ausmachen.

11. Wie viel Internet darf es am Tag sein?

Es ist immer ein wenig zu viel, es sei denn ich bin im Urlaub an einem Ort, an dem ich keinen Internetzugang habe.

12. Brauchen Autoren Haustiere?

Ich hätte nicht die Muße, mich um ein Haustier zu kümmern, genieße aber, dass es zwei Kater in der Nachbarschaft gibt, die sehr regelmäßig zu Besuch kommen und sich auch schon mal zu einem Mittagsschlaf auf unserem Sofa einladen.

Weitere Teile der Serie „Einblicke“:

Schattentänzer: Alexey Pehov schwingt das Tanzbein

Cover von Schattentänzer

Schattentänzer von Alexey Pehov

Alles hängt nun an Garrett – der Dieb und seine Gefährten haben nach mehr als zwei Dritteln der „Chroniken von Siala“ Hrad Spines erreicht. Dort liegt das magische Horn des Regenbogens, mit dem die Welt vor dem Unaussprechlichen gerettet werden soll. Garrett entschließt sich, seine verbliebenen Begleiter am Eingang zurückzulassen, um allein durch die Schatten zu tanzen. Auf seinem Weg auf die achten Ebene der riesigen Grabstätte lauern Monster, Magie und allerlei Gefahren auf den Dieb und „Schattentänzer“.

„Dungeons and Zombies“ hätte der Fantasy-Roman auch heißen können, denn wie in einem Rollenspiel bewegt sich Garrett durch die unterirdischen Säle, verliert Lebenspunkte, die er mit Heiltränken wieder auffüllt, überlebt mit Glück und Geschick die verborgenen Fallen und greift im Notfall zu seiner Armbrust, wenn ein Kampf unvermeidbar ist. Da er als Ich-Erzähler unterwegs ist, sind auch die ironischen Sprüche, die er in Gedanken formuliert, für Leser erlebbar. Und dann hat der Dieb ja noch einen Zauberer in seinem Kopf sitzen, der ihm so manchen Tipp einflüstert …

„Schattentänzer“ ist wie die beiden anderen Bände der „Chroniken von Siala“  („Schattenwanderer“ und „Schattenstürmer“) bei Piper erschienen. Band 3 umfasst 560 Seiten und kostet 16,95 Euro. Die Übersetzung stammt von Christiane Pöhlmann, die bereits Bücher von Sergej Lukianenko übersetzt hat.