Piper-Fantasy im Frühjahr 2013: Von Orks, Giganten und Chroniken dunkler Götter

Der Oktober wird ein wenig Piper-lastig, doch so ist es nun einmal, wenn ein Jubiläum gefeiert und kurz danach das nächste Frühjahrsprogramm verkündet wird. Zu den alten Bekannten bei Piper-Fantasy im Frühjahr 2013 zählen die beiden Orks Balbok und Rammar, die Michael Peinkofer Mitte März „Die Herrschaft der Orks“ antreten lässt. Mitte April erscheinen dann zwei Werke, die erst den Auftakt zu neuen Geschichten bilden. Von Erin Bowman stammt die Trilogie „Das Laicos-Projekt“, die mit „Taken“ ihren Anfang nimmt. Es geht um ein Dorf, in dem junge Männer Opfer des „Raubs“ werden – bis sich schließlich einer diesem Schicksal zu widersetzen versucht.

Im Schatten der Giganten und Dunklen Götter

Einen Helden, dessen Name an Mafiosi erinnert, bringt David Tellerman in die Regale deutscher Leser. Easie Damasco ist ein wendiger Schurke, der jedoch eines Tages seine ganzen Fähigkeiten benötigt um den Tod zu entrinnen. Denn er hat ausgerechtnet den Kriegsherren Moaradrid bestohlen, der zur Jagd auf Easie bläst. „Im Schatten der Giganten“ (Giant Thief) erzählt, wie der Gangster mit einem Giganten im Gepäck zu entkommen versucht.

Eine völlig andere Geschichte steckt hinter „Das Erwachen“, Band 1 der „Dunklen Götter“. Dem texanischen Apotheker Michael G. Manning gelang, wovon viele Autoren nur träumen können: Er hatte mit seinen selbst veröffentlichten E-Books Erfolg. Seine Mageborn-Romane verkauften sich bei Amazon so gut, dass auch Verlage auf ihn aufmerksam wurden. Inzwischen sind drei Romane von ihm veröffentlicht, fünf soll die Reihe um die „Dunklen Götter“ einmal umfassen. In Band 1 werden erst einmal der junge Mort, Sohn eines Schmiedes, und seine Welt vorgestellt. Ab Mitte Mai in deutscher Sprache. Ebenfalls im Mai erscheint der dritte Teil der „Chroniken von Hara“. Der Russe Alexey Pehov lässt auf „Wind“ und „Blitz“ schließlich „Donner“ folgen.

A. Lee Martinez fällt unter Golems

Im Frühjahr 2013 erscheinen auch neue Taschenbücher bei Piper-Fantasy. Zwei Titel stehen bereits fest: Mitte April kommt „Unter Golems“ von Elaine Corvidae heraus. In ihrem Roman macht sich die Zauberin Verbena auf, ihren entführten Kollegen zu suchen, der zusammen mit ihrem gemeinsam entwickelten Kriegsgolem verschwunden ist. Der zweite Titel erscheint Mitte Mai. A. Lee Martinez, der Autor mit Humor, erzählt in „Der Mond ist nicht genug“ die Geschichte von Diana, die in einer Wohnung mit einem schrecklichen Wandschrank lebt. Sollte sie ihn jemals öffnen, wird sie vom darin lebenden Monster gefressen. Na dann, guten Appetit!

Zehn Jahre Piper-Fantasy – ein Interview mit Programmleiter Carsten Polzin

Vor zehn Jahren kam im Herbst das erste Programm von Piper-Fantasy heraus. Seitdem hat sich der Verlag zu einer festen Größe in der deutschen Fantasy entwickelt. Ein Interview mit Carsten Polzin, seit 2005 Programmleiter von Piper-Fantasy, zur Entwicklung des Programms, der richtigen Länge einer Geschichte und der Bedeutung von E-Books für das Fantasy-Genre.

Herr Polzin, was unterscheidet Piper-Fantasy von den Programmen anderer Verlage?

Zuallererst mal die Bücher. Wir machen andere Bücher als die Konkurrenz – sonst wäre es auch langweilig. Aber im Ernst: Unser Anspruch an Piper-Fantasy ist, für eine hohe Qualität in Inhalt und Ausstattung zu stehen. Wir sind keine Buchmaschine. Neben internationalen Bestsellern wollen wir gerade auch einheimischen Autoren eine Chance geben, eine breite Leserschaft zu finden. Und neben den „großen“ Autoren finden sich auch immer auch wieder besondere Entdeckungen, die es aufgrund ihrer Originalität und ihrer Klasse verdient haben, im Programm eines größeren Publikumsverlags zu stehen. Denn gerade diese Schriftsteller bereichern das Genre und bringen es voran.

Porträt von Carsten Polzin

Carsten Polzin, Programmleiter von Piper-Fantasy
Foto: Anke Gröger

Als Sie 2005 Programmleiter der Fantasy-Sparte von Piper wurden, waren viele Weichen bereits gestellt, etwa Größen von Heyne zu Piper gewechselt. Welche wichtigen Akzente konnten Sie danach setzen?

Zum einen habe ich bereits 2004 bei Piper angefangen, um die übernommenen Heyne-Titel ins Piper-Fantasy-Programm zu überführen, also die Weichen noch selbst gestellt. Zum anderen war es nicht so, dass wir uns danach zurücklehnen und die vorbeirauschenden Züge beobachten konnten, im Gegenteil. Durch die ehemaligen Heyne-Titel hatten wir vor allem eine große Backlist, jedoch nur wenige Autoren bekommen. Also ging die Arbeit für Piper-Fantasy danach erst richtig los. Es war entscheidend, neue Autoren zu holen, das Programm zu einem eigenständigen, zukunftsfähigen Verlag zu machen, bei den Lesern zu etablieren und gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Eine keineswegs einfache, aber hochspannende Aufgabe. Die wichtigsten Akzente, die man als Programmleiter setzt, sind erfolgreiche Autoren. Und da freut es mich, dass die meisten unserer aktuellen Bestsellerautoren in den letzten fünf Jahren original bei Piper-Fantasy gestartet sind, so Michael Peinkofer, Richard Schwartz, A. Lee Martinez, Dan Wells, Alexey Pehov und viele andere.

Bei einem großen Teil der Fantasy-Romane handelt es sich um dicke Wälzer. Wie schaffen Sie da den hohen Anteil von 400-Seiten-Büchern in Ihrem Programm?

Der Eindruck täuscht. Wir haben von 300-1600 Seiten alles im Programm. Es liegt ja nicht am Verlag, wie lang das Buch ist, sondern am Roman. Wenn ein Autor eine bestimmte Story im Kopf hat und fragt, wieviele Seiten er schreiben soll, antworte ich: soviel, wie der Plot braucht. Unnötig in die Länge gezogene Bücher verärgern den Leser ebenso wie unfertig wirkende, zu kurze Romane, die die Geschichte nicht rund erzählen. Bei uns gibt es keine Kürzungen und auch keine Teilungen, bis auf eine Ausnahme wie Robert Jordan, bei dem dies das Taschenbuchformat seit Beginn der Serie vorgibt und wir deshalb auch die ungeteilten Broschurbände veröffentlichen, um den Fans den vollständigen Genuss auf einen Schlag zu bieten.

Welche Bedeutung messen Sie E-Books für das Fantasy-Genre bei?

Eine sehr hohe. Fantasy ist eines der Genres, in dem E-Books bislang am besten funktionieren und die höchsten Wachstumsraten haben, auch bei Piper-Fantasy. Also legen wir besonderen Wert darauf, besondere Angebote für und Aktionen zu E-Books zu machen. Gerade bereiten wir wieder ein sehr spannendes E-Book-Projekt vor, das voraussichtlich im Dezember starten wird (Es handelt sich um E-Books zu den Albae von Markus Heitz).

Piper hat mit IVI ein neues All-Age-Label geschaffen. Ist es ein Trend, Programme auf Zielgruppen zuzuschneiden und nicht mehr nach Genres zu ordnen?

Es gibt ja seit jeher Erwachsenen-, Jugend- und Kinderbuchverlage, die sich statt bestimmten Genres allgemeinen Altergruppen verschreiben. Bei IVI tun wir aber beides: Wir wenden uns an eine Zielgruppe ab etwa 16 Jahren. Und wir haben den Fokus auf bestimmte Genres, nämlich Fantasy/Phantastisches und Thriller.

Wie wollen Sie das Fantasy-Programm weiterentwickeln, wird es etwa neben den Romanen von Alexey Pehov mehr russische Fantasy bei Piper geben?

Russische Fantasy ist als solches ein schwieriges Etikett. Sergej Lukianenko, Dmitry Glukhovsky und Alexey Pehov sind russische Fantasy, aber unterscheiden sich inhaltlich so deutlich, dass man kaum eine gemeinsame Zielgruppe für sie ausmachen kann, nur weil sie gleicher Herkunft sind. Wir werden natürlich auch weiterhin Romane russischer Autoren machen, wenn sie uns inhaltlich überzeugen. Das ist das entscheidende Kriterium – auch für die sonstige Weiterentwicklung des Programms.

Glenda Larke: Der Bund der Illusionisten 1 – Flüsternder Sand

Cover von Der Bund der Illusionisten 1

Glenda Larke: Der Bund der Illusionisten 1 – Flüsternder Sand

Ligea gehört als einzige Frau der mächtigen Bruderschaft des Imperiums Tyr an. General Gayed hatte sie als kleines Mädchen bei der Eroberung Kardiastans gerettet und anschließend adoptiert. Dank ihrer Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen zu lesen, hat sie es als Spionin weit gebracht. Doch ihre Weltvorstellung gerät ins Wanken, als der Exaltarch Ligea in ihr Geburtsland schickt. Dort trifft sie nicht nur auf den Bund der Illusionisten, sondern auch auf magische Wunder wie flüsternden Sand. Schon bald ist sie innerlich zerrissen zwischen der Treue zum Reich, in dem sie aufgewachsen ist, und der Liebe zum Land ihrer Vorfahren.

Glenda Larke erschuf den Bund der Illusionisten

Die australische Fantasy-Autorin Glenda Larke hat ihre Geschichte um den Bund der Illusionisten den Kindern gewidmet, deren Eltern während der Militärdiktatur in Argentinien verschwanden sowie den jungen Aborigines, die vom australischen Staat ihren Eltern entrissen wurden. Larkes Ligea ist so entwurzeltes Kind, das in eine fremde Kultur gepresst wurde. Das Imperium von Tyr ist dem Römischen Reich nachempfunden. So gibt es eine klare Rechtskultur, öffentliche Bäder und Bibliotheken. Legionen stellen die öffentliche Sicherheit her, wenn es notwendig ist. Doch vor allem eine Instituiton, die es auch bei den Römern gab, spielt in Tyrans und in „Flüsternder Sand“ eine wichtige Rolle: die Sklaverei. Erst in Kardiastan erkennt Ligea, was es bedeutet ein Sklave zu sein. Denn die Bewohner ihres Geburtslandes haben sich nicht unterworfen und wehren sich gegen die Institution und gegen ihre Besatzer, die die Kultur der Karden unterdrücken wollen.

Flüsternder Sand in der Illusion

In Kardiastan lernt Ligea nicht nur mehr über ihre Wurzeln, sondern auch über ihre magischen Fähigkeiten. Auch gelangt sie durch den „Flüsternden Sand“ in die Illusion. Das Magiesystem wird bei Glenda Larke eher oberflächlich gehalten. Die Magie spielt zwar eine wichtige Rolle, doch löst sie nicht die Probleme der Menschen. Auch ist ihrer Macht Grenzen gesetzt, sodass die Illusionisten zwar mächtig, aber nicht übermenschlich sind.

„Der Bund der Illusionisten 1 – Flüsternder Sand“ von Glenda Larke ist eine als Fantasy-Erzählung verpackte Imperialismuskritik. Wie schon in der Vorgänger-Trilogie „Die Inseln des Ruhms“  setzt sich Larke mit den Themen Unterdrückung von Kulturen durch andere auseinander. Auch die Unterdrückung von Frauen spielt erneut eine wichtige Rolle (Parallelen gibt es zudem bei den Vaterfiguren der Protagonistinnen). Zu den großen Stärken von Glenda Larke zählt es dabei, die inneren Konflikte ihrer Heldin darzustellen. Da Larke eine Ich-Erzählerin gewählt hat, bleibt man als Leser dicht an Ligea und erfährt ihre Gedanken, sieht die anderen Figuren aber nur aus ihrer Perspektive.

Große Schlachten sucht man in „Flüsternder Sand“ vergeblich, auch kann die Schilderung der Kämpfe nicht mit denen vieler Kollegen Larkes mithalten. Die von ihr entworfene Welt beschreibt sie gut und lebendig, ohne bis ins letzte Detail der Geschichte, Politik, Religion und Alltagskultur zu gehen. Einige Erzählstränge bringt Larke bereits im ersten Band des „Bundes der Illusionisten“ zum Abschluss, doch mit ihrer Erzählung ist sie noch nicht am Ende. Die Wartezeit bis zum zweiten Teil ist nicht sehr lang: Bereits im Februar 2013 erscheint „Der Bund der Illusionisten 2 – Trügerisches Licht“ (The Shadow of Tyr).

„Der Bund der Illusionisten 1 – Flüsternder Sand“ von Glenda Larke ist bei Blanvalet erschienen. Die Taschenbuchausgabe hat 608 Seiten und kostet 9,99 Euro. Die Übersetzung stammt von Susanne Gerold.

Nichts Neues beim Deutschen Phantastik Preis: Die Gewinner 2012

Ohne Überraschungen blieb die Verleihung des Deutschen Phantastik Preises 2012: Markus Heitz hat seine zehnte Auszeichnung gewonnen und ist weiterhin Rekordsieger beim Publikumspreis. Wahrscheinlich würde er auch mit der Veröffentlichung eines Telefonbuchs gewinnen, so treu sind ihm seine zahlreichen Fans ergeben. Fans hinterfragen nicht, sie stimmen einfach jedes Mal für den selben. 2012 gewann Heitz übrigens mit „Vernichtender Hass“, zweiter Teil der „Legenden der Albae“. Kai Meyer blieb erneut nur der zweite Platz. Dritter wurde Andreas Eschbach mit „Herr aller Dinge“.

Die Furcht der Weisen gewinnt beim DPP 2012

Der beste internationale Phantastik-Roman kommt nach Meinung der Abstimmenden aus Wisconsin. Patrick Rothfuss gewinnt nach „Der Name des Windes“ auch mit „Die Furcht des Weisen“. Da zahlt es sich für ihn und seinen deutschen Verlag Klett-Cotta aus, dass „The Wise Man’s Fear“ nicht nur aus zwei deutschen Bänden besteht, sondern der zweite auch erst nach dem Jahreswechsel erschien – für 2013 ist Rothfuss also erneut gesetzt. Der würdige Sieger verwies in diesem Jahr übrigens Ransom Riggs (Die Insel der besonders Kinder) und Brandon Sanderson (Der Weg der Könige) auf die Plätze.

Beste Serie bleibt „Perry Rhodan“, „Justifiers“ konnte den Dauersieger nicht verdrängen, auch nicht Richard Schwartz mit seinen Götterkriegen. Bei der besten Internetseite setzte die Bibliotheka Phantastika ihre Serie fort – als ewiger Zweiter. Der Sieger hieß dieses Mal Phantastik-Couch. Das beste Sekundärwerk wurde „Nautilus“ vor „phantastisch!“ und „Magira“.

Die Gewinner beim Deutschen Phantastik Preis 2012

Der Goldman-Verlag durfte mit Kerstin Pflieger jubeln: Die 32 Jahre alte Schriftstellerin gewann den Preis für das beste Debüt mit „Die Alchemie der Unsterblichkeit“, einer im Schwarzwald des 18. Jahrhunderts angesiedelten Horrorgeschichte. Dahinter folgten Thomas Elbel sowie das Autoren-Duo Andreas Gross und Hans-Peter Schultes.

Die weiteren Gewinner im Überblick:

  • Beste Kurzgeschichte: Nina Horvath, „Die Duftorgel“
  • Beste Original Anthologie: Erik Schreiber, Geheimnisvolle Geschichten 2 – Steampunk
  • Bester Grafiker: Dirk Schulz