Cinderella ist tot von Kalynn Bayron

Cinderella ist tot von Kalynn Bayron
Cinderella verlor im Märchen noch einen Schuh auf der Treppe. Sophia, die Heldin des Buches, droht gar ihr Leben zu verlieren. Foto: Jörn Käsebier

Auf den großen Ball zu gehen und dort vom Traummann erwählt zu werden, das ist der Wunsch vieler Frauen in Lille. Sophia allerdings sieht das völlig anders. Für sie gilt: Nicht nur Cinderella ist tot, sondern die Geschichte vom Märchenprinzen ist eine Lüge, die die Nachfahren auf Geheiß des Königs am Leben halten müssen. Sie will diesen Alptraum beenden.

Die Bedeutung von „Cinderella“ in den USA ist deutlich größer als die von „Aschenputtel“ hierzulande. Die Geschichte des von der Stiefmutter und den Stiefschwestern klein gehaltenen und unterdrückten Mädchens, das sich aber dann mithilfe einer guten Fee doch den Prinzen angelt, ist die Blaupause für fast alle Geschichten, in denen die Protagonistin sich ihren Märchenprinzen angelt. Das gilt insbesondere für das weiße Amerika, denn eine schwarze Cinderella ist die absolute Ausnahme.

Cinderella ist tot – ihre Nachfahren leiden

In „Cinderella ist tot“ ist die Hauptfigur eine junge schwarze Frau. Sophia heißt sie allerdings und nicht Cinderella, denn die ist zu Beginn des Buches schon seit 200 Jahren tot. Doch ihr zu Ehren müssen sich noch immer junge unverheiratete Frauen auf dem Ball des Königs zeigen, um dort von einem Mann erwählt zu werden.

Sophia will sich den Sitten und Gebräuchen dieser patriarchalischen Welt nicht unterwerfen. Sie ist eine selbstbewusste Frau. Zudem fühlt sich auch nicht von Männern angezogen, sondern ist lesbisch. Zu ihrem Glück findet sie eine Mitstreiterin, mit der versucht, die Verhältnisse in dieser an Frankreich angelehnten Märchenwelt zu verändern.

Das Märchen zu dekonstruieren und zu entzaubern ist eine gute Idee. Mit Sophia hat „Cinderella ist tot“ auch eine insgesamt gelungene Heldin. Die Handlung ist nur leider sehr simpel gestrickt, enthält wenig überraschende Wendungen und hat ein Ende, das über Schwierigkeiten genau so leicht hinweggeht, wie das klassische „Sie lebten glücklich und zufrieden bis …“.

Für jüngeres Publikum

Cinderella ist tot
Kalynn Bayron: Cinderella ist tot

Das liegt vielleicht auch daran, dass sich Kalynn Byron vor allem an ein jugendliches Publikum sowie an junge Erwachsene wendet, die noch ihren Platz oder ihre Rolle in der Gesellschaft suchen (und dieser Leserschaft zu wenig zutraut). Das gilt auch für ihr derzeit laufendes Buchprojekt. Von „The Poison Heart“ sind im Original bereits zwei Bände erschienen. Ob sie es auch in die Übersetzung schaffen, dürfte vom Erfolg des Cinderella-Romans abhängen.

„Cinderella ist tot“ von Kalynn Bayron ist bei Heyne erschienen. In der gebundenen Ausgabe geht das Buch über 384 Seiten und kostet 18 Euro. Für das E-Book hat der Verlag 3,99 Euro angesetzt. Die Übersetzung stammt von Antonia Zauner.

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