Sam Bowring: Wächter der Lüge – eine Rezension

Sam Bowring: Wächter der Lüge

Sam Bowring: Wächter der Lüge

Mit „Wächter der Lüge“ setzt Sam Bowring seinen Fantasy-Roman „Der Herr der Tränen“ fort. Nachdem es in Band 1 darum ging, die wiederauferstandenen Wächter zusammenzubringen beziehungsweise zu zeigen, wie sich zwei Lager unter den mächtigen Magiern bilden, rückt nun der Konflikt immer näher. Doch da die Welt unter der Spannung von außerordentlicher Magienutzung zu zerreißen droht, läuft Rostigan, Yalenna und ihren Verbündeten die Zeit davon, wollen sie doch die Magie (und die Welt) heilen. Der liste Schwertkämpfer Rostigan muss seine Fähigkeiten als Meister der Lüge einsetzen, damit ihr Plan funktionieren kann.

Wächter der Lüge: simpel und gut

Sam Bowring ist eine der positiven Überraschungen des Jahres geglückt. Seine Geschichte um die Wächter ragt zwar nicht heraus und wird voraussichtlich auch nicht eines Tages als Klassiker bezeichnet werden. Doch da Bowring auch gar nicht versucht, seine Bücher größer zu machen als sie sind, kann man sie als gute Unterhaltung genießen. Dazu trägt Bowrings Sinn für Humor, der an vielen Stellen in „Wächter der Lüge“ deutlich wird, zusätzlich bei. Der Weltenentwurf ist außerdem nicht überladen, das Magiesystem nicht zu kompliziert und die Zahl der Figuren überschaubar.

Wenn man „Wächter der Lüge“ etwas vorwerfen will, ist es, dass die Auflösung am Ende zu geradlinig geraten ist – größere Überraschungen bleiben hier aus. Auch beweist Bowring einen Hang zum überglücklichen Ende, der sich so in Band 1 noch nicht abzeichnete.

Neue Bücher von Sam Bowring

Weitere Bücher von Sam Bowring sind erst einmal nicht zu erwarten. Seit 2012 hat der australische Autor kein Buch mehr veröffentlicht und seine Website ist seit Mitte Mai 2014 nicht mehr aktualisiert worden. Aus Sicht der Leser kann man nur hoffen, dass er offline an neuen Projekten arbeitet.

„Wächter der Lüge“ von Sam Bowring ist bei Blanvalet erschienen. Die Taschenbuchausgabe hat 416 Seiten und kostet 9,99 Euro, das E-Book 8,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Andreas Helweg und Michaela Link.

David Hair: Die Brücke der Gezeiten – Am Ende des Friedens

David Hair: Die Brücke der Gezeiten 2

David Hair: Die Brücke der Gezeiten 2

Am Ende des Friedens steht der Anfang des Krieges. Doch da so mancher Krieg schon verloren wurde, bevor die Kampfhandlungen begonnen haben, geht es in „Die Brücke der Gezeiten 2“ von David Hair vor allem darum, die Ausgangsposition zu verbessern. Denn ein halbes Jahr vor der Mondflut, die die Leviathanbrücke freilegt und damit eine Landverbindung zwischen Yuros und Antiopia schafft, kämpft das Kaiserreich um einen Brückenkopf. Denn nur, wenn sie das Königreich Javon kontrollieren, hat der Kreuzzug Aussicht auf Erfolg.

Handlungsstränge in „Die Brücke der Gezeiten“

Aus Band 1 – „Die Brücke der Gezeiten – Ein Sturm zieht auf“ – wissen die Leser, dass die Magierin Elena die Pläne des rondelmarischen Hofes vereitelt hat. Doch jetzt bekommt sie es mit ihrem ehemaligen Vorgesetzten und Liebhaber Gurvon Gyle persönlich zu tun. Und da dieser nichts zu verlieren hat, ist er kaum zu besiegen. Für den weiteren Verlauf der Fantasy-Reihe „Die Brücke der Gezeiten“ dürfte aber mindestens ebenso entscheidend sein, wie sich die Ereignisse in Hebusal entwickeln. Denn dorthin hat Antonin Meiros, Erbauer der Brücke und einer der mächtigsten Magier, seine junge Frau Ramita gebracht. Deren Geliebter Kazim folgt ihr jedoch, um sie zu befreien. Auf Yuros geht der gescheiterte Magierschüler Alaron Merser derweil weiter der Geschichte der Revolte in Noros nach – und macht erstaunliche Entdeckungen.

Diese drei Handlungsstränge ziehen sich durch  „Die Brücke der Gezeiten 2“. Ohne inhaltlich zu viel zu verraten, lässt sich sagen, dass sie alle drei an Punkte gebracht werden, die deutlich mehr Neugier auf die Fortsetzung wecken, als es am Ende von Band 1 der Fall war. Hier macht sich bemerkbar, dass aus einem englischen Originalband in der Übersetzung zwei Bücher wurden. Es bleibt dabei, dass die Figuren und Wendungen um Elena sowie Ramita und Kazim besser gelungen sind als Alaron und die Ereignisse in Noros.

Am Ende des Friedens

Da allen Identifikationsfiguren mehr mächtige Feinde gegenüberstehen als mächtige Verbündete an ihrer Seite stehen, müssen sie viel Mut beweisen und bekommen die Chance sich zu entwickeln. Durch die ersten beiden Bände verfolgt man als Leser gern diese Entwicklung. Bereits das nächste Buch der Reihe dürfte zeigen, wohin der Prozess geht und ob die Veränderungen der Figuren sie den Lesern auch entfremden können. Dann, wenn der Frieden zu Ende ist und der Kampf zwischen den Kulturen offen ausbricht.

In Großbritannien ist der nächste Band bereits erschienen, die US-Version kommt im September heraus. „Scarlet Tides“ (wörtlich: Scharlachrote Gezeiten) wird zeigen, wie sich der Kreuzzug über die Leviathanbrücke entwickelt. Ein Termin für die deutsche Übersetzung ist noch nicht bekannt. Bleibt es beim bisherigen Zyklus, dürfte eine Veröffentlichung im Frühjahr 2015 erfolgen.

„Die Brücke der Gezeiten – Am Ende des Friedens“ von David Hair ist bei Penhaligon erschienen. Die broschierte Taschenbuchausgabe hat – mit 30-seitigem Anhang und kurzer Zusammenfassung von Band 1 – 544 Seiten und kostet 15 Euro. Die Übersetzung stammt von Michael Pfingstl.