Ans andere Ende der Welt von Philip Pullman

Ans andere Ende der Welt von Philip Pullman

Auf der Suche nach ihrem Daemon und dem geheimnisvollen Rosenwasser reist Lyra ans andere Ende der Welt in Band 4 von „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Foto: Jörn Käsebier

Lyra Listenreich lebt wieder in Oxford und ist nun selbst Studentin. Doch ihre Beschäftigung mit der Wissenschaft entfremdet sie weiter von Pantalaimon, ihrem Daemon. Im Gegensatz zu fast allen anderen Menschen kann sie sich von ihm trennen. Erst als Pantalaimon Zeuge eines Mordes wird, kommen sie sich kurzzeitig näher. Doch eines Tages ist Pantalaimon verschwunden. Lyra macht sich auf die Suche nach ihm und will ihm notfalls ans andere Ende der Welt folgen.

Während „Über den wilden Fluss“ vor dem „Goldenen Kompass“ spielt, spielt „Ans andere Ende der Welt“ nun Jahre nach dem „Bernstein-Teleskop“. Dieser Zeitsprung ist etwas seltsam. Es wirkt zum einen ein wenig so, als sei „Über den wilden Fluss“ vor allem dazu dagewesen, Malcom als Figur einzuführen. Denn er ist neben Lyra die Hauptfigur von „Ans andere Ende der Welt“.

Philip Pullman schwächt seine Hauptfigur

Zum anderen haben die Ereignisse aus der Trilogie offenbar wenige Auswirkungen gehabt. Der Einfluss des Magisteriums ist nicht geschwunden, auch die Kirche ist nicht abgeschafft. Sie ist nur nicht mehr der größte Treiber hinter den Bestrebungen alles zu kontrollieren und die Macht zu haben. Hier kommen neue Gegner ins Spiel.

Ausgerechnet Lyra bleibt etwas blass. Sie scheint kaum gereift zu sein – zumindest was das Erbe ihrer Eltern angeht. Denn seltsamerweise weiß sie trotz ihrer Rolle in der ersten Trilogie erstaunlich wenig über die Auseinandersetzungen zwischen dem Magisterium und seinen Widersachern.

Rosen und Staub

Vielleicht soll sie auch distanziert und fremd wirken, damit ihr seltsamer Streit mit ihrem Daemon nachvollziehbar wird? So richtig zu Form läuft Lyra erst langsam auf, als sie dem Geheimnis der Rosen, des Rosenwassers und der von ihren Menschen getrennt lebenden Daemonen auf den Grund gehen will. Doch dann sind wir auch schon in der zweiten Hälfte des Buches.

Bis dahin zeichnet sich langsam ab, dass wirtschaftliche Interessen neben Machthunger die wichtigsten Motive der Personen sind, die Lyra und ihre Verbündeten vernichten wollen. Warum Philip Pullman aber außerdem noch die Wissenschaft angreift, weil sie die Phantasie unterdrückt? Das passt wenig zu einem Autor, der sich in seiner berühmten Trilogie vor allem am Glauben und der Kirche abarbeitete.

Ans andere Ende der Welt – und dann?

Ans andere Ende der Welt von Philip Pullman

Philip Pullman: Ans andere Ende der Welt

Das Geheimnis der Rosen und des Staubs entschlüsselt Lyra am Ende von „Ans andere Ende der Welt“ nicht. Das hat sich Philip Pullman für den nächsten Band und voraussichtlich letzten Band aufgehoben. Wann dieser erscheint, ist noch nicht bekannt.

„Ans andere Ende der Welt“ von Philip Pullman ist bei Carlsen erschienen. Band 4 geht über 752 Seiten und kostet 27 Euro. Die Übersetzung stammt von Antoinette Gittinger.

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