Bradley Beaulieu: Die Zwölf Könige – eine Rezension

Bradley Beaulieu: Die Zwölf Könige - Die Legenden der Bernsteinstadt 1

Bradley Beaulieu: Die Zwölf Könige – Die Legenden der Bernsteinstadt 1

Eine Stadt in der Wüste, gehasst und gefürchtet, zugleich ein Anziehungspunkt für Händler und Gelehrte. „Die Zwölf Könige“ von Bradley Beaulieu stellt Sharakhai in den Mittelpunkt der „Legenden der Bernsteinstadt“. Anders als der Titel vermuten lässt, spielt allerdings eine Frau die Hauptrolle.

Ceda ist eine Waise. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, und ihre Mutter starb im Kampf gegen die „Zwölf Könige“. Ceda will sie rächen. Anders als andere Rebellen möchte sie dabei aber möglichst keine anderen Menschenleben gefährden. Deshalb muss sie herausbekommen, ob die Könige noch immer die Stadt beschützen und was es genau mit dem Bündnis zwischen den Herrschern und den Göttern auf sich hat. Sie muss zudem erkennen, dass sie ohne Verbündete einen schweren Stand haben wird.

Fantasy-Bücher von Bradley Beaulieu

„Die Zwölf Könige“ ist das erste Buch von Bradley P. Beaulieu, das es in die deutsche Übersetzung geschafft hat. „The Lays of Anuskaya“ mit einem Setting von Inseln in den Wolken, Luftschiffen und osteuropäischen Namen schien wohl zu exotisch für den konservativen deutschen Fantasy-Markt. Doch orientalische Fantasy-Welten versprechen mehr Erfolg, schließlich gibt es da bereits gelungene Beispiele für, etwa „Die Sturmkönige“ von Kai Meyer oder „Das Schwert der Dämmerung“ von Saladin Ahmed.

Doch zurück zu den „Zwölf Königen“, die aus zwölf Stämmen stammen (wer möchte, kann hierin einen biblischen Bezug zu den zwölf Stämmen Israels sehen). Sie waren vor langer Zeit die Beschützer der Bernsteinstadt Sharakhai gegen die Stämme im umliegenden Sandmeer. Doch für ihre absolute Herrschaft zahlen die Bewohner der Stadt einen hohen Preis. Regelmäßig werden Menschenopfer verlangt, um die Gunst der Götter zu erhalten. Und Aufstände gegen die Zwölf Könige, schlagen diese grausam nieder.

Ceda und die Zwölf Könige

Der amerikanische Fantasy-Autor Bradley P. Beaulieu. Foto: Joanne Beaulieu

Der amerikanische Fantasy-Autor Bradley P. Beaulieu. Foto: Joanne Beaulieu

Einige wenige Kapitel sind aus Sicht eines dieser Könige geschildert, sodass den Lesern klar wird, dass die Eintracht zwischen den Königen vorbei ist. Allerdings reichen die Einblicke nicht aus, um zu erfahren, welches Spiel hier gespielt wird. Andere Abschnitte werden aus der Perspektive von Emre, Cedas bestem Freund seit Kindheitstagen, geschildert. Schließlich spielt noch ein Stammesfürst, der sich auf einem eigenen Rachefeldzug befindet, eine wichtige Rolle. Ceda ist aber die unbestrittene Hauptfigur. Ihr Weg und ihre Vergangenheit, die in Rückblenden erzählt wird, bilden den wichtigsten Handlungsstrang.

Sie ist eine vielschichtige Protagonistin. Zum einen eine knallharte Rächerin und Kämpferin, etwa bei Duellen in der Arena der Stadt. Zum anderen ist sie sehr verwundbar, wenn es um ihre Mutter, Emre oder andere Freunde geht. Ceda ist auch bei weitem keine Superheldin, sondern scheitert immer wieder. Das macht sie zu einer glaubwürdigen Figur.

Die Welt von Sharakhai beschreibt Bradley Beaulieu sehr anschaulich. Er hält gut die Balance zwischen Bekanntem, etwa Speisen wie Humus, und phantastischem wie den Adichara-Blüten, die wie eine Droge wirken. Ähnlich verhält es sich mit fremdartigen Namen und Begriffen. Wer Schwierigkeiten hat, sich diese zu merken, findet die meisten im Glossar erläutert. Auch Magie setzt der amerikanische Fantasy-Autor in „Zwölf Könige“ eher behutsam ein.

Die Reihe „Legenden der Bernsteinstadt“

Heraus kommt eine spannende Geschichte, die allenfalls in der Mitte ein wenig durchhängt. Die Figuren überzeugen, Setting und Beschreibung der Welt sind gelungen. Bradley Beaulieu findet dazu einen guten Abschluss für „Die Zwölf Könige“. Am Ende der Handlung hat Ceda ein Etappenziel erreicht, doch ihre ganze Geschichte ist noch längst nicht erzählt. Und auch ohne Cliffhanger möchte man wissen, wie es weitergeht.

Im Original ist Band 2 der „Legenden der Bernsteinstadt“ bereits im Februar 2017 erschienen. Anders als vielfach angegeben, handelt es sich nicht um eine Trilogie, sondern eine sechsbändige Reihe. So hatte Beaulieu die Geschichte nach eigenen Angaben bereits von Beginn an geplant. Hoffentlich ist die deutsche Ausgabe erfolgreich genug, dass auch alle Bände in der Übersetzung erscheinen.

„Die Zwölf Könige – Die Legenden der Bernsteinstadt“ von Bradley Beaulieu ist bei Knaur erschienen. Die Taschenbuch-Ausgabe geht über 688 Seiten und kostet 16 Euro, das E-Book 13,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Antonia Zauner.

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