Die Brücke der Gezeiten – Ein Sturm zieht auf von David Hair

David Hair: Die Brücke der Gezeiten 1 - Ein Sturm zieht auf

David Hair: Die Brücke der Gezeiten 1 – Ein Sturm zieht auf

Die Mondflutbrücke ist die einzige Landverbindung zwischen den beiden Kontinenten Yuros und Antiopia. Allerdings ist sie nur alle zwölf Jahre zugänglich, wenn sie sich aus den Fluten erhebt – eine Brücke der Gezeiten. Der neuseeländische Fantasy-Autor David Hair hat sich diese originelle Konstruktion für seine Fantasy-Saga „Brücke der Gezeiten“ überlegt. Mit „Ein Sturm zieht auf“ stellt er zunächst seine Fantasy-Welt, die Grundzüge des zentralen Konflikts und die Protagonisten seiner Geschichte vor.

Mit den Figuren von „Brücke der Gezeiten“ warm werden

Da ist zunächst Alaron, ein Jugendlicher mit dem Status eines Viertelmagiers, der kurz vor der Abschlussprüfung in seiner Magierschule steht. Als Viertelmagus und Sohn eines Händlers hat er es sowohl mit seinen Mitschülern als auch den Lehrern schwer. Da ihm zudem jedes Gespür für Politik und Zeitgeschichte abgeht, bringt er sich selbst in Schwierigkeiten. Seine Naivität ist zum Teil schwer zu ertragen, auch wenn ihn David Hair eindeutig als Sympathieträger und jugendliche Identifikationsfigur vorgesehen hat.

Zwiespältiger angelegt ist da schon Elena. Sie diente einst als Attentäterin den Rebellen von Rondelmar, als sie sich gegen das Kaiserreich auflehnten. Doch in ihrer neuen Rolle als Leibwächterin der königlichen Familie von Jarvon fühlt sie sich so wohl, dass sie ihre Vergangenheit als Assassine am liebsten hinter sich lassen würde. Doch das ist nicht leicht, ist ihr Chef Gurvon Gyle doch zugleich ihr Liebhaber.

Und dann ist da noch Ramita in „Die Brücke der Gezeiten“. Die junge Frau lebt in Lakh, fernab der Hauptgeschehnisse, findet sich jedoch plötzlich im Zentrum des Konfliktes wieder. Denn der mächtige Magier und Erbauer der Mondflut- oder auch Leviathanbrücke, Antonin Meiros, hat ausgerechnet sie zur Mutter seines dringend benötigten Erbes auserkoren. Von den Protagonisten ist Ramita noch die am besten gelungene Figur, beschreibt Hair ihr Innenleben so, dass ihre Handlungen nachvollziehbar sind. Gelungen sind auch verschiedene Nebenfiguren, aus deren Sicht ebenfalls ein Teil der Handlung geschildert wird.

David Hair hat sehr reale Vorlagen verwendet

Die Welt der „Brücke der Gezeiten“ besteht aus den zwei erwähnten Kontinenten. Yuros steht dabei für den Westen, Antiopia für den Osten. Als Vorlage dienen David Hair Europa und Asien. Yuros wird von einem Kaiserreich beherrscht, das seinen – ans römische Reich angelehnten – Vorgänger im Zuge einer religiösen Erweckung überrannt hat. Im Rahmen dieser Erweckung begann der Aufstieg der Magier. Das neue Reich vereint sowohl weltliche als auch geistige Macht, Kaiser und Kirche sind vereint. So kann die religiöse Macht genutzt werden, um den Kreuzug gegen Antiopia zu rechtfertigen, der dank der magischen Überlegenheit militärisch zu gewinnen ist. Ein Minuspunkt: Die Orientierung an Vorlagen aus der realen Welt geht für Yuros zum Teil so weit, dass David Hair Augustus und Napoleon zugeschriebene Zitate in die Handlung einbaut.

Dem Kreuzzug des Westens steht der Heilige Krieg im Osten gegenüber. Antiopia entspricht zum einen dem Nahen Osten (zu Zeiten des frühen Mittelalters) und zum anderen mit Lakh auch einem Teil, der an den indischen Subkontinent angelegt ist. Die Beschreibung des Lebens in Lakh gelingt Hair am besten; hier schimmert durch, dass er jahrelang in Indien gelebt hat.

Eine Fantasy-Saga über acht Bücher

David Hair hat seine Reihe nach eigenen Angaben auf vier Bände angelegt. Für deutschsprachige Leser bedeutet das, dass sie sich auf doppelt so viele Bücher einstellen dürfen. Denn bereits „Ein Sturm zieht auf“ entspricht nur der Hälfte des Originalbandes „Mage’s Blood“. Band 2 trägt den Titel „Scarlet Tides“ (also dunkelrote Gezeiten oder auch blutige Gezeiten) und ist in Großbritannien und Australien bereits erschienen. Die deutsche Fassung könnte daher im Herbst folgen. Zunächst erscheint jedoch die zweite Hälfte des ersten Originalbandes – „Die Brücke der Gezeiten 2 – Am Ende des Friedens“ kommt Ende Juni in den Handel und führt die Geschichte um Elena, Ramita und Alaron weiter. Dann wird sich schon besser absehen lassen, ob Hairs Fantasy-Saga überzeugen kann – Band 1 schafft es nicht restlos.

„Die Brücke der Gezeiten – Ein Sturm zieht auf“ von David Hair ist bei Penhaligon erschienen. 512 Seiten ist die Paperback-Ausgabe lang und kostet 15 Euro glatt. Die deutsche Übersetzung stammt von Michael Pfingstl, der für Penhaligon etwa die Jack-Djones-Romane ins Deutsche überträgt.

Neues Jahr, neues Design und alte Bekannte

Eine Woche ist das neue Jahr nun alt und hat für den Fantasy Weblog bereits eine sichtbare Veränderung gebracht. Nach einigen Jahren mit nur geringen Anpassungen war es an der Zeit, hier mal etwas Neues zu wagen. Und auch wenn in der Mainstream-Fantasy (besonders in der anglo-amerikanischen Welt) weiterhin „dark and gritty“ dominiert, muss sich das ja nicht optisch im Blog-Design widerspiegeln.

2013 war das Jahr von George R.R. Martin

Womit wir auch schon beim kurzen Rückblick auf 2013 wären. Die Hobbit-Verfilmungen haben die Buchwelt nur wenig befeuert, schaut man auf die Jahresbestsellerlisten von „Spiegel“ und „Amazon“. Von einer neuen Fantasy-Welle ist nichts zu spüren. Eine Fernsehrverfilmung hatte hingegen große Auswirkungen. „Game of Thrones“ ist nicht nur eine der am häufigsten gesehene (ob im Fernsehen, auf DVD oder im Stream) Serie, sie hat auch dazu geführt, dass George R.R. Martin seine Bücher noch häufiger loswerden konnte. Selten zuvor hat ein Autor so sehr die Bestsellerlisten dominiert wie Martin die für Paperback-Ausgaben. Und dabei war es mal wieder ein Jahr ohne neues Buch des geistigen Vaters des „Liedes von Eis und Feuer“.

Neues gab es hingegen von Brent Weeks, Daniel Hanover, Joe Abercrombie, Peter Brett sowie von manch anderen bekannten und neuen Autoren. „Dolch und Münze“ von Daniel Hanover wird im neuen Jahr weitergehen, auch von Scott Lynch wird es endlich wieder etwas zu lesen geben („Die Republik der Diebe“), neue Namen wie David Hair und Mark Barnes bringen hoffentlich nicht nur Echos der Vergangenheit. Und aus Deutschland kommen der zumindest vorläufige Abschluss der Legenden der Albae von Markus Heitz sowie der dritte Band der Zwölf-Wasser-Trilogie von E.L. Greiff.

Es verspricht also durchaus ein interessantes Jahr zu werden, auch wenn die Zahl der neugierig machenden Werke gefühlt deutlich zurückgegangen ist. Aber noch sind ja erst die Frühjahrs- und Sommerprogramme angekündigt und steht der Herbst noch aus.