Ein Tanz mit Drachen – Das Lied von Eis und Feuer 10 von George R.R. Martin

Cover von Ein Tanz mit Drachen

George R.R. Martin: Ein Tanz mit Drachen, Das Lied von Eis und Feuer 10

„Ein Tanz mit Drachen“ ist die Übersetzung des Originaltitels von Band 5 des Liedes von Eis und Feuer von George R.R. Martin. Da auf einen Originalband zwei deutsche kommen, erhielt die erste Hälfte „Der Sohn des Greifen“ als Titel. Nun ist auch die zweite Hälfte erschienen, und die gute Nachricht ist: Die Handlung nimmt vor allem gegen Ende an Fahrt auf. Das gilt sowohl für die Ereignisse im Norden – hier verteidigen die Boltons, deren Wappen das Buchcover ziert, Winterfell gegen den durch den einsetzenden Winter vorrückenden Stannis. Das gilt aber auch für Königsmund, wo Cersei und ihr Onkel Kevan die Herrschaft der Lennisters gegen den Hohen Septon und die Tyrells verteidigen wollen.

Das Lied von Eis und Feuer 10 – der Tanz mit Drachen währt kurz

Doch Martin bleibt in „Ein Tanz mit Drachen“ ein großes Problem erhalten: Wer bereit ist, Charaktere zu opfern, die die Leser liebgewonnen haben, dem fällt es schwer, diese Lücke zu stopfen und neue Identifikationsfiguren zu erschaffen. Martin versucht es, indem er in Band 10 auch Arya Stark und Jaime Lennister zu kurzen Auftritten verhilft. Ihre Handlungsfäden aufzugreifen wirkt jedoch bemüht und lenkt nur von den großen Strängen ab, die am Ende dann sogar zu kurz kommen, ob gewollt oder ungewollt. Denn auch wenn das Buch „Ein Tanz mit Drachen“ heißt, bleibt dieser Tanz kurz und der ganz große Kraftakt zwischen Daenerys und ihren drei Drachen Drogon, Viserion und Rhaegal wird aufgeschoben. Wenigstens könnte die Königin jenseits der Meere nun doch noch eine Flotte bekommen, die sie endlich nach Westeros bringt.

Fernsehen first?

Sprachlich fällt bei George R.R. Martin auf, dass er sich beim Schreiben wohl bereits sehr mit der Verfilmung beschäftigt hat. Die HBO-Verfilmung ist sicherlich gelungen und liebevoll gemacht, erinnert mit den auf Schockeffekte setzenden Gewalt- und Sexszenen jedoch zuweilen auch an unrühmliche HBO-Projekte wie „Rom“. Dazu wimmelt es von deftigen Kraftausdrücken – der Witz eines Tyrion geht da ziemlich unter. Bei allem Lob dafür, nicht auf eine gekünstelte Hochsprache zu setzen, muss es dennoch nicht so derb werden. Vielleicht besinnt sich Martin, dessen Epos die Fantasy der vergangenen Jahre geprägt hat, für die abschließenden Bände des Liedes von Eis und Feuer ja wieder mehr auf seine alten Stärken. Zu viel Zeit kann er sich mit dem nächsten Buch nicht lassen. Bleibt die Fernsehserie so erfolgreich, wird bereits 2015 der sechste Originalband als Vorlage benötigt. Also, George R.R. Martin: Schreib schnell!

„Ein Tanz mit Drachen“, Das Lied von Eis und Feuer 10 ist bei Penhaligon erschienen. George R.R. Martins Werk wurde erneut von Andreas Helweg übersetzt und hat in der Klappenbroschurausgabe 800 Seiten, von denen die letzten hundert jedoch den Anhang ausmachen. Der Preis liegt bei 16 Euro.