Zehn Jahre Piper-Fantasy – ein Interview mit Programmleiter Carsten Polzin

Vor zehn Jahren kam im Herbst das erste Programm von Piper-Fantasy heraus. Seitdem hat sich der Verlag zu einer festen Größe in der deutschen Fantasy entwickelt. Ein Interview mit Carsten Polzin, seit 2005 Programmleiter von Piper-Fantasy, zur Entwicklung des Programms, der richtigen Länge einer Geschichte und der Bedeutung von E-Books für das Fantasy-Genre.

Herr Polzin, was unterscheidet Piper-Fantasy von den Programmen anderer Verlage?

Zuallererst mal die Bücher. Wir machen andere Bücher als die Konkurrenz – sonst wäre es auch langweilig. Aber im Ernst: Unser Anspruch an Piper-Fantasy ist, für eine hohe Qualität in Inhalt und Ausstattung zu stehen. Wir sind keine Buchmaschine. Neben internationalen Bestsellern wollen wir gerade auch einheimischen Autoren eine Chance geben, eine breite Leserschaft zu finden. Und neben den „großen“ Autoren finden sich auch immer auch wieder besondere Entdeckungen, die es aufgrund ihrer Originalität und ihrer Klasse verdient haben, im Programm eines größeren Publikumsverlags zu stehen. Denn gerade diese Schriftsteller bereichern das Genre und bringen es voran.

Porträt von Carsten Polzin

Carsten Polzin, Programmleiter von Piper-Fantasy
Foto: Anke Gröger

Als Sie 2005 Programmleiter der Fantasy-Sparte von Piper wurden, waren viele Weichen bereits gestellt, etwa Größen von Heyne zu Piper gewechselt. Welche wichtigen Akzente konnten Sie danach setzen?

Zum einen habe ich bereits 2004 bei Piper angefangen, um die übernommenen Heyne-Titel ins Piper-Fantasy-Programm zu überführen, also die Weichen noch selbst gestellt. Zum anderen war es nicht so, dass wir uns danach zurücklehnen und die vorbeirauschenden Züge beobachten konnten, im Gegenteil. Durch die ehemaligen Heyne-Titel hatten wir vor allem eine große Backlist, jedoch nur wenige Autoren bekommen. Also ging die Arbeit für Piper-Fantasy danach erst richtig los. Es war entscheidend, neue Autoren zu holen, das Programm zu einem eigenständigen, zukunftsfähigen Verlag zu machen, bei den Lesern zu etablieren und gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Eine keineswegs einfache, aber hochspannende Aufgabe. Die wichtigsten Akzente, die man als Programmleiter setzt, sind erfolgreiche Autoren. Und da freut es mich, dass die meisten unserer aktuellen Bestsellerautoren in den letzten fünf Jahren original bei Piper-Fantasy gestartet sind, so Michael Peinkofer, Richard Schwartz, A. Lee Martinez, Dan Wells, Alexey Pehov und viele andere.

Bei einem großen Teil der Fantasy-Romane handelt es sich um dicke Wälzer. Wie schaffen Sie da den hohen Anteil von 400-Seiten-Büchern in Ihrem Programm?

Der Eindruck täuscht. Wir haben von 300-1600 Seiten alles im Programm. Es liegt ja nicht am Verlag, wie lang das Buch ist, sondern am Roman. Wenn ein Autor eine bestimmte Story im Kopf hat und fragt, wieviele Seiten er schreiben soll, antworte ich: soviel, wie der Plot braucht. Unnötig in die Länge gezogene Bücher verärgern den Leser ebenso wie unfertig wirkende, zu kurze Romane, die die Geschichte nicht rund erzählen. Bei uns gibt es keine Kürzungen und auch keine Teilungen, bis auf eine Ausnahme wie Robert Jordan, bei dem dies das Taschenbuchformat seit Beginn der Serie vorgibt und wir deshalb auch die ungeteilten Broschurbände veröffentlichen, um den Fans den vollständigen Genuss auf einen Schlag zu bieten.

Welche Bedeutung messen Sie E-Books für das Fantasy-Genre bei?

Eine sehr hohe. Fantasy ist eines der Genres, in dem E-Books bislang am besten funktionieren und die höchsten Wachstumsraten haben, auch bei Piper-Fantasy. Also legen wir besonderen Wert darauf, besondere Angebote für und Aktionen zu E-Books zu machen. Gerade bereiten wir wieder ein sehr spannendes E-Book-Projekt vor, das voraussichtlich im Dezember starten wird (Es handelt sich um E-Books zu den Albae von Markus Heitz).

Piper hat mit IVI ein neues All-Age-Label geschaffen. Ist es ein Trend, Programme auf Zielgruppen zuzuschneiden und nicht mehr nach Genres zu ordnen?

Es gibt ja seit jeher Erwachsenen-, Jugend- und Kinderbuchverlage, die sich statt bestimmten Genres allgemeinen Altergruppen verschreiben. Bei IVI tun wir aber beides: Wir wenden uns an eine Zielgruppe ab etwa 16 Jahren. Und wir haben den Fokus auf bestimmte Genres, nämlich Fantasy/Phantastisches und Thriller.

Wie wollen Sie das Fantasy-Programm weiterentwickeln, wird es etwa neben den Romanen von Alexey Pehov mehr russische Fantasy bei Piper geben?

Russische Fantasy ist als solches ein schwieriges Etikett. Sergej Lukianenko, Dmitry Glukhovsky und Alexey Pehov sind russische Fantasy, aber unterscheiden sich inhaltlich so deutlich, dass man kaum eine gemeinsame Zielgruppe für sie ausmachen kann, nur weil sie gleicher Herkunft sind. Wir werden natürlich auch weiterhin Romane russischer Autoren machen, wenn sie uns inhaltlich überzeugen. Das ist das entscheidende Kriterium – auch für die sonstige Weiterentwicklung des Programms.

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