Ju Honisch: Seelenspalter – Die Geheimnisse der Klingenwelt

Ju Honisch: Seelenspalter - Die Geheimnisse der Klingenwelt

Ju Honisch: Seelenspalter – Die Geheimnisse der Klingenwelt

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen“, heißt es schon in Goethes Faust. Im Falle von Maleni in „Seelenspalter – Die Geheimnisse der Klingenwelt“ von Ju Honisch sind es buchstäblich zwei Seelen, die im Körper einer jungen Frau hausen. Und jede hat ihre eigene Persönlichkeit: Taryah ist eine eiskalte Assassine, die Männer um den Finger wickelt, um sie zu ermorden. Maleni ist eine junge Frau, mit menschlichen Sorgen, Ängsten und Skrupeln. Als sie eine moralische Entscheidung trifft, bringt sie das in Konflikt mit ihrem Orden, aber auch in Kontakt mit zwei Männern, die mehr sind als sie vorgeben zu sein.

Maleni gehört dem Orden der Xyi an. Als Assassine bringt sie in dessen Auftrag Menschen um – die Xyi verstehen sich dabei als ausgleichende Macht, die für eine Balance zwischen den acht Königreichen sorgt. Allerdings agiert der Orden im Schatten, ist für die meisten Menschen nur ein Mythos. Maleni stellt die Motive ihrer Ordensfamilie nie infrage, bis sie auf Elgor und Umbert trifft, zwei reisende Schmiede, die erstaunlich viel über die Zeit vor den acht Königreichen wissen. Während Maleni mehr wissen will, stellt sich Taryah zunehmend gegen ihre Seelenschwester.

Gespaltene Haltung zu „Seelenspalter“

Die Figurenzeichnung ist Ju Honisch im Falle von Maleni sehr gut gelungen. Die Idee, ihre Vergangenheit in einzelnen Kapiteln immer wieder unterzustreuen, geht auf, auch wenn man auf ein paar davon hätte verzichten können. Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Maleni und Elgor, wie sich ihre Anziehung zueinander immer weiter verstärkt, während die äußeren Umstände immer stärker gegen eine Beziehung sprechen, gehört zu den Stärken von „Seelenspalter“.

Der Weltenentwurf  wirkt dagegen ein wenig konstruiert und simpel. Vieles in den acht Königreichen bleibt konturlos. Am ehesten wird die Welt über die unterschiedlichen Landschaften, durch die Maleni und die anderen ziehen, erlebbar. Die Beschreibung des Lebens im Orden der Xyi ist ebenfalls gelungen, sodass „Seelenspalter“ einen widersprüchlichen Eindruck hinterlässt.

Reihe „Geheimnisse der Klingenwelt“

Neben Maleni sind es gut ein halbes Dutzend weiterer Figuren, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird. Während die Erzählstimmen von Elgor und Nehra, Malenis Patin beim Assassinen-Orden, wichtig und bereichernd sind, hätten einige Nebenfiguren durchaus wegfallen können. Zum einen liefern sie wenig Informationen, zum anderen ist ihre Rolle zu unbedeutend. Ihre Passagen führen nur dazu, dass die Handlung unnötig aufgebläht wird – deutliches Kürzen hätte „Seelenspalter“ hier und bei den Rückblicken gutgetan.

Zumal das Buch nur der erste Band einer Reihe mit dem Titel „Die Geheimnisse der Klingenwelt“ ist. „Seelenspalter“ ist aber in sich abgeschlossen, sodass Ju Honisch für den nächsten Band alle Freiheiten hat. „Blutfelsen“ soll er heißen und wird voraussichtlich im März 2018 erscheinen (Update vom 16. März). Vielleicht gelingt Honisch dann ein insgesamt überzeugendes Werk mit weniger Schwächen.

„Seelenspalter – Die Geheimnisse der Klingenwelt“ von Ju Honisch ist bei Knaur erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 816 Seiten und kostet 12,99 Euro, das E-Book 10,99.

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