Happy Hour in der Hölle – Bobby Dollar 2 von Tad Williams

Tad Williams: Happy Hour in der Hölle - Bobby Dollar 2

Tad Williams: Happy Hour in der Hölle – Bobby Dollar 2

„Für Dich würde ich durch die Hölle gehen“ – einen solchen Satz sollte man nicht leichtfertig äußern. Es mag zwar eine Happy Hour in der Hölle geben, doch die Hölle bleibt die Hölle. Das muss auch Bobby Dollar feststellen, der für seine große Liebe Caz bereit ist, durch die Hölle zu gehen – und das als Engel. Die Aussichten hineinzukommen, sind für einen Himmelsboten schon nicht gut, doch herauszukommen verspricht noch viel schwerer zu werden. Vor allem weiß Tad Williams’ Bobby Dollar aber nicht, ob Caz überhaupt mit ihm die Flucht riskieren will. Wo sollen denn schließlich Engel und Dämonin gemeinsam glücklich werden?

 Tad Williams schickt Bobby Dollar zur Hölle

Bobby Dollar spaltet die Leser von Tad Williams. Es ist wohl das bisher zynischste Werk des Fantasy-Autors, das zudem einige durch das religiöse Setting abstößt, und es steht und fällt mit der Hauptfigur, da die Bücher komplett aus der Sicht von Bobby Dollar, als Ich-Erzähler, geschildert werden. Für den Zynismus ist eine Erklärung, dass Williams die Bücher seinem verstorbenen Freund David Pierce gewidmet hat, „Happy Hour in der Hölle“ zudem Jeff Kaye, Peggy Ford und Iain Banks. Zumindest dürfte die Trauer das Thema angeregt haben: Was passiert mit der Seele der Menschen nach dem Tod.

Während Band 1, „Die dunklen Gassen des Himmels„, sich um eine besondere Form des Richtens drehte, auf der Erde und im Himmel spielte, schickt Williams seine Hauptfigur nun zur Gegenseite. Nach einigen Kapiteln, die noch auf der Erde, in San Fransico, spielen, geht es für Bobby Dollar in die Hölle, wo er sieht, was mit den Seelen passiert, die es nicht in den Himmel schaffen. Tad Williams nimmt sich viel Zeit, die Ebenen der Hölle vorzustellen. Dabei bedient er sich bekannter Höllenbilder, allen voran der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri. Auf der Suche nach Caz muss Doloriel – so der Engelsname von Bobby Dollar – die Weiten der Hölle durchstreifen. Der Humor bleibt in „Happy Hour in der Hölle“ nicht auf der Strecke, ist jedoch weniger präsent als im ersten Band, was auch daran liegt, dass es bei Qualen der Dämonenwelt wenig zu lachen gibt. Und diese Qualen haben es in sich – der Roman ist nichts für Zartbesaitete.

Hoher Preis der Happy Hour in der Hölle

Bobby Dollar wirkt in „Happy Hour in der Hölle“ sympathischer als im Auftaktband. Denn seine Selbstsicherheit bis hin zu Überheblichkeit kann er nicht aufrecht erhalten. Er bleibt allerdings Egoist. Denn auch wenn Bobby Dollar das System von Himmel und Hölle in Frage stellt, versucht er doch keine Revolution, sondern strebt nach seinem persönlichen Glück – zu dem ihm nur die Dämonin Caz fehlt. Ob ihnen allerdings eine gemeinsame Zukunft beschieden ist, wird erst Band 3 verraten. Im Original trägt er den Titel „Sleeping late on Judgement Day“. Die deutschen Leser dürften nächstes Jahr erfahren, wer da das Jüngste Gericht verschläft.

„Happy Hour in der Hölle – Bobby Dollar 2“ von Tad Williams ist in der Hobbitpresse von Klett-Cotta erschienen. Die gebundene Ausgabe geht über 565 Seiten und kostet 22,95 Euro, das E-Book 17,99 Euro. Die deutsche Übersetzung stammt von Cornelia Holfelder-von der Tann.

Michael J. Sullivan: Der Turm von Avempartha – Riyria 2

Michael J. Sullivan: Der Turm von Avempartha

Michael J. Sullivan: Der Turm von Avempartha – Riyria 2

Michael J. Sullivan schickt sein Diebes-Duo Riyria im zweiten Abenteuer zum Turm von Avempartha. Bei diesem handelt es sich nicht nur um eine alte Festung der Elben – er liegt auch noch direkt an der Grenze zum Elbenland. Der Turm von Avempartha ist zudem die Basis eines Monsters, das die Bewohner eines nahen menschlichen Dorfes tötet. Ein Mädchen aus Dahlgren will Hilfe holen und trifft dabei auf Hadrian und Royce. Doch die beiden helfen Thrace nicht nur aus Nächstenliebe – der Zauberer Esrahaddon hatte sie zu den Dieben geschickt. Und Esrahaddon zieht Riyria tiefer in den Kampf zwischen Kirche, Königen und Nationalisten hinein.

Mit bekanntem Personal: Der Turm von Avempartha

Die Geschichte von Riyria 2 ist leider nicht ganz so pfiffig wie die des ersten Bandes. Das liegt zum einen daran, dass bereits in „Der Thron von Melengar“ enthüllt wurde, wer die wahren Gegenspieler der beiden Meisterdiebe sind. Zum anderen ist in „Der Turm von Avempartha“ aber klarer vorgegeben, was Royce und Hadrian zu tun haben – es bleibt weniger Raum für zusätzliche Verwicklungen. Das Lesevergnügen wird dadurch aber nur leicht gemindert. Denn die Stärke der Reihe liegt darin, dass sie gekonnt zwischen amüsanten und spannenden Passagen wechselt. Das gilt vor allem für die Abenteuer von Royce und Hadrian, aber auch für Arista, Prinzessin von Melengar und alte Bekannte der Diebe. Michael J. Sullivan greift in „Der Turm von Avempartha“ überhaupt auf viel bekanntes Personal zurück, Thrace und die Bewohner von Dahlgren sind einige der wenigen Ausnahmen.

Michael J. Sullivan entwickelt Riyria weiter

Die Riyria-Reihe geht noch weiter, handelt es sich doch im Original um eine sechsbändige Serie. Der deutsche Band 3 dürfte im Frühjahrsprogramm 2015 der Hobbitpresse eingeplant sein. Der Originaltitel „Nyphron Rising“, aber auch das Ende von Riyria 2, weisen bereits darauf hin, dass die Jagd nach dem Enkel des Imperators in die nächste Runde geht. Und mit den Elben als mögliche neue Bedrohung hat Sullivan ein weiteres Element in die Geschichte gebracht, das die Rahmenhandlung noch interessanter machen dürfte.

„Der Turm von Avempartha – Riyria 2“ von Michael J. Sullivan ist in der Hobbitpresse von Klett-Cotta erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe geht über 394 Seiten und kostet 16,95 Euro, das E-Book 13,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Wolfgang Ströle.