Sohn der Sieben von Justin Travis Call

Sohn der Sieben

Gut und Böse sind in „Sohn der Sieben“ nicht wie Schwarz und Weiß zu trennen. Foto: Jörn Käsebier

Der Sohn der Sieben ahnt nichts von seinem Schicksal. Dieses ist allerdings unter den Weisen, Gelehrten und Magiekundigen umstritten. Während viele von ihnen im jungen Annev das Gefäß für die Rückkehr des bösen Gottes Keos sehen, ist eine Minderheit anderer Meinung. Zu ihr zählt ein alter Priester, der den Waisenjungen Annev großzieht. Der Junge wächst so in einem versteckten Dorf auf, in dem Magie als Blasphemie gebrandmarkt ist. Das kann auf Dauer nicht gut gehen …

Junge sucht seinen Weg

Justin Travis Call spielt in seinem Fantasy-Debütroman mit dem Topos des Waisenjungen, der auserwählt ist. In der „Sohn der Sieben“ auserwählt zum Bösen. Allerdings weiß der junge Protagonist zunächst nichts davon, und es werden auch rund zwei Drittel des Buches vergehen, ehe er mehr über seine Herkunft erfährt.

So ist das Fantasy-Buch bei weitem nicht so originell wie es vermarktet wird. Die Geschichte von konkurrierenden Heranwachsenden einer Lerngruppe ist altbekannt. Ebenso verhält es sich mit den typischen Konflikten eines Jugendlichen: Reibungen mit den Personen, die den jungen Menschen erziehen, die erste Liebe, die das Leben verändert und schließlich der Weg hinaus in die weite Welt. Zuletzt haben etwa Mark Lawrence und Jay Kristoff gezeigt, wie solch eine Konstellation packend umgesetzt werden kann.

Sohn der Sieben kommt vom Dorf

Glücklicherweise gelingt es Call dabei jedoch, eine sympathische Hauptfigur zu schaffen. Leser können sich mit ihr gut identifizieren oder zumindest ihre Konflikte und Gefühle nachvollziehen. Wenn man Annev noch etwas gewünscht hätte, dann etwas Schläue – etwas weniger superheldenmäßige Kampfkräfte oder magische Kräfte und dafür etwas mehr im Kopf.

Die Geschichte ist hinreichend spannend, um die Leser bei der Stange zu halten und phasenweise auch zu fesseln. Eine hohe Ereignisdichte und viel Action zeichnen den Roman aus. Dabei bleibt wenig Zeit, die Fantasy-Welt, in der „Sohn der Sieben“ spielt, näher vorzustellen. Das liegt aber auch daran, dass sich die Handlung auf ein Dorf konzentriert. Gut eingebunden ist hingegen die Götter- und Sagenwelt, sodass die Ursachen für den Kampf von Keos gegen seine Mit-Götter deutlich werden.

Dem amerikanischen Harvard-Absolventen Call ist ein solides Debüt gelungen. Wer der jugendlichen Waisen, in deren Leben die Götter eingreifen, nicht müde ist, findet in „Sohn der Sieben“ eine ordentliche Variante. Fantasy-Leser mit weniger Vorkenntnissen kommen voll auf ihre Kosten.

Justin Travis Call plant Reihe

Sohn der Sieben von Justin Travis Call

Justin Travis Call: Sohn der Sieben

Im Original heißt die Reihe „The Silent Gods“, in der Übersetzung verschiebt sich der Fokus auf einen Gott. Penhaligon hat sich für „Keos-Saga“ als Reihentitel entschieden. Vier Bände soll die Reihe am Ende umfassen. Im Original erscheint der zweite Teil voraussichtlich im Februar 2020, wann die Übersetzung erscheinen wird, ist noch nicht bekannt. Für die Fortsetzung verzichtet der Verlag hoffentlich auf die seltsamen Fettungen im Text. Zum Teil liest es sich so, als solle hier wie in einer langen E-Mail das Wichtigste noch einmal hervorgehoben werden.

„Sohn der Sieben“ von Justin Travis Call ist bei Penhaligon erschienen. Die Paperback-Ausgabe des ersten Bandes der Keos-Saga geht über 800 Seiten und kostet 16 Euro. Das E-Book ist derzeit für 4,99 Euro zu bekommen. Die Übersetzung stammt von Hans Link.

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