Blanvalet-Fantasy: Das Frühjahrsprogramm 2013

Das alte Jahr hat seinen letzten Atemzug noch nicht gehaucht, da kündigt sich das neue bereits mit einer frischen Brise an. Blanvalet hat bereits das Frühjahrsprogramm online gestellt und setzt auf eine Mischung aus neuen Autoren und altbekannten, Fortsetzung von Reihen und Auftaktbänden.

Unrechte Halblinge und ein königliches Schwert 

Im April geht es los mit dem zweiten Teil des „Gewölbes des Himmels“ von Peter Orullian, auf den „Vergessenen“ folgt „Der Unrechte“. Es handelt sich dabei um die Übersetzung der zweiten Hälfte des Originalbandes. Im Mittelpunkt steht mal wieder ein junger Held, dessen Schicksal eng mit dem seiner Welt verbunden ist.

Einen zweiten Teil wird es auch vom „Hobbit“ auf der Leinwand geben. Alfred Bekkers Halblinge bekommen auch eine Fortsetzung – sie dürfen ihr Vermächtnis in „Das Erbe der Halblinge“ kennenlernen (im Mai). Im selben Monat kommt vom Fabrikschreiber R.A. Salvatore „Charons Klaue“ heraus, Niewinter 3. Schließlich erscheint noch „Das Schwert der Königin“ von Duncan Lay, die Fortsetzung einer Geschichte, die auf Deutsch Anfang 2013 beginnt.

Die Säulen von Blanvalet-Fantasy im Frühjahr 2013

Einen neuen Anlauf startet Blanvalet im Juni mit Maja Winter. Mit „Die Säulen der Macht“ erscheint ihre zweite Trilogie (Dank an Gerd für die Fehlerberichtigung). Außerdem erscheint der Abschlussband der Assassinen-Trilogie von Torsten Fink: „Der Prinz der Skorpione“.

Große Hoffnungen setzt man auf „Die Karte der Welt“, die einen Monat später herauskommt. Diese Fantasy-Saga, die Anleihen bei Klassikern wie „Taran“ nimmt, stammt aus der Feder von Royce Buckingham. Der Schöpfer „Dämlicher Dämonen“ gehörte zum allerersten Penhaligon-Programm, erscheint nun aber mit der neuen Geschichte gleich bei Blanvalet. Ein ganz anderes Publikum könnte sich für „Brennender Wind“ interessieren, den dritten und letzten Band des „Bundes der Illusionisten“ von Glenda Larke.

Im September erhält der „Codex Alera“ seine Taschenbuch-Premiere. Jim Butchers Saga starte mit „Die Elementare von Calderon“. Wichtiger jedoch: Im September erscheint auch „Tod eines Gottes“ von Steven Erikson, die ersehnte Fortsetzung von „Die Stadt des blauen Feuers“. Damit endet das Frühjahsprogramm und macht Platz für den Bücher-Herbst. Und der wird bestimmt noch manche Brise bringen.

Fantasy-Jahr 2012: Bestsellerlisten, E-Books und gute Bücher

2012 war das Jahr der Bestsellerlisten und der E-Books. Das gilt zwar für die gesamte Buchbranche, aber in besonderem Maße für die Fantasy, ist sie doch von Änderungen bei der Bestsellerauflistung und vom Vormarsch der E-Books stark betroffen.

Fantasy-Titel wechseln die Bestsellerlisten

Beginnen wir mit den Listen. Gab es früher eine für gebundene Bücher und für Taschenbücher, getrennt nach Belletristik und Sachbuch, so gilt das schon längst nicht mehr. Erst kamen Kinder- und Jugendbücher hinzu, die der mächtige Spiegel für seine Publikationen für junge Leser einführte. Dann folgte Anfang 2012 die große Ankündigung, Paperbacks nicht mehr in der Hardcover-Liste führen zu wollen, sondern sie den Taschenbüchern zuzuordnen. Zu sehr werde das Ergbnis verzerrt, wenn die im Vergleich nur leicht günstigeren Paperbacks die vorderen Plätze dominierten. Der Aufschrei unter den Verlagen war nicht zu überhören – vor allem Verleger von Krimis und Fantasy-Büchern zeigten sich betroffen, würden ihre Erfolgsgaranten doch an Sichtbarkeit im Buchhandel verlieren. Der Deutsche Taschebuchverlag plante sogleich, einzelne Titel künftig gebunden herauszugeben.

Doch der interne Druck wurde zu groß. Statt die Paperbacks den Taschenbüchern gleichzusetzen (vor allem deutschen Erstausgaben problematisch), bekamen sie eine eigene Liste: Die Paperback-Liste wird seit Herbst 2012 im Kulturspiegel  des Hamburger Magazins und auf SPON veröffentlicht. Dort dominieren nun Erotik-Bücher verschiedener Schattierungen, Krimis und Fantasy-Romane. Nun ja, vor allem die Neuausgaben des „Liedes von Eis und Feuer“ hat es bislang mit verschiedenen Bänden hier hinein geschafft (Erstausgaben sind es natürlich nicht).

E-Books – die Fantasy wird digital

Bald wird sicherlich auch eine eigene Liste für E-Books eingeführt. Schließlich setzen sich die elektronischen Ausgaben langsam durch, auch wenn wir von amerikanischen Verhältnissen glücklicherweise noch weit entfernt sind und sich die Amazonisierung noch in Grenzen hält. Doch die Verlage stärken bereits das E-Book-Geschäft, Raubdigitalisierern will man das Feld nicht überlassen und kämpft auch um Leser digitaler Ausgaben. Ein Beispiel sind die neuen Albae-Kurzgeschichten von Markus Heitz, die Piper als E-Book herausgibt. Es wird also künftig noch mehr E-Ink fließen, vor allem wenn die Preise zurückgehen sollten.

Rückblick auf neue Fantasy-Bücher 2012

Nicht vergessen werden sollen aber Inhalte. Davon gab es in der Fantasy 2012 einige gute (auch wenn sie nicht alle in irgendwelchen Listen auftauchten). Bereits in der ersten Jahreshälfte feierten drei Autoren ihr deutsches Debüt, von denen hoffentlich künftig noch mehr zu lesen sein wird: Douglas Hulick, Alex Bledsoe und Mark Charan Newton. In der zweiten Jahreshälfte ragten Daniel Hanover-Abraham, ein kurzer Roman von Brandon Sanderson und der endlich fortgesetzte Steven Erikson heraus. Die größte Resonanz gab es sicherlich auf die neuen Bücher von George R.R. Martin. „Der Sohn des Greifen“ und „Ein Tanz mit Drachen“ setzten nach langer Wartezeit „Das Lied von Eis und Feuer“ fort. Und auch wenn der Meister nicht mehr ganz an seine alten Leistungen anknüpfen konnte, überwiegt doch die Freude, dass er sein Werk zu einem Abschluss bringen könnte. Eines fernen Tages zumindest.

Bleibt noch ein kurzer Ausblick auf 2013: Brent Weeks setzt seine Licht-Trilogie fort, Peter V. Brett seine Dämonen-Reihe, David A. Durham schließt seine Acacia-Trilogie ab und ein Gemmell erscheint postum. Und das ist erst das Frühjahr.

Richard Schwartz: Der Falke von Aryn – eine Rezension

Cover von Der Falke von Aryn

Richard Schwartz: Der Falke von Aryn

Der Falke von Aryn ist verschwunden. Die der Göttin Isaeth geweihte Statue ist von unschätzbarem Wert – gewöhnliche Diebe könnten zwar den Falken einschmelzen und das Gold zu Geld machen. Nicht zu ersetzen ist jedoch der symbolische Wert, steht der Falke doch für die Verbindung der Stadt Aryn mit dem Frankenreich. Sollten also Separatisten hinter dem Diebstahl stecken, könnte es zu schweren Unruhen kommen und zu Spannungen zwischen dem Kaiserreich und dem Königreich Manvere.

Richard Schwartz und der Falke von Aryn

Beide Regierungen schicken daher Ermittler nach Aryn. Lorentha vertritt als Mitglied der Garda die Franken und sucht als Schwertkämpferin ihresgleichen. Lord Raphanael kommt aus Manvere. Zugleich weiß er die Macht des Ordens hinter sich und verfügt über magische Mittel bei der Diebessuche. Mit Schwert und Magie sind die beiden gut gerüstet, doch die Dinge sind komplizierter. Lorentha geht es weniger um den Falken – sie will die Mörder ihrer Mutter finden und legt sich dabei mit den Mächtigen von Aryn an.

Schon der Titel spielt auf den „Malteser Falken“ an, die Handlung enthält zahlreiche Krimi-Elemente, einen klassischen Detektivroman hat Richard Schwartz mit seinem „Falken von Aryn“ dennoch nicht vorlegelegt. Denn die Deduktion ist auf die Untersuchung am Tatort und ein paar Zeugenbefragungen beschränkt. Das Rätsel um den verschwundenen Falken und die Ermordung von Lorenthas Mutter sind nur die Aufhänger die Geschichte über eine Frau, die von Schicksalsschlägen schwer gezeichnet ist. Die Majorin der Garda ist die wichtigste Figur, auch wenn die Ereignisse nicht komplett aus ihrer Sicht geschildert werden, sondern Schwartz auch die Perspektive von Raphanael und anderen einnimmt. Lorentha macht die größte Entwicklung durch, und dass der Magier daran großen Anteil haben wird, ist schnell ersichtlich. Vieles in der Beziehung der beiden zeichnet sich klar ab, dennoch ist es Schwartz gelungen, die Annäherung amüsant zu halten.

Der Falke von Aryn und seine Verbindung zu Askir

„Der Falke von Aryn“ ist ein Einzelroman, der nicht mit den Askir-Romanen von Richard Schwartz verknüpft ist. Die an ein historisches Europa angelehnte Welt ist eine andere. Das Frankenreich beherrscht den Kontinent, doch da das Schießpulver bereits erfunden ist und Lorentha über Steinschlosspistolen verfügt, ist der technologische Standard nicht mit dem der mittelalterlichen Franken zu vergleichen (deren magische Fähigkeiten dürften sich auch in Grenzen gehalten haben). Aryn selbst verlegt Schwartz auf eine Irland nachempfunden Insel: dem Königreich Manvere. Mit der Verknüpfung aus Detektivroman und Fantasy-Roman greift Schwartz jedoch auf gewohnte Muster zurück. Ohne alte Fans zu vergraulen, könnte er sich mit dem „Falken von Aryn“ neue Leserkreise erschließen. Manches im Fantasy-Roman, wie etwa die Gesellschaftskritik, wirkt zwar bemüht und oberflächlich. Insgesamt ist Schwartz jedoch ein sehr unterhaltsames Buch gelungen, bei dem vor allem die Mischung aus Action, Witz und Spannung überzeugt.

„Der Falke von Aryn“ von Richard Schwartz ist 2012 bei Piper erschienen. Die Klappenbroschur-Ausgabe hat 460 Seiten und kostet 16,99 Euro.