Zwei Bücher von Peter V. Brett: Der Thron der Finsternis und Das Erbe des Kuriers

Gute Nachrichten für die Leser das Dämonen-Zyklus von Peter V. Brett. Band 4 der Reihe wird im September 2015 erscheinen und den Titel „Der Thron der Finsternis“ tragen. Das weicht vom Original ab – näher an „The Skull Throne“ wäre „Der Thron aus Totenschädeln“ gewesen. Doch immerhin ist man bei Heyne vorsichtiger geworden, was den Veröffentlichungstermin angeht. Nachdem es bei Band 2 und 3 zu Verschiebungen kam, hat man gleich den Herbst gewählt. In den USA erscheint Band 4 des Dämonen-Zyklus nämlich bereits Ende März.

Bleibt Jardir am Leben?

Wer die Buchbeschreibung bei Heyne liest, bekommt die wichtigste Frage beantwortet, die sich Leser von „Die Flammen der Dämmerung“ gestellt haben: Lebt Jardir noch? Denn mit der Cliffhanger am Ende des Buches hatte das Warten auf die Fortsetzung nicht leichter gemacht. Gleich zu Beginn des ersten Kapitels von „Der Thron der Finsternis“ schafft Peter V. Brett alle Unklarheiten zu dieser Frage aus der Welt.

Sie soll die Handlung nicht lange aufhalten, geht es in „Der Thron der Finsternis“ doch darum, den Krieg zu den Dämonen zu tragen. Die Konflikte zwischen den Menschen müssen da zurückstehen. Denn wie die Einführung der Dämonenprinzen gezeigt hat, gibt es mächtigere Wesen in der Tiefe, als die Menschen bislang wussten. Den einen oder anderen Schlenker wird sich Brett dennoch erlauben – schließlich wird die deutsche Ausgabe wieder mehr als 1000 Seiten dick sein. Brett hat sicherlich – wie im Interview angekündigt – eine neue Erzählperspektive eingeführt.

Novelle „Das Erbe des Kuriers“

Bis September wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen. Um die Wartezeit zu überbrücken, können Fans von Peter V. Brett eine weitere Geschichte aus der Dämonen-Welt verschlingen. Denn bereits im April wird Heyne „Das Erbe des Kuriers“ veröffentlichen. Die Novelle erscheint diese Tage im Original als „Messenger’s Legacy“. Eine Novelle im literaturwissenschaftlichen Sinne wird es sicher nicht, aber eben eine weitere Geschichte um die Kuriere, wie sie in „Der große Bazar“ schon einmal erschienen ist.

Die Hauptfigur wird Ragen sein, jener Kurier, der in Arlens Weg zum Kurier eine wichtige Rolle gespielt hat. Ragen geht auf die Suche nach dem verschwundenen Sohn eines Freundes. Dass er auf Dämonen treffen wird, versteht sich von selbst. Es dürfte nicht die letzte Idee sein, die Peter Brett für eine Geschichte abseits des Dämonen-Zyklus verwertet.

Blanvalet und Penhaligon: Fantasy-Frühjahrsprogramm 2015

Der Winter naht – Zeit für das Frühjahrsprogramm von Blanvalet und Penhaligon. Während das Penhaligon-Programm dünn bleibt, ist bei Blanvalet das Fantasy-Angebot etwas größer. Dazu gehört etwa die im Mai erscheinende Anthologie „Königin im Exil“, die 21 Kurzromane enthält. Als Zugpferde dienen George R.R. Martin und Gardner Dozois. Außerdem enthält die Sammlung Geschichten von Joe Abercrombie und Brandon Sanderson (die sonst bei Heyne erscheinen) sowie von Diana Gabaldon.

Fantasy von Blanvalet im Frühjahr 2015

Ebenfalls im Mai kommt die Fortsetzung von „Der Tänzer der Schatten“ heraus. Dass es bei David Dalglish und „Der Tänzer der Klingen“ um düstere Helden-Fantasy geht, versteht sich bei den Titeln von selbst. Ebenfalls im Wonnemonat bleibt Torsten Fink in der Welt seines Schattenprinzen, beginnt mit „Der Erbe des Skorpions“ jedoch eine neue Geschichte. Man darf gespannt sein, wie er die Geschichte um einen Leibwächter, der die Seiten wechselt, spinnt.

Fantasy aus dem Emsland? Warum nicht. Doch ob Bernhard Trecksel wirklich zum neuen Star der deutschen Fantasy avanciert, wollen wir mal abwarten. Blanvalet untermauert diese Ankündigung mit dem Juni-Titel „Nebelmacher“, einem Fantasy-Roman um einen Assassinen, der Körper und Seele töten kann. Außerdem erscheint im Juni mit „Der Wille des Drachen“ der dritte und letzte Band  von Cinda William Chimas Trilogie um Jack, den letzten Krieger.

Brent Weeks, Jim Butcher und Mark Barnes

Im Juli wagt Blanvalet einen Neuanlauf in der High Fantasy. Daniel Arenson beginnt sein Drachenlied mit „Der Atem des Feuers“. Klingt zunächst konventionell, allerdings soll der kanadische Autor als Self-Publisher sehr erfolgreich gewesen sein. Exotischer ist „Die Fäden der Zeit“, das Debüt von Lori M. Lee, das in einem Slum angesiedelt ist und sich um ein Geschwisterpaar dreht.

Auf die Fortsetzung der Licht-Trilogie haben Fans von Brent Weeks lange warten müssen. Doch es hat seinen Büchern gut getan, dass er sie nicht in so kurzem Abstand wie bei der Schatten-Trilogie schreiben musste. Und so darf man gespannt sein, wie er die Geschichte um Gavin Guile, seinen Sohn Kip und die anderen weiterführt. Mitte August kommt „Sphären der Macht“ heraus. Und Band 4 steht noch aus.

Und im September können alle, die den Codex von Alera mögen oder nach neuem Stoff suchen, sich mit Jim Butcher auf Luftschiffe wagen. „Windjäger“ heißt der erste Band einer neuen Reihe um das Luftschiff mit Namen Jäger. Wer sich von einigen Unzulänglichkeiten in Mark Barnes‘ Geschichte nicht hat abschrecken lassen, kann sich zudem auf „Die Säulen aus Sand“ freuen. Auf Band 3 prangt ein Löwen-Wappen.

Penhaligon mit Martin und David Hair

Der Star im Frühjahrsprogramm 2015 von Penhaligon ist sicherlich George R.R. Martin mit seinem Bildband „Westeros“. Doch das ist nicht der einzige Fantasy-Titel in der Liste. Ende Juni kommt der dritte Teil der „Brücke der Gezeiten“. In „Die scharlachrote Armee“ setzt David Hair seine Geschichte um die beiden Kontinente fort, die nur während der Mondflut durch eine Brücke verbunden sind. Wie alle Leser der ersten Bände wissen, ist nun die Zeit des Krieges gekommen. Und da ein Originalband auf zwei deutsche Bücher aufgeteilt wird, dürfte bereits ein Titel für das Herbstprogramm feststehen. Im Juni erscheint neben „Brücke der Gezeiten 3“ noch „Nachtmahr – Die Schwester der Königin“ von Ulrike Schweikert.

Westeros als Bildband – George R.R. Martin bei Penhaligon

Der Hype um Westeros, das „Lied von Eis und Feuer“ und George R.R. Martin geht dank der Fernsehserie „Game of Thrones“ munter weiter. Doch während die Buch-Reihe mal wieder stockt und die Veröffentlichung des nächsten Bandes nicht absehbar ist, sollen die Leser dennoch gefüttert werden. Oder gemolken – je nachdem, ob sich Fans als willige Zahler und Sammler sehen oder mehr Alles-Verschlinger von Martin-Stoffen. Von welcher Seite man es auch betrachten mag – Mitte März 2015 kommt mit „Westeros“ ein neues Werk aus der Welt des „Liedes von Eis und Feuer“ bei Penhaligon heraus.

Westeros – von Fans mit Martin-Siegel

Damit die Verbindungen gleich klar werden, lautet der vollständige Titel „Westeros – Die Welt von Eis und Feuer. Game of Thrones“. So werden Zuschauer und Leser zugleich angesprochen. Rund 350 Seiten ist der Bildband dick. Er erzählt die Vorgeschichte des Konflikts, um den es in der Reihe geht. Sie beginnt mit der Landung der ersten Menschen auf dem Kontinent Westeros, setzt sich mit der Besetzung durch Aegon dem Eroberer und seiner auf Drachen basierenden Herrschaft fort und beschreibt schließlich die Rebellion, in der Robert Baratheon mit Ned Stark das Haus Targaryen stürzt.

Die Ereignisse sind zwar bekannt, werden sie doch in „Das Lied von Eis und Feuer“ am Rande erzählt, doch Linda Antonsson und Elio M. Garcia Jr. haben die Historie von Westeros für den Bildband neu zusammengestellt und ergänzt. Als Betreiber von Westeros.org gehören sie zu den Fans der ersten Stunde, weshalb George R.R. Martin wohl seinen Segen gab und am Buch mitarbeitete. Im Original ist der Band vor gut zwei Wochen erschienen, derzeit arbeitet Andreas Hellweg an der deutschen Übersetzung.

„Westeros“ ist nur die Spitze des Eisbergs der Martin-Schwemme im Frühjahr. Die Bezeichnung Bildband verdient sich das Buch durch die enthaltenen 170 Illustrationen, Karten und Stammbäumen der Familien Targaryen, Stark und Lannister. Der Preis ist entsprechend hoch angesetzt: 30 Euro wird die gebundene Ausgabe von Penhaligon kosten. Mit solchen Werken arbeitet George R.R. Martin daran, auch bei den Veröffentlichungen zum „amerikanischen Tolkien“ zu werden. Nur dass bei ihm bereits zu Lebzeiten nahezu jeder Text veröfffentlicht wird und er selbst vom Hype um Westeros und die Welt von Eis und Feuer profitiert – den Zusatz Game of Thrones nicht zu vergessen.

Anthony Ryan: Das Lied des Blutes – Rabenschatten 1

Anthony Ryan: Das Lied des Blutes

Anthony Ryan: Das Lied des Blutes

Vaelin Al Sorna hört das Lied des Blutes. Diese mächtige magische Gabe muss er jedoch geheimhalten, da dunkle Gaben den Doktrinen des Glaubens widersprechen. Und doch nutzt Al Sorna seine Fähigkeiten und erwirbt sich mit ihrer Hilfe mehrere Namen: Rabenschatten, Dunkelklinge, Junger Falke und schließlich Hoffnungstöter. Als solcher gerät er in Gefangenschaft des Kaiserreichs, dessen Hoffnung er in Gestalt des Kronprinzen getötet hat. Doch statt ihn hinzurichten, befiehlt der Kaiser, dass Vaelin zur Rettung der Witwe des getöteten Erben einen Zweikampf ausfechten soll. Auf der Reise zum Duell erzählt der Rabenschatten dem bekanntesten Historiker des Reiches seine Lebensgeschichte.

Ryan und das Lied des Blutes

Anthony Ryans „Das Lied des Blutes“ bringt gute Voraussetzungen mit ein Erfolg zu werden. Mit der Anspielung im Titel auf „Das Lied von Eis und Feuer“, der derzeit erfolgreichsten Fantasy-Serie, und der Konstruktion, dass der Protagonist seine Lebensgeschichte einem Chronisten diktiert  – von Patrick Rothfuss mit Kvothe erfolgreich vorgemacht – sprechen gleich zwei Faktoren viele Fantasy-Leser an (und auch solche, die nur gelegentlich zu Büchern des Genres greifen).

Doch das würde nicht ausreichen, wenn Anthony Ryan zur Verpackung seiner Rabenschatten-Bücher nicht auch einen passenden Inhalt gefunden hätte. Gekonnt variiert er die bekannten Motive wie das eines Jungen, der in einem Orden aufwächst und zu einem gefürchteten Schwertkämpfer heranwächst. Bei Ryan stehen nicht die üblichen Probleme eines Heranwachsenden im Vordergrund, auch wenn Freundschaft und Liebe auch in „Das Lied des Blutes“ große Bedeutung haben. Es geht mehr darum, wie Vaelin in die Rolle hereinwächst, die ihm verschiedene Seiten zugedacht haben: sein Vater, sein Ordensmeister und sein König.

Die Welt des Rabenschatten

Der Rabenschatten wächst also in eine Welt der Intrigen hinein. Diese spinnt Ryan durchaus kunstvoll, doch an mancher Stelle handelt sein Protagonist reichlich naiv – gerade für jemanden, der seit seiner Kindheit von Intrigen und Machtspielen umgeben ist. Doch inwieweit man als Leser dem Bericht von Vaelin Al Sorna trauen kann, bleibt auch offen. Denn in jedem Fall erfahren sie mehr als der Chronist, wie am Ende deutlich wird. Anders als bei der Königsmörder-Chronik von Rothfuss spielt Ryan aber weniger mit der Rolle des Erzählers, sodass dieser Punkt vielleicht keine so große Bedeutung hat.

Ryans Stärken liegen mehr darin, dass er viele differenzierte Charaktere erschaffen hat, die nicht nur gut beschrieben sind, doch in die man sich gut hineinversetzen kann, auch wenn die Erzählperspektive bei Vaelin und dem Chronisten bleibt. Ebenfalls gelungen ist die Einführung in die Fantasy-Welt der Vereinigten Königsland und des Alpiranischen Reiches. Sie orientiert sich an spätmittelalterlichen Vorbildern. Ryan überfrachtet sie nicht mit fremden Begriffen und Bräuchen, sondern geht dort ins Detail, wo es der Geschichte dient. Auch variiert er gut zwischen actionreichen und ruhigeren Passagen.

Die Lektüre von „Das Lied des Blutes“ weckt Vorfreude auf den nächsten Band. Im Original ist „Rabenschatten 2“ bereits erschienen. „Tower Lord“ ist der Titel der Fortsetzung. Auf welche Person der Titel anspielt, wird nach der Lektüre von Band 1 klar. Und da Ryan einen Vertrag über drei Bücher abgeschlossen hat, dürfte die Geschichte des Rabenschatten noch weitergehen.

„Das Lied des Blutes – Rabenschatten 1“ von Anthony Ryan ist in der Hobbitpresse von Klett-Cotta erschienen. Die gebundene Ausgabe geht über 775 Seiten und kostet 24,95 Euro. Die Übersetzung stammt von Sara und Hannes Riffel.