Der Uhrmacher in der Filigree Street von Natasha Pulley

Der Uhrmacher in der Filigree Street
Der Uhrmacher in der Filigree Street von Natasha Pulley spielt im England und Japan des späten 19. Jahrhunderts. Foto: Jörn Käsebier

Eine geheimnisvolle Uhr, die einen unbedeutenden Mann vor einem Bombenanschlag warnt. Eine Frau, die nicht heiraten und Mutter werden möchte, sondern studieren und in einem Labor experimentieren. Und ein Japaner, der sich mit allen Feinheiten von Mechaniker und Uhrwerken auskennt. „Der Uhrmacher in der Filigree Street“ von Natasha Pulley birgt viele Geheimnisse.

Der Mann, der vor dem Bombenanschlag irischer Untergrundkämpfer von seiner Uhr gewarnt wird, ist Thaniel Steepleton. Im britischen Innenministerium ist er der beste Mann für das Telegrafieren, was auch mit seiner Musikalität zusammenhängt. Die Frau ist Grace. Sie stammt aus gutem Hause und studiert zu Beginn des Romans in Oxford. Der japanische Uhrmacher ist Keita Mori. Wer er ist, spielt eine Schlüsselrolle im Buch.

Zwischen Historie und Phantastik

Dieses Buch einzuordnen, fällt nicht leicht. Zum einen haben wir es mit Steampunk-Elementen zu tun, wie den mechanischen Wundern Moris im London des Viktorianischen Zeitalters. Zum anderen hat Natasha Pulley die historischen Hintergründe sehr genau recherchiert und setzt die phantastischen Elemente reduziert ein. Diese spielen jedoch eine größere Rolle als es zum Beispiel Guy Gavriel Kay der Fall ist und seinem Verständnis historischer Fantasy.

Zwei der Hauptfiguren zeigen uns ihre Perspektiven. Thaniel hat dabei den größten Anteil. Aber auch aus Graces Sicht werden einige Kapitel erzählt. Hinzu kommt die Erzählstimme Itos in den wenigen Abschnitten, die in Japan spielen. Die eigentliche Hauptfigur ist aber der titelgebende Uhrmacher in der Filigree Street. Keita Mori umgibt jedoch ein Mysterium, daher ist es spannender, sich ihm nur von außen zu nähern.

Bei allen phantastischen Elementen ist „Der Uhrmacher in der Filigree Street“ ein Buch über Freundschaft und Beziehungen. Natasha Pulley greift zudem wichtige Themen der Zeit auf. Bei Thaniel spielt der soziale Status eine wichtige Rolle. Grace hat zwar nicht dieses Problem, doch als Frau darf sie nicht selbst wählen, welchen Weg sie im Leben einschlagen möchte. Mori wiederum nimmt als Ausländer aus einem Land, das gerade erst gewaltsam gezwungen wurde, den Weg der Moderne einzuschlagen, auch eine Sonderrolle in der Londoner Gesellschaft ein. Auch daraus erklären sich Motive der Figuren für ihr Handeln.

Natasha Pulley schreibt weitere Bücher

Der Uhrmacher in der Filigree Street
Natasha Pulleys phantastisches Debüt.

Natasha Pulley ist ein überzeugendes Debüt gelungen. Sie bläst die Geschichte nicht unnötig auf, nimmt sich aber auch die Zeit für Beschreibungen von Details, die zur Erzählatmosphäre beitragen. Die Verbindung aus Historie und Phantastik gelingt ihr hervorragend. Auch ihre feinsinnige Figurenzeichnung trägt dazu bei, dass man sich auf andere Bücher von Pulley freut. Vielleicht auf die Fortsetzung, die fünf Jahre nach dem ersten Buch erschien. Denn auch wenn die Handlung des Debüts in sich abgeschlossen ist, bleibt für die Figuren viel zu erkunden.

„Der Uhrmacher in der Filigree Street“ von Natasha Pulley ist bei Klett-Cotta erschienen. Die gebundene Ausgabe geht über 448 Seiten und kostet 24 Euro. Der Preis des E-Books beträgt regulär 18,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Jochen Schwarzer.

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