Marc Turner: Schattenreiter – eine Rezension

Marc Turner: Schattenreiter

Marc Turner: Schattenreiter

Marc Turner beginnt „Schattenreiter“ aus der Perspektive von Luker zu erzählen: Als der abtrünnige Bewahrer nach Jahren des Exils zu seinem Orden zurückkehrt, ahnt er nicht, dass er schon bald in einen großen Konflikt hineingeraten wird. Luker soll sich auf Geheiß des Imperators auf die Suche nach dem Magier Mayot machen, der das mächtige Buch der Verlorenen Seelen gestohlen hat, mit dem sich Tote wiederbeleben und Seelen binden lassen.

Luker selbst ist mehr an dem Schicksal seines Meisters Kanon interessiert, doch er muss feststellen, dass nicht nur seine Reisegruppe nach dem magischen Buch sucht. Shroud, der Gott des Todes, entsendet verschiedene seiner Jünger, die Todesmagierin Parolla ist mit von der Partie und Mayot ist auch nicht untätig, zumal er Hilfe der Göttin Spinne bekommt. Das Land Galitia droht dabei, in dem Konflikt zerrieben zu werden. Die Hoffnungen ruhen ausgerechnet auf Prinz Ebon, der als Stimmenhörer von vielen seiner Untertanen als geisteskrank abgestempelt wird.

Marc Turner mit Vorbild Steven Erikson

Parallelen zu Steven Erikson drängen sich bei „Schattenreiter“ förmlich auf – sie sind nicht zufällig, nennt Marc Turner doch Erikson als eines seiner Vorbilder auf seiner Homepage. So gibt es zum einen das Spiel der Götter, die zumeist im Hintergrund bleiben und ihre Jünger, Priester und Kämpfer wie Spielfiguren einsetzen und auch manchmal opfern. Dann spielen eigentlich vergangene Völker und ihre Konflikte eine wichtige Rolle sowie magische Gegenstände. Und schließlich schickt sich ein Imperium an, nicht nur gegen andere Länder zu kämpfen, sondern sich auch in die Auseinandersetzungen der Götter einzumischen – vielleicht geht es Imperator Avallon Delamar selbst um den Status eines Gottes, denn diesen kann man in „Schattenreiter“ erlangen.

Die Klasse seines Vorbilds Steven Erikson erreicht der in England lebende Marc Turner jedoch nicht. Zum einen sollte man bei einem Debüt die Messlatte auch nicht zu hoch legen, zum anderen zählt Steven Erikson einfach zu den meisterhaften Fantasy-Autoren, die es nicht nur verstehen, eine komplexe Handlung zu entwerfen und im Griff zu behalten, sondern zudem Figuren erschaffen, deren Schicksal Lesern nicht egal ist und die zutiefst menschlich sind. Wie gut Marc Turner mit einer komplexen Handlung umgehen kann, lässt sich nach der Lektüre von „Schattenreiter“ noch nicht bewerten. Bei den Figuren zeigen sich Defizite: Luker ist zu cool, um sympathisch zu sein, und Ebon zu gut geraten. Die beiden Frauenfiguren sind besser entworfen – Parolla, da sie innerlich zerrissen ist und entsprechend handelt und Romany, weil sie sich bei allen Intrigen ihr Mitgefühl bewahrt und für ein paar komische Momente sorgt. Doch auch wenn Erikson den Vergleich gewinnt, heißt es nicht, dass „Schattenreiter“ nicht gelungen wäre – dem guten Fantasy-Buch fehlt einfach nur die Extraklasse.

„Schattenreiter“ Auftakt einer Chronik

Die Geschichte von „Schattenreiter“ ist in sich abgeschlossen. Dennoch ist das Buch Teil einer Reihe von Marc Turner mit dem Originaltitel „The Chronicles of the Exile“. Der zweite Band spielt jedoch an einem komplett anderen Ort und stellt andere Figuren in den Mittelpunkt. Es gibt jedoch überspannende Gemeinsamkeiten, etwa die Einmischung der Spinne und die Verwicklung des Imperiums. Und im für den Herbst im Original angekündigten dritten Band werden die Handlungsstränge aus den ersten beiden Bänden zusammengeführt, sodass nur zu hoffen bleibt, dass die Übersetzung auch soweit kommt und die deutschsprachigen Leser das Schicksal von Erin Elal und seinen Nachbarn weiterverfolgen können.

„Schattenreiter“ von Marc Turner ist bei Heyne erschienen. Die Taschenbuchausgabe geht über 784 Seiten und kostet 15,99 Euro, das E-Book 12,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Kirsten Borchardt.

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