Das Schwert der Dämmerung von Saladin Ahmed – eine Rezension

Saladin Ahmed: Das Schwert der Dämmerung

Saladin Ahmed: Das Schwert der Dämmerung

Mit „Das Schwert der Dämmerung“ von Saladin Ahmed ist ein Fantasy-Roman erschienen, der erfrischenderweise das europäische Mittelalter links liegen lässt und sich mehr auf orientalische Vorbilder stützt. Im Mittelpunkt steht Adoulla, ein Ghul-Jäger, der seinen Ruhestand herbeisehnt, aber keinen geeigneten Nachfolger findet. Als ein böser Magier mehrere Ghuls zugleich beschwört, die mehrere Menschen töten, muss Adoulla all sein Können einsetzen und ist dennoch auf die Hilfe der Alchemistin Litas, des Magiers Dawoud und seines Gehilfen Rasid angewiesen. Bei ihrer Jagd nach dem Ghul-Beschwörer dauert es nicht lang, bis Adoullah und seine Freunde herausfinden, dass mehr hinter dem Auftauchen der Ghule steckt – da will jemand Kalif werden anstelle des Kalifen …

Orientalisch: Das Schwert der Dämmerung

Dhamsawaat, der Ort an dem die Handlung von „Das Schwert der Dämmerung“ spielt, ist wohl an Bagdad zur Zeit des Kalifats im 8. und 9. Jahrhundert angelegt, also die Zeit, in der auch die Geschichten aus 1001 Nacht in der arabischsprachigen Welt populär wurden. Seine Blütezeit hat Dhamsawaat aber wohl bereits hinter sich, denn der aktuelle Kalif ist – im Gegensatz zu seinem Vater – verhasst, und im Volk gärt es. Leider führt Saladin Ahmed seine Leser nur wenig in die Kultur und Geschichte seiner Fantasy-Welt ein. Er konzentriert sich lieber auf die Geschichte und seine Hauptfiguren. Neben Adoulla sind es sein Gehilfe Rasid, das befreundete Paar Litas und Dawoud sowie die junge Gestaltwandlerin Samia.

Es sind recht viele Perspektiven, aus denen Leser der Geschichte folgen. Im Vergleich zu vielen anderen Fantasy-Romanen ist „Das Schwert der Dämmerung“ kurz, und es wird ziemlich schnell klar, dass das Buch auch mit weniger Perspektivwechseln ausgekommen wäre. Denn Saladin Ahmed fällt leider wenig ein, um den Mehrwert einer Perspektive zu nutzen. Es passiert immer wieder, dass Figuren ihre Sicht auf eine andere Figur schildern, nur damit im nächsten Kapitel diese Figur noch einmal über sich selbst reflektiert. Kurz gesagt: Motive wie das des alternden Ghul-Jägers, der am liebsten in Rente gehen würde, werden zu oft wiederholt und breit getreten. Auch der Plot ist ziemlich simpel und hätte ein wenig mehr Wendungen und Komplexität vertragen können.

Autor mit Stil: Saladin Ahmed

Dennoch lohnt sich die Lektüre von „Das Schwert der Dämmerung“, vor allem für Fantasy-Leser, die offen für exotische Stoffe sind, aber auch für Freunde kürzerer Werke. Dass Saladin Ahmed viele positive Kritiken für seinen ersten Roman bekam, liegt aber auch an der schönen und zugleich präzisen Sprache. Dem Stil ist anzumerken, dass der arabisch-amerikanische Autor auch Poesie verfasst.

„Das Schwert der Dämmerung“ war als Auftaktband einer Trilogie geplant. Infolge einer Depression, die Saladin Ahmed offen kommuniziert, verzögerte sich der zweite Band, soll aber noch dieses Jahr im Original erscheinen. Ob es auch eine deutsche Version geben wird, ist noch offen.

„Das Schwert der Dämmerung“ von Saladin Ahmed ist bei Heyne erschienen. Die Paperback-Ausgabe geht über 432 Seiten und kostet 12,99 Euro, das E-Book 9,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Simon Weinert.

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Ein Gedanke zu „Das Schwert der Dämmerung von Saladin Ahmed – eine Rezension

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