Maresi – Das Lied der Insel von Maria Turtschaninoff

Maria Turtschaninoff: Maresi - Das Lied der Insel

Maria Turtschaninoff: Maresi – Das Lied der Insel

Das Leben in der Roten Abtei auf der Insel Menos ist nicht immer leicht, aber friedlich. Viel friedlicher, als es für die meisten Frauen auf dem Festland ist. Das ändert sich, als die junge Jai bei den Nonnen Zuflucht sucht. Aus der Sicht von Maresi, einer Novizin, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, werden die Ereignisse erzählt, die das Leben auf der Insel nach der Ankunft von Jai verändern. Denn die Verfolger sind ihr noch immer auf den Versen, und sie scheren sich nicht darum, dass Männern der Zutritt zur Insel verwehrt ist, auch wenn dies den Zorn (Menos) der Urmutter wecken könnte.

Maria Turtschaninoffs „Maresi“

Vordergründig handelt es sich bei „Maresi – Das Lied der Insel“ um einen Bildungs- und Entwicklungsroman. Die jugendliche Hauptfigur reift zur Frau und lernt den Wert von Bildung zu schätzen. Auf zweiter Ebene erzählt Maria Turtschaninoff in „Maresi“ die Geschichte eines Ehrenmordes und seinen Folgen für die Familie des Opfers sowie für die Schwestern, die eines der weiblichen Familienmitglieder als Novizin aufnehmen. Da es um die Unterdrückung von Frauen geht, kann man den Roman als feministische Fantasy einordnen. Das heißt aber nicht, dass Männer in „Maresi“ nur eindimensional dargestellt und generell verteufelt werden. Die Figur von Jais Bruder zeigt, welche Konsequenzen sich für Männer ergeben können, wenn in einer Gesellschaft die Ehre über alles gestellt wird.

Der Erzählstil ist schnörkellos, fast so wie Maresi es am Anfang ankündigt: „Ich bin keine Geschichtenerzählerin. Wenn ich aber warte, bis ich eine sein werde und die Ereignisse so aufzeichnen kann, wie sie erzählt werden müssen, habe ich sie vergessen.“ Großartige Beschreibungen der Welt fallen also weg, politische und gesellschaftliche Zustände werden nur angerissen. Maria Turtschaninoff konzentriert sich auf das Inselleben und ihre Figuren, besonders aber auf die Gedankenwelt Maresis. Herausgekommen ist eine kurze, kleine Geschichte mit glaubwürdigen Figuren und klar umrissenem Konflikt – ein Jugendbuch, das auch vielen Erwachsenen gefallen dürfte.

Lied der Insel hat weitere Strophen

Maria Turtschaninoff wurde 1977 zwar in Finnland geboren, doch schreibt die Finnin ihre Bücher in Schwedisch. Nach eigenen Angaben schreibt sie, seit sie fünf Jahre alt ist (Ihr Debüt erschien aber erst, als sie 30 Jahre alt war.). Und bereits als Kind endeten ihre Geschichten oft ungewöhnlich: Der arme Bauernsohn und die von ihm gerettete Prinzessin heirateten nicht, weil sie sich nicht danach fühlten.

„Maresi“ ist nur der erste Band des „Liedes der Insel“. Im Original ist bereits der zweite Teil erschienen, der die Vorgeschichte schildert und näher auf die Ersten Schwestern und die Gründung des Klosters eingeht. Band 3 ist für das nächste Jahr angekündigt und erzählt die Geschichte der Protagonistin weiter. Ob es von den Fortsetzungen auch eine deutsche Übersetzung geben wird, ist noch nicht bekannt.

„Maresi – Das Lied der Insel“ von Maria Turtschaninoff ist bei Heyne erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 240 Seiten und kostet 12,99 Euro, das E-Book 9,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Hedwig Binder.

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