Guy Gavriel Kay: Im Schatten des Himmels – eine Rezension

Guy Gavriel Kay: Im Schatten des Himmels

Guy Gavriel Kay: Im Schatten des Himmels

„Im Schatten des Himmels“ erschien im Original bereits 2010, jetzt liegt die deutsche Fassung des Fantasy-Romans vor. Nach neun Jahren ist Guy Gavriel Kay somit auf dem deutschen Markt zurück – allein dafür hat sich die Gründung des neuen Labels Fischer Tor gelohnt (um dieser Meinung zu sein, muss man Kay noch nicht einmal als „besten noch schreibenden Fantasy-Autor“ bezeichnen).

Intrigen im Schatten des Himmels

Wie Umschlag und Titel bereits vermuten lassen, spielt „Im Schatten des Himmels“ in einer fernöstlich-inspirierten Welt. Mehr dazu später. Protagonist des Fantasy-Romans ist Shen Tai, zweiter Sohn eines Generals, der nach dem Tod seines Vaters Ungewöhnliches tut: Er begibt sich auf ein altes Schlachtfeld, auf dem sein Vater Truppen befehligte, und begräbt die Überreste von Soldaten beider Seiten. Dafür bekommt er 250 sardianische Pferde geschenkt, die in seiner Heimat Kitai als übermäßig wertvoll gelten. Shen Tai wird durch dieses Geschenk aber nicht nur reich, sondern zugleich zu einem Teil der höfischen Welt – und muss sich in den folgenden Machtspielen und Intrigen behaupten.

Die zweite bedeutende Erzählstimme in „Im Schatten des Himmels“ gehört zu Tais Schwester Li-Mei, die einige wichtige Charaktereigenschaften mit ihrem Bruder teilt. Hinzu kommen mal längere und mal kürzere Abschnitte, die aus der Perspektive anderer Figuren geschildert werden. Zum Teil hat dies erzählerische Gründe, etwa weil diese Figuren an wichtigen Schauplätzen sind, an denen sich Shen Tai und Li-Mei nicht befinden. Zum Teil geht es darum, vielschichtig zu erzählen, da die Personen aus unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung kommen. Sie alle – und darin liegt ein Teil der Erzählkunst Guy Gavriel Kays – sind glaubhafte Figuren.

Kay setzt auf Historienfantasy

„Im Schatten des Himmels“ ist der Historienfantasy zuzurechnen. Kay orientiert sich eng am China der Tang-Dynastie. Um aber alle künstlerischen Freiheiten beim Aufbau der Welt und Figurenzeichnung zu haben, verfremdet er das historische China und nennt es nicht so. Magie spielt, anders als etwa bei den „Fürsten des Nordens“, dem bislang letzten in deutscher Übersetzung erschienen Werk des kanadischen Autors, nur eine geringe Rolle. Sie ist zudem eng mit Mythen und Legenden verknüpft. Kay bleibt so noch enger an der Historie als Ken Liu mit seinem kürzlich erschienenen „Die Schwerter von Dara – Seidenkrieger“.

Kay hat sich als historisches Vorbild für „Im Schatten des Himmels“ den Beginn des Niedergangs der Tang-Dynastie ausgesucht, der durch eine Rebellion eingeleitet wird. Kay setzt den Schwerpunkt aber überraschender Weise nicht auf die Rebellion und ihren Verlauf, sondern konzentriert sich auf seine Figuren und ihre Entscheidungen. Diese haben entscheidenden Einfluss auf die Rebellion – doch epische Schlachtenbeschreibungen sucht man in „Im Schatten des Himmels“ vergebens. Viel bedeutender sind im Fantasy-Roman die verbalen Gefechte am kaiserlichen Hof, die Intrigen und Machtspiele sowie die Geschichte der Familie Shen. Das ist spannend erzählt, detailreich gestaltet und durch überzeugende Figuren lebendig gehalten. Auf den letzten 100 Seiten werden einige Ereignisse etwas zu sehr verkürzt – das ist der einzige größere Kritikpunkt.

Wer Gefallen am chinesischen Setting gefunden hat, darf sich bereits auf das kommende Frühjahr freuen. Dann erscheint mit „River of Stars“ das nächste Buch von Kay, das ebenfalls an einer an China angelehnten Welt spielt. Die Handlung darin ist 400 Jahre nach der von „Im Schatten des Himmels“ angesiedelt – es handelt sich daher nicht um eine klassische Fortsetzung.

„Im Schatten des Himmels“ von Guy Gavriel Kay ist bei Fischer Tor erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 720 Seiten und kostet 16,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Ulrike Brauns und Birgit Maria Pfaffinger.

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