Brandon Sanderson über die Nebelgeborenen und seinen Schreiballtag

Brandon Sanderson im Gespräch auf der Leipziger Buchmesse.

Brandon Sanderson im Gespräch auf der Leipziger Buchmesse.

„Schreiben darf für mich nicht zum Schreibtisch-Job werden“, sagt Brandon Sanderson. Auf Einladung des Piper-Verlags war der amerikanische Fantasy-Autor zur Leipziger Buchmesse gekommen. Bei einem Treffen mit deutschen Bloggern beantwortete er Fragen rund um seinen Schreiballtag und über seine Nebelgeborenen-Romane.

Die Aussage mit dem Schreibtisch ist wörtlich zu nehmen. Seine Bücher tippt Brandon Sanderson in seinen Laptop, wenn er auf einem Easy-Chair sitzt. Den Sessel hatte seine Frau ursprünglich zum Stillen der gemeinsamen Kinder angeschafft – Sanderson requirierte ihn für seine Arbeit, nachdem die Kinder abgestillt waren. An einem Tisch möchte er beim Schreiben nicht sitzen, weil es ihn an seine Jahre als Nachtportier und Rezeptionist erinnert. Damals schrieb er 13 (!) Bücher, ehe es zur ersten Veröffentlichung kam. Geblieben ist von dieser Zeit, dass Sanderson nachts schreibt – wenn die Familie schläft.

Entstehung der Nebelgeborenen-Romane

Zu seinen früh begonnenen Buch-Projekten zählen die Nebelgeborenen-Romane. Mit „Schatten über Elantel“ ist gerade der fünfte Roman der Reihe in deutsche Sprache erschienen. Es ist der Auftakt zur zweiten Trilogie in der Welt von Scandrial. Die Einführung in das Setting, das ans späte 19. Jahrhundert angelehnt ist, und die Vorstellung der Figuren war bereits mit „Jäger der Macht“ erfolgt. In der zweiten Trilogie sind Wax und Wayne die Hauptfiguren. „Ich wollte moderne Urban Fantasy schreiben, die es so noch nicht gab. Ein weiterer Reiz ist, dass die Helden aus der ersten Trilogie inzwischen Religion, Mythen und Sagen in Elantel prägen“, so Sanderson. Wax und Wayne habe er als Gegensatz-Paar angelegt, das die Leser durch die veränderte Welt führe.

Signieren gehört für Brandon Sanderson zum Alltag.

Signieren gehört für Brandon Sanderson zum Alltag.

In dieser Welt wird es für die deutschsprachigen Leser im Oktober weitergehen. Dann erscheint mit „Bänder der Trauer“ bei Piper der sechste Nebelgeborenen-Roman. Kurioserweise schrieb ihn Sanderson noch vor „Schatten über Elantel“. Er hatte die Arbeit am Auftakt der neuen Trilogie unterbrechen müssen und kam nicht wieder in die Geschichte. Da er bereits die Fortsetzung angelegt hatte, schrieb er zunächst diese Geschichte und danach erst „Schatten über Elantel“. „Ich konnte meinen Verleger damit überraschen, dass ich ihm gleich zwei Bücher abgegeben habe“, sagt Sanderson.

Ein weiteres Buch mit Wax und Wayne wird danach noch folgen. Die Welt der Nebelgeborenen will Sanderson damit jedoch nicht endgültig verlassen. „Ich plane weitere Bücher, in denen die Technologie den Stand der 1980er-Jahre erreicht hat. Es wird eine Art Kalter-Krieg-Thriller mit Aliens“, so der Autor aus dem US-Bundesstaat Utah.

Sanderson mit eigenem Continuity-Lektor

Man kann davon ausgehen, dass er dieses Vorhaben noch angehen wird. Brandon Sanderson arbeitet parallel an drei Projekten gleichzeitig, verriet er auf der Leipziger Buchmesse: An einem Buch schreibt er, eines überarbeitet er und für das dritte plant und entwirft er. Den Fortschritt zeigt er auf seiner Homepage an. Um angesichts dieses Springens zwischen den Teilen seines Universums nicht den Überblick zu verlieren, benötigt der amerikanische Fantasy-Autor eine gute Dokumentation seiner Figuren und Welten. „Ich habe ein persönliches Wiki und beschäftige einen Continuity-Lektor, der es pflegt“, so Sanderson. Fünf Entwürfe eines Buches sind bei ihm die Regel, bei seinen Bänden von „Das Rad der Zeit“ waren es sogar 13. Sanderson gehört sicher zu den produktivsten Fantasy-Autoren, als Schnell-Schreiber würde er sich aber nicht bezeichnen: „Ich schreibe vor allem kontinuierlich, daher schaffe ich über das Jahr gesehen viel.“

Brandon Sanderson über die Nebelgeborenen und seinen Schreiballtag.

Brandon Sanderson äußerte sich zu Büchern mit den Nebelgeborenen.

Sein Ansatz eines eigenen Fantasy-Kosmos (alle Bücher Sandersons sind lose verbunden) hat bereits das Interesse von Hollywood geweckt. Dort sei man auf der Suche nach so verwobenen Stoffen, um einen ähnlichen Erfolg wie mit dem Marvel-Universum zu erzielen. Doch konkrete Aussichten für eine Verfilmung oder Umsetzung als Serie gebe es derzeit nicht. „Es ist Hollywood. Da gibt es viele kreative Menschen mit tollen Ideen. Doch nur wenige schaffen es, die Menschen, die über die Finanzierung entscheiden, zu überzeugen“, so Sanderson.

Die Gesamt-Entwicklung des Fantasy-Genres sieht er positiv. Von künftigen Generationen von Autoren erwartet er, dass sie sich stärker von klassischen Vorbildern wie Tolkien lösen. „Das Genre wird erwachsen. Der Trend zu mehr Vielfalt wird weitergehen“, ist Sanderson überzeugt. Mit Werken, die mehr von asiatischen und afrikanischen Stoffen beeinflusst sind, und in denen technologische Entwicklungen wie zum Beispiel Schusswaffen eine Rolle spielen, gebe es bereits viele Ansätze, die in diese Richtungen gingen.

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Ein Gedanke zu „Brandon Sanderson über die Nebelgeborenen und seinen Schreiballtag

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