Greatcoats – Blutrecht von Sebastien de Castell

Sebastien de Castell: Greatcoats - Blutrecht

Sebastien de Castell: Greatcoats – Blutrecht

Vor wenigen Jahren noch sorgten die Greatcoats für Recht und Gerechtigkeit in einem von absolutistisch herrschenden Herzögen regierten Land. Doch mit dem Tod des Königs verloren die Greatcoats ihre Stellung und werden seitdem missachtet und verachtet. Ihr Name leitet sich von ihren Mänteln ab, die Pfeile und Schwerthiebe abfangen können. Zwar möchte man dem kanadischen Fantasy-Autor Sebastien de Castell zurufen „Kein Cape“, um „Die Unglaublichen“ zu zitieren, doch da in „Blutrecht“, Band 1 der Greatcoats-Reihe, die Mäntel nur selten eine große Bedeutung haben, bleibt der Ruf im Halse stecken.

Greatcoats: Zwischen Musketier und Batman

Die Greatcoats in Verbindung zu Superhelden und Musketieren à la Dumas zu setzen, liegt jedoch nah. Sie sind ihrem König treu, verteidigen die Schwachen und wollen eine korrupte, willkürliche Herrschaft in Tristia nicht akzeptieren. Im Verlaufe von „Blutrecht“ seziert de Castell jedoch den Mythos um die Greatcoats, wodurch deutlich wird, auf welch dünner Basis er entstanden ist. Den Enthüllungen über Schwächen der Kämpfer für Gerechtigkeit stehen allerdings auch Belege für fast unmenschliche Fähigkeiten gegenüber. Brasti verfehlt mit dem Bogen niemals das Ziel, Kest verliert niemals ein Fechtduell und Falco, erster Kantor der Greatcoats sowie Protagonist aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, fällt immer wieder ein Ausweg ein. Auch gibt er niemals auf.

Da Leser die Gedanken und Gefühle Falco val Monds geschildert bekommen, kommen sie ihm mit der Zeit näher. Sebastien de Castell gelingt es, seine Leser mit dem obersten der Greatcoats mitleiden zu lassen. Sein Schicksal ist den Lesern nicht egal  – womit er die Grundvoraussetzungen einer Hauptfigur erfüllt. Der Plot von „Blutrecht“ hat einige kleinere Schwächen, doch bekommt es de Castell in seinem Debütroman immer rechtzeitig hin, diese zu überspielen, sei es durch überraschende Wendungen, spannende Gefechte oder komische Szenen. Und da es sich nicht um ein endloses Epos handelt, bleibt man gern bis zum dramatischen Finale dabei.

De Castell setzt Greatcoats-Reihe fort

„Blutrecht“ schließt zwar Teile der Handlung ab, doch handelt es sich ansonsten um den Auftakt der Greatcoats-Reihe. Bereits im September (Edit: verschiebt sich wohl auf November) erscheint mit „Hochverrat“ die Fortsetzung. Weitere Bände könnten ein wenig länger dauern, da Sebastien de Castell den zweiten Teil erst vor Kurzem abgeschlossen hat und zudem noch an einer anderen Geschichte gearbeitet hat, die es hoffentlich nach Deutschland schafft: „Spellslinger“. Wie der an gunslinger (Revolverheld) angelehnte Titel bereits sagt, handelt es sich um einen Fantasy-Roman mit Western-Bezügen. Das gab es zuletzt schon häufiger, etwa von Joe Abercrombie.

„Greatcoats – Blutrecht“ von Sebastien de Castell ist bei Piper erschienen. Klappenbroschur-Ausgabe geht über 448 Seiten und kostet 16,99 Euro, das E-Book 12,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Andreas Decker.

Herbstvorschau Heyne, Blanvalet und Penhaligon 2014: Wenig Fantasy

George R.R. Martin und dann lange nichts. So könnte man die Herbstvorschauen 2014 von Heyne, Blanvalet und Penhaligon zusammenfassen. Das ist natürlich sehr pauschal geurteilt, doch zeigt sich ganz deutlich der Trend, zu veröffentlichen, was sich ziemlich sicher verkauft. Und da steht G.R.R. Martin weit oben auf der Liste.

Heyne bringt im November 2014 und Februar 2015 Kurzgeschichtensammlungen heraus. „Traumlieder“ und „Schwertlieder“ sind zwar deutsche Erstausgaben, doch dass sie erst in der Übersetzung erscheinen, als die Verkaufszahlen des „Liedes von Eis und Feuer“ durch die Decke gehen (laut Penhaligon mehr als 3,5 Millionen Gesamtauflage), spricht Bände. Auch Penhaligon will da weiter mitmischen und bringt die Wild-Cards-Reihe in Deutsch heraus. Auch diese Geschichten aus einer Welt, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund eines Virus‘ anders entwickelt, ist beileibe nicht neu. Eine erste Serie erschien bereits Ende der 80er-Jahre, nach Martins Erfolg mit dem „Lied von Eis und Feuer“ kam es 2008 zu einer Wiederbelebung. „Inside Straight“ kam damals als erster von bislang vier Bänden heraus und ist ab August in der deutschen Übersetzung erhältlich.

Herbstvorschauen 2014: Dann ist da noch der Hobbit

Nicht vergessen darf man jedoch, dass es vor Martin bereits Tolkien gab. Dessen Hobbit wurde ja in einer dreiteiligen Verfilmung zum Riesen. Da der dritte Teil im Dezember in die Kinos kommt, sollen Bücher, die irgendwie einen Bezug dazu haben, um diese Zeit erscheinen. Bei Heyne sind das „Die letzte Schlacht der Halblinge“ von Dennis L. McKiernan und „Orks vs. Zwerge – Der Schatz der Ahnen“ von den Orgels.

Heyne setzt außerdem natürlich auf das hauseigene Zugpferd Joe Abercrombie. Der hat nämlich ein neues Werk abseits der Klingen-Welt begonnen, die sich mehr an jüngere Leser richtet. „Königsschwur“ erscheint im Februar 2015, ein weiterer Band dürfte ein paar Monate später folgen. Freuen dürfen sich Fantasy-Leser auf den vierten Band der „Chroniken von Thomas Covenant“, Stephen Donaldons „Die letzte Dunkelheit“ kommt im April heraus. Zum Abschluss wird im selben Monat die Wächter-Reihe von Sergei Lukianenko kommen. „Die letzten Wächter“ dürften Anton noch einmal fordern. Bereits im Januar kommt „Der Ruf des Drachen“ heraus, der zweite Teil von Pierre Grimberts „Saga von Licht und Schatten“.

Blanvalet und Penhaligon im Herbst 2014

Was bei Penhaligon außer den „Wild Cards“ von Martin noch erscheint, ist schnell erzählt. Für mit Harry Potter und Tintenherz großgewordene Leser gehen die Abenteuer von Jake Djones weiter. Damian Dibben stellt im Oktober 2014 „Die Dynastie des Bösen“ vor, Andrea Schacht schickt ihre Katzen bereits einen Monat zuvor zum „Jägermond“ und Trudi Canavan startet im November ihre neue Trilogie mit „Die Begabte“ (dieses Mal zeigt die Kapuzenheldin auf dem Titel erstaunlich viel Busen).

Blanvalet setzt vor Weihnachten angefangenes fort. Mark Barnes schreibt die Geschichte der „Echoes of Empire“ weiter, Band 2 heißt in Deutsch „Das schwarze Herz“. Im neuen Jahr geht es mit der „Bibliothek der schwarzen Magie“ passend los; „Die Wissende“ ist der Titel der neuen Reihe von Christopher Nuttal. Düsterer als schwarz könnte noch „Das Tor der Erlöser“ werden, denn Adam J. Dalton bietet zum Jahreswechsel heroische Fantasy (Fortsetzung von „Das Wispern der Schatten“).

Deutsche Autoren hat Blanvalet auch im Angebot. Von Torsten Fink kommt im Februar „Tochter der Schwarzen Stadt“ heraus. Auch Fink setzt also nach seinen Assassinen-Büchern weiter auf düsterere Settings. Auf den Meister der zynisch-dunklen Geschichten verweist der Verlag gar für eine Neuerscheinung im März: „Das Schwert der Drachen“ stammt aus der mächtigen Feder von Wolfgang Thon. Im April folgen schließlich noch „Der unrechte Wanderer“ von Michael Marcus Thurner sowie „Das Vermächtnis der Zauberer“ von Cinda Williams Chima.