Der Untergang der Könige von Jenn Lyons

Der Untergang der Könige von Jenn Lyons

Spannender Auftakt der „Drachengesänge“: „Der Untergang der Könige“ von Jenn Lyons. Foto: Jörn Käsebier

Was für eine Geschichte soll man als Gefangener seinem Wärter erzählen, wenn dieser doch Gedanken lesen kann? Kihrin soll in „Der Untergang der Könige“ dem Ungeheuer, das ihn bewacht, aus seinem Leben erzählen. Das Monster zeichnet alles auf und eröffnet dem jungen Mann so die Chance, ein Vermächtnis zu hinterlassen. Oder verfolgt das Ungeheuer ganz andere Ziele? Das bleibt lange offen, denn so einfach macht es Jenn Lyons ihren Figuren und ihren Lesern nicht.

„Der Untergang der Könige“ ist das erste Buch der amerikanischen Autorin, das ins Deutsche übersetzt wurde. In ihrer Heimat hat Jenn Lyons bereits mehr veröffentlicht, darunter „Blood Chimera“, zwei Vampir-Thriller, die sich zwischen Urban-Fantasy, Horror und Mystery einordnen lassen. Mit „The Culling Fields“ veröffentlichte sie vor wenigen Jahren zudem ein Buch, das ein paar Parallelen zu den „Drachengesängen“ aufweist.

Epischer Untergang der Könige

Auch hier gibt es etwa politische Intrigen in Adelsfamilien, einen Helden namens Kierin (sic!), der Reichtum und Armut kennenlernt, eine Verbindung zwischen Diesseits und Jenseits sowie Götter, Magier und Dämonen, die mitmischen. All diese Zutaten und noch viele mehr gehören zu Kihrins Geschichte in „Der Untergang der Könige – Drachengesänge 1“.

Davon ahnen Leser zu Beginn noch nichts. Um die Welt, die Figuren und den Konflikt vorzustellen, um den es geht, bedient sich Jenn Lyons eines Kniffs. Die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel zwischen Kihrin und Klaue. Da es sich bei Klaue um ein Ungeheuer handelt, dass die Erinnerungen seiner Opfer aufnimmt und zudem Gedanken lesen kann, verfügt es über viele Informationen. Dies ist übrigens nur einer von vielen Unterschieden zu der „Königsmörder-Chronik“ von Patrick Rothfuss, mit der Lyons‘ Buch gern verglichen wird.

Drachengesänge mit wechselnder Stimme

Während Kihrin die Vorgeschichte seiner Gefangennahme schildert, enthüllt Klaue Kihrins Lebensgeschichte. Diese ständigen Wechsel sind zunächst sehr abwechslungsreich und durchbrechen die Chronologie. Auch halten die Cliff-Hanger am Ende fast jeden Kapitels die Spannung hoch. Auf Dauer ist es allerdings etwas ermüdend, zumal die Cliff-Hanger in einigen Fällen nicht halten, was sie versprechen.

Insgesamt ist die Geschichte aber vielversprechend und zeigt großes Potenzial. Durch die Konstruktion, dass hier rückblickend erzählt wird, bleibt es darüber hinaus lange unklar, wer hier kommentiert und welche Rolle er spielt. Und man traut den Erzählstimmen nicht völlig, was unterschwellige Spannung erzeugt. So vergeht die Zeit beim Lesen wie um Flug, und es hätte gefühlt keinen Unterschied gemacht, wenn es deutlich mehr als die schon üppigen gut 800 Seiten geworden wären.

Weitere Bände von Jenn Lyons folgen

Jenn Lyons: Der Untergang der Könige

Jenn Lyons: Der Untergang der Könige

Ein wichtiger Teil der Magie in den „Drachengesängen“ ist der mögliche Körperwechsel von Seelen. Als Leser kommt man daher manchmal mit den Namen und verwandtschaftlichen Beziehungen durcheinander. Hierbei hilft ein Blick in den Anhang, der neben einem Glossar auch die Adelshäuser von Quur sowie die Herrscherhäuser der Vané auflistet. Eine Karte der Fantasy-Welt enthält das Buch übrigens ebenfalls.

Auch wenn einige Geheimnisse am Ende von „Der Untergang der Könige“ gelöst werden, ist das Buch doch nur ein Auftakt. Und obwohl viel passiert ist, weiß man als Leser noch immer nicht, was gespielt wird. Das ist auch gut so, denn fünf Bände soll die Reihe „Drachengesänge“ von Jenn Lyons am Ende umfassen. „A Chorus of Dragons“ heißt sie im Original. Band 2 erscheint dort Ende Oktober 2019. Die deutsche Übersetzung folgt vermutlich im Herbst 2020.

„Der Untergang der Könige – Drachengesänge 1“ von Jenn Lyons ist bei Klett-Cotta erschienen. In der gebundenen Ausgabe der Hobbitpresse geht das Buch über 863 Seiten und kostet 25 Euro. Das E-Book wird für 19,99 Euro angeboten. Die Übersetzung stammt von Urban Hofstetter und Michael Pfingstl.

Ein Gedanke zu „Der Untergang der Könige von Jenn Lyons

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