Vorschau: Frühjahrsprogramm Piper-Fantasy 2016

Das Frühjahrsprogramm 2016 von Piper-Fantasy muss ohne Markus Heitz auskommen. Nachdem sich Mahet erst einmal exklusiv an Droemer Knaur gebunden hat, darf man gespannt sein, wer das neue Zugpferd im Fantasyprogramm von Piper sein soll. Die erste Auswahl zeigt, dass es Piper gelungen ist, die Fahne der deutschen Fantasy-Autoren hoch zu halten – es gibt nämlich einen prominenten Neuzugang.

Hardebusch bei Piper-Fantasy

Mitte März erscheint der neue Roman von Christoph Hardebusch bei Piper. Bislang hatte dieser seine Heimat bei Heyne gehabt. Hardebusch bewegt sich mit „Feuerstimmen“ von Trollen weg und knüpft mehr an die Sturmwelten-Trilogie an. Zumindest ist wieder ein Drache der böse Gegenspieler. Das Setting scheint jedoch etwas konservativer zu sein, soweit es aus der Beschreibung hervorgeht. Es geht um eine Welt, die aus acht Königreichen besteht, deren Herrscherin Elena ist, die mit einem Sänger dem Plan des fünften Drachen auf die Spur kommt. Eine sichere Bank dürfte Michael Peinkofer sein, der sich weiter in seiner Erdwelt austoben darf. Mit „Die Ehre der Orks“ geht er zurück in die Vergangenheit der dämlich Orks, Balbok und Rammar.

Ein bekannter Name taucht auch im Mai auf. Dann erscheint mit „Schwarzer Dolch“ der Auftakt zur neuen Reihe von Alexey Pehov. „Chroniken der Seelenfänger“ ist der Serientitel, der bereits verrät, dass mindestens ein Seelenfänger im Mittelpunkt stehen wird. In „Schwarzer Dolch“ ist es Ludwig van Normayenn. Anfang Juni lässt wieder der deutsche Schwerpunkt des Frühjarhsprogramms von Piper-Fantasy grüßen. Robert Corvus startet seine Schwertfeuer-Saga. In „Rotes Gold“, dem ersten Band, geht es um die Söldnertruppe Klingenrausch, die sich mit Dämonen eingelassen hat, um reich und berühmt zu werden. Vielleicht könnte ja ein Seelenfänger ihre Seelen retten?

Schluss des Frühjahrsprogramms 2016

Im Juli erscheinen die letzten Titel des Frühjahrsprogramms 2016. Passenderweise erscheint Anfang Juli „Die letzte Schlacht“. David Falk setzt damit seine Reihe über die Welt Ardaias fort. Der Band hätte auch „Der letzte Mensch“ heißen können, tritt dieser doch gegen den Dunklen an. Ob damit das Beste zum Schluss kam? Da bislang nur ein Auszug aus der Vorschau veröffentlicht ist, lässt sich die Frage noch nicht endgültig beantworten. Mehr dazu in den kommenden Wochen.

Update: Außerdem erscheint Band 12 von „Das Rad der Zeit“ in ungekürzter Fassung. „Sturm der Finsternis“ ist für den 1. April angekündigt. Im Taschenbuchprogramm findet sich die Lytar-Chronik von Richard Schwartz: Band 1 erscheint überarbeitet und ungekürzt im April, Band 2 folgt im Juni und Band 3 im September. Für alle Fans von Peter V. Brett und Trudi Canavan ist laut Marketing „Die Chroniken von Maldea“ gedacht. Auf dem Cover ist ein Drache zu sehen und kein Kapuzenmännchen, somit fehlt das einzige verbindende Element zu den genannten Autoren. Es handelt sich jedenfalls um das Debüt von Jasmin Rollmann, das im April auf den Markt kommt. Das „Age of Iron“ wird mit „Der Feldzug“ im Juni fortgesetzt, der Vorgänger von Angus Watson erscheint diesen Dezember – mal sehen.

An Bord der Smaragdsturm – Riyria 4 von Michael J. Sullivan

Michael J. Sullivan: An Bord der Smaragdsturm - Riyria 4

Michael J. Sullivan: An Bord der Smaragdsturm – Riyria 4

Nach dem Sieg der Nationalisten in Rehagen scheint das Imperium am Boden. Doch wie so oft, schlägt das Imperium zurück. An Bord der Smaragdsturm verbirgt sich eine geheimnisvolle Fracht, die den Krieg entscheiden soll – so geht zumindest aus einer abgefangenen Botschaft hervor, die Riyria, also Hadrian und Royce, veranlasst, sich auf die Smaragdsturm zu begeben. Doch da Merrick Marius, der Erzfeind von Royce, die Hände im Spiel hat, steckt die Mission voller Überraschungen. Prinzessin Arista arbeitet derweil an ihren Fähigkeiten als Zauberin und daran, neue Verbündete für ihre Heimat Melengar zu gewinnen.

Riyria an Bord der Smaragdsturm

Die Riyria-Reihe von Michael J. Sullivan zeichnete sich anfangs vor allem dadurch aus, dass sich das gegensätzliche Pärchen Hadrian und Royce zwar einerseits gut verstand, sich andererseits aber immer wieder kabbelte. Doch mit fortschreitender Handlung verlor die Geschichte an Leichtigkeit. Je mehr Tiefe Sullivan seiner Geschichte zu geben versuchte, etwa indem er die Rahmenhandlung mit Mythen und Religiösem auflud, desto weniger unterhaltsam wurde sie. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass sich die beiden Protagonisten entzweit hatten. In „An Bord der Smaragdsturm“ arbeiten Hadrian und Royce zwar wieder zusammen, finden aber nicht zu ihrem alten Verhältnis zurück.

Sie bleiben dieses Mal auch von Arista getrennt, deren Handlungsfaden dieses Mal ganz eigenen Windungen folgt, die wohl auch dazu dienen, Ereignisse in Fortsetzungen vorzubereiten. Doch während sich Sullivan bemüht, Royce, Hadrian und Arista Raum zu geben und die Chance sich zu entwickeln, behandelt er andere Figuren in Riyria 4 lieblos und entledigt sich ihrer zum Teil ziemlich abrupt.

Bedenklich ist, wie sich in „An Bord der Smaragdsturm“ der Umgang mit Rassen gestaltet. Zu Anfang der Riyria-Reihe wurden Elben und Zwerge als verfolgte Minderheiten dargestellt. Mit Royce als Elben-Halbblut weckte Sullivan Verständnis für andere Rassen. Und dass das böse Imperium Elben verfolgt, zeigt auch eine klare Haltung. Die Goblins aber sind hassens- und verachtenswert dargestellt, gesichtslose Feinde, auch „die Vielen“ genannt, die Elben und Menschen bei lebendigem Leib verspeisen. Auch die Naturvölker, denen Hadrian und Royce begegnen, sind ziemlich stereotyp gehalten.

Michael J. Sullivan schrieb weiter

Gelungen sind hingegen die Passagen auf See, die genügend Flair von Piratengeschichten in die Geschichte bringen und nicht zu viele Fachausdrücke enthalten, die für Landratten einer Erläuterung bedürfen. Bleibt zu hoffen, dass Sullivan die Riyria-Reihe wieder dahin bringt, wo sie ihre Stärken hat: im Tempo, im Witz und in Überraschungsmomenten.

Denn die Geschichte um Riyria, Arista und ihren Widersachern ist mit „An Bord der Smaragdsturm“ noch nicht vorbei. Zwei Bände folgen noch, „Wintertide“ (Winterzeit) und „Percepliquis“. Bleibt es beim bisherigen Veröffentlichungsrhythmus, kommt die nächste deutsche Fassung im Frühjahr 2016 heraus. Update: „Das Fest von Aquesta“ soll im Februar 2016 herauskommen.

„An Bord der Smaragdsturm – Riyria 4“ von Michael J. Sullivan ist bei Klett-Cotta erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe der Hobbitpresse geht über 441 Seiten und kostet 16,95 Euro, das E-Book 13,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Wolfram Ströle.

Sturmbogen – Greatcoats von Sebastien de Castell

Sebastien de Castell: Sturmbogen - Greatcoats

Sebastien de Castell: Sturmbogen – Greatcoats

„Sturmbogen“ von Sebastien de Castell geht dort weiter, wo „Hochverrat“ aufgehört hatte: Die Greatcoats haben die Ermordung der Bewohner von Carefal nicht verhindern können. Sie jagen nun die Ritter, die die Dorfbewohner getötet haben und suchen die Verantwortlichen. Wenn sie sie nicht bald finden, droht ein Bürgerkrieg. Und auch für Falcio wird die Zeit langsam knapp, denn durch seine Adern fließt ein Gift, das ihn für immer längere Zeit lähmt und seine Reaktionen verlangsamt. Nicht die besten Voraussetzungen für Duelle mit Attentätern und Rittern.

Verzweifelt Greatcoats in „Sturmbogen“

Die Lage wird für die Greatcoats in „Sturmbogen“ immer verzweifelter. Dementsprechend rauer wird auch der Ton zwischen ihnen – selbst Basti ist nicht mehr in der Stimmung für Witze. So geht der Greatcoat-Reihe auch die Leichtigkeit verloren. Wer die Bücher von Sebastien de Castell vor allem wegen ihres Humors schätzt, braucht aber nicht enttäuscht zu sein – es gibt noch eine Reihe von absurd-komischen Szenen mit hohem Unterhaltungswert. Und wenn man bedenkt, dass es sich bei „Hochverrat“ und „Sturmbogen“ im Original um einen Band handelt (wenn auch laut Piper um eine für die deutsche Ausgabe erweiterte Geschichte), ergibt die Dramatik mit dem Auseinanderfallen des Trios Falcio, Kest und Brasti mehr Sinn.

Schwerer wiegt da schon, dass sich das Muster bei den Intrigen langsam abnutzt. De Castell bauscht die Probleme auf und wirft viele Nebelkerzen, um am Ende eine einfache und oft offensichtliche Lösung zu finden. Das kann als Pointe funktionieren – zu oft eingesetzt wird aus der freudigen Überraschung jedoch ein müdes Lächeln. Und auch die Handlung bedarf für künftige Bücher einer Erweiterung, denn langsam kommt die Ballade von bösen Herzögen und Rittern an einen toten Punkt.

Greatcoats-Reihe geht weiter

Einige Strophen dürften aber noch kommen, denn am Ende von „Sturmbogen“ bleiben noch genügend Widersacher für die Greatcoats übrig. Und wenn man sich die Beschreibung des dritten Originalbandes anschaut, hat de Castell einen Weg gefunden, die Handlung zu erweitern. In „Saint’s Blood“ müssen die Greatcoats verhindern, dass ihr geliebtes Königreich sich in eine Theokratie wandelt, denn die Kirche will die Inquisition einsetzen. Der Originalband ist für April 2016 angekündigt. Die deutsche Ausgabe könnte also ebenfalls im Frühjahrsprogramm 2016 von Piper erscheinen – eine gute Nachricht für Freunde kurzweiliger Mantel-und-Degen-Geschichten, die düsterer sind als frühere Abenteuer à la „Die drei Musketiere“.

„Sturmbogen“ von Sebastien de Castell ist bei Piper erschienen. Der dritte Teil der Greatcoats-Reihe geht in der Klappenbroschur-Ausgabe über 368 Seiten und kostet 16,99 Euro, das E-Book 12,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Andreas Decker.

Der Herr des Turmes von Anthony Ryan – Rezension von Rabenschatten 2

Anthony Ryan: Der Herr des Turmes

Anthony Ryan: Der Herr des Turmes

Vaelin Al Sorna, der berühmteste Schwertkämpfer der Königslande, wird zum Herren des Turms ernannt. In den Nordlanden ist er politisch kaltgestellt und damit keine Gefahr für König Marcellus. Zudem hofft Vaelin in Rabenschatten 2 anfangs noch, dass er sein Schwert nicht mehr ziehen muss. Doch diese Hoffnung erfüllt sich nicht. Der Herr des Turms wird nicht viel Zeit in seinem Turm verbringen.

Vaelin ist der Herr des Turms

Welche Möglichkeiten hat ein Autor, wenn er einen großen Teil seiner Geschichte bereits erzählt hat, aber noch zwei weitere Bände füllen soll, weil nun einmal die Trilogie das dominierende Format in der Fantasy ist? Er muss die Geschichte erweitern, sei es durch neue Figuren, Rückblicke auf die Vorgeschichte seiner Figuren oder neue Handlungsstränge. Anthony Ryan hatte in seinem ersten Rabenschatten-Roman allerdings bereits die Lebensgeschichte seiner Hauptfigur Vaelin, dem neuen Herrn des Turms, ausführlich geschildert, von der Kindheit bis zur Gefangennahme im Krieg. Die Grundlage für neue Handlungsstränge hatte er durch die Geschichte rund um das Lied des Blutes bereits gelegt – fehlen neue Figuren.

Diesen Weg beschreitet Ryan auf zweierlei Weise: durch Einführung einer neuen Hauptfigur namens Reva und durch die „Beförderung“ bekannter Figuren, aus deren Sicht nun weite Teile des Buches erzählt werden, nämlich Lyrna und Frentis. Das ist ein gehöriger Bruch, den der schottische Fantasy-Autor seinen Lesern mit dem Wechsel von einer Erzählstimme zu vieren zumutet. Doch die gute Nachricht: Die Konstruktion funktioniert über weite Strecken gut.

Als eine Art Klammer hat Ryan die Figur des Historikers Verniers und die Einteilung des Buches in mehrere Teile behalten. Dieses Mal ist Verniers nicht auf der Seite der Sieger, sondern muss um sein Leben fürchten. Durch ihn erfährt man mehr über die Invasion der Königslande und die Pläne der Invasoren. Eine weitere gewohnte Perspektive in „Der Herr des Turms“ ist die von Vaelin.

Von der kühlen Lyrna hatten sicher viele Leser nicht erwartet, dass sie mehr als kühl, beherrscht und berechnend ist. Als hochintelligente Frau wird sie in den von Männern dominierten Königslanden beständig unterschätzt und macht sich dies zunutze. Ihr Wille und ihre Entschlossenheit kann man gut nachvollziehen und vielleicht sogar bewundern. Eine letzte Strenge bewahrt sie sich aber – gepaart mit der hohen Selbstkontrolle ist sie nicht unbedingt eine Figur, mit der man sich leicht identifiziert.

Rabenschatten-Trilogie endet mit einer Königin

Das fällt bei Reva leichter. Zum einen ist sie jünger und ziemlich impulsiv, zum anderen bedient die Beschreibung ihrer Kindheit mehr Klischees und profitiert Reva davon, dass sich Vaelin für sie stark macht. Die junge Frau hält zudem noch einige Überraschungen parat, die ihren Handlungsstrang interessant halten.

Bruder Frentis hingegen verspielt einige Sympathien. War er in „Das Lied des Blutes“ noch der Junge, um den sich Vaelin kümmert und den er fördert und beschützt, so wird er in „Der Herr des Turms“ zu einer Mordmaschine, die nur schrittweise ihre Menschlichkeit wiederfindet. An sich eine spannende Entwicklung, doch bleibt Frentis so distanziert, dass man auch mit ihm kaum mitleidet. Seine Geschichte ist zudem ein Beispiel dafür, wie wenig Anthony Ryan in seinen Rabenschatten-Büchern der Magie Grenzen setzt. Ob dies die größte Schwäche der RabenschattenTrilogie ist, wird Band 3 zeigen. Er trägt den Originaltitel „Queen of Fire“ („Die Königin der Flammen„) und dürfte 2016 in der deutschen Übersetzung erscheinen.

Bis dahin bleibt also Zeit, die ersten beiden Bände zu lesen. Hatte „Das Lied des Blutes“ in den letzten Abschnitten ein paar Schwächen, so ist dies in der Fortsetzung anders. Spätestens nach einem Drittel möchte man „Der Herr des Turms“ nicht mehr aus der Hand legen – wenn die Handlung sich verdichtet und die Geschichte immer packender wird.

„Der Herr des Turms“ von Anthony Ryan ist bei Klett-Cotta erschienen. Rabenschatten 2 geht in der gebundenen Ausgabe über 859 Seiten und kostet 24,95 Euro. Die Übersetzung stammt von Hannes Riffel und Birgit Maria Pfaffinger.

Sterne oder nicht Sterne – Umfrage zu Bewertungssystem für Rezensionen

Zahlen sind toll und angeblich so klar und leicht vergleichbar. Viele Portale, Blogs, Foren, Verlage und Verkaufsplattformen haben daher ein Bewertungssystem für Produkte. Das können Sterne sein, aber auch Punkte oder – etwa bei Fantasy-Büchern – Schwerter. Solche Bewertungen können sicher hilfreich sein, wirken manchmal aber auch etwas willkürlich. Auf dem Fantasy Weblog gibt es bislang keine – und es hat sich auch noch niemand über das Fehlen beklagt. Da aber die Mehrzahl der Leser nicht kommentiert, würde mich interessieren, ob ich da den richtigen Eindruck habe oder ob nicht doch viele Besucher ein klares Urteil in Zahlen vermissen. Ich habe daher eine Umfrage erstellt, die drei Möglichkeiten zulässt: den Wunsch nach einem Bewertungssystem, den Wunsch nach mehr Wertung, aber ohne Zahlen und die Meinung, dass ein solches Bewertungssystem nicht gebraucht wird. Über eine rege Beteiligung freue ich mich. Eine Woche lang, also bis zum 12. Oktober, ist das Abstimmen möglich.

Update vom 13. Oktober: Danke an alle, die abgestimmt haben. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das am Ende ohne Sieger blieb. Ein gutes Drittel wünscht sich klare Bewertungen, ein gutes Drittel kommt ohne Sterne aus. Bliebe als Kompromiss, noch mehr Wertung in den Text einzubauen. Mal sehen, ob das ein gangbarer Weg ist. Denn meinen Stil möchte ich nicht unbedingt ändern.