Klett-Cotta: Hobbitpresse im Frühjahr 2018

Wenn neue Bücher der Zugpferde noch nicht verfügbar sind, sattelt man um. So dürfte das Kalkül bei Klett-Cotta sein. Denn die Hobbitpresse muss im Frühjahr 2018 ohne weitere Werke von Tad Williams und Anthony Ryan auskommen. Bereits erschienene kommen daher nur im Paperback heraus. Bei den Neuerscheinungen gibt es dafür eine Mischung aus neuen und bekannten Namen.

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Christian von Aster: Das Eherne Buch – eine Rezension

Christian von Aster: Das Eherne Buch

Christian von Aster: Das Eherne Buch

Jaarn ist 15 Jahre alt und wächst als Mönch in der Bibliothek von Ghidt-Lhorr auf. In einer Nacht wird sein Leben auf den Kopf gestellt: Er erfährt, dass es seine Bestimmung ist, das Eherne Buch dem Kriegbringer zu Füßen zu legen, um so Frieden für die Welt zu erreichen. Doch das versuchen viele Mächtige zu verhindern, allen voran die Getreuen des Keilers, einer gestürzten Herrscherfamilie, die sich für die erlittene Schmach rächen und zurück an die Macht kommen will.

Christian von Aster und die Feder

20 Jahre nach dem Tod von Michael Ende, dem Autor der „Unendlichen Geschichte“ greift ein deutscher Fantasy-Autor das Motiv auf, nach dem ein Buch die Welt retten kann. In „Das Eherne Buch“ geht es aber weniger darum, die Fantasy spielen zu lassen, um einer Verödung der Welt entgegenzuwirken. Christian Aster greift hingegen eine Frage auf, die viel diskutiert wird – was ist mächtiger, Feder oder Schwert? Die Antwort, die der deutsche Fantasy-Autor gibt: ein Buch, also Feder, dass wie eine Klinge geformt ist, also das Schwert. So weit, so originell.

Ansonsten hat die Welt des ehernen Buches viel Parabelhaftes. Es gibt mächtige und weniger mächtige Fürsten, in deren Namen und um deren Ehre Kriege geführt werden, eine Weiße Stadt mit schwarzem Herz und erbarmungslose Killer, die nur „Die Nacht“ genannt werden. Die Gesetzeslosigkeit und der Niedergang der Moral sind so weit fortgeschritten, dass die Menschen mit der höchsten Moral Räuber sind.

„Das Eherne Buch“ versöhnt am Ende

So einfach wie dieses Konstrukt in vielen Punkten ausgefallen ist, sind leider auch viele Figuren entworfen. Das beste Beispiel ist die Eisenmutter, neben Jaarn und General Zadt Mhaw eine der Figuren, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird. Als gerüstete Hebamme, die Leben beendet und neues Leben auf die Welt bringt, ist sie vom Entwurf her die originellste Figur des Fantasy-Romans. Doch leider ist sie wenig glaubwürdig, denn ihre Gefühle wechseln rascher als man sie als Leser nachempfunden hat. Dann kennt sie alle wichtigen Geheimnisse, taucht immer im richtigen Moment auf und steht zu allen Hauptfiguren in einer Beziehung. Störend ist schließlich auch, wie leicht der Narbige und Jaarn die Hindernisse auf ihrem Weg überwinden können. Auch wenn die Pläne nicht immer aufgehen, finden sie doch rasch eine andere Lösung. Dass das Ende dann doch nicht so glatt aufgeht, sondern in der Schwebe gehalten ist, versöhnt mit der Geschichte vom „Ehernen Buch“.

„Das Eherne Buch“ von Christian von Aster ist bei der Hobbitpresse von Klett-Cotta erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 347 Seiten und kostet 17,95 Euro, das E-Book 13,99 Euro.

Seraph 2012 auf der Leipziger Buchmesse verliehen

Am Sonntag ist die Leipziger Buchmesse zu Ende gegangen – 163.500 Besucher kamen an den vier Tagen nach Leipzig. Aus Sicht der phantastischen Literatur ging es in diesem Jahr nicht nur um Lesungen, Diskussionen um E-Books und die Umstellung der Spiegel-Bestsellerliste. Erstmalig wurde von der Phantastischen Akademie der Seraph verliehen. Für das beste Debüt erhielt Nina Maria Marewski den mit 2000 Euro dotierten Förderpreis; der Jury hatte ihr „Die Moldau im Schrank“ am besten gefallen.  Christian von Aster wurde für „Der letzte Schattenschnitzer“ in der Kategorie bestes Buch geehrt. Im Interview verrät Oliver Graute, 1. Vorsitzender der Phantastischen Akademie, warum der Preis, symbolisiert durch eine sechsflügelige, schwarze Engelsstatue, ins Leben gerufen wurde.

Poträt von Oliver Graute

Oliver Graute, 1. Vorsitzender der Phantastischen Akademie

Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar, Deutscher Phantastikpreis: Es gibt bereits mehrere Phantastikpreise in Deutschland. Warum war es Ihnen wichtig, den Seraph noch einzuführen?

Oliver Graute: Beide genannten Preise konnten im Grunde nicht das erreichen, was der Phantastischen Akademie am Herzen liegt. Aufmerksamkeit im positiven Sinne, oder besser gesagt, überhaupt Aufmerksamkeit, zu erzielen. Wetzlar und DPP sind eine gute Sache, und wir wollen uns nicht als Konkurrenz verstehen. Sie vernachlässigen aber einen wichtigen Aspekt und die damit verbundene Frage: Wem nützt ein Preis, von dem keiner etwas weiß?  Der Seraph will unter anderem positive und professionelle Pressearbeit leisten, und dem Genre zu einem neuen Selbstbewusstsein verhelfen.

Warum benötigt die Phantastik denn neues Selbstbewusstsein?

Graute: Von vielen Menschen wird sie aus Unwissenheit gering geschätzt. Sie hören Fantasy und assoziieren gleich Elfen, Feen, Drachen und Trolle und glauben, das war es. Aber das Fantasy nur einen Bruchteil des Phantastik-Genres abbildet, ist den Meisten nicht bewusst. Genauso wenig, wie der Umstand, dass auch innerhalb der High-Fantasy à la Tolkien nicht nur Einheitsbrei herrscht, sondern hervorragende Autoren anspruchsvolle oder doch zumindest unterhaltsame Literatur schaffen.

In der Jury sitzen viele Verlagsvertreter. Wie wird verhindert, dass der Preis einfach nur reihum geht?

Graute: Wie die erste Preisverleihung zeigt, ist das „Beste Debüt“ an den Bilgerverlag, einen Schweizer Kleinverlag gegangen, von denen niemand in der Jury saß, und auch im Entscheid um das „Beste Buch“ hat eher ein Outlaw gewonnen. Dieses Ergebnis spricht sicherlich für sich selbst. Unsere Jury ist zu groß und zu breit gefächert, als dass es einen Einfluss hätte, was ein Einzelner vielleicht erreichen wollen würde. Darüber hinaus bleibt die Jury nicht in jedem Jahr gleich, sondern es wird immer neuen Wind geben.

Phantastik-Preis Seraph

Erstmalig auf der Leipziger Buchmesse verliehen: der Seraph

Wie weit ist die Phantastik Akademie in Ihrer Mission nach der ersten Verleihung gekommen? Wie zufrieden waren Sie mit dem Medienecho?

Graute: Man kann immer sagen, es könnte besser sein, aber wir sind wirklich zufrieden mit unserem Ergebnis. Wir wollten viel und haben mehr als das erwartbare bekommen. Einen großen Artikel im Berliner Tagesspiegel, einer der wichtigsten Tageszeitungen Deutschlands. Berichterstattungen auf allen wichtigen Buchrelevanten Internet-Plattformen wie Börsenblatt.net, Buchmarkt, Buchmesse-Homepage und so weiter. Viel Interesse von Bloggern, Foren und auch Lokalen Szene-Plattformen rund um Leipzig und Berlin.

Was wollen Sie für den Seraph 2013 anders machen?

Graute: Es gibt Vieles, was noch besser werden kann, aber im Grunde wollen wir vor allem noch mehr machen. Dazu gehört noch mehr Presse, aber auch Seminararbeit mit Autoren und Nachwuchsautoren. Die Weichen sind bereits gestellt.