Sam Bowring: Der Herr der Tränen – eine Rezension

Sam Bowring: Der Herr der Tränen

Sam Bowring: Der Herr der Tränen

Mehr als 300 Jahre sind nach dem Tod des Herrn der Tränen vergangenen. 300 Jahre stand die Menschheit auch nicht unter dem Einfluss der Wächter. Doch noch immer ist die große Magie außer Kontrolle, ist die Wunde nicht geschlossen, die der Herr der Tränen ihr schlug. Rostigan ist daher nicht überrascht, als nach einem Beben ungewöhnliche Ereignisse eintreten. Er muss erkennen, dass es noch mehr davon geben wird – denn die Wächter sind zurückgekehrt.

„Der Herr der Tränen“ ist nicht zum Heulen

Mit „Der Herr der Tränen“ erfindet Sam Bowring die Fantasy beileibe nicht neu. Weder die Geschichte von mächtigen Wächtern, noch die Idee, dass die Magie eines getöteten Magiers auf den Überlebenden übergeht, ist originell. Doch auf Originalität allein kommt es ja nicht an. Wenn Bowring hier etwas vorzuwerfen ist, ist es, dass die Wächter so lange brauchen, um zu verstehen, dass sie durch das Töten eines Konkurrenten seine Kräfte übernehmen können.

Dem australischen Autor gelingt es, eine unterhaltsame Geschichte zu entwerfen. Sie lebt von den Charakteren, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird. Und das sind die auferstandenen Wächter sowie Rostigan. Die Figuren sind nicht sehr komplex angelegt, doch zumindest verfügen sie über genügend Stärken und Schwächen, um nicht zur reinen Karikatur zu verkommen – auch wenn einzelne Wächter karikaturhafte Züge haben.

Die Beschreibung der Welt fällt hingegen eher kurz aus. Zwar werden die politischen Beziehungen einzelner Königreiche angesprochen, doch führt Bowring dies nicht näher aus. Auch die Funktionsweise der Magie wird zwar beschrieben, aber nicht so penibel, dass ein ganzes Magie-System entsteht, wie es etwa Brandon Sanderson gern macht. Bowring will seine Leser weder überfordern noch langweilen – und schafft so solide Unterhaltung.

Sam Bowring kommt zu einem Ende

Wie der Kampf der Wächter untereinander und der Versuch, die Welt zu heilen, ausgehen, wird im Juni 2014 enthüllt. Dann erscheint mit „Wächter der Lüge“ die Fortsetzung, die zugleich die Dilogie abschließt. Warum man hier nicht näher am Originaltitel, „The Lord of Lies“, geblieben ist, bleibt das Geheimnis des Verlags – wer „Der Herr der Lügen“ ist, wird nämlich bereits im ersten Band enthüllt. Vielleicht wollten man nicht noch einen Titel, der an den „Herrn der Ringe“ erinnert oder der Titel für Band 2 stand fest, ehe der erste übersetzt war.

„Der Herr der Tränen“ von Sam Bowring ist bei Blanvalet als Taschenbuch erschienen. Für die 448-Seiten-Ausgabe werden 9,99 Euro fällig, für das E-Book 8,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Michaela Link, die etwa die Fantasy-Romane von Trudi Canavan ins Deutsche übertragen hat.

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