Peter V. Brett im Interview über Flammen der Dämmerung, Dämonen und Verfilmungen

Peter V. Brett kam pünktlich zur Veröffentlichung von „Die Flammen der Dämmerung“, dem dritten Band seiner Dämonen-Reihe, nach Deutschland. Auf der Leipziger Buchmesse äußerte er sich gegenüber dem Fantasy-Weblog zu seinem neuen Buch, den Plänen für die Fortsetzungen und die Chancen einer Verfilmung der Dämonen-Reihe.

In „Die Flammen der Dämmerung“ erfahren die Leser mehr über Ineveras Leben. Wie würden Sie sie charakterisieren?

Peter Brett: Sie ist oft sehr aufgewühlt, da sie flüchtige Blicke in die Zukunft werfen kann und dadurch erfährt, dass die Menschheit aussterben wird, wenn sie nichts unternimmt. Sie geht bei ihren Taten sehr energisch und rücksichtslos vor, weshalb sie in „Das Flüstern der Nacht“ auch als Schurkin herüberkam. Doch jetzt bekommen die Leser ihre Sicht der Dinge geschildert, verstehen ihre Beweggründe und merken, dass sie wie die anderen wichtigen Figuren, die Welt retten möchte – aber eben auf ihre Weise.

Mit Inevera steigt die Zahl der Hauptfiguren auf fünf, wenn man Renna mitrechnet gar auf sechs. Wird es in Band 4 weiteren Zuwachs geben?

Peter Brett: Ja, die Liste wird länger. In Band 4 wird es mindestens noch eine Figur geben, aus deren Perspektive die Handlung geschildert wird. Daher wird für die bekannten Figuren weniger Raum bleiben. Ich habe gemerkt, dass acht Perspektiven eine Grenze sind, die ich nicht überschreiten sollte, ohne dass ich mich zu weit vom Mittelpunkt der Geschichte entferne. In jedem Buch gibt es ein bis zwei Hauptfiguren, zwei bis drei wichtige und ein paar, in deren Gedankenwelt ich kurze Einblicke gebe, um den Lesern wichtige Informationen zu übermitteln. Das führt manchmal dazu, dass Favoriten von Lesern nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen wie gewünscht.

Peter V. Brett      Foto: Jörn Käsebier

Peter V. Brett Foto: Jörn Käsebier

Haben Sie selbst einen Favoriten?

Peter Brett: Nein, ich liebe alle meine Kinder gleich viel. Doch ich muss sagen, dass für mich eine der spannendsten Dinge am Schreiben ist, dass ich neue Figuren erschaffen kann, mit all ihren Facetten.

Werden Sie auch mehr über die Dämonen enthüllen, etwa über ihre Herkunft und den Horc?

Peter Brett: Im fünften Buch werde ich deutlich mehr auf sie eingehen, mehr über ihre Gesellschaft und ihre Kultur verraten. Es wird auch einen Dämonen geben, der mit den menschlichen Figuren interagiert. Da die Geschichte in Band 5 zu einem Ende gebracht wird, fand ich es an der Zeit, da mehr ins Detail zu gehen.

Mit den Dämonen, die nachts aus dem Horc steigen, spielen Sie mit der Angst vor Monstern in der Dunkelheit. Wie nehmen Sie Ihrer Tochter diese Angst?

Peter Brett: Meine vierjährige Tochter ist erstaunlich mutig. Das liegt vielleicht auch an ihrem Lieblingsfilm „Brave“, in dem die Protagonistin Merida nicht davonläuft, sondern sich mit ihrem Bogen allen Herausforderungen stellt. Wenn wir uns zusammen Fantasy-Filme anschauen, zeigt sie an Stellen, an denen ich es erwartet hätte, überhaupt keine Furcht. Doch dafür kann es passieren, dass sie draußen von einem Hund angeknurrt wird und völlig verängstigt reagiert.

Haben Sie selbst auch Dämonen, vor denen sie Angst haben?

Peter Brett: Haben wir das nicht alle? Es gibt doch im Leben von jedem Menschen Dinge, die ihm Angst machen, die sein Leben zu kontrollieren drohen. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum sich so viele Leser von meinen Büchern angesprochen fühlen. Sie wollen erleben, dass Dämonen bekämpft werden können, und ich hoffe, dass die Bücher da Hoffnung machen.

Peter V. Brett im Gespraech

Peter V. Brett im Gespraech  Foto: Jörn Käsebier

In Ihren Romanen verfügen die Dämonen über große magische Fähigkeiten. Wie genau sollte Ihrer Meinung nach in Fantasy-Büchern definiert sein, was Magie bewirken kann und was nicht?

Peter Brett: Magie ist das, was Fantasy ausmacht. Ohne Magie würde sie sich kaum von historischen Romanen oder ähnlichem unterscheiden. Doch einige Autoren machen es sich zu leicht, indem sie es ihren Helden erlauben, sich dank der Magie aus gefährlichen Situationen zu befreien. Ich wollte das unbedingt vermeiden und habe mein Magie-System daher sehr behutsam in die Handlung eingebaut. Daher gibt es im ersten Buch auch nicht sehr viel Magie, sondern sie tritt erst im zweiten stärker in Erscheinung und im dritten wird sie von mehr Personen eingesetzt. Das gibt den Lesern Zeit, sich an die Möglichkeiten und Grenzen der Magie zu gewöhnen. Sie wissen, dass Magie nicht alles zum Guten wenden kann.

Die Dämonen-Reihe wird fünf Bände umfassen, danach folgt noch ein Einzelband. Wissen Sie schon ob Sie danach in der Dämonen-Welt bleiben oder eine neue schaffen wollen?

Peter Brett: Es kann gut sein, dass ich eines Tages der Dämonen-Welt müde werde. Doch da mich vor allem das Erschaffen von Figuren reizt, kann es auch sein, dass ich noch lange in dieser Welt bleibe und mich nur neuen Orten und Figuren darin zuwende. Da ich derzeit aber noch drei Bücher vor mir habe, ist es noch zu früh für eine Entscheidung über das nächste Projekt.

Ein Projekt, das zunächst gescheitert ist, ist die Verfilmung Ihrer Bücher, da zunächst nicht genug Geld zusammen kam. Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass es doch noch einen Film geben wird?

Peter Brett: Ich denke, die Chancen stehen nicht schlecht. Die Bücher sind ziemlich populär und wurden in viele Sprachen übersetzt. Wir haben uns auch mit den Käufern gut verstanden, die die Rechte erworben hatten, und unser Agent in Hollywood arbeitet weiter an dem Projekt. Außerdem schadet es sicher nicht, dass „Die Flammen der Dämmerung“ bislang sehr erfolgreich ist.

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Sam Sykes: Die Tore zur Unterwelt 2 – Dunkler Ruhm

Cover von Dunkler Ruhm

Sam Sykes: Die Tore zur Unterwelt 2 - Dunkler Ruhm

Was hält eine Priesterin, einen Magier, einen Assassinen, eine Shict, eine rote Echse und einen Schwertkämpfer, der Stimmen hört, zusammen? Nicht viel, außer der Aussicht Geld zu verdienen. Doch in „Die Tore zur Unterwelt – Dunkler Ruhm“ lässt Sam Sykes seine Charaktere entdecken, dass es selbst über Rassen- und Klassengrenzen hinweg Freundschaft geben kann – auch wenn sich die Beteiligten ihre Gefühle nicht eingestehen wollen.

Sam Sykes öffnet ein weiteres Mal die Tore zur Unterwelt

Vordergründig ist alles gut: Nachdem Lenk und seine Gefährten das Buch der Niederpforten in ihren Besitz gebracht haben, ist ihr Auftrag erfüllt. Doch die Belohnung einzusammeln, erweist sich als schwieriger als gedacht. Sie stranden auf einer Insel, werden getrennt und müssen sich mit ihren eigenen Dämonen auseinandersetzen, ehe sie den Kampf gegen purpurne Amazonen und die Geschöpfe Ulbecetonths wieder aufnehmen können.

Anders als in „Die Tore zur Unterwelt 1 – Das Buch des Dämons“ fährt Sam Sykes die Zahl der Gefechte deutlich zurück. Doch Langeweile kommt nicht auf: Statt auf Kampfszenen konzentriert sich der Sohn von Diana Gabaldon stärker auf die Entwicklung seiner Charaktere, aus deren Sicht die Handlung abwechselnd geschildert wird. Außerdem führt Sykes neue Figuren ein wie den Bibliothekar Bralston, der Magier bestraft, die gegen die Gesetze der Gilde verstoßen haben. Sein Mantel wäre ein Reiseutensil, das wahrscheinlich viele Menschen gern nutzen würden.

Sarkastische Söldner erarbeiten sich dunklen Ruhm

Der Ton von „Die Tore zur Unterwelt 2“ unterscheidet sich jedoch nicht von dem des Vorgängers. Sykes Fantasy-Roman schwankt zwischen bitterem Ernst und sarkastischem Humor, was besonders an Denaos deutlich wird. Der Assassine versteckt seinen wahren Charakter hinter vielen Masken. Und wie Lenk, Kataria und die anderen kann er seiner Vergangenheit nicht entkommen. Den Lesern von „Dunkler Ruhm“ enthüllt Sykes scheibchenweise, was die Söldner getan haben, ehe sie sich zu einer Gruppe zusammenschlossen. Und als Gruppe werden sich sich noch beweisen müssen.

„Die Tore zur Unterwelt 2 -Dunkler Ruhm“ ist bei Penhaligon erschienen. Die broschierte Taschenbuchausgabe geht über 832 Seiten und kostet 16,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Wolfgang Thon. Wie der Kampf gegen Ulbecetonth und ihre Dämonen ausgeht, wird Sam Sykes im dritten Band enthüllen, der aber auch im Original noch nicht veröffentlicht ist.

Peter V. Brett setzt Dämonen-Krieg im Tageslicht fort

Peter V. Brett hat auf der New York Comic Con mehr über den nächsten Band seiner Dämonen-Reihe verraten. Die Fortsetzung von „Das Flüstern der Nacht“ und „Das Lied der Dunkelheit“ wird voraussichtlich den Titel „The Daylight War“ tragen. Was da wohl für ein deutscher Titel bei herauskommt: „Der Kriegsschrei des Tags“, „Das Gebrüll des Tags“ oder „Der Schlachtruf des Lichts“?

Peter Brett schlägt im dritten Dämonen-Band einen weiteren Bogen

Eine Entscheidung im Kampf der Menschen gegen die Dämonen ist nicht zu erwarten. Brett geht vielmehr erneut zurück und schildert bekannte Ereignisse aus Sicht einer neuen Hauptfigur. Im Mittelpunkt von „The Daylight War“ soll Inevera stehen, die mächtige Frau des Wüstenspeers Jadir. In Krasia dominieren zwar offiziell die Männer, doch hinter den Kulissen ziehen die Frauen die Fäden. Brett will auf Ineveras Lebenslauf ausführlich eingehen, ehe er sich der Auseinandersetzung zwischen Jadir und Arlen zuwendet. Die beiden Protagonisten der ersten beiden Bände sollen dabei zunächst aber keinen Einblick in ihre Gedankenwelt geben – Brett will ihr Vorgehen aus dem Blickwinkel von Inevera und Gavin schildern beziehungsweise aus dem von Leesha und Renna.

Auch wenn Arlen also vorerst wohl nicht in den Horc vordringen wird, um die Dämonen auf ihrem Territorium zu bekämpfen, so wird es wohl dennoch Kämpfe mit den Horclingen geben. Zunächst scheint der amerikanische Fantasy-Autor in „The Daylight War“ jedoch den Kampf um die Vorherrschaft zwischen den Menschen klären zu wollen.

Einen Erscheinungstermin für „The Daylight War“ scheint es noch nicht zu geben – Brett dementierte, dass das Buch im März 2012 veröffentlicht werde. Es dürfte sich also noch ein paar Monate hinziehen, ehe die deutsche Übersetzung auf den Markt kommt.

Neue Strophen von Peter V. Brett

Zu den erfolgreichsten Fantasyromanen des Jahres zählt wohl „Das Lied der Dunkelheit“ von Peter V. Brett. Wie der Amerikaner in seinem Blog mitteilte, wurden von der deutschen Ausgabe bereits mehr als 10 000 Exemplare verkauft. Viele Fans erwarten sehnsüchtig die Veröffentlichung der Fortsetzung „Das Flüstern der Nacht“. Die ist jedoch erst für das Frühjahr 2010 geplant. Heyne visiert den April an.

Die angloamerikanische Fantasygemeinde darf bereits im Januar neuen Stoff aus Thesa lesen. Brett kündigt an, dass dann eine Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel „The Great Bazaar“ (der große Basar) erscheinen wird. „The Great Bazaar is a wonderful introduction to my series for new readers, but also has a lot of new information for people who are already fans. It ties directly into events both in The Painted/Warded Man, as well as The Desert Spear„, schreibt Brett auf seinem Blog. Welche Rolle die Hauptpersonen der Geschichte spielen werden, verriet er nicht. Doch Arlen soll in jedem Fall auftauchen, ebenso natürlich die Dämonen. Außerdem ist ein Glossar zur Reihe geplant. Szenen, die es nicht in die Romane schafften, werden ebenfalls berücksichtigt, sodass es wie bei einer DVD plötzlich die gelöschten Szenen zu sehen beziehungsweise zu lesen gibt.

Hier die gute Nachricht für die deutschen Leser:  Die Kurzgeschichtensammlung wird auch auf Deutsch erscheinen. Wie Heyne auf Anfrage mitteilte, soll die deutsche Ausgabe sogar über das Original hinausgehen. Man plane, mehr Geschichten aufzunehmen und exklusive Grafiken dazu zu stellen, die Peter Brett mit auswählen werde.  Die schlechte Nachricht: Der Erscheinungstermin liegt voraussichtlich im Mai 2010, also wohl erst nach der Veröffentlichung von „Das Flüstern der Nacht“.  Bis zu den neuen Strophen des „Liedes der Dunkelheit“ wird also noch eine Weile vergehen.