Die Republik der Diebe von Scott Lynch: eine Rezension

Scott Lynch: Die Republik der Diebe

Scott Lynch: Die Republik der Diebe

Mit „Die Republik der Diebe“ kehrt Locke Lamora nach langer Auszeit zurück. Zu Beginn des Fantasy-Romans sieht es nicht gut für ihn aus. Das Gift in seinem Körper breitet sich immer weiter aus. Selbst sein treuer Freund Jean Tannen verliert langsam die Hoffnung. Da kommt die Rettung ausgerechnet in Gestalt der Soldmagier, die den beiden Gentleman-Ganoven schon lange auf den Fersen sind und sie doch eigentlich vernichten wollen. Sie heuern die Diebe an, und für Locke und Jean ist klar, dass sie bei diesem Auftrag nichts zu gewinnen haben.

Die Republik der Diebe des Scott Lynch

Wer die eigentliche Hauptfigur der „Republik der Diebe“ ist, wird gleich auf dem deutschen Cover des Fantasy-Romans von Scott Lynch deutlich: die rothaarige Sabetha, die große Liebe Lockes. In den ersten beiden Romanen der Gentleman-Ganoven-Reihe war sie bereits präsent als die einzig wahre Frau im Leben des Locke Lamora, doch dieses Mal steht die Beziehung der beiden im Mittelpunkt. Scott Lynch begnügt sich aber nicht damit, die beiden nach fünf Jahren, in denen sie sich nicht gesehen haben, wieder aufeinandertreffen zu lassen. Dass die Soldmagier das Paar gegeneinander antreten lassen und sie daraus ein perverses Vergnügen ziehen, ist nur die eine Seite. Damit lassen sich nämlich kaum die mehr als 900 Seiten füllen. Lynch kehrt daher in „Die Republik der Diebe“ weit in die Vergangenheit zurück und damit auch nach Camorr. Er beginnt mit der Kindheit von Locke und Sabetha sowie ihrer Ausbildung bei Chains und schildert dann, wie die beiden erstmalig ein Paar wurden.

Diese „Zwischenspiel“ genannten Abschnitte handeln vom langen Weg zur Aufführung des Theaterstücks „Die Republik der Diebe“ und geben Lynch nicht nur Gelegenheit, sein Liebespaar vorzustellen, sondern auch noch einmal die Zwillinge Galdo und Calo zu nutzen. Für ein Zwischenspiel nehmen diese immer wieder eingestreuten Kapitel allerdings sehr viel Raum, zu viel Raum ein. Der eigentliche Handlungsstrang in Karthain tritt dagegen in den Hintergrund. Waren im Vorgänger „Sturm über roten Wassern“ die Intrigen und die Diebesgeschichte überladen, so sind die Einfälle im Kampf von Locke und Jean gegen Sabetha ziemlich lahm, selten überraschend und nur manchmal amüsant.

Die Gentleman-Ganoven-Reihe geht weiter

Amüsanter sind die Theaterszenen in den Zwischenspielen. Doch sind sie eben auch nicht zielführend. Die Konflikte in der Beziehung zwischen Sabetha und Locke wurden damals nicht gelöst. Ginge es also rein um den Hintergrund der Beziehungsprobleme, hätte sich das Ganze eleganter einflechten lassen. So enttäuscht „Die Republik der Diebe“. Am Ende nimmt der Fantasy-Roman an Fahrt auf. Doch die dann gestellten Weichen führen auf einen Weg, den Locke und Jean erst in den Folgebänden gehen werden. Sieben Bände soll die Gentleman-Ganoven-Reihe mal umfassen. Nummer vier wird den Originaltitel „The Thorn of Emberlain“ tragen.

„Die Republik der Diebe“ von Scott Lynch ist bei Heyne erschienen. Der dritte Band der Gentleman-Ganoven-Reihe geht über 944 Seiten und kostet 16 Euro. Die deutsche Übersetzung stammt von Ingrid Herrmann-Nytko.

Michael J. Sullivan: Der Thron von Melengar – Riyria 1

Michael J. Sullivan: Der Thron von Melengar

Michael J. Sullivan: Der Thron von Melengar

Das Diebes-Duo mit dem seltsamen Namen Riyria hat sich eine Ausnahmestellung unter den Dieben des Königreiches Melengar erarbeitet. Doch Hadrian und Royce haben sich auch Feinde gemacht. Ein mächtiger Gegner schiebt ihnen gar die Ermordung des Königs in die Schuhe – es geht um den Thron von Melengar. Um aus dieser Falle zu entkommen, müssen die Diebe plötzlich ehrenhaft handeln. Was ihnen aber nicht schwerfällt, haben doch beide einen guten Kern.

Michael J. Sullivan setzt im THron von Melengar auf Gegensätze

Geschichten über Diebe sind fester Bestandteil des Fantasy-Genres. Michael J. Sullivan erweitert mit den Riyria-Büchern den Bestand an Diebesgeschichten zwar nicht um eine besonders originelle, dafür jedoch stets vergnügliche Variante. Sein Helden-Duo ist auf Gegensätze aufgebaut. Hadrian ist ein großgewachsener Schwertkämpfer und Bogenschütze, der von Ruhm und Ehre träumt. Royce dagegen ist ein kleinwüchsiger Akrobat und professioneller Einbrecher, den das Leben hat zum Zyniker werden lassen. Der verbale Schlagabtausch der beiden Diebe sorgt für gute Unterhaltung.

Mit einem umständlichen Weltentwurf hält sich Sullivan in „Der Thron von Melengar“ nicht auf. Tolkien-Völker wie Elben und Zwerge übernimmt er zwar, was einen Erfolg in Deutschland erleichtern könnte. Doch haben die Vertreter zunächst wenig mit ihren Vorbildern zu tun und spielen auch nur eine Nebenrolle. Für seine Götterwelt bedient sich Sullivan ebenfalls fleißig bei anderen Fantasy-Werken. Die Beschreibungen des Kontinents, der Sitten und Gebräuche sind auf das Nötigste reduziert.

Riyria mit Hadrian und Royce geht weiter

So eignet sich das Buch gut für Leser, die epische Wälzer und komplexe Erzählungen satthaben. Doch auch wenn die Geschichte abgeschlossen ist, gehen die Abenteuer von Riyria weiter – sechs sind es im Original. Hinzu kommen die Riyria Chronicles, die die Vorgeschichte des Diebes-Duos erzählen. Sullivan, geboren 1961, hatte seine ersten Geschichten um Hadrian und Royce ab 2008 zunächst im Eigenverlag herausgebracht und konnte sich über einen wachsenden Erfolg freuen. Mehr als 70.000 Bücher konnte er nach eigenen Angaben verkaufen. Kein Wunder, dass Verlage auf ihn aufmerksam wurden. Inzwischen hat er laut seiner Website mehr als 400.000 Bücher verkauft.

Da verwundert es nicht, dass er auch einen deutschen Verlag gefunden hat. Noch ist nicht klar, ob alles sechs Riyria-Romane im deutschsprachigen Raum erscheinen. Klett-Cotta hat erst einmal angekündigt, dass Riyria 2 im Spätsommer erscheinen wird. Band 2 trägt den Titel „Der Turm von Avempartha“. Band 3, „Der Aufstieg Nyphrons“, soll im Frühjahr 2015 folgen.

„Der Thron von Melengar“ – Riyria 1 von Michael J. Sullivan ist in der Hobbitpresse von Klett-Cotta erschienen. Die broschierte Paperbackausgabe geht über 379 Seiten und kostet 16,95 Euro.

Piper-Fantasy im Herbst 2014 mit Alexey Pehov, Thomas Finn und Sebastien de Castell

Es ist eindeutig Frühling geworden – Zeit einen Blick auf den Herbst zu werfen. Also den Bücher-Herbst. Piper kündigt nämlich bereits erste Titel an, im Fantasy-Programm mit einigen bekannten Namen. Hier also ein erster Ausblick auf Piper-Fantasy zwischen September und Dezember 2014.

Neues von Peinkofer, Finn und De Castell

Mitte September erscheint der bereits zweite Band der Königsreihe von Michael Peinkofer. Sind also Orks und Zauberer bereits durch? Nein, nein, auch sie spielen in „Kampf der Könige“ eine wichtige Rolle. Nicht zu vergessen die Schattendrachen. Ebenfalls Mitte September kommt die Fortsetzung des ersten Greatcoats-Romans heraus. Wem also der im Mai erscheinende Auftakt der Geschichte von Sebastien de Castell gefällt, darf sich auf eine rasche Fortführung freuen. „Hochverrat“ ist der Titel von Band 2.

De Castell kommt aus Kanada, von wo aus es nicht weit bis nach Chicago ist. Und dort erblickte Thomas Finn 1967 das Licht der Welt. Mittlerweile lebt er längst in Hamburg und genießt das Leben an Alster und Elbe. Warum der Satz so nah am Wasser gebaut ist? Im als Thriller kategorisierten „Aquarius“ (ab Mitte Okotber) geht es um Wassergeschöpfe. Nixen gibt es im Roman nämlich wirklich, und sie haben nicht viel Ähnlichkeit mit der kleinen Meerjungfrau. In ganz andere Tiefen entführt Wolfgang Hohlbein, inzwischen Star einer eigenen Doku-Soap, seine Leser in „Der Ruf der Tiefen“. Wer sich mit den Geschöpfen der Hölle auseinandersetzen möchte, hat ab Mitte Oktober dazu Gelegenheit.

Alexey Pehov und die Dunkelelfen

Spätestens seit R.A. Salvatore wissen Fantasy-Leser, dass Dunkelelfen auch aus der Unterwelt stammen. Wo sie bei Alexey Pehov wohnen, bleibt erst einmal offen. In „Dunkeljäger“ wird ab Mitte Oktober aber auch diese Frage beantwortet. Darin will der dunkle Elf (= Dunkelelf) Lass den Kampf zweier Familien um seine Heimat beenden. Das geht natürlich nicht so leicht, zumal noch ein weiterer Feind auftaucht. Werden es nun die „Chroniken des Dunkelelfen“? Mehr dazu spätestens im Oktober.

Der November bringt nichts weniger als den „Kampf des Jahrhunderts“. Jan Oldenburg richtet ihn aus. Der Seraph-Preisträger von 2013 bleibt der humorvollen Fantasy treu und will sich eine treue Fan-Gemeinde aufbauen. „Tyrann vs. Schmied“ hätte sein Werk auch heißen können, doch dieser Titel war vermutlich schon geschützt.

Ach ja, bei Piper-Fantasy fällt ja alles Phantastische unter dieses Label (außer dem, was bei ivi erscheint). Im November kommt es daher zu einem Wiedersehem mit einem Mystery-Thriller-Helden. John Cleaver darf wieder Dämonen jagen oder sich von ihnen jagen lassen. „Made in Germany“ könnte auf dem Cover stehen, denn Autor Dan Wells hat sich bei Stuttgart niedergelassen. „Du bist noch nicht tot“ heißt Band 4. Im Dezember erscheint dazu noch Band 3 der Killer-Reihe von Jennifer Estep, „Spinnenjagd“.