Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian

Jenny-Mai Nuyen Die Töchter von Ilian

Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian im magischen Spiegel. Foto: Jörn Käsebier

In Jenny-Mai Nuyens „Die Töchter von Ilian“ ist die Welt Ilian im Umbruch. Die menschlichen Reiterstämme der Urier machen den von Frauen geführten Zwergen die Herrschaft streitig. Währenddessen planen die Waldelfen in einer verborgenen Welt ihre Rückkehr. Vier magische Gegenstände, die Iliaden, könnten darüber entscheiden, wer sich durchsetzt.

Doch der Becher, die Flöte und die Sternenscheibe gelten als verschollen. Und der mächtige Spiegel ist zerschlagen und verfügt als kupfernes Kleid bei den Zwergen nur über einen Bruchteil der alten Macht. Außerdem haben die Iliaden einen weiteren Haken: Je bereitwilliger sie verschenkt werden, desto mächtiger ist ihre Magie.

Die Töchter von Ilian

Eine Priesterin der Zwerge namens Walgreta und die Waldelfe Fayanú wollen die Gegenstände sammeln und weitergeben. Empfänger sollen weise Frauen sein, die angeblich in der Vergangenheit schon einmal friedlich regiert haben.

Jenny-Mai Nuyen hat sich für den Weltenentwurf von Ilian von der Kupferzeit inspirieren lassen. Leider bemerkt man dies kaum. Der technologische Vorteil der Zwerge durch deren geschmiedete Waffen und Rüstungen spielt nur eine winzige Rolle. Auch versuchen die menschlichen Widersacher der Zwerge nicht an die überlegenen Waffen zu kommen. Das ist bei Michael J. Sullivan in „Zeit der Legenden“ deutlich plausibler.

Wie die Kleinwüchsigen die Urier auf ihren Pferden besiegen wollen, bleibt auch im Dunkeln. Nuyen gelingt es zwar, in den Kampfszenen gut die emotionale Lage ihrer Figuren zu schildern, doch Kampfkunst und Taktik vernachlässigt sie völlig.

Jenny-Mai Nuyen gelingt eine einzigartige Figur

Dass das Fantasy-Buch dennoch über weite Strecken gelungen ist, verdankt es seinen Hauptfiguren, allen voran Fayanú. Die Elfe steht zwischen allen Stühlen: den Ansprüchen des eigenen Volkes, dem Wunsch danach, selbst über das eigene Schicksal zu entscheiden. Auch zwischen den Geschlechtern – Fayanú möchte ein Mann sein, wird aber immer wieder auf sein biologisches Geschlecht reduziert.

Was Rianon antreibt, wird ebenfalls deutlich, seine Vergangenheit geschickt eingeflochten. Walgreta ist hingegen etwas zu naiv geraten. Sie wächst viel zu spät aus ihrer Rolle der Schülerin hinaus. Ein wenig spät zieht leider auch die Spannung erst wieder an. Es gilt, zwischendurch ein paar Durststrecken zu überwinden.

Einzelband von Fischer Tor

Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian

Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian

Die übergeordnete Frage, um die es in „Die Töchter von Ilian“ geht, ist die nach einer gerechten Herrschaft. Wie viel Gewalt darf man anwenden, um Frieden zu schaffen? Kann, wer Macht ausübt und annimmt, später auf sie verzichten? Sind Frauen die besseren Herrschenden? All diese Fragen wirft Jenny-Mai Nuyen in ihrem Roman auf. Bis zum Schluss verweigert sich das Buch mit abgeschlossener Handlung einfachen Antworten. Eine Freude für Leser, die selbst ernst genommen werden möchten.

„Die Töchter von Ilian“ von Jenny-Mai Nuyen ist bei Fischer Tor erschienen. Die Paperback-Ausgabe geht über 656 Seiten und kostet 16,99 Euro. Der Preis für das E-Book beträgt 14,99 Euro.

Ein Gedanke zu „Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian

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